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MV Agusta F4 750/1000 und Brutale 750/910 gebraucht kaufen Billiger wird’s nie wieder

Hören Sie bitte damit auf, sich irgendwelche fadenscheinigen Vernunftgründe zurechtzulegen, um irgendwann eine MV kaufen zu können. Die Teile sind feinste Genussmittel, dafür braucht man keine Argumente. Und sie sind momentan unverschämt günstig.

Es ist verlockend, eine Geschichte über eine italienische Design-Ikone ausgerechnet mit einem Zitat des legendären US-Schwermetall-Designers Willie G. Davidson zu beginnen. Und es ist sehr passend: „Wenn du mit einem Bier in der Hand in die Garage gehst, um dein Motorrad einfach nur zu betrachten, dann muss es dich begeistern.“

So sehr sich MV Agusta und Harley-Davidson auch auf der Straße unterscheiden mögen, wenn es darum geht, nicht nur das Hirn, sondern auch Bauch und Herz anzusprechen, spielen beide in der gleichen Liga. Vermutlich ist es kein Zufall, dass beide Unternehmen, wenn auch nur kurzzeitig, mal wirtschaftlich eng miteinander verbunden waren.

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Der Kauf einer MV Agusta war noch nie so günstig

Denjenigen, die als große Durchblicker immer wieder darauf verweisen, dass eine MV Agusta F4 S in Vergleichstests gegen die Suzuki GSX-R 750 nie einen Blumentopf gewinnen konnte, wird sich die MV-Welt nie erschließen. Und wer immer wieder betont, dass eine Yamaha R1 der 1000er-F4 in Sachen Fahrbarkeit haushoch überlegen ist, hat es auch nicht kapiert. Und vermutlich noch nie eine MV in freier Wildbahn gehört oder ihr in der Garage lüstern die mit praktischen Schnellverschlüssen montierten Verkleidungsteile vom Leib gerissen. Muss ja auch nicht sein, es gibt schließlich viele gute Gründe, sich lieber ordentliche japanische Standardware oder etwas nettes Technokratisches aus deutscher Produktion ins Sportler-Haus zu holen.

Es gibt aber eben auch Menschen, denen es völlig egal ist, wie viel Sprit ihr Motorrad verbraucht und ob eine Sitzposition auch noch nach zwei oder drei Stunden bequem ist. Einige von diesen Menschen träumen schon ihr Motorradfahrer-Leben lang davon, sich eine MV Agusta zu gönnen. Und sie haben sich bislang nicht getraut – meist aus zwei Gründen. Erstens: Die Schätzchen waren für Normalverdiener einfach unbezahlbar. Mit der F4-Präsentation auf der Mailänder Messe 1997 begann die MV-Neuzeit, und die Oro getaufte edle Erstauflage kostete über 50.000 Mark. Rund 33.000 Mark für die ab 2000 endlich verfügbare F4 in der volkstümlicheren S-Version waren immer noch eine Menge Holz – Japo-Hobel kosteten damals rund zwölf Mille weniger. Doch das Preisargument zählt heute nicht mehr. Der Kauf einer vierzylindrigen MV Agusta war noch nie so günstig – und wird es vermutlich auch nie wieder sein.

Der zweite Grund, der manchen MV-Fan bislang davon abhielt, seinen Traum in die Wirklichkeit umzusetzen, lautete „mangelnde Zuverlässigkeit“. Zugegeben: Gleich zwei kapitale Motorschäden im Rahmen von MOTORRAD-Geschichten – einmal bei der Dauertest-F4 1000 S, ein zweites Mal im Rahmen eines Vergleichstests bei der F4 1000 R – schufen nicht unbedingt Vertrauen, aber mittlerweile sind sieben Jahre ins Land gegangen, und zum Thema MV-Zuverlässigkeit kann man heute ein klares „Ja, aber“-Urteil fällen. Ja, es waren keine absoluten Einzelfälle. Aber: Von einer Häufung oder gar von einem grundsätzlichen Konstruktionsproblem kann auch keine Rede sein. Probleme konnte es immer dann geben, wenn dem Vierzylinder auf längere Zeit sehr hohe Drehzahlen zugemutet wurden. Wer also mit dem Gedanken spielt, sich fürs verschärfte Renntraining ausgerechnet eine gut abgehangene F4 an Land zu ziehen, sollte diesen Gedanken lieber ganz schnell beerdigen.

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Zuverlässige Partnerin bei artgerechter Haltung

Bei artgerechter Haltung, und damit ist das engagierte Angasen auf möglichst kurviger Landstraße gemeint, ist eine MV Agusta eine durchaus zuverlässige Partnerin.Sie dürfen also getrost zuschlagen. Los, erfüllen Sie sich endlich Ihren Traum! Welchen genau, müssen Sie mit sich ganz allein ausmachen, jede der vier hier behandelten Spielarten hat ihren ganz besonderen Reiz. Für Puristen und die Ich-stelle-sie-mir-sowieso-ins-Wohnzimmer-Fraktion kommt eigentlich nur die MV Agusta F4 S als 750er in Frage. Wer die 750er auch häufiger bewegen möchte, greift zur 137 PS starken dritten Ausbaustufe der 750er-F4. Wer Spaß an feinster Fahrwerkstechnik hat und sich nicht scheut, Stunden damit zu verbringen, eine ganz persönliche Feinabstimmung auszutüfteln, ist mit der MV Agusta F4 als 1000er hervorragend bedient. Kompromissloser geht es kaum. Wer deutlich bequemer untergebracht sein möchte, greift zur wesentlich menschenfreundlicheren Brutale. Die 750er ist dann die erste Wahl, wenn es wirklich nur darum geht, möglichst günstig an eine MV zu kommen. Alle anderen Brutale-Interessenten kaufen lieber die 910 S. Die ist deutlich kräftiger und viel leichter fahrbar.

Foto: Künstle
Nur die kleinen Ziffern an Spiegeln und Heck verraten es: Das ist eine 1000er.
Nur die kleinen Ziffern an Spiegeln und Heck verraten es: Das ist eine 1000er.

Besichtigung

Drei Fragen sollte der Gebrauchtkaufinteressent klären: Ist das Objekt der Begierde eine MV Agusta F4 1000 und häufiger über längere Distanzen unter Volllast und mit hohen Drehzahlen bewegt worden – Stichwort Autobahn-Bolzerei oder Rennstrecken-Training? Wenn nicht, ist wahrscheinlich alles im grünen Bereich. Wenn doch, vielleicht erst einmal woanders umschauen, denn unter extremen Bedingungen kann es Probleme durch das Abreißen des Schmierfilms der ­Pleuellagerschalen und entsprechende Folge- und Spätschäden geben.

Nächste Frage, gültig für alle Modelle: Weiß der Vorbesitzer, dass die Exzenter-Klemmung an der Einarmschwinge mit maximal 28 Nm festgezogen werden darf – und hat er sich auch immer daran gehalten? Falls nämlich – gut gemeint – viel zu  stark angezogen worden ist, dürften die Aufnahme oval und das Nadellager geschädigt sein. Ersatz gibt’s nur komplett, allein der Teilepreis liegt bei rund 500 Euro. Letzte Frage, speziell an MV Agusta F4 750er-Eigner: Ist ein Vorderradreifen mit 60er- oder 65er-Querschnitt montiert? Wenn ja, ist alles okay. Wenn allerdings der (für die 1000er freigegebene) 70er-Querschnitt drauf ist, kann es bei Voll­bremsungen ungewollten Kontakt zu Kühler oder Verkleidung geben.

Technische Daten (Typ F4 750 S, Modelljahr 2002)

Motor
Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Nasssumpfschmierung, elektronische Saugrohreinspritzung, hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette.

Bohrung x Hub: 73,8 x 43,8 mm
Hubraum: 749 cm³
Nennleistung: 101 kW (137 PS) bei 12.650/min
Max. Drehmoment: 80 Nm bei 10.500/min

Fahrwerk
Gitterrohrrahmen aus Stahl, Upside-down-Gabel, Einarmschwinge aus Aluguss, Zentralfederbein mit Hebelsystem, vorn und hinten verstellbare Federbasis sowie Zug- und Druckstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Scheibenbremse hinten.

Alu-Gussräder: 3.50 x 17; 6.00 x 17
Reifen: 120/65 ZR 17; 190/50 ZR 17

MAßE + Gewichte
Radstand 1412 mm, Lenkkopfwinkel 66,5 Grad, Nachlauf 104 mm, Federweg v/h 118/120 mm, Sitzhöhe* 820 mm, Gewicht vollgetankt* 219 kg, Tankinhalt 20 Liter.

Messungen
(MOTORRAD 24/2001)
Höchstgeschwindigkeit: 274 km/h
Beschleunigung 0–100 km/h: 3,1 sek
Durchzug
60-140 km/h: 10,7 sek
Verbrauch: 6,3 l/100 km (Landstraße)

*MOTORRAD-Messungen

Test in MOTORRAD

F4 750: 10/1999 (FB), 15/1999 (T), 25/1999 (VT), 3/2000 (VT), 8/2000 (VT), 12/2000 (VT), 10/2001 (VT), 24/2001 (TT), 26/2001 (VT), 23/2002 (VT), 21/2003 (VT) ; F4 1000: 11/2004 (FB), 13/2004 (TT), 17/2004 (FB), 6+7/2005 (VT), 11/2005 (VT), 24/2005 (LT), 5/2006 (VT), 12/2006 (FB), 20/2006 (FB), 7/2007 (VT), 11/2007 (VT), 12/2007 (VT).

FB = Fahrbericht, T =  Test, TT = Top-Test, VT = Vergleichstest, LT = Langstreckentest;  Nachbestellungen unter Tel. 07 11/32 06 88 99, www.motorradonline.de/downloads

Foto: Gargolov
Die Brutale 910 S machte der etwas spitzen 750er-Leistungsabgabe ein Ende.
Die Brutale 910 S machte der etwas spitzen 750er-Leistungsabgabe ein Ende.

Technische Daten (Typ Brutale S, Modelljahr 2003)

Motor
Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, zwei obenliegende, ketten­getriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Nasssumpfschmierung, elektronische Saugrohreinspritzung, hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette.

Bohrung x Hub: 73,8 x 43,8 mm
Hubraum: 749 cm³
Nennleistung: 93,4 kW (127 PS) bei 12.500/min
Max. Drehmoment: 77 Nm bei 10.500/min

Fahrwerk
Gitterrohrrahmen aus Stahl, Upside-down-Gabel, Einarmschwinge aus Aluguss, Zentralfederbein mit Hebelsystem, vorn und hinten verstellbare Federbasis sowie Zug- und Druckstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Scheibenbremse hinten.

Alu-Gussräder: 3.50 x 17; 6.00 x 17
Reifen: 120/65 ZR 17; 190/50 ZR 17

MAßE + Gewichte
Radstand 1414 mm, Lenkkopfwinkel 66 Grad, Nachlauf 102 mm, Federweg v/h 118/120 mm, Sitzhöhe* 815 mm, Gewicht vollgetankt* 212 kg, Tankinhalt 19 Liter.

Messungen
(MOTORRAD 18/2003)
Höchstgeschwindigkeit** : 251 km/h
Beschleunigung 0–100 km/h: 3,2 sek
Durchzug
60–140 km/h: 9,5 sek
Verbrauch: 8,6 l/100 km (Landstraße)

*MOTORRAD-Messungen, **Herstellerangaben

Foto: Gargolov
Die Brutale 910 S machte der etwas spitzen 750er-Leistungsabgabe ein Ende.
Die Brutale 910 S machte der etwas spitzen 750er-Leistungsabgabe ein Ende.

Marksituation

Die Brutale macht das Gros des Angebots aus. Für die nackte 750er ist man mit etwas Glück bereits mit knapp 5000 Euro dabei; eine vergleichbare Einstiegs-910er kostet rund 1000 Euro mehr.   Top gepflegte Ersthand-schätzchen liegen als 750er meist um 6000 Euro, als 910er bei knapp 7000 Euro. Bei der verkleideten MV sieht die Sache eher umgekehrt aus: Ordentliche 1000er mit unter 20.000 Kilometern Laufleistung gibt es schon für unter 7000 Euro; die 750er-F4 kostet mindestens 7500 Euro, meist sogar deutlich über acht Mille.

Hauptgrund für diese etwas ungewöhnliche Konstellation dürfte sein, dass viele 750er ihr bisheriges Leben oft als Sammlerstücke mit entsprechend geringer Laufleistung verbracht haben, die 1000er dagegen weitaus häufiger als normales Sportgerät genutzt wurde. Hinzu kommt, dass die 750er aus Sicht mancher MV-Gourmets einiges etwas besser kann – die Stichworte lauten Handlichkeit und Sound – und natürlich vom Nimbus des Urmodells zehrt. Die Preis-Obergrenze für die Standard-F4 liegt bei rund 10.000 Euro. F4-Sondermodelle werden naturgemäß gebraucht sehr selten angeboten, eine 1000er-Senna oder Ago kostet dann zwischen 15 und 20 Mille. Für die noch rarere F4 750 Oro werden 27.000 bis 30.000 Euro gezahlt. Egal ob MV Agusta F4 oder Brutale – der Pflegezustand gebrauchter MVs ist auch im fortgeschrittenen Alter immer überdurchschnittlich gut, ein gefülltes Checkheft die Regel.

Verfügbarkeit am Markt: niedrig

Preisniveau in EuroBaujahr              km-Stand
Niedrig 4500-59002003-200615 000-40 000
Mittel 6000-79002001-20088000-25 000
Hoch 8 000-10 000      2000-20084000-15 000
Typim ProgrammVerkäufe
F4 7502000-2004ca. 900
F4 10002005-2008ca. 1 300
Brutale 7502003-2005ca. 800
Brutale 9102005-2008ca. 750

Test in MOTORRAD

Brutale 750: 13/2001 (FB), 12/2003 (FB), 18/2003 (TT), 25/2005 (VT); Brutale 910: 12/2005 (FB), 14/2005 (VT), 14/2006 (T)

FB = Fahrbericht, T = Test, TT = Top-Test, VT = Vergleichstest; Nachbestellungen unter Tel. 07 11/32 06 88 99, www.motorradonline.de/downloads.

Modelle

Brutale 750 S Bauzeit 2003 bis 2005, Preis: 14 950 Euro; Farben: Rot, Schwarz, America; Sondermodell: Oro (weltweit auf 300 Stück limitiert).

Brutale 910 S/910 R Bauzeit 2005 bis 2008; Preise: 15 750/17 990 Euro, Farben: Rot, Schwarz, Orange, Rot/Schwarz; Sondermodelle: Wally, Hydrogen, Italia.

F4 750 S/S1+1 Bauzeit 2000 bis 2004; Preise: 16 800/16 900 Euro, Farben: Rot/Silber, Schwarz, America; Sondermodelle: Oro (weltweit auf 300 Stück limitiert), SPR, Senna.

F4 1000 S/S1+1/R/R312 Bauzeit 2005 bis 2008; Preise: 19 800/19 900/20 990/ 21 990 Euro, Farben: Rot/Silber, Schwarz, Silber/Blau; Sondermodelle: Tamburini, Ago (jeweils weltweit auf 300 Stück limitiert), Senna.

Leistungsvarianten Brutale 750: 127 PS; Brutale 910: 136 PS; F4 750 S: von 2000 bis 2001 mit 129 PS, ab Modelljahr 2002 mit 137 PS (verbesserte Brennraumgestaltung, geänderte Steuerzeiten und Kolben); F4 750 SPR und Senna: 140 PS, mit nicht zulassungsfähiger Auspuffanlage und speziellem Eprom 146 PS; F4 1000 S: 166 PS; F4 1000 R/Tamburini/Ago/Senna: 174 PS (geänderte Steuerzeiten, Ventile und Einlasskanäle); F4 1000 R312: ab 2007 mit 183 PS (Ventile, Drosselklappen und Ansaugkanäle geändert).

Internet

Fansites: www.mvagustaforum.de; www.mvagusta-online.de; mvbrutale.de

Gebrauchtangebote: http://markt.motorradonline.de/bike1544.htm

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