Reisemotorräder im Gebraucht-Check

Reisemaschinen bis 2500 Euro

Wer mit Sack und Pack auf große Tour gehen will, braucht einen entsprechenden Untersatz. Im Neuzustand nicht gerade billig, bietet der Gebrauchtmarkt bereits für 2500 Euro ein großes Angebot an Reisemaschinen.

Foto: Archiv
Suzuki DR 800 BIG
Suzuki DR 800 BIG
Das Hobby Motorradfahren bietet viele Facetten: Heizen auf der Rennstrecke, Austoben im Gelände, Cruisen auf der Showmeile oder eben Reisen – die vielleicht ursprünglichste Art. Und das Beste daran: Um Spaß zu haben, muss es nicht gleich die Panamericana, die Route 66, Nepal, Australien oder eine Tour durch Neuseeland sein. Motorradreisen, die vor der eigenen Haustüre beginnen, sind mindestens ebenso schön. Grundlage für diese Art Urlaub ist ein geeignetes Bike. Und das findet sich schon für weniger als 2500 Euro auf dem Gebrauchtmarkt. MOTORRAD hat einige interessante Modelle herausgepickt, mit denen die Tour bestimmt gelingt. Zu einem tauglichen Reisemotorrad gehören ein langlebiger, zuverlässiger Motor, reichlich Zuladung (um die 200 Kilogramm), um zwei Personen samt Gepäck unterbringen zu können, ausreichende Reichweite, damit nicht alle 150 Kilometer ein Tankstopp fällig wird, und eine für Fahrer und Mitfahrer auch auf Dauer komfortable Unterbringung. Viele Motorräder scheitern bereits an der Hürde Zuladung. Selbst auf "Dickschiffe" wie Honda CBR 1100 XX, Kawasaki ZZ-R 1100 oder Suzuki GSX-R 1300 Hayabusa darf man je nach Baujahr nicht einmal 180 Kilogramm draufpacken – das ist einfach zu wenig, wenn es vollbeladen mit zwei Personen plus Reiseutensilien auf Tour gehen soll. Wer sich also bei der Wahl des Gepäcks nicht auf Zahnbürste und Kreditkarte beschränken will, sollte vor dem Gebrauchtkauf unbedingt auch einen Blick in die Fahrzeugpapiere werfen, damit der Urlaub gelingt und nicht in der ersten Polizeikontrolle endet.
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BMW K 75 RT

Das erfolgreichste Modell aus der BMW-K 75-Baureihe trägt den Zusatz RT und wurde in Deutschland offiziell von 1991 bis 1996 angeboten. Erstaunlicherweise gab es das Modell in den USA und Spanien bereits knapp zwei Jahre früher. Markantestes Unterscheidungsmerkmal zur großen Schwester K 100 ist neben dem etwas kürzeren Zylinderblock, der nur drei statt vier Brennräume beinhaltet, der dreieckige Endschalldämpfer – die K 100 besitzt ein viereckiges Endrohr. Ein Großteil der RT-Modelle verrichtete zunächst als Behördenfahrzeug seinen Dienst. Polizei, Stauhelfer, Notärzte und Staatsdienst überzeugte vor allem die Zuverlässigkeit des handlichen Tourers. Viele dieser penibel gepflegten und gewarteten Fahrzeuge sind längst in privaten Besitz übergegangen – oft erkennbar an speziell geformten Koffern und einer Art Topcase anstatt des Soziussitzes. Motorseitig gibt es bis auf gelegentliche Ölundichtigkeiten – insbesondere in den Bereichen Öl-/Wasserpumpe und Zylinderkopfhaube – kaum Grund zur Klage. Selbst mit weit über 100000 Kilometer Laufleistung ist bei regelmäßiger Wartung noch lange kein Lebensende in Sicht. Selbstschrauber freuen sich außerdem über die gute Zugänglichkeit der Bauteile.

Für Wartungsfreundlichkeit sorgt auch der Kardan, der höchstens mal mit Undichtigkeiten am Übergang zwischen Schwinge und Antrieb auffällt. Ursache ist meist ein defekter Dichtring der Getriebeausgangswelle. Bei der Besichtigung lohnt also besonders die Suche nach verdächtigen Ölspuren, auch an der Telegabel. In den meisten Fällen genügt der Austausch alter, porös gewordener Dichtungen, und die Leckage hat ein Ende. Weitere Prüfpunkte: undichte Instrumente, verzogene Bremsscheiben, ausgelutschte Federbeine. Diese Mängel lassen sich abstellen – die charakteristischen Pfeifgeräusche, die der geradverzahnte Primärtrieb verursacht, hingegen nicht.


Plus
+ Windschutz sehr gut
+ Reichweite groß
+ Motor langlebig

Minus
- Motorgeräusch stark pfeifend
- Serienfahrwerk unkomfortabel
- Instrumente anfällig


Marktsituation
Noch immer sind rund 9000 K 75 in Deutschland unterwegs – etwa ein Drittel davon entfällt auf die RT-Modelle. Die günstigsten Angebote kosten unter 2000 Euro, bei Fahrleistungen um 100000 Kilometer. Zwischen 60000 und 80000 Kilometer liegen die meisten Offerten im Bereich von 2500 Euro – nahezu unabhängig vom Baujahr. Die Auswahl an gebrauchten RT ist recht groß – vergleichen lohnt auf jeden Fall. Pluspunkte sammeln Modelle mit reichhaltiger Tourer-Ausstattung wie ABS, Koffer, Tankrucksack und Heizgriffen.


Daten
Wassergekühlter Dreizylinder-Viertakt-Reihenmotor, 740 cm3, 55 kW (75 PS) bei 8500/min, Gewicht 266 kg, Zuladung 214 kg, Tankinhalt 22 Liter, Sitzhöhe 810 mm, Höchstgeschwindigkeit 174 km/h, Verbrauch 4,5 bis 7,3 l/100 km Super


Tests in MOTORRAD
25/1990 (T), 25/1992 (GK)

T=Test, GK=Gebrauchtkauf; Nachbestellungen unter Telefon 0711/182-1229


Internet
Fansites: www.flyingbrick.deGebrauchtangebote: https://www.1000ps.de/gebrauchte-motorraeder

Honda CB 750 Seven Fifty

Sie suchen ein gutmütiges, langlebiges und wartungsarmes Alltagsmotorrad, das Menschen zwischen 1,60 und zwei Meter einen bequemen Sitzplatz bietet? Dann dürfte die 1992 auf den Markt gekommene Seven Fifty genau das Richtige sein. Umso mehr, wenn Sie darüber hinaus noch auf klassisches, zeit- und schnörkelloses Design stehen. Dank hydraulischen Ventilspielausgleichs bestehen die Wartungsarbeiten aus Öl- und Filterwechsel, gelegentlichem Synchronisieren der anfälligen Vergaser sowie regelmäßiger Kontrolle von Sekundärantrieb, Lagern und Bremskomponenten. Zu den wenigen bekannten Mängeln der CB 750 gehören rubbelnde Bremsscheiben. Die lassen sich auf der Probefahrt am besten durch sanftes Bremsen bei niedrigen Geschwindigkeiten herausfinden. Ruckelt und zuckelt die Fuhre, dann sind neue – und sehr teure – Scheiben fällig. Laute Geräusche aus dem Getriebe beim Einlegen des ersten und zweiten Gangs sind hingegen kein Grund zur Besorgnis. Heulgeräusche schon – die deuten auf verschlissene Zahnradpaarungen hin. Bei Laufleistungen unter 50000 Kilometern ist damit allerdings selten zu rechnen. Verstopfte Luftfilter und damit verbundene Atemnot des Motors, der nur unwillig hochdreht, sind Programm. Grund ist der vom Hinterrad aufgewirbelte Schmutz. Abhilfe schafft ein im Innenschutzblech angebrachter Spritzlappen, den sich jeder Bastler leicht selbst schnitzen kann. An einen Austausch der zuweilen für das teigige Bremsgefühl verantwortlichen serienmäßigen Gummi- gegen Stahlflex-Bremsleitungen sollten sich nur Profis wagen. Für die ist auch das Schrauben am Vergaser kein Hexenwerk. Für die unterschiedlichen Leistungsvarianten (34, 50 oder 73 PS) genügt es, Ansaugstutzen, Hauptdüsen und Düsennadeln auszutauschen. Gut für alle, die gemeinsam mit ihrem Motorrad wachsen möchten.


Plus
+ Ventilspielausgleich automatisch, hydraulisch
+ Sitzposition angenehm für Fahrer und Beifahrer
+ (Ent-)Drosselung einfach

Minus
- Bremsscheiben neigen zum Rubbeln
- Luftfilter verschmutzt schnell
- Windschutz Fehlanzeige


Marktsituation
Mehr als 50000 Kilometer haben auch die günstigeren der vielen Gebrauchtofferten um 2000 Euro selten auf der Uhr. Seven Fifty sind in der Regel sehr gut gepflegt. Die meisten befinden sich im Originalzustand, gelegentlich werden mit Zubehör aufgepeppte Maschinen mit Koffersystem, Schutzbügeln, hin und wieder auch mit Verkleidungsscheibe oder Nachrüstschalldämpfern angeboten. Durch den riesigen Bestand von rund 17000 Maschinen in Deutschland finden Interessenten recht problemlos eine brauchbare Seven Fifty zu einem vernünftigen Preis.


Daten
Luftgekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, 747 cm3, 54 kW (73 PS) bei 8500/min, Gewicht 233 kg, Zuladung 192 kg, Tankinhalt/Reserve 20/3 Liter, Sitzhöhe 780 mm, Höchstgeschwindigkeit 196 km/h, Verbrauch 4,9 bis 9,8 l/100 km Normal


Tests in MOTORRAD
9/1992 (T), 11 /1992 (VT), 21/1995 (T), 4/2002 (VT), 11/2003 (GK)

T=Test, VT=Vergleichstest, GK=Gebrauchtkauf;
Nachbestellungen unter Telefon 0711/182-1229


Internet
Fansites: www.cb-sevenfifty.de
www.cb-sevenfifty.privat.t-online.de
Gebrauchtangebote: https://www.1000ps.de/gebrauchte-motorraeder

Suzuki DR 800 Big

Bigger is better, dachte sich Suzuki schon Ende der 1980er Jahre, als sie den bis dato größten Einzylinder in der DR 750 S verbauten. Doch es sollte noch gewaltiger gehen. 1990 erschien die DR Big 800 S. Ein echter Reise-Riese, nicht nur wegen der Sitzhöhe von 86 Zentimetern, die so manchen Möchtegern-Enduristen abschreckte. Eigentlich schade, denn einmal am Rollen, fährt sich die Big wunderbar handlich und zielgenau über jedwedes Geläuf. Hinzu kommt eine angenehm aufrechte Sitzposition und trotz nur kleiner Scheibe ein akzeptabler Windschutz. Dank zweier Ausgleichswellen halten sich die Vibrationen des mächtigen Einzylinders in erträglichen Grenzen, so dass entspanntes Touren mächtig Spaß macht. Überflüssig – und von den meisten Vorbesitzern wahrscheinlich längst demontiert – ist der Bremsscheibenschutz aus Kunststoff, der bei extremer Belastung wie beispielsweise Passabfahrten ausreichende Kühlung verhindert und zu unangenehmem Fading führt. Gebrauchtkäufer sollten bei der Besichtigung nicht nur einen Blick auf die rostanfälligen Krümmer und Endschalldämpfer sowie den Rahmen werfen, sondern auch das anfällige Lenkkopflager prüfen. Ein undichtes Getriebeausgangslager deutet auf fehlerhafte Kettenspannung hin. Durch den großen Federweg hinten benötigt die Kette nämlich reichlich Durchhang, um bei vollem Einfedern noch Reserven zu haben. Ein weiterer Prüfpunkt ist die Kupplung. Schleift sie, liegt es im Idealfall nur am ungünstig verlegten Kupplungszug, in dem sich Schmutz ansammelt. Dadurch lässt er sich nicht nur schwer bedienen, er geht auch nicht mehr ganz zurück. Spürbare Lastwechsel liegen zumeist an ausgelutschten Ruckdämpfern im Hinterrad, ein bekanntes Problem, das viele Besitzer mit eingelegten Gummiplättchen, Fahrradschläuchen oder anderen Individuallösungen beseitigen.


Plus
+ Reichweite sehr groß
+ Top Reisemaschine mit Offroad-Qualitäten
+ Sitzposition komfortabel

Minus
- Lackqualität schlecht
- Sitzhöhe groß, daher nur was für Lange
- Bremsen fadinganfällig


Marktsituation
Bei einem Bestand von über 4000 Stück finden sich problemlos gebrauchte DR Big. Die Preise beginnen schon bei knapp 1500 Euro. Modelle um 2000 Euro weisen teilweise weniger als 30000 Kilometern Laufleistung auf. Bei über 50000 Kilometer ohne Motorrevision muss zumindest mit Übermaßkolben und einer Überarbeitung des Zylinderkopfs (Ventile, Nockenwelle) gerechnet werden. Die ersten 800er von 1990 mit 29- statt 24-Liter-Tank, zwei statt einem Sprit-Einfüllstutzen sowie einem statt zwei Endtöpfen sind allein aufgrund der 20 Kilogramm geringeren Zuladung und zwei Zentimeter größerer Sitzhöhe weniger zu empfehlen.


Daten
Luft-/ölgekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, 779 cm3, 37 kW (50 PS) bei 6600/min, Gewicht 222 kg, Zuladung 203 kg, Tankinhalt/Reserve 24/4 Liter, Sitzhöhe 860 mm, Höchstgeschwindigkeit 163 km/h, Verbrauch 4,7 bis 8,7 l/100 km Normal


Tests in MOTORRAD
18/1991 (T), 18/1992 (KV), 19/1994 (VT), 26/1997 (GK)

T=Test, KV=Konzeptvergleich, VT=Vergleichstest, GK=Gebrauchtkauf; Nachbestellungen unter Telefon 0711/182-1229


Internet
Fansites: www.dr-big.de
Gebrauchtangebote: https://www.1000ps.de/gebrauchte-motorraeder

Yamaha TDM 850

Wer sich nicht zwischen Enduro, Sportler, Funbike und Tourer entscheiden kann, sollte eine TDM 850 Probe fahren. Die 1991 präsentierte Maschine konnten nicht einmal die Yamaha-Verantwortlichen irgendeinem Segment zuordnen. Sie bietet von allem ein bisschen: äußerlich ein wenig Funbike, eine aufrechte Sitzposition wie bei einer Enduro, bissige Bremsen wie bei einem Sportler, Windschutz wie ein Tourer. In den ersten Baujahren glichen die Scheinwerfer zwei dicken Glubschaugen, ab 1996 mauserte sich die TDM mit neuem Design zu einer auch optisch schnittigen Begleiterin. Da vielen Besitzern der serienmäßig dünne Sound ganz und gar nicht gefiel, gehören Nachrüstanlagen zu den beliebtesten Umbaumaßnahmen. Ein Auspufftest in MOTORRAD 16/1996 zeigte jedoch, dass keine der Anlagen die Spitzenleistung sowie die homogene Leistungsentfaltung des Originals erreicht. Beim Kauf einer umgerüsteten Yamaha sollte die Serienanlage deshalb mit übernommen werden. Vorab gilt es, einige Prüfpunkte besonders zu beachten. Beispielsweise kommt es gern zu Undichtigkeiten an der Gabel. Schutz davor gewähren nachträglich montierte Faltenbälge aus dem Zubehör. Spätestens ab 50000 Kilometer Laufleistung lässt die Dämpfung des Federbeins nach. Wippt die TDM auf der Probefahrt nach Bodenwellen nach, ist dies ein untrügliches Zeichen. Außerdem mehrfach alle Gangstufen rauf- und runterschalten. Laute Schaltgeräusche und knochig wirkende Schaltvorgänge sind noch kein Grund zur Sorge; wollen die Gänge jedoch gar nicht einrasten, dann besser Finger weg. Alles in allem ist die Yamaha aber ein zuverlässiger Begleiter für den Alltag und für ausgedehnte Touren, auch wenn bis heute nicht so recht geklärt ist, zu welchem Segment die 850er nun eigentlich gehört.


Plus
+ Motor zuverlässig und vibrationsarm
+ Sitzposition angenehm aufrecht
+ Windschutz ausreichend

Minus
- Hauptständer nicht serienmäßig
- Federbein vollbeladen überfordert
- Getriebe ruppig


Marktsituation
Für unter 2500 Euro stehen reichlich TDM im Netz. Wen wundert’s, bei über 10000 zugelassenen Exemplaren in Deutschland. Vereinzelt finden sich sogar die schnittigeren Modelle ab Baujahr 1996 darunter. Offerten mit weniger als 50000 Kilometer Laufleistung sind im betrachteten Preissegment sehr selten. Entsprechend aufmerksam sollten sich Kaufinteressenten die Gebrauchtmaschinen anschauen. Und zwar nicht nur die Verschleißteile wie Antriebskette, Reifen, Bremsbeläge und -scheiben, sondern auch Bauteile wie Federelemente, Lenkkopf-, Rad- und Schwingenlager.


Daten
Wassergekühlter Viertakt-Parallel-Twin, 849 cm3, 57 kW (78 PS) bei 7500/min, Gewicht 230 kg, Zuladung 205 kg, Tankinhalt/Reserve 18/3,5 Liter, Sitzhöhe 830 mm, Höchstgeschwindigkeit 207 km/h, Verbrauch 4,4 bis 8,5 l/100 km Normal


Tests in MOTORRAD
9/1991 (T), 18/1992 (KV), 1/1993 (LT), 24/1994 (VT), 11/1996 (T), 13/1996 (VT), 15/1998 (VT), 2/2004 (GK)

T=Test, KV=Konzeptvergleich, LT=Langstreckentest, VT=Vergleichstest, GK=Gebrauchtkauf; Nachbestellungen unter Telefon 0711/182-1229


Internet
Fansites: www.tdm-forum.net
www.tdm850.de
Gebrauchtangebote: https://www.1000ps.de/gebrauchte-motorraeder

Bereifung - Die Anforderungen an Tourenreifen sind vielfältig

Haltbar, handlich, haftfähig, nässetauglich – all diesen Attributen sollten Reifen für Tourenmaschinen gerecht werden. Dabei ist der Spagat zwischen den einzelnen Kriterien alles andere als einfach. Dank der seit einigen Jahren möglichen Multicompound-Technologie, bei der die Reifenflanken und die Laufflächenmitte aus unterschiedlich harten Mischungen bestehen, wird es in Zukunft immer mehr Reifen geben, die einerseits extreme Schräglagen zulassen und andererseits hohe Laufleistungen erreichen. Die folgenden Tabellen zeigen die Erstplatzierten der vergangenen drei Tourensportreifen-Tests in MOTORRAD*.

MOTORRAD 12/2008
1. Michelin Pilot Road 2 2CT
2. Dunlop Roadsmart
3. Metzeler Roadtech Z6

MOTORRAD 11/2007
1. Michelin Pilot Road 2
2. Metzeler Roadtech Z6
3. Pirelli Diablo Strada

MOTORRAD 11/2006
1. Metzeler Roadtech Z6
2. Pirelli Diablo Strada
3. Continental Road Attack

Gepäck - Wohin mit den Reiseutensilien?

Die Frage, ob ein drittes Paar Schuhe, ein weiteres Buch, das Schlauchboot, die Hängematte oder das Kofferradio mit auf die Reise gehen, stellt sich für eine Motorradtour erst gar nicht. Dafür ist weder ausreichend Ladekapazität noch Platz vorhanden. Trotzdem gibt es natürlich viele Möglichkeiten zur Gepäckunterbringung. Und jede Art hat ihre ganz speziellen Vor- und Nachteile.

Gepäckrolle
Plus:
+ sehr preisgünstig
+ viel Stauraum
+ sehr variabel
+ wasserdicht
+ geringes Eigengewicht und -packmaß

Minus:
- Gepäck schlecht zugänglich
- vollbeladen schwer zu tragen


Softbags
Plus:
+ universell – nicht fahrzeug­bezogen
+ meist variables Volumen
+ Gepäck gut zugänglich

Minus:
- für Motorräder mit hoch­verlegten Schalldämpfern wenig geeignet
- Sitzkomfort des Sozius meist eingeschränkt
- bei hohen Geschwindigkeiten Flatterneigung


Rucksack
Plus:
+ preisgünstig
+ zusätzlicher Rückenschutz
+ wichtige Utensilien am Mann
+ praktisch bei Sightseeing auf der Tour

Minus:
- bei schwerer Beladung oder hoher Fahrgeschwindigkeit auf Dauer anstrengend
- beschränkter Stauraum


Koffer
Plus:
+ viel Stauraum
+ wasserdicht
+ guter Schutz
+ Platz für Sozius bleibt erhalten; als Campingsitz verwendbar

Minus:
- sehr teuer
- sperrig
- schwer
- benötigter Gepäckträger fahrzeug­bezogen


Tankrucksack
Plus:
+ Platz für Landkarte
+ wichtige Utensilien (Handy, Geldbörse, Mautkarten) in Griffweite
+ einfache Befestigung

Minus:
- beschränkter Stauraum
- kann Lenk­einschlag behindern
- Sicht auf Instrumente oft eingeschränkt

Nützliches Zubehör

Extras wie ABS, Bordcomputer, Heizgriffe, Navigationssystem, Koffersatz, Tankrucksack, Schutzbügel, Tourenscheibe, Alarmanlage, Schloss, großer Tank, Hauptständer und Tourensitzbank erhöhen den Komfort und die Sicherheit beim Fahren. Wer ohnehin vorhatte, sein Motorrad damit auszustatten, spart folglich eine ganze Menge Geld. Außerdem verbessert sinnvolles Zubehör den späteren Wiederverkaufswert. Bei Bauteilen wie Stahlflexbremsleitungen, Nachrüstschalldämpfern, Fußrastenanlagen und Verkleidungsscheiben unbedingt auf die ABE beziehungsweise einen entsprechenden Eintrag in die Fahrzeugpapiere achten. Von Vorteil ist es ferner, wenn die Serienteile beim Kauf ebenfalls den Besitzer wechseln. Ein aufmerksamer Vergleich der angebotenen Gebrauchtmotorräder lohnt also nicht nur aus Kostengründen, sondern kann auch späteren Ärger mit TÜV oder Polizei vermeiden.

Alternativen

Grundsätzlicht lässt es sich natürlich mit nahezu jedem Motorrad verreisen. Wer hart im Nehmen ist, erreicht selbst auf einem unbequemen Supersportler, einem spartanischen Chopper mit klitzekleinem Tropfentank oder einer wenig langstreckentauglichen Hard-Enduro das Nordkap. Mit etwas Improvisationstalent bekommt man sogar das benötigte Gepäck schon irgendwie unter. Auch die durch das geringe Tankvolumen häufigen Fahrtunterbrechnungen mögen noch akzeptabel sein. Wenn allerdings ein Sozius leiden muss und womöglich auch noch die zulässige Ladekapazität überschritten wird, hört der Spaß auf. Dann vielleicht doch besser nach einer tauglichen Alternative mit Reisecharakter umschauen. Hier weitere acht Modelle, mit denen es sich trefflich verreisen lässt.


Aprilia Pegaso 650
Die etwas andere Reisemaschine: wieselflink, superhandlich und mit einem temperamentvollen Motor gesegnet. Hinzu kommt eine vor allem für den Fahrer ausgesprochen gute Sitzposition. Wer jedoch vollbeladen mit zwei Personen über Autobahnen verreisen möchte oder maxi­malen Windschutz sucht, sollte sich besser nach was anderem umschauen.

Daten: 48 PS, 157 km/h, Gewicht 191 kg, Zuladung 199 kg, Tankinhalt 14 Liter, Verbrauch 4 bis 8 Liter Normal.


BMW R 80 GS
Über viele Jahre der In­be­griff für Fernreisen aller Art dank bärigen, zuver­lässigen Motors, der sich nicht nur als sehr wartungsfreundlich erweist, sondern mit hohen sechsstelligen Laufleistungen überzeugt. Mit großem Zubehörtank und White-Power-Fahrwerk für nahezu jede Wüste geeignet. Ein echter Lastesel für jedes Terrain – mit oder ohne Sozius.

Daten: 50 PS, 160 km/h, Gewicht 215 kg, Zuladung 205 kg, Tankinhalt 24 Liter, Verbrauch 4,4 bis 9,2 Liter Normal.


Honda Africa Twin
Sie geht durch dick und dünn, schreckt weder vor sanften Offroad-Einlagen noch vor schnellen Autobahnetappen zu zweit zurück. Windschutz, Reichweite, Platzangebot und ein riesiges Zubehörsortiment machen aus der beliebten Großenduro eine nahezu ideale Reisebe­gleiterin. Besonders zu empfehlen: die ausgereiften RD07-Modelle ab Baujahr 1993.

Daten: 60 PS, 180 km/h, Gewicht 236 kg, Zuladung 191 kg, Tankinhalt 23 Liter, Verbrauch 4,6 bis 7,3 Liter Normal.


MZ Scorpion Tour
Trotz eigenständigen Designs und bewährten, wassergekühlten Yamaha-Fünfventil-Triebwerks konnte sich der Straßen-Einzylinder nie wirklich durchsetzen. Dabei ist er mit seiner üppigen Zuladung und der bei zurückhaltender Fahr­weise immensen Reichweite durchaus ein Geheimtipp für den Tourerbereich. Die Gebrauchtofferten liegen meist unter 2000 Euro.

Daten: 48 PS, 165 km/h, Gewicht 192 kg, Zuladung 208 kg, Tankinhalt 18 Liter, Verbrauch 4,3 bis 7,2 Liter Normal.


Suzuki GSF 600 S Bandit
Während sich von der 1200er-Bandit für weniger als 2500 Euro nur ganz vereinzelt Gebraucht-Angebote finden, gibt’s von der 600er jede Menge. Zugegeben, wer flott vorankommen möchte, muss den kleinen Topseller ordentlich ausquetschen. Dafür geht er sparsam mit Sprit um und ist einfach zu handeln. Härtere Zubehörgabelfedern sind allerdings ein Muss.

Daten: 77 PS, 200 km/h, Gewicht 222 kg, Zuladung 218 kg, Tankinhalt 20 Liter, Verbrauch 4,3 bis 7,2 Liter Normal.


Suzuki GSX 750 F
Eine für Fahrer und Mitfahrer gleichermaßen komfortable Sitzposition bietet die vollverschalte Suzuki, von der sich auf dem Gebrauchtmarkt bereits ab 1500 Euro etliche Angebote finden. Der aus der GSX-R stammende Motor ist kräftig und äußerst standfest. Beim Kauf unbedingt einen Blick unters Kleid werfen – die Krümmer neigen zum Gammeln.

Daten: 98 PS, 227 km/h, Gewicht 230 kg, Zuladung 190 kg, Tankinhalt 20 Liter, Verbrauch 4,9 bis 9,3 Liter Normal.


Yamaha XJ 900 S Diversion
Eine Diversion für weniger als 2500 Euro zu bekommen ist kein Problem – eine mit weniger als 50000 Kilometern hingegen schon. XJ-Besitzer sind Vielfahrer. Wie es sich für ein Reiseesel gehört, überzeugen Wind­schutz, Soziustauglichkeit, Kardan­antrieb und Reichweite – letztere allerdings nur bei gemäßigter Fahrweise.

Daten: 90 PS, 209 km/h, Gewicht 276 kg, Zuladung 194 kg, Tankinhalt 24 Liter, Verbrauch 4,4 bis 10,7 Liter Normal.


Yamaha XJR 1200
Touren kann auch ohne üppige Verkleidung Spaß machen, das beweist die bullige Yamaha. Ihr drehmomentstarker Motor schiebt die Fuhre nahezu unabhängig von der Beladung schon aus dem Drehzahlkeller mächtig vorwärts. Eine breite, bequeme Sitzbank lädt zu langen Etappen ein, und der Zubehörmarkt versorgt jeden Geschmack mit passenden Produkten.

Daten: 98 PS, 198 km/h, Gewicht 253 kg, Zuladung 207 kg, Tankinhalt 21 Liter, Verbrauch 5,1 bis 10,5 Liter Normal.

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