Suzuki GS 500 E "Mit der kleinen, zuverlässigen GS werden wir noch viel Spaß haben"

Wieso ich mich für eine Suzuki GS 500 E entschieden habe? Ganz einfach: positive Erinnerungen an 1991. Damals arbeitete ich noch als Aushilfe bei MOTORRAD. Eine der ersten Aufgaben lautete: mit drei anderen Hiwis auf vier Suzuki GS 500 E von Stuttgart nach Granada – Verschleißfahrten für einen Reifentest. Anfangs kamen wir kaum vom Fleck, obwohl die GS 46 PS haben sollte. Die Bikes liefen nur knapp über 130 km/h. Zweieinhalbtausend Kilometer hin und wieder zurück – das konnte ja heiter werden. Irgendwann, wir waren schon fast in Frankreich, kam dann einer drauf, woran’s lag. »Einfach zwei Gänge runterschalten und den Motor ausdrehen.« Gesagt, getan. Plötzlich liefen die Suzuki bei leichtem Rückenwind und mit lang gestrecktem Fahrer Tacho 200. Und wir hatten einen Heidenspaß.

Die Tatsache, dass die GS 500 E als zuverlässiges Motorrad gilt, bestärkte mich darin, sie zu wählen. Das erste interessante Angebot wurde mir allerdings quasi direkt vor der Nase weggeschnappt – als ich zum zweiten Mal anrief, um meinen Besuch anzukündigen, hatte sie gerade den Besitzer gewechselt. Mist.

Also weiter Anzeigenblätter studiert. Bj 92, 26 tkm, 25 kW, GaFzg, Windschild, tiefergelegt, leichte Kratzer, TÜV/AU 6/08, VHB 990 Euro. Klingt nicht schlecht. Einziger Nachteil: Die GS steht in der Nähe von Frankfurt. Egal, gleich morgens rufe ich an. Die Infos (kein Unfall, gepflegter Zustand, Verkauf wegen Familienzuwachs, Umrüstteile für Serienleistung und -fahrwerk mit dabei) überzeugen. Dieses
Angebot soll mir nicht wieder durch die Lappen gehen. »Um die Mittagszeit würde ich gern vorbeischauen und das Motorrad eventuell gleich mitnehmen.« Kurzes Durchatmen am anderen Ende der Leitung: »So schnell? Da muss ich erst meiner Frau Bescheid geben, ich selbst bin unterwegs. Außerdem hat die GS keinen TÜV mehr, stand in der Annonce falsch drin. Den würde ich aber noch machen.« Ich erwidere, das sei mir nicht so wichtig, wenn die Maschine gut dastünde, würde ich sie dem TÜV in Stuttgart vorführen.

Um 13 Uhr stehe ich mit dem VW-Bus vor der angegebenen Adresse. Na super: fünfter Stock ohne Aufzug. Oben empfängt mich ein Zwei-Meter-Hüne. Der Ehemann hat offenbar für Begleitschutz seiner schwangeren Frau gesorgt. Alle zusammen gleich runter und mit dem Auto zur ein Kilometer entfernten Garage. Außer der Suzuki verstecken sich noch eine alte Honda und eine neue Triumph darin – ein gutes Zeichen.

Am Telefon wurde nicht zu viel versprochen. Die GS 500 E wirkt gepflegt und springt trotz eiskalten Motors sofort an. Auch bei der Probefahrt macht sie keine Mucken. Alle Gänge lassen sich durchschalten, die Bremsen und die Beleuchtung funktionieren, und anschließend findet sich kein verräterisches Öl am Motorgehäuse. Passt, denke ich mir, und wir einigen uns ohne langes Hickhack auf 900 Euro.

Also noch mal fünf Stockwerke hoch, Kaufvertrag unterschreiben und zurück nach Stuttgart – um dort in der Redaktionstiefgarage festzustellen, dass sich der Aufwand gelohnt hat. Ich parke die Suzuki neben den drei anderen 999-Euro-Bikes, und, keine Frage, »meine« GS sieht einfach am besten aus. Ob sich das im Lauf des Jahres auch in puncto Funktion bewahrheitet, wird sich zeigen. Ob die Suzuki vielleicht sogar mal den Weg bis Granada findet, ebenfalls. Schön wär’s schon.

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