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Suzuki GSR 600 Gebrauchtberatung Solides Günstig-Bike

Die Suzuki GSR 600 hatte einen vergleichsweise kurzen Auftritt auf dem Markt und war in dieser Zeit ein heißer Feger. Nun gerät sie als sehr solides Günstig-Bike ins Beuteschema von schlauen Secondhand-Käufern.

Der japanische Designer Toshiyuki Nishino mochte es nicht recht zugeben, aber die Suzuki GSR 600 erhielt Anleihen von der Machomaschine B-King. Diese existierte zunächst nur als Studie und kam erst 2008 auf den Markt. Die GSR hingegen fegte schon seit 2006 munter auf allen Straßen und sollte die von Honda Hornet und Yamaha FZ6 dominierte Mittelklasse aufmischen. Die etwas brav gezeichnete Schwester Bandit 650 sprach nämlich eher Vernunftmenschen an. Und die GSR? Die auch. Weil grundsolide und preiswert. Aber fetzig genug, um auch junge Einsteiger mit Drang zum Gasgeben mitzureißen.

98 PS, ein drehmomentstarker, fauchender Reihenvierer (aber mit spürbaren Lastwechselreaktionen), ein präzise zu schaltendes Getriebe sowie ein ausreichend sportliches, wenngleich etwas zu softes Fahrwerk und eben das muskulöse Äußere kamen anfänglich gut an: rund 6000 Käufer in den ersten drei Baujahren. Das feine ABS (ab 2007) trug sicherlich seinen Teil dazu bei. Zudem eine keineswegs billige Materialanmutung und Verarbeitung. Doch das Mini-B-King-Aussehen der 600er polarisiert auch. Seit der Ablösung durch die gefälligere GSR 750 im Jahr 2011 gilt die Suzuki GSR 600 auf dem Gebrauchtmarkt als etwas schwer vermittelbar. Wem das Design hingegen zusagt, der bekommt für kleines Geld ein fast tadelloses Motorrad.

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Foto: jkuenstle.de

Besichtigung

Der Reihenvierer verträgt Drehzahlen, der macht keinen Ärger - geprüft und tausendfach bewährt bei der Sportschwester GSX-R. Aber auch die übrigen Teile sind durch und durch zuverlässig. Bei der Suzuki GSR 600 wurde zwar mit Rotstift, aber ohne böse Nebenwirkungen gebaut. Serviceheft lückenlos, Reifen noch fit und die Maschine steht insgesamt gepflegt da? Bedenkenlos zugreifen! Vorsicht nur bei Sturzspuren, die bei jüngeren, oftmals übermütigen Vorbesitzern schon mal vorkommen.

Und noch eines ist wichtig: Die ersten Suzuki GSR 600 (Baujahr 2006) gab es nur ohne ABS. Wer damit leben kann, gut, aber für einen Wiederverkauf nachteilig. Zum Zubehör: Die Yoshimura-Auspuffanlage (seinerzeit von Suzuki für gut 800 Euro angeboten) gilt als preissteigernd. Kleinere Fahrer/innen freuen sich über Tieferlegungen wie etwa die 130 Euro teure von VH, Telefon 04 41/3 49 24, www.vh-motorradtechnik.de. Alpha Technik bietet einen 48-PS-Drosselkit an (Telefon 0 80 36/30 07 20, www.alphatechnik.de).

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Foto: Archiv

Marktsituation

Obwohl die Suzuki GSR 600 schon länger vom Markt ist, bieten einige Händler Neufahrzeuge als Tageszulassungen oder Vorführer an, Kilometerstand: unter 100. Die Preise: um 6000 Euro. Logischerweise lassen sich „echte“ Gebrauchte dann kaum über 5000 Euro verkaufen, selbst wenn sie nur wenige Tausend Kilometer gelaufen sind. Auch teures Zubehör rechtfertigt nur sehr selten höhere Preise. Das Motorrad ist für seine kurze Bauzeit insgesamt sehr stark auf dem Gebrauchtmarkt vertreten, offenbar haben ehemalige Einsteiger nach zwei- oder dreijähriger Liaison mit der Suzi nur geringe Trennungsschwierigkeiten - sie satteln um und geben ihre 600er beim Händler in Zahlung oder inserieren selbst.

In der Preisklasse zwischen 3500 und 5000 Euro ist auf jeden Fall ein Überangebot zu verzeichnen, die Nachfrage hält sich in Grenzen. Selbst für kaum älter als drei Jahre alte Exemplare in gutem Zustand und mit einwandfreier Wartungshistorie ist deshalb ein regelrechter Preisverfall zu beobachten. Händler und Privatanbieter halten sich bei diesen Offerten die Waage. Bei niedrigen Preisen um 3000 Euro ist die Suzuki GSR 600 aufgrund des super Gegenwerts indes bei Gewerblichen eine gesuchte Rarität, insbesondere, wenn die Laufleistung unter 20 000 Kilometern liegt.

Foto: jkuenstle.de

Technische Daten

Motor

Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, vier Ventile pro Zylinder, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, geregelter Katalysator mit Sekundärluftsystem, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette.

Bohrung x Hub 97 x 42,5 mm
Hubraum 599 cm³
Nennleistung 72 kW (98 PS) bei 12 000/min
Max. Drehmoment 65 Nm bei 9600/min

Fahrwerk

Brückenrahmen aus Aluminium, Telegabel, verstellbare Federbasis, Zweiarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis und Zugstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Scheibenbremse hinten, ABS.
Alu-Gussräder 3.50 x 17; 5.50 x 17
Reifen 120/70 ZR 17, 180/55 ZR 17

Maße + Gewichte

Radstand 1440 mm, Lenkkopfwinkel 64,8 Grad, Nachlauf 104 mm, Sitzhöhe* 800 mm, Gewicht vollgetankt* 216 kg, Zuladung* 214 kg, Tankinhalt/Reserve 16,5/4 Liter.

Messungen

(MOTORRAD 2/2006)
Höchstgeschwindigkeit** 220 km/h
Beschleunigung
0-100 km/h 3,6 sek
Durchzug
60-100 km/h 5,0 sek
Verbrauch 4,4 l/100 km (Landstraße)
5,7 l/100 km (bei 130 km/h)

Foto: jkuenstle.de

Modellpflege

2006 Markteinführung der GSR 600 (K6), Typ WVB9, Auslieferung erster Exemplare schon Ende 2005. Der Vierzylindermotor entstammt dem Sportler GSX-R 600 (Modell K5), jedoch mit Stahl- statt Titanventilen, das Getriebe kommt von der GSX-R 600 (Modell K3). Instrumente mit digitaler Ganganzeige, Wegfahrsperre. Leistung: 98 PS. Preis: 6990 Euro.

2007 ABS serienmäßig, Gewicht steigt um fünf Kilo. Preis: 7290 Euro.

2008 Neu: Instrumentenverkleidung. Preis: 7340 Euro.

2010 Letztes Modelljahr, die 600er wird vom Modell GSR 750 abgelöst. Preis: 7890 Euro.

Fansites: www.gsr-forum.net (privates Modellforum rund um die GSR 600/750 mit Infos zu Treffen, Marktplatz und Techniktipps)

Gebrauchtangebote: http://markt.motorradonline.de/bike2193.htm

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