Gebrauchtberatung Suzuki GSX 750 Das Naked-Bike von Suzuki als Gebrauchte

Wenn sich hauseigene Modellkonkurrenten gegenseitig auf die Füße treten, profitiert davon der Käufer: große Auswahl, oft kleine Preise. Die nackte 750er ist so ein Zwischen-den-Stühlen-Modell und deshalb als solides Günstig-Bike ein guter Tipp.

Foto: Archiv

Welche jetzt? Die R oder die F? Keine von beiden, einfach nur GSX. Suzukis GSX 750 verliert sich gerne im Bezeichnungs- und Typendschungel, und um es klarzustellen: Das Modell ganz ohne Zusatztitel ist die Nackte, und von der soll hier die Rede sein. Denn die sportlichen Schwestern GSX-R 750 und GSX 750 F sind zwar motorseitig eng verwandt, sprechen jedoch eine komplett andere Klientel an. Interessenten an der schön klassisch anmutenden Naked-750er fühlen sich außerdem zu anderen, extrem populären Suzuki-Schwestern hingezogen: Bandit 600 und 1200. Die arme GSX 750 geht da doch total unter. Könnte man meinen, aber das Wirrwarr ruft clevere Käufer auf den Plan. Als Neufahrzeug stand die 1998 debütierende Vierzylindermaschine tatsächlich in Konkurrenz zu besagten Bestsellern, musste sich also durch gute beziehungsweise bessere Fahrdynamik Vorteile verschaffen. Gegenüber der 600er-Bandit gelingt ihr das zweifelsohne, denn der 86 PS starke Dreiviertelliter-Motor tritt viel energischer an, starke Bremsen sorgen für vorbildliche Verzögerung nach Sprints.

Das Fahrwerk mit tadellos ansprechenden Federbeinen nimmt schnellen Landstraßengalopp gelassen hin, nur die zu weichen Gabelfedern bieten die gewohnt bescheidene Performance vieler preisgünstiger Mittelklasse-Bikes. Apropos Preis: Schon damals war die GSX 750 nur unwesentlich teurer als die Bandit 600, bot unterm Strich aber den besseren Gegenwert. Immerhin fand sie bis Ende 2000 jährlich rund 2000 Fans, und bis Suzuki 2003 das Modell aus dem offiziellen Programm nahm, schlugen insgesamt noch mal über 2000 Käufer zu. Und heute? Da ist dieses Motorrad weitgehend aus dem Bewusstsein gerückt. Die Tugenden sind geblieben: sehr zuverlässig, fährt prima, erfreulich unkompliziert - ein zeitloses Motorrad und ein richtig guter Deal als Gebrauchte.

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Foto: jkuenstle.de

Besichtigung / Marktsituation

Besichtigung

„Das Lenkkopflager, ganz klar!“ - selten hat man gleich drei GSX-Kenner nebeneinanderstehen, doch auf einer Motorradmesse passierte eben dies. Besagte Kenner waren Gebrauchthändler und antworteten auf die Frage nach Schwachstellen bei der nackten 750er-Suzuki. „Aber kein Problem“, hieß es erneut unisono, denn vernünftiger Ersatz - Kegelrollenlager aus dem Zubehörhandel oder von Filialisten wie Louis oder Polo - kostet nur rund 40 Euro plus Einbau (ein bis zwei Arbeitsstunden). Das schwache Bauteil ist normalerweise alle 20 000 Kilometer fällig. Das war’s aber auch schon mit technischen Zipperlein, denn der ausgereifte Vierzylinder ist bei ordentlicher Wartung (alle 6000 Kilometer Ölwechsel, Ventilspielprüfung alle 12000 Kilometer) gut für sechsstellige Laufleistungen. Sind alle Servicearbeiten dokumentiert, Reifen und Verschleißteile okay, progressive Gabelfedern mitunter schon im Einsatz? Dann zuschlagen.

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Foto: jkuenstle.de

Marktsituation

Die Nachfrage ist verhalten, denn diese wenig auffällige und vielen Motorradfahrern nicht einmal bekannte Suzuki wird kaum gezielt gesucht. Die GSX sei ein Motorrad, auf das man mit der Nase gestoßen werden müsse, berichten verschiedene Händler. Trotzdem ist die Maschine im Verkaufsraum gern gesehen, denn im Preisbereich unter 2000 Euro ist das Angebot bei gewerblichen Anbietern meist dünn, und die GSX gilt als problemloses Billigmobil, bei dem kaum Reklamationen zu erwarten sind. Wiedereinsteiger, die ohne große Geldausgaben Spaß am Hobby Motorrad finden wollen, sind typische Interessenten. Der Großteil der Angebote ist jedoch privater Natur - ohne Gewährleistungspflicht. Privatverkäufer mit hohen Preisforderungen (über 2500 Euro) haben nur geringe Verkaufschancen, Low-Budget-Offerten unter 1500 Euro in ordentlichem Zustand hingegen sind nicht nur für Einsteiger interessant, sondern auch für Vielfahrer auf der Suche nach einer alltagstauglichen Zweitmaschine oder einem Wintermotorrad.

Foto: jkuenstle.de

Technische Daten

Motor

Luft-/ölgekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, vier Ventile pro Zylinder, Nasssumpfschmierung, Vergaser, keine Abgasreinigung, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette.
Bohrung x Hub 70 x 48,7 mm
Hubraum 750 cm³

Nennleistung 63 kW (86 PS) bei 9500/min
Max. Drehmoment 67 Nm bei 8500/min

Fahrwerk

Doppelschleifenrahmen aus Stahl, geschraubter Unterzug, Telegabel, Zweiarmschwinge aus Aluminium, zwei Federbeine, direkt angelenkt, verstellbare Federbasis, Doppelscheibenbremse vorn, Scheibenbremse hinten.

Alu-Gussräder 3.50 x 17; 4.50 x 17
Reifen 120/70 ZR 17, 150/70 ZR 17

MAßE + Gewichte

Radstand 1470 mm, Lenkkopfwinkel 64,5 Grad, Nachlauf 101 mm, Sitzhöhe** 790 mm, Gewicht vollgetankt** 223 kg, Zuladung** 212 kg, Tankinhalt 18 Liter.

Messungen

(MOTORRAD 13/1999)
Höchstgeschwindigkeit*** 208 km/h
Beschleunigung
0-100 km/h 3,7 sek
Durchzug
60-100 km/h 5,5 sek
Verbrauch 4,5 l/100 km (bei 100 km/h)
6,9 l/100 km (bei 160 km/h)

 

**MOTORRAD-Messung; ***Herstellerangabe

Foto: jkuenstle.de

Modellpflege

1998 Markteinführung der GSX 750 mit 86 PS, Drosselsatz für 34 PS erhältlich. Typ: AE. Preis: 11590 Mark (5926 Euro).

1999
Sondermodell „Special Edition“ mit Cockpit-Verkleidung für 12 320 Mark (6299 Euro). Standardmodell technisch unverändert. Preis: 11840 Mark (6054 Euro).

2000 Preiserhöhung auf 12550 Mark (6407 Euro).

2001 Die GSX 750 läuft zum letzten Mal vom Band, Produktionsende. Technisch keine Änderungen, ausschließlich angebotene Farbvarianten: Blau und Schwarz. Preis: 12990 Mark (6642 Euro).

2003 Letztes Jahr im deutschen Suzuki-Modellprogramm, bis 2005 noch Abverkauf. Preis: 6505 Euro.

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