Technische Daten (Modell R 80 R)

Daten (Modell R 80 R)

Motor: luftgekühlter Zweizylinder-Viertakt-Boxer-Motor, Kurbelwelle längs liegend, eine unten liegende, über Kette angetriebene Nockenwelle, zwei Ventile pro Zylinder, Stoßstangen und Kipphebel, Nasssumpfschmierung, zwei Bing-Gleichdruckvergaser, Ø 32 mm, keine Abgasreinigung, Lichtmaschine 240 Watt, Batterie 12 V/25 Ah, mechanisch betätigte Einscheiben-Trockenkupplung, Fünfganggetriebe, Kardan.
Bohrung x Hub 84,8 x 70,6 mm
Hubraum 798 cm3
Verdichtungsverhältnis 8,2:1

Nennleistung
37 kW (50 PS) bei 6500/min
Max. Drehmoment
61 Nm bei 3750/min

Fahrwerk: Doppelschleifenrahmen aus Stahl, Telegabel, Ø 41 mm, Einarmschwinge aus Alu, direkt angelenktes Federbein, verstellbare Federbasis und Zugstufendämpfung, Scheibenbremse vorn, Ø 285 mm, Vierkolben-Festsattel, Trommelbremse hinten, Ø 200 mm, Reifengröße vorn 110/80 H 18, hinten 140/80 H 17.

Maße und Gewichte: Radstand 1495 mm, Lenkkopfwinkel 64,5 Grad, Nachlauf 99 mm, Federweg v/h 135/140 mm, Sitzhöhe 800 mm, Tankinhalt 24 Liter, Gewicht vollgetankt 227 kg, zulässiges Gesamtgewicht 420 kg.
Messungen
(MOTORRAD 25/1992)

Fahrleistungen
Höchstgeschwindigkeit 168 km/h
Beschleunigung
0–100 km/h 6,6 sek
Durchzug
60–120 km/h 10,2 sek
Verbrauch
4,9 bis 8,6 l/100 km, Normalbenzin

Modellgeschichte
Mit dem Stapellauf der überarbeiteten R 80 im
Frühjahr 1985 begann bei BMW die Neuzeit der Straßen-Boxer. Erstmals wurde das Hinterrad – wie bei der G/S – ebenfalls von einer Einarmschwinge
geführt. Neu waren zudem das Design der Räder, die Sitzbank sowie der Heckbürzel, während die Bayern den Zweiventil-Boxer nur geringfügig modifizierten. Für Gebrauchtkäufer ist dieser Umstand insofern von Bedeutung, weil der luftgekühlte Zweizylinder neben seinen unbestrittenen Vorzügen, beispielsweise die homogene Leistungsentfaltung oder der wartungsfreundliche Aufbau, von den Vorgänger-Modellen auch die meisten Schwachpunkte übernahm
(Einzelheiten unter »Besichtigung«).
Etwas besser sieht es in dieser Hinsicht bei der Ende 1992 präsentierten R 80 R aus, die bis auf den fehlenden Ölkühler sowie die kleineren Vergaser mit dem
60 PS starken Schwestermodell, der R 100 R,
identisch ist. Den tollen Verkaufserfolg der großen
Zwillingsschwester konnte die R 80 R jedoch nicht wiederholen, sie stand stets im Schatten der kräftigeren 1000er. Während jene sich 1996 standesgemäß
mit einer limitierten Classic-Version endgültig verabschieden durfte, war für die 800er offiziell bereits ein Jahr früher Schluss.
Marktsituation
Von der 1985 eingeführten R 80 verkaufte BMW insgesamt 6700 Stück, wovon eine stattliche Anzahl überlebt haben dürfte. Genaue Bestandsangaben existieren jedoch nicht, weil das Kraftfahrt-Bundesamt die Straßen-Boxer nur zusammen mit den Enduro-Modellen auflistet. Deutlich weniger Erfolg war
demgegenüber der ab 1992 angebotenen R 80 R beschieden. Sie fand lediglich 2800 Käufer, während die Münchener vom hubraumstärkeren Schwestermodell mehr als 12000 Stück absetzen konnten.
Eine ähnliche Interessenverteilung ist auch bei den Gebrauchten zu erkennen. Zwar soll nach Schwacke der Verkaufspreis einer R 80 R mit einer hinsichtlich Zustand und Laufleistung vergleichbaren R 100 R
nahezu identisch sein, aber in der Praxis findet die 1000er wesentlich einfacher einen neuen Besitzer als die 800er. Wer sich an den fehlenden zehn PS nicht
stört, kann mit einer gebrauchten R 80 R unter
Umständen ein echtes Schnäppchen machen. Laut Schwacke liegt der Händlerverkaufspreis einer R 80 R von 1994 mit ungefähr 83000 Kilometern auf dem
Tacho noch bei zirka 3200 Euro. Ob sich dieser Preis tatsächlich erzielen lässt, ist allerdings mehr als
fraglich. Für die ältere, bis 1992 angebotene R 80 existieren keine Taxierungen mehr. Hier reguliert
sich der Preis über Angebot und Nachfrage. Ob der von manchen Verkäufern aufgerufene Liebhaber-
Preis für eine R 80 gerechtfertigt ist, muss jeder Interessent für sich selbst entscheiden. Bislang zählten
jedoch nur die älteren Baureihen mit der klassischen
Zweiarmschwinge zu den gesuchten Sammlerstücken.

Besichtigung
Wer sich mit den speziellen Macken der alten Zweiventil-Boxer nicht auskennt, sollte zur Besichtigung nach Möglichkeit einen erfahrenen BMW-Kenner
mitnehmen. Vor den typischen Defekten sind nämlich auch die R-80-Modelle nicht gefeit. So verschleißen beispielsweise die Ventilsitze bis Baujahr 1988 rasch. Ärger bereiten außerdem der Steuerketten-Spanner (R 80) sowie häufig der leckende Dichtring des hinteren Kurbelwellenlagers, erkennbar an Ölaustritt am Flansch von Motorgehäuse und Getriebe.
Bei höheren Laufleistungen sind des weiteren oftmals die Getriebelager (starke Heulgeräusche und Vibrationen in den Fußrasten) oder das hoch belastete Kreuzgelenk des Kardans hinüber (schlagende Geräusche aus dem Antriebsstrang). Im Zweifel sollte man deshalb lieber ein technisch überholtes Exemplar wählen, da Reparaturen teuer sind.

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