Wenn Folgekosten das Schnäppchen zunichte machen Billig geangelt, aber dann ...

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Ein typisches Szenario: Der Verkäufer geht runter auf 999 Euro, das Motorrad liegt plötzlich im Preisrahmen des Interessenten. Hormone schalten den Verstand aus: Zuschlag! Der Käufer freut sich über sein Schnäppchen. Wenn er allerdings Pech hat, geht das Geldausgeben nun erst richtig los. Ein verharzter Vergaser (Verkäufer: „Einmal Vollgas, das bläst sich schon frei“) muss fachgerecht gereinigt werden. Kosten: 100 bis 150 Euro. Ein undichter Gabeldichtring (austretendes Öl wurde vorher natürlich sorgfältig abgewischt) schlägt inklusive Dichtung mit 30 bis 40 Euro zu Buche plus weitere 100 Euro für den Einbau. Renovierung eines innen korrodierten Tanks (na, bei der Besichtigung reingeleuchtet?): 150 Euro aufwärts. Das Ersetzen von porösen Bremsleitungen (fallen spätestens beim nächsten TÜV auf) durch Stahlflexleitungen kostet ohne Montage rund 200 Euro. Und auch bei angezeigten Mängeln kann man sich verrechnen. Im Prospekt werden Motor-Dichtungssätze ab 14,95 Euro beworben, für das betreffende Modell sind es unter Umständen deutlich mehr. Zubehörspezialist Louis etwa bietet für eine XT 600, Baujahr 1987, einen Satz für 47,95 Euro an, fürs Nachfolgemodell von 1988 sind es 79,95 Euro. Ohne versierte Schrauberkenntnisse kommen rund vier Werkstattstunden hinzu. Hoppla, da ist schnell noch einmal der Kaufbetrag des angeblichen Schnäppchens beisammen. Deshalb: kühlen Kopfes die Kostenliste erstellen und erst dann den Preis verhandeln.

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