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In MOTORRAD 25/2015: Yamaha BT 1100 Bulldog in der Gebrauchtberatung.

Yamaha BT 1100 Bulldog in der Gebrauchtberatung Tipps für den Gebrauchtkauf

Bei der Markteinführung 2002 war die Technik der Yamaha BT 1100 Bulldog bereits veraltet. Da scheint es vermessen, zu behaupten, dass sie ihrer Zeit voraus war. War sie aber, und als Gebrauchte ist sie heute ein Top-Tipp. Wenn man das Motorrad versteht.

Das Konzept des Motors: aus den 80ern. Der V2 kam erstmalig in der – heutzutage sehr kultigen – TR1 zum Einsatz, später im Cruiser XV 1100. Dann: Vergaser. Braucht eigentlich niemand mehr. Und hey, nicht mal ABS! Ja geht’s noch? Na klar geht es. Auch mit wenig rekordverdächtigen 65 PS und einfach gestricktem Fahrwerk. Für Motorradfahrer, die eine kraftvolle Maschine ohne Schnickschnack mit aufrechter Sitzhaltung suchen, geht die Yamaha BT 1100 Bulldog sogar sehr gut. Yamaha selbst sagt: „Etliche dieser Leute fordern aber nicht unbedingt ein Motorrad mit einer extremen Leistungs- und Handlingscharakteristik.“ Die Zielgruppe wolle lieber ein traditionelles Motorrad mit ganz eigenständigem Charakter. Diese Aussagen sind von 2001, und die Marketingstrategen von Yamaha lagen ­damals bei ihrer sogenannten Zielgruppe grandios daneben. Sportlich-dynamische Naked Bikes bildeten nämlich die neue aufstrebenden Klasse.

Die eher komfortable Yamaha BT 1100 Bulldog fuhr im Verkauf nur hinterher. Auch eine Modellpflege 2005 änderte daran nichts, 2006 war Schluss. Doch aktuell bringen die Hersteller wieder Maschinen, die an Traditionen anknüpfen und die den Fahrer entschleunigen sollen. Siehe Ducati Scrambler, siehe Moto Guzzi V7, siehe BMW R nineT, siehe Triumph Bonne­ville. Mit Erfolg. Und eigentlich liegt auch die Bulldog voll in diesem Trend. An dieser Stelle noch mal zitiertes Yamaha-­Geschwurbel, anno 2001, aber diesmal treffend, warum sich eine Probefahrt mit der Bulldog lohne: „Fahrspaß ist ja bekanntlich die entscheidende Motivation zum Motorradfahren!“

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Verweise

Tests in MOTORRAD:

23/2001 (TT), 25/2001 (VT), 25/2002 (VT), 11/2003 (VT), 4/2004 (VT), 20/2004 (VT), 18/2005 (VT)

TT=Top-Test, VT = Vergleichstest; Artikel-Download unter www.motorradonline.de/ekiosk

Im Internet:

www.bulldog-bt1100.de (eine Interessengemeinschaft von Bulldogfah­rern)

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Foto: fact
Eher Ausflugs- als Reisemobil für zwei: Mitnahme möglich, aber auf Dauer unbequem.
Eher Ausflugs- als Reisemobil für zwei: Mitnahme möglich, aber auf Dauer unbequem.

Technische Daten Yamaha BT 1100 Bulldog

Technische Daten Yamaha BT 1100 Bulldog (RP05)
Modelljahr 2005
Motor
Zylinderzahl, Bauart 2 , V-Motor
Bohrung/Hub 95,0 / 75,0 mm
Hubraum 1063 cm³
Ventile pro Zylinder zwei Ventile pro Zylinder
Verdichtung 8,3
Leistung 48,0 kW ( 65,3 PS ) bei 5500 /min
Max. Drehmoment 88 Nm
Zahl der Gänge Fünfganggetriebe
Hinterradantrieb k.A.
Fahrwerk, Räder, Bremsen
Rahmen Brückenrahmen, Motor mittragend
Federweg vorn/hinten 130 mm / 113 mm
Reifen 120/70 ZR 17 , 170/60 ZR 17
Bremse vorn/hinten 298 mm Vierkolben-Festsättel / 267 mm Zweikolben-Festsattel
ABS Nein
Maße und Gewichte
Radstand 1530 mm
Lenkkopfwinkel 65,0 °
Nachlauf 106 mm
Leergewicht vollgetankt k.A.
Sitzhöhe k.A.
Zulässiges Gesamtgewicht 450 kg
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
Preis
Neupreis k.A.
Die letzten beiden Bulldog-Baujahre (2005 und 2006) erkennt man leicht am neu gestalteten, aber unübersicht­licheren Multifunktions-Cockpit.
Die letzten beiden Bulldog-Baujahre (2005 und 2006) erkennt man leicht am neu gestalteten, aber unübersicht­licheren Multifunktions-Cockpit.

Modellpflege

2002 Erstes Modelljahr – die ersten Maschinen (Typ RP05) sind bereits ab Oktober 2001 erhältlich. Farben: Blau, Schwarz, Silber. Preis: 16.781 Mark (8580 Euro).

2003 Neu: Zweifarblackierung Bronze-Silber. Preis: 8650 Euro.

2004 Neu: Dunkelblau-Silber, Bronze einfarbig. Preis: 8845 Euro.

2005 Modellpflege: ungeregelter Katalysator, modifizierte Auspuffanlage, Vergaser, Luftfilter, Zündbox (Anpassung an ­Euro-2-Norm), vordere Bremsen, Gabelbrücke, Tank, Sitzbank. Neu: Cockpit, Warnblinklicht, Wegfahrsperre. Farben: Rot, Schwarz, Silber-Blau; Preis: 8800 Euro.

2006 Letztes Jahr. Preis unverändert.

MOTORRAD
Die Yamaha BT 1100 Bulldog war nur von 2002 bis 2006 im Programm, in den beiden letzten Jahrgängen wurde sie neu für 7000 Euro verkauft. Dadurch herrschen auf dem Gebrauchtmarkt gute Preise bei mittelhoher Verfügbarkeit.
Die Yamaha BT 1100 Bulldog war nur von 2002 bis 2006 im Programm, in den beiden letzten Jahrgängen wurde sie neu für 7000 Euro verkauft. Dadurch herrschen auf dem Gebrauchtmarkt gute Preise bei mittelhoher Verfügbarkeit.

Marktsituation

Das Verhältnis von gewerblichen und privaten Anbietern ist ungefähr fifty-fifty. Gebrauchthändler berichten, dass die Yamaha BT 1100 Bulldog bei ihnen ein gern gesehenes Modell sei, sofern gut gepflegt und kilometerarm. Dann ließe sich die Yamaha zwischen 3000 und 4500 Euro binnen weniger Tage verkaufen. Es gibt Liebhaber und einen treuen Fankreis – Schwarz geht immer, in Bronze ist sie beliebt, Modelle ab 2005 sind bei Kennern gefragter. Über 5000 Euro wird es aber schwer, schließlich wurden die letzten Baujahre kurz vor Einführung der Euro-3-Norm als Billigbikes zu Schleuderpreisen um 7000 Euro rausgehauen, und das ist auch schon fast wieder zehn Jahre her.

Seinerzeit entschieden sich für sie übrigens viele Wiedereinsteiger als Neukäufer, denen ABS schnuppe war. Typische Wiedereinsteiger von heute wollen hingegen nicht auf den elektronischen Bremshelfer und sonstige Assistenzsysteme verzichten und können mit angegrauter Vergasertechnik nicht viel anfangen. Sie fallen als Interessenten aus. Außer vielleicht clevere 48-PS-Einsteiger, die in einer gedrosselten Yamaha BT 1100 Bulldog eine gute Basis erkennen. Zu Recht. Mit entsprechendem Zubehör aufgepimpt, gilt dies übrigens auch für Tourenfahrer. Stilistische Fehlgriffe, etwa aggressive Streetfighter-Umbauten, sind peinlich und finden selbst für kleinstes Geld kaum einen Käufer.

Besichtigung

Eine typische Schwachstelle ist der Anlasserfreilauf. Sind hässliche Geräusche beim Starten zu hören, steht eine zirka 700 Euro teure Reparatur an. Das kann teilweise schon bei Laufleistungen um 20.000 Kilometer vorkommen. Alle 20.000 ist übrigens auch eine große Inspektion fällig, die schnell mal mit über 300 Euro zu Buche schlägt, weil neben Ventilspiel auch Lenkkopflager, Schwingenumlenkung und Federbein gecheckt werden. Bei Wartungsstau und ohne regelmäßige Fettung müssen die Lager mitunter schon bei weniger als 30.000 Kilometern ersetzt werden, und es fallen nervige Folgekosten an.

Also: Serviceheft prüfen! Beliebt sind wegen eines guten Sounds straßenzugelassene Nachrüst-Endschalldämpfer von BOS, Shark oder LeoVince und lassen sich auch anrechnen. Reine Schmuckmaßnahmen wie Miniblinker oder teilpolierte Felgen sowie kleinere Verbesserungen (z. B. progressive Gabelfedern) müssen bei Preisverhandlungen nicht berücksichtigt werden.

Foto: Yamaha
Bei der Markteinführung 2002 war die Technik dieser Maschine bereits veraltet. Da scheint es vermessen, zu behaupten, dass die Yamaha BT 1100 Bulldog ihrer Zeit voraus war. War sie aber, und als ­Gebrauchte ist sie heute ein Top-Tipp.
Bei der Markteinführung 2002 war die Technik dieser Maschine bereits veraltet. Da scheint es vermessen, zu behaupten, dass die Yamaha BT 1100 Bulldog ihrer Zeit voraus war. War sie aber, und als ­Gebrauchte ist sie heute ein Top-Tipp.

Wettbewerber

Foto: jkuenstle.de
Die Konkurrenz: BMW R 850 R.
Die Konkurrenz: BMW R 850 R.

BMW R 850 R

Der „kleine“ Kardan-Roadster (71 PS, 1995 bis 2006) ist beinahe vergessen. Dabei gibt’s anständige Gebrauchte schon um 3000 Euro.

Foto: Rossen Gargolov
Die Konkurrenz: Ducati Monster 620.
Die Konkurrenz: Ducati Monster 620.

Ducati Monster 620

Sportlich und mit Soul. Die von 2004 bis 2006 neu angebotene Ducati Monster 620 (63 PS) findet sich mit ca. 20.000 Kilometern für rund 2500 Euro.

Foto: fact
Die Konkurrenz: Moto Guzzi Breva 1100.
Die Konkurrenz: Moto Guzzi Breva 1100.

Moto Guzzi Breva 1100

Für gute Gebrauchte (2005 bis 2008) ist beim kleinen Angebot etwas Geduld gefragt. 86 PS, viel Seele und Fahrspaß. Ab 4000 Euro.

Foto: Archiv.
Die Konkurrenz: Suzuki GSX 750.
Die Konkurrenz: Suzuki GSX 750.

Suzuki GSX 750

Antrittstarke 86 PS, solider Reihenvierer. Die schlichte 750er (1998 bis 2001) ist aus zweiter Hand tipptopp ab 2000 Euro zu bekommen.

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