YAMAHA FJ 1100

Gerade als die Yamaha anfing, richtig zuverlässig zu laufen, sollte sie auch schon wieder verkauft werden. Doch wie bei allem an dieser FJ, das nicht direkt ­mit dem Fahren zu tun hatte, dauerte auch dieses Unterfangen etwas länger. Ebay, so wurde beschlossen, sollte es sein, also flugs ein paar aussagekräftige Fotos geschossen und ein paar Zeilen geschrieben, in denen auch die bis dahin entstandenen Kosten für die benötigten Ersatzteile auf­gelistet waren. Und den Mindestpreis festlegen: 950 Euro. Offenbar ein zu hoch angesetzter Betrag, denn das Höchstgebot belief sich auf gerade mal 805 Euro. Immerhin wurde das Inserat laut Statistik über 1100-mal angeschaut. Interesse bestand also durchaus.
Gut zwei Wochen später der nächste Versuch. Bei sonst unverändertem An-gebot wurde lediglich der Mindestpreis auf 750 Euro korrigiert. Die Gebote stiegen langsam, sehr langsam. Unruhe machte sich breit. Sie legte sich erst, als zwei Tage vor Angebotsende die 750 Euro erreicht wurden. Leider blieb es dabei, aber immerhin war die FJ damit verkauft. Wenige Tage später rückt Roman P. mit Auto und Hänger an. Er selbst habe eine alte Suzuki GSX 1100 F von 1989 und stehe auf die Motorräder dieser Zeit. Die FJ hat er im Auftrag eines Kumpels gekauft, damit sie zu zweit den heimatlichen Südschwarzwald durchstreifen können. Öfter als rund zehnmal im Jahr klappt das aus Zeitgründen nicht, auch ein Argument, weswegen das Motorrad nicht zu teuer sein sollte. Zwei­fellos hat die gute alte Yamaha mit ihrem neuen Besitzer ein gutes Los gezogen. Und er mit ihr auch. Ich helfe noch beim Verladen des Bikes auf den Hänger. Zeit für ein Resümee.
Wir haben die FJ in desolatem Zustand für 900 Euro gekauft, rund 1000 Euro in Verschleiß- und Ersatzteile sowie Wartung investiert, darüber hinaus etliche Abende in der Werkstatt verbracht. Zeit, die in keiner Rechnung auftaucht, sonst wären die gefahrenen 3781 Kilometer wohl mit dem Taxi billiger gewesen. Bekommen haben wir beim Verkauf 750 Euro. Ein schlechtes ­Geschäft also? Finanziell auf jeden Fall. Andererseits wollten wir ja wissen, was auf einen zukommen kann, wenn man in der untersten Preiskategorie einkauft. Geblieben sind zwei Erkenntnisse. Erstens: Mit einem Motorrad, dass man nicht Probe­fahren kann, kauft man nicht die Katze im Sack. Vielmehr kauft man mit verbundenen Augen bei Nacht die Katze im Sack, der in einer vernagelten Kiste steckt. Zweitens: Für die Summe, die die FJ letztlich ge­kostet hat, hätten wir gleich eine zum Draufsitzen und Losfahren haben können.sgl

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