Gebrauchtberatung: Yamaha YZF-R1 Der Supersportler von Yamaha als Gebrauchte

Unter Supersportlern degradieren neue Maschinen einstige Sieger schnell zu "alten" Eisen. Die Yamaha kennt sich aus im harten Geschäft - seit mehr als sechs Generationen.

Foto: Hersteller

Schon jetzt erreicht die R1 in allen motorradrelevanten Disziplinen wie Beschleunigen, Bremsen und Kurvenquerbeschleunigung Werte von einem g. Und mehr als ein g Schwerkraft gibt unser Planet Erde für diese Disziplinen einfach nicht her. Ein noch besseres, noch supersportlicheres Motorrad müsste schon auf einem anderen Planeten gebaut werden.“ Zitat aus dem MOTORRAD-Katalog 2000. Der arme Schreiberling konnte es nicht besser wissen. Die Ur-R1 von 1998, Typ RN01, vermeldete stolze 150 PS und brachte bei ihrem Debüt rund 200 Kilo auf die Waage. Seinerzeit ein Superlativ. Die im Zitat beschriebene Nachfolgerin RN04 wurde mehr oder minder nur retuschiert, und auch die dritte Genration (RN09) fuhr mit ähnlichen Eckdaten auf. Aber schon der Typ RN12 (ab 2004) drückte 20 PS mehr auf die Rolle - bei etwa gleichem Gewicht.

Gebaut wurde dieses Motorrad nicht etwa auf dem Mars, sondern wie gehabt in Japan, und bessere, supersportlichere Motorräder sind alle Nachfolger der ersten YZF-R1 zweifelsohne. Zum Glück ist irren menschlich. Im Laufe der Jahre hat die Yamaha jedoch ihre Favoritenrolle mit anderen Mitbewerberinnen teilen müssen, schließlich haben deren Entwickler nicht geschlafen und ebenfalls überirdische Maschinen an den Start geschickt. Im Reigen der großen Supersportler ist die R1 aber ein Evergreen mit riesiger Fangemeinde. Woran liegt das? Kenner sagen, dass bei einer Stilikone, die wie diese derart für Furore sorgte, der Glamour nicht so schnell verstrahlt wie bei der direkten Konkurrenz (etwa Kawasaki ZX-10R oder Suzuki GSX-R 1000), die zwar schnellere Rundenzeiten hinlegen können, aber eher beliebig aussehen. Fakt ist, dass die Yamaha seit vielen Jahren auf dem Gebrauchtmarkt zu den beliebtesten Maschinen gehört. Und Jung und Alt steht auf sie, zumindest bis zum Modelljahrgang 2009. Technisch ist das „Big Bang“-Modell (siehe Modellpflege) hochinteressant, setzte bei den Fahrleistungen sogar noch eins drauf (wie sich der Katalogschreiber von damals nie hätte ausmalen können), aber am Monument R1 wird seitdem gekratzt. Doch gleich welche Generation, die Yamaha ist ein Hit. Und die Gebrauchtpreise? Nicht vom Mond.

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Foto: fact
1998 - Ein Aufschlag wie ein Komet! Die Yamaha YZF-R1 veränderte ähnlich wie die Fireblade sechs Jahre zuvor das Verhältnis Leistung zu Gewicht einschneidend.
1998 - Ein Aufschlag wie ein Komet! Die Yamaha YZF-R1 veränderte ähnlich wie die Fireblade sechs Jahre zuvor das Verhältnis Leistung zu Gewicht einschneidend.

Besichtigung / Marktsituation

Ein heißes Eisen - nicht etwa wegen der Fahrleistungen, sondern weil die R1 als begehrte Gebrauchte immer wieder unseriöse Anbieter auf den Plan ruft.  Besondere Vorsicht gilt importierten Secondhandmaschinen   (aus Ländern wie England oder Italien). Sie werden zu erstaunlich günstigen Kursen angeboten. Dabei handelt es sich häufig um zerstürzte und danach mit zweifelhaften Methoden wieder hergerichtete Motorräder. So werden etwa tiefe Kratzer am Rahmen oder der Schwinge so zugespachtelt und lackiert, dass selbst Fachleute auf den ersten Blick kaum merken, wie wenig vertrauenswürdig das sensible Leichtmetall nunmehr ist.

Auch kritisch: billige Ersatz-Verkleidungsteile aus China-Fertigung, die zwar nach einem Sturz die Renovierungskosten drücken, aber wegen liederlicher Qualität Ärger bereiten können (Vibrationsrisse, mangelnde Steifigkeit bei Highspeed). Und zudem oft nicht straßenzugelassenen sind, so wie auch viele Nachrüstteile (Auspuff, Leistungs-Kits, Rennzubehör), deshalb bei der Besichtigung äußerst penibel auf saubere Einträge in den Papieren achten. Bewährte Nachrüstteile mit Betriebserlaubnis und Originalzubehörteile erhöhen den Preis. Wurde die Maschine nachweislich fachmännisch gewartet (Serviceheft checken!) und sind alle Verschleiß- und Anbauteile in Ordnung, droht kaum Stress – die Yamaha gilt als extrem zuverlässig. Trotzdem bei der Probefahrt auf mechanische Geräusche achten, weil bei entsprechend hartem Einsatz, etwa bei Renntrainings, Kupplung und Getriebe am ehesten vor der Brachialleistung kapitulieren. Beim Typ RN22 gab es außerdem in einigen Fällen (bis Fahrgestellnummer 009559) Probleme mit dem Steuerkettenspanner, der dann von einer Yamaha-Werkstatt gewechselt werden sollte.

Marktsituation

Je älter, desto privat  - so oder so ähnlich könnte eine Regel zur Anbietersituation heißen. Die ersten Modelle (RN01) werden fast ausschließlich privat angeboten, Händler lassen lieber die Finger von Sporteisen, die älter als fünf Jahre sind. Es sei denn, es handelt sich um erstklassig gepflegte Exemplare in Originalzustand mit wenig Kilometern (unter 30 000) und nur ein oder zwei Vorbesitzern. Dafür werden trotz des Alters noch fluffige 4000 Euro und mehr aufgerufen - und auch bezahlt. Solche für R1-Liebhaber interessante Stücke sind aber rar, häufiger sind umgebaute, zerschundene und umlackierte Rennstrecken-Veteranen sowie Maschinen mit zahlreichen Sturznarben. Angebote unter 3000 Euro sind jedenfalls mit Vorsicht zu genießen.

Eine gute Schnäppchendichte bieten die Typen RN04 und RN09, die mit ihren Fahrleistungen kaum noch mit aktuellen Rennern mithalten können, aber abseits vom Racetrack nach wie vor eine prima Figur machen. Mit rund 4500 Euro in der Tasche führt die Suche schnell zum Erfolg (Händler- und Privat-Offerten halten sich bei diesen Baujahren die Waage). Auf mittlerem Preisniveau finden sich die äußerst beliebten, weil mit über 170 PS immer noch wettbewerbsfähigen Typen RN12 und RN19. Ordentlich gepflegte Maschinen mit nachvollziehbarer His-torie sind ab 5000 Euro in den Anzeigenteilen auszumachen. Top gepflegte RN19 mit Laufleistungen um 10 000 Kilometern gelten als vergleichsweise preisstabil und werden zwischen 7000 und 9000 Euro - überwiegend bei Händlern - angeboten. Um 10 000 Euro finden sich aber auch schon viele neuwertige RN22, die für dieses Geld einen sehr guten Gegenwert bieten.

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Modellpflege

Foto: De Diego

1998
Markteinführung, erster Typ: RN01. Leistung: 150 PS. Gewicht: 202 kg. Preis: 21940 Mark (11218 Euro).
2000
Typ RN04. Übersetzung geändert, Federelemente überarbeitet, Tank, Verkleidung, Scheinwerfer neu gestaltet, Cockpit neu. Preis: 23290 Mark (11908 Euro).
2002
Komplett überarbeitetes Modell, Typ RN09. Neu: Rahmen mit leichterem, abschraubbarem Heck, Schwinge, Verkleidung, Scheinwerfer, Gabel. Von nun an elektronische Einspritzung statt Vergasern, ungeregelter Katalysator, neues Cockpit mit Schaltblitz. Leistung: 152 PS. Gewicht: 202 kg. Preis: 12800 Euro.
2004
Neues Modell (Typ RN12) mit komplett überarbeitetem Motor, neu gestalteten Verkleidungsteilen und Scheinwerfern, neue Underseat-Auspuffanlage mit zwei statt einem Endschalldämpfer. Neuer, steiferer Rahmen, neue radial verschraubte Bremssättel vorn, Bremse hinten modifiziert, Lenkungsdämpfer nunmehr serienmäßig, neu gestaltetes Cockpit mit Stoppuhr und Schaltblitz, Wegfahrsperre. Leistung: 172 PS. Gewicht: 203 kg. Preis: 13295 Euro.
2006
Nominell drei PS mehr, längere Schwinge. Neue SP-Version mit Öhlins-Fahrwerk, leichteren Alu-Schmiederädern, verstellbarem Heck und Anti-Hopping-Kupplung (für Europa auf 500 Stück limitiert). Preis: 13495 Euro (SP-Version 17995 Euro).
2007
Typ RN19, Motor überarbeitet, nur noch vier statt fünf Ventile pro Zylinder, variable Ansaugtrichter und elektronische Drosselklappensteuerung, Bremse mit Sechs- statt Vierkolbensätteln, Anti-Hopping-Kupplung, neue Verkleidung, neu gestaltete Schwinge, neue Upside-down-Gabel. Leistung: 180 PS. Gewicht: 210 kg. Preis: 13997 Euro.
2009
Typ RN22. Komplett neuer Motor mit 90-Grad-Hubzapfenversatz („Big Bang“-Motor für gleichmäßigere Leistungsentfaltung, Premiere im Serienmotorradbau), neue Verkleidung und neue Scheinwerfer, neu gestaltetes, breiteres Heck. Leistung: 182 PS. Gewicht: 206 kg. Preis: 14895 Euro.

Foto: Yamaha
Kommt 2006: SP-Edelversion der YZF-R1.
Kommt 2006: SP-Edelversion der YZF-R1.

Technische Daten

(Typ RN12 Modelljahr 2004)

Motor
Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, vier Ventile pro Zylinder, Nasssumpfschmierung, elektronische Einspritzung, ungeregelter Katalysator, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette.
Bohrung x Hub 77 x 53,6 mm
Hubraum 998 cm³
Nennleistung 126,4 kW (172 PS) bei 12500/min
Max. Drehmoment 107 Nm bei 10500/min

Fahrwerk
Brückenrahmen aus Aluminium, Upside-down-Gabel, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Zweiarmschwinge, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Scheibenbremse hinten. 
Alu-Gussräder 3.50 x 17; 6.00 x 17
Reifen 120/70 ZR 17, 190/50 ZR 17

Maße+Gewichte
Radstand 1395 mm, Lenkkopfwinkel 66 Grad, Nachlauf 97 mm, Sitzhöhe* 810 mm, Gewicht vollgetankt* 203 kg, Zuladung* 192 kg, Tankinhalt/Reserve 18/3,4 Liter.

Messungen
(MOTORRAD 18/2004)
Höchstgeschwindigkeit** 285 km/h
Beschleunigung
0-100 km/h 3,2 sek
0-200 km/h 7,6 sek
Durchzug
60-100 km/h 3,9 sek
Verbrauch
5,5 l/100 km (Landstraße),
5,3 l/100 km (bei 130 km/h)

*MOTORRAD-Messungen; **Herstellerangabe

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