Youngtimer-Kauf Charakterdarsteller

Wer das Besondere sucht, darf nicht zu aktueller Massenware greifen. Der muss warten können: Viele Topseller der siebziger und achtziger Jahre sind mittlerweile zu echten Showtalenten gereift. MOTORRAD nennt ihre Namen, verrät, wer solche Schätzchen verkauft und pflegt.

Manche Motorräder sind unsterblich, an ihrem Reiz kann nicht einmal der technische Fortschritt kratzen. Wer sich nicht auf MV Agusta oder Vincent kapriziert, der hat vor allem unter Youngtimern die freie Auswahl, kann einen echten Meilenstein erstehen, den die Kumpels sonst nur im Museum bestaunen dürfen. Vor einiger Zeit schon hat MOTORRAD vier solcher Altstars unter die Lupe genommen (Heft 10/1998). Nach dem Motto: für jeden etwas. Und konstatierte mit Genugtuung, dass Kawasaki Z 900, Triumph Bonneville, Morini 3 1/2 und BMW 80/7 nicht nur Showtalent verbindet, sondern auch beachtliche Zuverlässigkeit.
Außer in den Kleinanzeigenteilen finden Interessierte brauchbare Youngtimer bei engagierten Händlern (siehe Kästen zu den einzelnen Marken) und auf den Homepages verschiedener Clubs und Interessengemeinschaften (IG). Hier wird man auch in Sachen Ersatzteilen fündig, wobei Fahrer von Zweiventil-BMW auf Internet oder Vereine nicht angewiesen sind: Bei betagten Gummikühe ab /5 gibt’s keine Engpässe, und Werkstätten, die sich auf die bajuwarischen Dauerläufer spezialisiert haben, bieten neben normalen Servicearbeiten auch Verbesserungen für den Alltagsbetrieb an (siehe Seite 118).
Bei manchen Motorrädern japanischer Herkunft sieht’s in puncto Teileversorgung von Seiten der Hersteller eher düster aus. Yamaha entledigte sich beispielsweise vor sechs Jahren seiner hohen Lagerkosten im westfälischen Löhne und verschenkte damals Ersatzteile, von denen heute manche nur noch getauscht oder gegen Gold aufgewogen werden können. Für die luftgekühlten Zweitakter bis auf die frühen DS 7- und R 5-Modelle bieten einige Enthusiasten zum Glück noch fast alles feil.
Liebhaber italienischer Bikes, beispielsweise von Benelli oder Morini, werden in Deutschland ohne die Hilfe der Clubs und IGs ebenfalls kaum an Teile herankommen. Glücklicherweise ist Italien nicht allzu weit, und neben qualitativ gutem Ersatz von Verschleißteilen erhält man dort auch bezahlbare Nachfertigungen von Tanks, Seitendeckeln oder anderen modellspezifischen Kleinteilen, die bereits vor einigen Jahren auf Veteranenmärkten zu unverschämten Preisen feilgeboten wurden.
Aufgrund des Engagements einiger Händler sind auch Besitzer britischer Youngtimer inzwischen fein raus. Ob Verschleißteile, Gabelholme oder Getriebezahnräder – für die ehemals als Ölsardinen bezeichneten Zweizylindermodelle der siebziger Jahre ist laut Joachim Seifert von Norton Deutschland »bis auf einige Kunststoffteile alles aus dem Regal lieferbar”. Die Zeiten, in denen Motorenteile dubioser Qualität an deutsche Händler und Kunden verscherbelt wurden, sind passé. Dafür mangelt es nun am Nachschub von passablen Maschinen aus England und den USA wegen ungünstiger Wechselkurse und der in den USA gestiegenen Nachfrage nach Norton, Triumph & Co.
Manches heute begehrte Motorrad ist auch deshalb rar, weil es während seiner Bauzeit kaum einer wollte. Eine Flop-Auswahl der Siebziger hat Kollege Claus-Peter Elberth bereits für MOTORRAD CLASSIC zusammengetragen (Heft 4/1997). Die Achtziger kannten weniger dieser skurillen oder verkannten Ausreißer, und die meisten empfehlenswerten Zweiräder dieser Epoche wurden bereits als MOTORRAD-Gebrauchtkauf behandelt (Nachbestellervice unter 0711/182 12 29, Fax 182 17 56).

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