Gepäcksysteme für Sportler (Archivversion) Platz da!

Auch Sportmotorräder bieten ausreichend Raum für die wichtigsten Dinge des Reise-Lebens. Wer aber neben Zahnbürste und Kreditkarte noch die eine oder andere Kleinigkeit mit auf Tour nehmen möchte, ist auf das Angebot des Zubehörmarkts angewiesen. MOTORRAD packte ein.

Früher war alles besser. Da hatte so ziemlich jedes Motorrad einen anständigen Gepäckträger. Auch die Schnellen. Und heute? Sportler gibt’s fast nur noch in Plastikverpackung, für das platzbietende Rohrwerk ist kein Platz mehr. Doch in einem Land, in dem Anhängerkupplungen und Dachgepäckträger für den Porsche 911 verkauft werden, sind auch Koffersysteme für die gängigsten Sportmaschinen verfügbar. Der Preis dafür, um drei Wochen im Jahr mit Plastikkoffern durch die Gegend zu knallen, ist jedoch hoch: die ganzjährige Verschandelung des edlen Renngeräts mit Haltern, Adaptern, Winkeln, Streben und sonstigem Metall-Gewürge. Echte Sportler tun so etwas nicht.Die ganz Harten unter ihnen schnallen weiterhin die bewährten blauen Müllsäcke auf die Sitzbank. Die ganz Praktischen kaufen sich richtige Taschen, neudeutsch »Softbags«. Wer häufig zu zweit unterwegs ist, kommt an den beliebten Packtaschen nicht vorbei. Die lassen sich über die Sitzbank werfen oder darunter montieren. Oder auch nicht, denn bei den meisten Sportmotorrädern ist die Auspuffanlage sehr stark hochgezogen. Wer die Verbindungsriemen dann unter der Bank verstaut, bringt die hitzeempfindlichen Nylon-Behälter viel zu dicht ans heiße Rohr. Das Motto kann nur lauten: Hängt sie höher! Doch lose aufgelegte Gepäckstücke zeigen ein ausgeprägtes Fluchtverhalten und müssen daher gesichert werden. Das geschieht über zusätzliche Riemen oder Kordeln. Zwei davon gehören möglichst weit nach vorn, um beim Beschleunigen das Gepäck in stabiler Seitenlage zu halten, und zwei Sicherungen gehören nach hinten, damit die Maschine beim Bremsen nicht vom eigenen Gepäck überholt wird. Das Problem verliert etwas an Dramatik, wenn ein Sozius seinen Allerwertesten auf die Verbindungsgurte setzt. Ob der Mitfahrer dann aber noch Platz für seine Beine und Füße findet, ist bei vielen Taschen sehr fraglich.Zum Packtaschenkauf gehört also zwangsläufig die Praxisprobe. Und die hat bitte schön mit gefüllten Behältern zu erfolgen, denn das elastische Material hat oft die fatale Neigung zum Durchhängen. Wie hoch dürfen Packtaschen eigentlich belastet werden? Kaum ein Anbieter macht dazu genaue Angaben - mehr als fünf Kilogramm pro Seite sollten es aber nicht unbedingt sein. Über die empfehlenswerte Höchstgeschwindigkeit mit montierten Taschen gibt es schon eher Aussagen. Die Richtwerte reichen von 105 bis 130 km/h.Daran wird sich in der Praxis aber kaum ein Sportfahrer halten. MOTORRAD führte seine Fahrversuche mit einer Honda CBR 600 F und einer Kawasaki ZX-6R daher auch bis 200 km/h durch. Die Vorderpartien der beiden Maschinen wurden bei beladenen Taschen zwar meist spürbar leichter, kritische Situationen traten aber nicht auf. Wie wichtig eine zusätzliche Sicherung der Taschen ist, konnten die Testfahrer live erleben. Die nur von zwei Gummizügen gesicherten Oxford-Satteltaschen machten sich auf der CBR bei Tempo 180 selbständig und rutschten aufs Hinterrad. Diesen Härtetest überlebten selbst die ansonsten hervorragend verarbeiteten Briten nicht.Viel weniger Montageaufwand und viel mehr Stabilität bieten die Sitzbanktaschen. Wer ausschließlich allein unterwegs ist, ist mit ihnen besser bedient als mit Satteltaschen. Die Taschen werden an vier Punkten mit der Maschine verspannt. Zwei davon sind bei den meisten Motorrädern für diesen Zweck in Form von Gepäckhaken bereits vorhanden. Die Halter der Soziusrasten bilden dann die beiden noch fehlenden Aufnahmepunkte. Bei bauchigen Seitenverkleidungen ist die Gefahr von Kratzern und Scheuerstellen groß. Profis kleben die gefährdeten Stellen daher bereits vor der Gepäckmontage mit transparenter Folie (bei Gericke für 12,95 Mark) oder mit stabilem Gewebe-Klebeband ab.Wer weder mit Sattel- noch mit Sitzbanktaschen etwas anfangen kann, wird vielleicht mit den aufschnallbaren Gepäckbrücken von Givi und Schuh glücklich. Die MOTORRAD-Tester lästerten anfangs noch über »Surfbretter« und »Skateboards«, waren nach den Testfahrten aber schwer begeistert. Die Teile sehen zwar ungewöhnlich aus, verbessern jedoch durch ihre Rückenpolster das Sitzgefühl und ermöglichen so ganz nebenbei auch noch den völlig problemlosen Gepäcktransport.Für Reisende, die erst am Urlaubsort aufs Motorrad umsteigen und keine Lust haben, spezielles Motorrad-Gepäck mitzuschleppen, sind die »Sporttaschen« von Detlev Louis und Polo empfehlenswert. Wunder darf man von den Verwandlungskünstlern nicht erwarten, aber für den gelegentlichen Gepäcktransport sind die robusten Taschen eine feine Sache.Wer jetzt immer noch nicht weiß, wie er auf seinem Sportler für Platz sorgen kann, soll gefälligst in den Keller gehen und in alten MOTORRAD-Jahrgängen schmökern: Tankrucksäcke wurden zuletzt in Heft 10/1992 gequält, normalen Rucksäcken ging es in Heft 20/1994 an die Wäsche.

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