Kaufberatung: Gepäckrollen (Archivversion)

Rolle rückwärts

Gepäckrollen haben Vorteile. Sie kosten wenig, lassen sich einfach und schnell auf Gepäckträger oder Soziussitz befestigen und sind vor allem wasserdicht. Alle? MOTORRAD hat nachgeprüft

Zuerst war der blaue Müllsack. Ihn gab es bei Muttern im Schrank, und er hielt, zumindest ein gewisse Zeitlang, das Motorradgepäck wasserdicht. Die Optik hatte etwas Verwegenes, denn festgezurrt auf dem Gepäckträger flatterte manch ein Fetzchen im Wind, doch zu Zeiten der Second-Hand-Lederjacken, der Turnschuh-Stiefel und der Armee-Handschuhe trug der blaue Sack zur ganzheitlichen Erscheinung bei.Nun ist das Wesen des Motorradfahrers manch Veränderung unterworfen, der durchschnittliche Biker wird älter und anspruchsvoller. Wer heute sein Gepäck wasserdicht verstauen will, Tankrucksäcke und Koffer verachtet oder darin nicht genügend Platz findet, landet unweigerlich bei den Packsäcken, auch Gepäckrollen genannt.Das Bauprinzip ist denkbar einfach: eine auf der einen Seite geschlossene Röhre, die von der anderen Seite bepackt wird. Als Verschluß dient ein geniales, mittlerweile zur Konvention gereiftes Patent. Das offene Ende läßt sich einrollen und mit Klickverschluß fixieren - die Sache soll so wasserdicht sein, daß Outdoor-Ausrüster Ortlieb in einem Werbefilm ein Motorrad über einen wassergefüllten Packsack fahren ließ.Hexerei? Nein, lediglich ein paar bautechnische Voraussetzungen müssen erfüllt sein, ein oder zwei Regeln beachtet werden, und ein bißchen Geschick beim Verschließen ist ebenfalls angebracht. Ohne den Hartkunststoff-Streifen, meist aus Polyethylen, zum Beispiel, um den das Ende der Rolle gewickelt wird, hält der Sack nicht dicht.Die beiden Gewebeteile des Sackendes müssen eng aufeinander liegen, dicht - ja nicht zu locker! - sollte das Rollen geschehen, und erst drei- bis viermaliges Umschlagen gewährleistet Schutz vor ungewollten Wassereinbrüchen. Am Verschluß kann es also nicht liegen, wenn das Gepäck nach der Regenfahrt nicht mehr trocken ist. Material oder Nähte können aber Schwachstellen sein. Alle bei MOTORRAD getesteten Gepäckrollen erwiesen sich jedoch als wasserdicht. Dazu wurde nicht nur in der Dusche ein kalter Landregen simuliert, sondern auch die ganze Rolle innen mit Wasser gefüllt.Ob nun der Packsack aus Nylon, Cordura oder Polypropylen besteht, alles natürlich beschichtet, scheint demnach im zunächst egal zu sein. Die Qualitätsunterschiede zeigen sich erst nach längerer Nutzung. Nähte platzen, durch dauerndes Rollen und Knicken des Verschlusses bricht die Außenhaut.Die Fachleute von Ortlieb, seit 15 Jahren Vorreiter auf dem Gebiet der wasserdichten Packsäcke, haben unterschiedlichste Systeme im Programm, mal schlichtes PVC-beschichtetes Polyester (PES, das ist das mit dem glänzenden Lackaussehen), mal Cordura oder eine Mischung aus beidem.Die meisten Motorradpacksäcke bestehen aus einem Mix, aus Cordura mit einem runden Boden und einem Streifen aus PVC/PES. Letzteres ist zum einen preisgünstiger, zum anderen hält der Rollenverschluß dichter, weil das Material leicht klebt. Die Nähte zwischen beiden Stoffen erwiesen sich zudem in der Praxis als haltbarer und langlebiger. Cordura wiederum besitzt auf Dauer eine höhere Knickstabilität und ist bekanntermaßen abriebfester. Dies kommt nicht nur bei potentiellem Bodenkontakt den innenliegenden Gepäckstücken zugute, auch beim Befestigen auf dem Gepäckträger, wenn Metallhaken und Verschlüsse von Spannern und Gurten am Stoff scheuern, hält Cordura mehr als andere Materialien der mechanischen Belastung stand. Was ist, wenn der Sack doch mal ein Loch hat? Von Ortlieb gibt es ein Reparaturset mit zwei Stückchen Material und einem Vulkanisiermittel (zum Beispiel bei Hein Gericke für 9,95 Mark). Dies soll aber laut Hersteller nur im Notfall, auf der Reise im Ausland beispielsweise, zum Einsatz kommen. Ansonsten schickt der Händler die defekte Gepäckrolle ein, Ortlieb verspricht kostenlose Reparatur. Auch komplett zerfetzte sollen zurück ins Werk und nicht in den Hausmüll wandern, sie werden dort teilweise recycelt. Es gibt allerdings nicht nur Ortlieb-Produkte, zigfache Kopien aus Fernost sind auf dem Markt, von den Kunden nicht vom Original zu unterscheiden. Außerdem produzieren die bayrischen Outdoor-Ausrüster auch für Handelsketten wie Hein Gericke Packtaschen von gleicher Qualität wie die unter eigenem Logo. Und diese kosten oft nur einen Bruchteil des Ortlieb-Preises.
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Gepäckrollen: Kaufberatung (Archivversion) - Richtig Beladen

Ein Motorrad zu bepacken ist eine Kunst für sich. Echte Puristen haben Tage vor Antritt der Reise schon alle Tankrucksäcke, Koffer und Gepäckrollen ausgelitert, Kleidungsstücke aufs Nötigste rationalisiert, damit Werkzeug und Ersatzteile noch Platz haben, ganz zu schweigen von Campingausrüstung, Bibliothek, Angelzeug, Klappstühle, Sonnenschirm...Dabei heißt die Frage nicht, wie das ganze Zeug zu verstauen ist, sondern: An welchem Platz liegt welches Stück am besten. Die Gewichtsverteilung spielt bei einem instabilen Gefährt wie dem Motorrad eine entscheidende Rolle für das optimale Handling. Deshalb lauten zwei einfache Regeln: 1. Schwere Gepäckstücke soweit wie möglich nach unten. 2. Schwere Gepäckstücke soweit wie möglich nach vorn.Gute Plätze für das Werkzeug sind beispielsweise auf dem Boden des Tankrucksacks oder unten in den Koffern. Nach hinten oben, wie in die Gepäckrollen oder in ein Topcase, gehören leichte Utensilien wie Kleidungsstücke. Sind sperrige Gegenstände wie Zelte mit Stangen für die Motorradtour vorgesehen, ist der wasserdichte Packsack ein günstiger Stauort, dann aber das schwere Metallgestänge nach unten und das leichte Tuch nach oben.

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