Produkttest: Rucksäcke 12 Rucksäcke für Motorradfahrer im Vergleich
Macropodidae, also die Kängurus unter den Beutelsäugern, haben ihn serienmäßig an Bord. Der Biker vulgaris muss ihn kaufen: den Beutel für alle Tage. Daypack-Test in der Klasse 30 bis 60 Euro.
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Wer Marketing-Denglish bevorzugt, nennt das Ding Daypack, vereinzelt auch Daybag. Gemeint ist das Gleiche: ein noch halbwegs handlicher Rucksack, der den ganzen Krimskrams aufnimmt, den man täglich zur Schule, Uni oder Arbeit mitschleppt. Ein Tagesbeutel also, der für Spontaneinkäufe ausreichend Platz bietet, der aber ausdrücklich keinen Stauraum für Schlafsack, Isomatte oder Schweißgerät bieten muss. Die Alltags-Alleskönner fassen gewöhnlich 20 bis 40 Liter - alles darunter verhindert den Transport von Aktenordner und/oder Laptop. Größere Säcke tragen zu sehr auf, sind unhandlich und nerven mit der aerodynamischen Qualität einer Schrankwand. Was Wanderern und Radfahrern durchaus teuer ist - unter 80 Euro ist in dieser Szene kaum etwas zu bekommen - ist dem in Sachen Zubehör grundsätzlich geizigen Motorradfahrer extrem billig.
In Zahlen: Das Daypack-Hauptgeschäft spielt sich zumindest bei den führenden Zubehör-Discountern in der Liga bis 20 Euro ab. Die absoluten Billig-Beutel testete MOTORRAD in Heft 15/2005, was welt- und rucksackgeschichtlich betrachtet noch gar nicht so lange her ist, denn zumindest die gut beurteilten Modelle sind meist immer noch im Programm. Die Testergebnisse waren damals besser als befürchtet - riesengroße Stückzahlen und der eine knappe Kalkulation zulassende Einsatz als Türöffner erlauben nun mal Kampfpreise - doch für besonders leckere Details ist der U20-Bereich verständlicherweise wenig empfänglich. So darf man zum Beispiel bei der Polsterung von Schultergurten und Rückenteilen, der Qualität des Obermaterials oder der Ausführung der fürs zügige Motorradfahren unverzichtbaren Hüftgurte in der 20-Euro-Klasse keine Wunder erwarten.
Wer tatsächlich tagtäglich mit dem Kofferraum auf dem Rücken unterwegs ist, sollte lieber eine Klasse höher einkaufen, also 30 bis 60 Euro ausgeben. In dieser Preislage wird zwar nur noch in etwa die Hälfte der U20-Stückzahl, aber immer noch nennenswert verkauft. Über 60 Euro geben Motorradfahrer nur sehr, sehr selten für Rucksäcke aus. Müssen sie auch nicht, denn unter den hier versammelten zwölf Kandidaten findet eigentlich jeder Motorradfahrertyp einen Partner für alle Tage. Zwar gab es für keinen Testkandidaten das Urteil "sehr gut", denn Platz für Verbesserungen gibt es noch bei jedem Modell. Doch auch ein Totalausfall war nicht zu beklagen.
Vor dem Kauf sollte sich jeder potenzielle Beutelträger genau überlegen, was er tagtäglich eigentlich durch die Gegend schleppen möchte. Der Büromensch zum Beispiel wird ein gewisses Inter-esse daran haben, dass seine Papiere, Ordner oder Mobilcomputer einigermaßen unbeschadet am Bestimmungsort ankommen.
Rucksäcke mit klarer Facheinteilung und einem Mindestmaß von Eigenstabilität sind dann die erste Wahl. Wie zum Beispiel der Testsieger Speedmaster von Bags Connection. Wer als Handwerker vielleicht nur den Blaumann und Arbeitsschuhe oder als Feierabendsportler Handtuch und Trikot transportieren will, sollte sich die zu Rucksäcken aufgerüsteten Packsäcke von Drive, Kappa oder auch Ortlieb genauer anschauen - sicherer und vor allem wasserdichter lassen sich Weichteile nicht durch die Gegend kutschieren.
Stichwort Wasserdichtigkeit: MOTORRAD ging mit jedem Rucksack für zwei Minuten unter eine munter sprudelnde Dusche, zur Halbzeit wurde jeweils Zwischenbilanz gezogen. Von den Packsäcken abgesehen war kein Beutel hundertprozentig wasserdicht, was sich aber nur dann im Urteil negativ bemerkbar machte, wenn keine (natürlich wasserdichte) Regenhaube mitgeliefert wurde. Nach vielen Stunden unter der Dusche, auf dem Motorrad und im nicht zu vernachlässigenden Fußgängerbetrieb hatten die drei MOTORRAD-Tester ihre ganz persönlichen Favoriten gefunden. Neben dem Testsieger und dem Kauftipp war das ausgerechnet der am dürftigsten ausgestattete und im Urteil am schlechtesten benotete. Ein Sack der Herzen eben.