Richtig fahren mit Gepäck (Archivversion) Auf dem Boden bleiben

Wer mit voller Beladung in den Urlaub fährt, muss Motorrad und Fahrweise darauf abstimmen. Mit diesen Tipps und Tricks von MOTORRAD beginnt der Urlaub schon beim Packen.

Egal, ob die große Tour ans Meer oder in die Berge führt. Auch der Untersatz muss auf die veränderten Rahmenbedingungen während der Fahrt abgestimmt werden. Checkpunkt Nummer eins gilt der Einstellung des Fahrwerks. Was bisher für die alltägliche Tour zur Arbeit oder über die Hausstrecke reichte, wird unter ­Volllast komplett versagen. Denn beim Beladen verändern sich die Geometriedaten des Motorrads beträchtlich. Speziell die Hinterradfederung und -bereifung wird besonders beansprucht, indem das Gewicht von Sozius und Gepäck auf der Hinterradachse lasten.

Schritt Nummer eins ist auf jeden Fall die Erhöhung der Feder­vorspannung am Heck. Zusätzlich sollten, sofern es das Federbein erlaubt, Druck- und Zugstufe straffer eingestellt werden. Ansonsten droht ein miserables, teilweise sogar gefährliches Fahr- und Kurvenverhalten. Ein Tipp für alle, die häufig im Tourenmodus ­unterwegs sind, ist die Anschaffung eines Nachrüstfederbeins, das auf hohe Zuladung abgestimmt ist.

Schritt zwei ist die Anpassung des Reifenluftdrucks auf die ver­änderte Belastung. Die Werte stehen im Fahrerhandbuch oder sind am Motorrad direkt (Schwinge, Kettenschutz) angeben. Moderne Radialreifen vertragen ab 160er-Baubreite je nach Last bis zu 3,1 bar. Vorne verändert sich die Achslast nur minimal. Hier ist eine ­Erhöhung um 0,2 bis 0,3 bar meist ausreichend. Wichtig ist die Erhöhung aber auf jeden Fall, damit Bremsstabilität und Lenk­präzision erhalten bleiben. Zudem mindert der hohe Luftdruck den Abrieb, weil die Walkarbeit des Reifens geringer ist und sich somit die Gummilauffläche nicht zu sehr erhitzen kann. Ansonsten droht auf der Fahrt ein über­mäßig hoher Reifenverschleiß.

Gerne vergessen wird in diesem Zusammenhang die Antriebskette. Deshalb sollte die Spannung am besten bei voller Zuladung ­(Fahrer, Sozius und Gepäck) kontrolliert werden. Wichtig ist, dass bei weit eingefederter Schwinge genügend Spiel vorhanden ist, um Schäden am Getriebeausgangslager zu vermeiden. Sind diese Eckdaten gecheckt, kann es losgehen. Wie das Gepäck am besten verstaut wird, steht auf Seite 117. Der Fahrer sollte sich nun auf die Fahrdynamik bei voller Zuladung einstellen. Denn die verändert sich vollkommen gegenüber der Solofahrt. Knapp 200 Kilo Zuladung, die im Durchschnitt von den meisten Bikes geschluckt werden, bleiben nicht ohne Folgen für das Beschleunigungsvermögen, Bremsverhalten und schließlich auch die Schräglagenfreiheit. Wie sich das Bike im vollen Trimm plötzlich fährt, kann man am besten selbst auf einem Probeturn über die Hausstrecke klären. Dabei sollte folgende Checkliste abgehakt werden:

Passen Federung und Dämpfung?
Schaukelt sich das Motorrad plötzlich auf?
Setzen tiefliegende Teile wie Auspuff, Haupt- oder Seitenständer schon beim Abbiegen auf?
Stört der Tankrucksack beim Wenden, wird beim Lenkerein­schlagen die Hupe ungewollt betätigt oder liegen Instrumente und Kontrollleuchten nicht mehr im Blick?
Wie verhält sich das Motorrad bei einer Vollbremsung?
Sind alle Gepäckstücke sicher verzurrt – ohne selbst Schaden zu nehmen oder Schaden anzurichten?

Klar ist: Vollgebepackte Bikes reagieren plötzlich deutlich be­häbiger. Um sicher ans Ziel zu kommen, sollte sich der Fahrer mit einer besonders vorausschauenden Fahrweise darauf einstellen.

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