Allround-Handschuhe bis 30 Euro Billigstoff

30 Euro in der Hand und dafür das volle Programm: gut passen, dicht und warm halten. Doch sind preisgünstige Textil-Handschuhe wirklich ein guter Deal? Zehn Modelle zeigen im Test, wie weit Anspruch und Wirklichkeit auseinanderliegen.

Foto: Künstle
Mancher Motorradfahrer entscheidet sich erst kurz vor der Kasse für ein Paar Handschuhe. »Muss irgendwie passen, vor allem im Preis« – wer nach dieser Devise verfährt, begeht unter Umständen einen Fehler. Der Schutz der eigenen Hände sollte mehr Aufmerksamkeit wert sein, denn bei einem Sturz sind es in der Regel die exponierten Körperteile, die als erstes in Mitleidenschaft gezogen werden. Selbst ohne Unfall kann es böse weh tun, wenn einem nämlich bei morgenfrischen Etappen oder etwa auf der Passhöhe sprichwörtlich die Finger abfrieren.

Für solche Fälle sind Allrounder gefragt. Handschuhe, die trotz Wetterschutz durch eine Klimamembran auch im Sommer noch angenehm zu tragen sind, die beim Gasgeben, Kuppeln und Bremsen nicht zu dick auftragen und genügend Schutz bieten. Und da eine Außenhaut komplett aus Leder bei einem Regenguss extrem viel Wasser aufnimmt, sind schnell trocknende Handschuhe mit Textilanteil gerade für Reisende besonders attraktiv. MOTORRAD klopfte zehn selbst ernannte Alleskönnern der unteren Preisklasse buchstäblich auf die Finger. Erprobte sie ausgiebig, unter anderem auf einer kurvenreichen Passstraße, und stellte die Frage: abgreifen oder lieber zurück auf den Grabbeltisch legen?

Sicherheit: Einige Produkte besitzen erhebliche Sicherheitslücken, so etwa die Probanden von Germas, Held und Reusch, bei denen Handgelenkriegel fehlen. Bei einem Sturz können diese Handschuhe gefährlich schnell abgestreift werden. Die Folge: ein Haut-Kontakt mit dem Asphalt. Wie es besser geht, zeigen die straff sitzenden J.A.G. mit ordentlichem Abstreifschutz, die zudem am Handrücken als einzige Handschuhe im Test einen effizienten Schlagschutz besitzen.

Nässeschutz: kein gutes Bild, was die Preiskracher hier abgeben. Lediglich die Modelle von Büse, HG sowie Probiker bestanden den Eimertest anstandslos, und ihre Membran zeigte beim Befüllen der Handschuhe mit Wasser ebenfalls keine Undichtigkeiten. Die J.A.G. lieferten ein akzeptables Ergebnis ab, die restlichen Test-Kandidaten taugen für längere Touren im Regen wenig.

Passform/Tragekomfort: Eng anliegende Motorradhandschuhe zu schneidern, die auf Dauer keine Druckstellen verursachen, ist eine Kunst. Und nur eine kluge Zusammenstellung von wärmendem, jedoch nicht zu dick auftragendem Innenfutter, Membran und leichten Außenmaterialien formt einen guten Allrounder. Zumindest einige Hersteller (HG, J.A.G., Probiker, eingeschränkt auch Büse, Difi und Held) haben ihre Hausaufgaben diesbezüglich gemacht.

Ausstattung und Verarbeitung: Visierwischer, besonders abriebfeste Gewebe oder vertrauenserweckende Protektoren zählen in dieser Preisklasse nicht zum Standard. Aber warum mehr als die Hälfte keine Reflektoren aufweist, ist nicht nachvollziehbar. Die Verarbeitung ist durchschnittlich, außerdem zeugen (offensichtlich bei der Herstellung entstandene) durchstochene Membranen einiger Kandidaten nicht gerade von großer Produktionssorgfalt. Auf solche Billigstoffe kann man getrost verzichten.

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