Produkttest: Handschuhe Allround-Handschuhe im Vergleich

Wer mit dem Motorrad mit Feingefühl und Tempo Piano spielen möchte, wohl temperiert - auch bei Regen -, benötigt einen erstklassigen Allround-Handschuh. Zwölf Modelle stellen sich einem Vergleich.

Foto: jkuenstle.de

Noch so eine seltsame Wortschöpfung aus der Werbelyrik: X-Trafit. Was soll das? Frei übersetzt vielleicht: "besonders passend"? Naja, nicht gerade einfallsreich, in diesem Fall aber tatsächlich zutreffend. Und damit sei das Testergebnis schon einmal vorweggenommen. Die vier besten Handschuhe im Vergleich sind "X-Trafit". Da derartige Hinweise in Form von Aufnähern, Etiketten oder Schildchen dem Käufer im Laden normalerweise so egal sind wie eine TÜV-Prüfplakette in Albanien, sei an dieser Stelle etwas Aufklärung erlaubt. Es handelt sich um eine Technologie des Bekleidungs- und Membranspezialisten W. L. Gore, bei der mittels beheizbarer Handformen aus Metall das Obermaterial, die Klimamembran und das Futter jedes einzelnen Handschuhs dreidimensional verklebt werden. Diese Konstruktion soll in erster Linie für ein besseres Griffgefühl sorgen. Sagt Gore. Kann man aber nur bestätigen, auch wenn die Klavierstunde doch besser ohne Überzieher absolviert werden sollte. Sportliches Fahren mit starken Bremsungen und vielen Kuppelvorgängen funktioniert hingegen deutlich besser als mit herkömmlichen, häufig zu bauschigen Tourenhandschuhen, deren drei Lagen bei vollem Einsatz schon mal verrutschen können. Die bei X-Trafit fest miteinander verbundenden Lagen sorgen hingegen für ein ähnlich gutes Griffgefühl wie bei nur einer Lage, und selbst fummelige Aktionen wie das Bedienen eines Navigerätes gehen fingerfertig von der Hand.

Im Gegensatz zu reinen Sporthandschuhen bieten die eher touristisch ausgelegten Xtrafitter zusätzlich noch einen guten Wetterschutz (wasserdichte Klimamembran) und wärmen, je nach Kälteempfindlichkeit, selbst bei sehr frühlingshaften Temperaturen noch ganz erquicklich. Was allerdings nicht heißt, dass die übrigen Handschuhe ohne "X-Trafit" nichts taugen. Im Gegenteil, einige Exemplare sind ähnlich knackig im Griff und bieten einen klasse Tragekomfort (Rev‘it, Büse, Bikers). Weitere gute Nachricht: Den MOTORRAD-Nässetest passierten die Top-Allrounder fast ausnahmslos mit Bravour, nur der Ixon schwächelte deutlich. Typisch für diese Art Handschuhe ist ein Mix aus abriebfestem Leder und schnell trocknenden Textilgeweben. Dem Tragekomfort tut das in der Regel gut, der Sicherheit weniger, deshalb bestehen einige Modelle fast komplett aus Leder. Wichtig ist aber, dass man bei einem Handschuh, der in jeder Disziplin punkten soll, zumindest für die Sturzzonen auf ordentliche Materialdoppelungen, Polster oder Protektoren achten sollte. Teilweise sparen die Hersteller an genau diesen Stellen. Während es noch akzeptabel ist, dass am preisgünstigen Büse (rund 45 Euro) bei Material und Qualität der Rotstift angesetzt wurde, sollte bei Preisen zwischen 50 und 100 Euro mehr drin sein als etwa bei den äußerst bequemen, jedoch weniger sicheren Bikers oder Dainese.

Keine Frage, die Investition in einen vergleichsweise teuren Allrounder lohnt, denn gute Produkte - ob nun "X-Trafit" oder auf andere Weise clever konstruiert - schaffen heutzutage einen beachtlichen Spagat zwischen Sport und Tour. Entwicklungspotenzial gibt es trotzdem noch genug (siehe Kasten rechts). Man darf gespannt sein, ob in naher Zukunft die aktuell schon erfreulich guten Top-Allrounder durch Tipptop-Allrounder abgelöst werden.

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Foto: mps-Fotostudio

Alpinestars Apex

Anbieter: Alpinestars, Telefon 0039/04235286, www.alpinestars.com
Preis: 79,95 Euro
Farben: Schwarz, Schwarz mit Rot
Größen: S bis 3XL

Plus:
Sportlicher Aufbau mit hohem Abstreifschutz durch durchdachten Klettriegel (einfache Bedienung!) und engen Sitz. Sehr guter Unfallschutz für Handkante durch Leder-Materialdoppelungen und steifen Knöchelprotektor. Stulpe lässt sich sehr flexibel verstellen.

Minus:
"Teddyfutter" zwar plüschig, jedoch nicht besonders wärmend und bei sommerlichen Temperaturen unangenehm schwitzig, verschiebt sich leicht (nervig beim An- und Ausziehen mit feuchten Händen), schwammiges Griffgefühl. Undichtigkeiten beim Befülltest.

Fazit:
Auf den ersten Blick sieht der Apex aus wie ein Rennhandschuh. Und fühlt sich mit straffem Sitz auch so sicher an. Gute Allrounder-Qualitäten zeigt er bei Wind und Wetter - auch trotz des Patzers im Nässetest. Der Tragekomfort ist jedoch nur mäßig.

MOTORRAD-Urteil: Befriedigend

Foto: mps-Fotostudio

Bikers München

Anbieter: Polo, Telefon 0180/5225785, www.polo-motorrad.de
Preis: 62,95 Euro
Farbe: Schwarz
Größen: XS bis XXL

Plus:
Einfacher Einstieg, angenehm leicht zu tragen durch hohen Textilanteil. Nässetest problemlos bestanden, Gore-Tex-Membran. Gut gepolsterter Handballen.

Minus:
Bietet nur geringen Stoßschutz und an Oberhand nur mäßige Abriebfestigkeit. Abstreifschutz bedenklich eingeschränkt durch laschen Gummizug statt ordentlichem Klettriegel. Futter fühlt sich synthetisch an, wenig hautfreundlich, Innenklima selbst bei moderaten Temperaturen (um 15 Grad) schwitzig, Wärmeleistung eher bescheiden. Stulpe zu kurz geschnitten. Futter verschiebt sich beim Ausziehen.

Fazit:
Wasserdicht, einfache Handhabung, attraktiver Preis. Bei der ersten Anprobe schmeichelt sich der Bikers sofort ein, bei genauerem Hinsehen und längerer Probe offenbart er jedoch einige Schwächen, vor allem bei der Sicherheit.

MOTORRAD-Urteil: Befriedigend

Foto: mps-Fotostudio

Büse Nordkapp

Anbieter: Büse, Telefon 02471/12690, www.buese.com
Preis: 44,95 Euro
Farben: Schwarz
Größen: 6 bis 14

Plus:
Bietet ordentliche Sicherheit durch festen Handgelenk-Klettriegel, straffen Sitz, gelungene Verschlussführung der Stulpe sowie große Lederpolster als Knöchelschutz am Handrücken. Tragegefühl angenehm.

Minus:
Finger nicht ideal geschnitten, etwas störende Faltenbildung an Innenhand bei häufigen Brems- und Kuppelaktionen. Ein Testmuster beim Befülltest mit Undichtigkeiten. Verarbeitung, Materialgüte und Ausstattung unterdurchschnittlich. Wärmeleistung an Fingerkuppen schon bei Temperaturen um 15 Grad wenig überzeugend.

Fazit:
Der preisgünstigste Vertreter im Test schlägt sich wacker. Ausstattung und Verarbeitung sind eher bescheiden, und im Nässtest stolperte der Büse leicht. Gute Passform und Schutzwirkung passen wiederum. Ordentlicher Allrounder.

MOTORRAD-Urteil: Befriedigend

Foto: mps-Fotostudio

Dainese Axon

Anbieter: Dainese, Telefon 089/35396766, www.dainese.com
Preis: 99 Euro
Farben: Schwarz, Schwarz mit Grau oder Rot
Größen: XXS bis XXL

Plus:
Passform insgesamt gut, Nässetest anstandslos passiert, isoliert auch noch gut bei Temperaturen um zehn Grad. Trocknet nach Regenfahrt vergleichsweise schnell. Tadellose Verarbeitung, hochwertiges Leder an Innenhand, Gore-Tex-Membran.

Minus:
Futter verschiebt sich, bei starken Bremsungen rutscht die Innenhand hin und her. Abstreifschutz trotz Handgelenkriegel aufgrund eines zu elastischen Aufbaus nur mäßig und an Oberhand nur vergleichsweise dünnes Textilmaterial ohne wirkungsvolle Verstärkungen. An warmen Sommertagen (über 20 Grad) entsteht schnell ein recht schwitziges Innenklima.

Fazit:
Der teure Axiom ist bequem, leicht und wasserdicht. Allerdings hat er einige Sicherheitslücken und ähnelt eher einem lockeren Freizeithandschuh als einem vollwertigen Motorradhandschuh. Für die durchschnittliche Leistung zu teuer.

MOTORRAD-Urteil: Befriedigend

Foto: mps-Fotostudio

Dane Staby

Anbieter: Motoport, Telefon 04451/915200, www.motoport.de
Preis: 84 Euro
Farbe: Schwarz
Größen: XS bis 3XL

Plus:
Sehr exakt und sicher im Griff bei Brems- und Kuppelvorgängen (auch und gerade bei Zwei-Finger-Technik). Guter Handkantenschutz durch umschließende Materialdoppelung mit hochwertigem Rindleder, gut sichtbare Reflektoren, bombenfester Handgelenk-Klettriegel, X-Trafit-Techologie. Gut proportionierte Stulpenlänge, angenehmes Futter, prima Innenklima selbst bei hochsommerlichen Temperaturen. Nässetest locker bestanden.

Minus:
An der Innenhand vergleichsweise spartanisch gepolstert, Naht drückt, aber erst auf Dauer störend. Wärmeleistung eher bescheiden, um 15 Grad allerdings noch akzeptabel. Daumen im Sturzbereich nur unzureichend durch dünnes Textilmaterial geschützt.

Fazit:
Billig ist er nicht, aber sein Geld absolut wert. Der Staby ist Sportler und Tourist in einem. Er zeichnet sich durch eine äußerst gelungene Passform aus und bietet gute Sicherheitsreserven, wenn man mal übers Ziel hinaus schießen sollte.

MOTORRAD-Urteil: Sehr gut

Foto: mps-Fotostudio

Hein Gericke Tour Lt X-Trafit

Anbieter: Hein Gericke, Telefon 0180/5229522, www.hein-gericke.de
Preis: 79,95 Euro
Farbe: Schwarz, Schwarz mit Rot
Größen: XS bis XXL

Plus:
Super im Griff, fast schon supersportlich, trägt nur dünn auf. Guter Grip in der Innenhand. Sehr ordentlich verarbeitet, schön leichter und hochwertiger Mix aus Leder und Textil an Oberhand. Wegen gutem Innenklima auch geeignet für warme Sommertage, insgesamt sehr angenehm zu tragen.

Minus:
Schnitt eher auf schlanke Hände ausgerichtet, bei kräftigen Händen passt eine Größe größer als gewohnt besser, die Proportionen stimmen dann aber nicht mehr (etwas zu lang geschnittene Handschuhfinger). Isolation schon bei Temperaturen um 15 Grad grenzwertig.

Fazit:
Die Macher vom tollen Tour LT haben begriffen, worum es geht: sportlichen Griff und touristische Ansprüche unter einen Hut zu bringen. Eine etwas bessere Wärmeleistung und ein nicht ganz so enger Schnitt, und der Handschuh wäre perfekt.

MOTORRAD-Urteil: Sehr gut

MOTORRAD-Kauftipp

Foto: mps-Fotostudio

Held Satu

Anbieter: Held, Telefon 08321/66460, www.held.de
Preis: 79,95 Euro
Farbe: Schwarz
Größen: 6 bis 12

Plus:
Ausgezeichnetes Griffgefühl, Proportionen gelungen. Bei sommerlicher Wärme kein schwitziges Innenklima durch angenehmes Futter, gleichzeitig ausreichende Wärmeleistung bis zirka zehn Grad. Stulpe lässt sich eng anlegen und gut unter der Jacke integrieren. Nässetest ohne Ausfälle bestanden, Verarbeitung und Ausstattung vorbildlich. Visier-Wischlippe aus Gummi, X-Trafit-Techologie, guter Abstreifschutz durch effizienten Handgelenk-Klettriegel sowie durch einen insgesamt sehr satten Sitz.

Minus:
Fingerknöchel nur durch das nicht ganz so sturzsichere Textil-Obermaterial geschützt, nur Schaumpolster als Verstärkungen an den Sturzzonen im Oberhandbereich.

Fazit:
Supereinfach in der Handhabung, absolut wasserdicht und eingestellt auf (fast) jede Wetterlage. Außerdem erstklassiger Griff und extrem bequem. Besser geht es kaum. Der Satu bietet für das Geld eine herausragende Leistung.

MOTORRAD-Urteil: Sehr gut

MOTORRAD-Testsieger

Foto: mps-Fotostudio

IXS Skogar

Anbieter: Hostettler, Telefon 07631/18040, www.ixs.de
Preis: 79,95 Euro
Farbe: Schwarz
Größen: XS bis 3XL

Plus:
Sehr hautfreundliches Futter, angenehm zu tragen, knackiger Sitz, beinahe schon sportlich, sicherer Griff auch bei schnell aufeinander folgenden Brems- und Kuppelvorgängen. Nässetest einwandfrei bestanden, absolut wasserdicht. Verarbeitung überdurchschnittlich, Gore-Tex-Membran und X-Trafit-Techologie. Tragen extrem dünn auf, besonders leicht.

Minus:
Isolation gering, Handschuh nur sommertauglich. Handgelenk-Klettriegel etwas zu schwach dimensioniert, spärliche Polsterungen an Handballen, Handkantenschutz unzureichend.

Fazit:
Auch die Schweizer setzen auf die X-Trafit-Technologie und schneidern einen extrem leichten und griffsicheren Handschuh für aktive Sporttouristen. Die Kehrseite: Der Skogar wärmt so gut wie gar nicht und taugt deshalb nur für den Sommer.

MOTORRAD-Urteil: Gut

Foto: mps-Fotostudio

Polo Mohawk

Anbieter: Polo, Telefon 0180/5225785, www.polo-motorrad.de
Preis: 49,95 Euro
Farbe: Schwarz
Größen: M bis 3XL

Plus:
Futter aus angenehmen Fleecematerial, Wärmeleistung ordentlich bis zehn Grad, einwandfreies Ergebnis beim Nässetest. Visier-Wischer, sehr guter Abstreifschutz, gepolsterte Oberhand und umlaufende Materialdoppelung an Handkante, bietet sehr passable Sicherheitsreserven.

Minus:
Komplizierte Bedienung von Stulpenverschluss, außerdem trägt Stulpe dick auf, lässt sich nur aufwendig unter engeren Ärmeln einstecken. Obermaterial an Fingerkuppen rutschig, dadurch schlechte Bedienung von Brems- und Kupplungshebeln (Abzüge bei aktiver Sicherheit).

Fazit:
Gute Ansätze, vor allem bietet der Polo-Allrounder ordentliche Sicherheit. Preis, Ausstattung und Verarbeitung sind ebenfalls schwer in Ordnung. Aber: Die komplizierte Handhabung und mäßige Passform verpatzen ein besseres Ergebnis.

MOTORRAD-Urteil: Befriedigend

Foto: mps-Fotostudio

Ixon Pro Apex

Anbieter: Shark Helme, Telefon 04108/458000, www.ixon.com
Preis: 84,00 Euro
Farbe: Schwarz, Schwarz mit Weiß
Größen: XS bis 3XL

Plus:
Gut sitzender Knöchelschutz im Karbon-Look am Handrücken. Handkantenschutz durch großflächig umlaufendes Leder.

Minus:
Sehr schwammiges Griffgefühl durch elastisches, neoprenähnliches Textilmaterial, dadurch Abstreifschutz trotz Handgelenkriegel stark beeinträchtigt. Schnitt insgesamt nicht gut, zu lange Finger. Material und Verarbeitung sehr bescheiden, stehen in keinem Verhältnis zum hohen Preis. Wenig atmungsaktiv, Futter wenig hautfreundlich, schwitziges Innenklima schon ab 15 Grad, isoliert nur mäßig. Im Nässetest drei Testmuster komplett durchgefallen mit starken Undichtigkeiten.

Fazit:
Ein hartes Urteil, aber die groben Schnitzer im Nässetest lassen kaum etwas anderes zu. Außerdem ist der Franzose viel zu schwammig im Griff, um dem eigenen sportlichen Anspruch gerecht zu werden. Die Preisansage ist nassforsch.

MOTORRAD-Urteil: Mangelhaft

Foto: mps-Fotostudio

Revit Club H2O

Anbieter: Revit, Telefon 0031/412696740, www.revit.eu
Preis: 59,99 Euro
Farbe: Schwarz
Größen: S bis 3XL (Herren),S bis L (Damen)

Plus:
Geschmeidiges Leder, sehr leichter und tragefreundlicher Handschuh, sportlich im Griff, enganliegend, gut tailliert, klassische Anmutung. Nässetest ohne Beanstandungen passiert, gutes Innenklima.Sehr guter Abstreifschutz.

Minus:
Isolation nur mäßig, aber ausreichend für kürzere Touren bei Temperaturen um 15 Grad. Bei starken Bremsungen und häufigem Umgreifen verschiebt sich das Futter, scheuert an der Innenhand minimal.

Fazit:
Klassikfans werden den vollledernen Club H2O lieben. Er bietet bei sehr knackigem Griff und guter Passform einen ausreichenden Wetterschutz, fühlt sich bei wärmerem bis heißem Klima aber am wohlsten. Heiß ist auch der Preis - Kauftipp!

MOTORRAD-Urteil: Gut

MOTORRAD-Kauftipp

Foto: mps-Fotostudio

Vanucci Fun 4 Tour

Anbieter: Louis, Telefon 040/73419360, www.louis.de
Preis: 69,95 Euro
Farbe: Schwarz mit Grau oder Beige
Größen: XS bis 3XL

Plus:
Sowohl beim Befülltest als auch im Tauchbad absolut wasserdicht. Bietet ordentlichen Sturzschutz durch Verstärkungen an der Handkante und durch Lederpolster an Oberhand.

Minus:

Finger sehr eng geschnitten, es spannt und drückt an Knöcheln, Futter verschiebt sich bei Bewegungen leicht. Innenklima mäßig, bei Temperaturen über 20 Grad schnell schwitzig. Wärmeleistung für touristische Orientierung nicht ausreichend. Verarbeitung eher mittelmäßig.

Fazit:
Leichter Handschuh mit hohem Textilanteil und hochwertigen Material-Zutaten (Outlast, Sympatex). Kleinere Schwächen in der Passform und beim Tragekomfort lassen den wirklich guten Vanucci allerdings nicht ganz vorn mitspielen.

MOTORRAD-Urteil: Gut

Zeichnung: Archiv

FAZIT

Ein Allrounder muss zwar nicht überall perfekt sein, aber in einer Disziplin so durchzurasseln wie der schlecht verarbeitete Ixon, das geht gar nicht. Am Nässetest gescheitert, Wetterschutz: mangelhaft! Die übrigen Kandidaten indes erledigen die strengen Anforderungen so ordentlich, dass sie alles andere als ein Fehlkauf wären. Sehr erfreuliche Bilanz: Sechs von zwölf Modellen treffen die passende Mischung aus Griff und Komfort sowie Sicherheit und Wetterschutz so gut, dass man sie am liebsten gar nicht mehr von der Hand nehmen möchte. In der Preisklasse um 80 Euro sind richtige Mängel also die Ausnahme und gute Leistung die Regel.

Expertenmeinung: Der Allround-Handschuh der Zukunft

Foto: Archiv

Reizvoll: einer für alles. Mit den Favoriten aus diesem Test fährt man schon mehr als gut. Doch da geht noch mehr. MOTORRAD fragte den Biomechaniker und Unfallanalytiker Florian Schueler, 63, von der Universität Heidelberg, wie ein perfekter Motorrad-Handschuh aussehen sollte.

"Zunächst zur aktiven Sicherheit: Wünschenswert wäre ein physiologisch-anatomisch angepasstes, wetterfestes Material. Idealerweise müsste man besser abstimmen, wie die Ergonomie und haptische Funktionalität (Griffgefühl) zwischen Fahrer und dem spezifisch von ihm benutzten Motorrad zusammenpassen. Ich könnte mir auch vorstellen, dass Handschuhe zukünftig über elektronische Sensoren die Leistungs- und Befindlichkeitssituation des Fahrers anzeigen können und im Abgleich mit fahrdynamischen Zustandswerten des Motorrades (Geschwindigkeit, Schräglage, Bremsen, Beschleunigen) gegebenenfalls Warnungen abgeben könnten! Auf diese Weise bekäme der Fahrer bessere Rückmeldungen und könnte seinen Fahrstil entsprechend anpassen. Nun zur passiven Sicherheit: Handschuhe dürfen einerseits bei unfallbedingten Schleuderbewegungen des Armes nicht abfliegen oder beim Rutschen über die Fahrbahn nicht abgestreift werden, so weit schon bekannt. Gute Handschuhe verfügen in der Regel ja schon jetzt über feste Klettriegel. Andererseits sollte bei einem Unfall, bei dem die Hand eingeklemmt wird, diese sich problemlos aus dem Handschuh und somit aus der Verletzungszone lösen können. Der Konstrukteur müsste quasi eine Soll-Reißstelle festlegen und umsetzen. Ferner sollte der Verletzungsschutz die Gefahr von Prallschlag, Einklemmung, Schürfungen und etwaigen nachfolgenden Infektionen der Hand umfassen. Ein strukturfunktionaler Mix aus steifer Außenschale und darunter liegender Dämpfungsschicht an Sturzzonen, grundsätzlich in Anlehnung an den Aufbau eines Helmes, kann ich mir diesbezüglich gut vorstellen.

Foto: mps-Fotostudio

So testet MOTORRAD

Um die Wasserdichtigkeit zu prüfen, wurden jeweils zwei Testmuster pro Modell mit Wasser befüllt, zwei weitere mussten ins Tauchbad. Je nach Stärke der Undichtigkeit gab es Punktabzüge. Die Wärmeleistung der Allrounder zeigte sich bei sehr frühlingshaften Temperaturen (um zehn Grad) während Testfahrten in Südfrankreich. Bei deutlich wärmeren Bedingungen (sonnig, um 25 Grad) überprüften die Tester Innenklima und Atmungsaktivität bei den einzelnen Handschuhen (abhängig von Oberstoff, Membran und Futter). Passform und Tragekomfort ermittelten sie auf einer fest definierten Landstraßenrunde (zirka 45 Minuten pro Paar) mit zahlreichen Kurven und schnellen Streckenabschnitten, die viele Kuppel- und Bremsvorgänge erforderten. Schwächen wie drückende Wülste oder sich verschiebende Futter zeigen sich dabei in der Regel umgehend und führen zu einer Abwertung. Wie viel Sicherheit der Handschuh bietet, ergab eine genaue Begutachtung der sturzrelevanten Zonen. Je nach Materialien (oder sogar Doppelungen), Polster und Protektoren wurde die Schutzfunktion beurteilt. Dabei auch sehr wichtig: der Abstreifschutz, der sich in erster Linie aus straffem Sitz und einem fest verschließbaren Handgelenkriegel ergibt.

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