Test wasserdichte Handschuhe Alles im Griff

Unförmige Überhandschuhe bei Regenfahrten sind längst nicht mehr aktuell. Heutzutage sorgen wasserdichte Membranen für trockene Finger – bei jedem Wetter. Elf Handschuhe mit Hartschalen-Knöchelschutz im Test.

Foto: Hertneck
Angeblich halten sie dicht: Handschuhe im Nässe-Test
Angeblich halten sie dicht: Handschuhe im Nässe-Test
Zugegeben, in Anbetracht des bombastischen und staubtrockenen Sommers 2003 denkt kaum jemand an Nässeschutz. Doch der nächste Regen kommt ganz bestimmt – und dann freut sich jeder Biker über trockene Hände. Wasserdichtigkeit war beim MOTORRAD-Handschuhtest jedoch nur ein Kriterium, ein weiterer Aspekt betraf die Sicherheit. Getestet wurden nur jene wasserdichten Fingerlinge, die mit den im Sportbereich längst in Mode gekommenen Hartschalen-Knöchelprotektoren aus Kunststoff oder Karbon ausgerüstet sind. Beide Voraussetzungen erfüllen noch nicht allzu viele Modelle. Immerhin elf Kandidaten trafen sich jeweils in dreifacher Ausführung (Größe zehn, elf und zwölf beziehungsweise L, XL und XXL) Anfang August zum Kräftemessen in Stuttgart.
Und Kräfte zu messen gehörte tatsächlich mit zum Testprogramm – in Form einer Schlagdämpfungsprüfung. Da es bislang im Gegensatz zu Helmen (ECE-Norm 22.05), Gelenkprotektoren (CE-Norm EN 1621-1) und Rückenprotektoren (CE-Norm prEN 1621-2) keine festgeschriebenen Vorgaben oder Vorschriften für die Schlagprüfung von Handschuhen gibt, hat sich MOTORRAD kurzerhand eigene Testbedingungen überlegt (siehe Kasten auf Seite 116).
Neben der Schlagdämpfung und der Wasserdichtigkeit lag ein spezielles Augenmerk auf der Praxistauglichkeit, die nicht zuletzt anhand ausgiebiger Fahrversuche überprüft wurde. Denn erst auf dem Motorrad lässt sich feststellen, ob die Handschuhe unangenehme Druckstellen verursachen oder das so wichtige Griffgefühl nicht befriedigt.
Besonders anfällig für Druckstellen ist die Gashand, da sie beim Fahren ständig konzentriert den Gasgriff betätigen muss und gleichzeitig meist ein oder zwei Finger auf dem Bremshebel ruhen. Haut es mit der Passform oder dem Schnitt an den Fingern nicht hin, zwickt und zwackt es vor allem im Bereich der Fingerwurzeln und -spitzen. Deshalb gehört eine intensive Anprobe unbedingt vor den Handschuhkauf.
Hinzu kommt natürlich, dass jeder
Biker eine andere Hand- und Fingerform besitzt und daher nicht blind auf die
Kaufempfehlung von Freunden oder Bekannten vertrauen sollte. Als sehr unangenehm bei Handschuhen erweisen sich zu kurze Finger. Sitzen die Exemplare bei entspannter Handhaltung noch zufriedenstellend, wird’s beim Umgreifen des Lenkers im Bereich der Fingerspitzen meist zu eng und auf Dauer unerträglich.
Diesbezüglich muss letztlich jeder selbst seinen Favoriten herausfinden. Wichtiger für die Praxisbewertung im Test waren die Ausführung von Klettriegel und Stulpe, das Griffgefühl, die Fingerbeweglicheit, die allgemeine Verarbeitung, der Kuschelfaktor des Innenfutters sowie die Winddichtheit der Probanden. Letzteren Punkt erfüllten alle Teilnehmer problemlos. Wasser- und Winddichtheit gehen allerdings auf Kosten der Atmungsaktivität. Für Sommer wie den diesjährigen eignen sich wasserdichte Handschuhe deshalb nur bedingt, da sie aufgrund ihrer Membrane zu gut isolieren.
Ein weiterer Teil des Praxistests bezog sich auf die Handhabung beim An- und Ausziehen. Nichts nervt mehr als ein Innenfutter, das beim Ausziehen mit aus den Handschuhen rutscht. Das nächste Überstülpen der Fingerlinge artet so zum ärgerlichen Geduldspiel aus. Insbesondere der Spidi fällt durch diese Unart aus dem Rahmen, doch auch Dainese und Germas tendieren dazu. Kleiner Tipp für den Kauf: Hände leicht anfeuchten und dann versuchen, die Wunschhandschuhe zwei-, dreimal schnell hintereinander an- und auszuziehen.
Maximal konnten die Kandidaten beim vorliegenden Handschuhtest 1000 Punkte erreichen. 500 in der Praxiswertung, 300 beim Nässetest und 200 bei der Schlagdämpfung. Mit 840 Punkten liegen die Tech Road Leather GTX von Alpinestars ganz vorn, wobei prinzipiell alle Testexemplare mehr oder weniger überzeugten. Selbst die im hinteren Drittel platzierten Teilnehmer haben gute Chancen, durch entsprechende Verbesserungen (beispielsweise Innenfutter befestigen oder Wasserdichtigkeit erhöhen) nächstes Mal besser abzuschneiden.
Noch ein letzter Tipp zum Schluss: MOTORRAD empfiehlt, als wasserdicht angepriesene Handschuhe gleich nach dem Kauf einem Dichtigkeitstest beispielsweise in einem Wassereimer zu unterziehen und undichte Exemplare umgehend im Rahmen der Garantieansprüche beim Fachhändler umzutauschen. Denn wie bereits erwähnt: Der nächste Regen kommt bestimmt.

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