Tourentipp

Drei Touren: Schwarzwald und Schwäbische Alb

Die Strecken im Schwarzwald und der Schwäbischen Alb sind eine Klasse für sich - vorausgesetzt, man weiß, welche Ecken man ansteuern muss. Drei Vorschläge für jeweils eine Tagestour im kurvigsten Winkel Deutschlands.

Foto: Schröder
Der Herbst kann kommen: tolle Tourentipps für den Schwarzwald und die Schwäbische Alb.
Der Herbst kann kommen: tolle Tourentipps für den Schwarzwald und die Schwäbische Alb.

Schlagen Sie spaßhalber eine Schwarzwaldlandkarte auf, setzen irgendwo Ihren Finger aufs Blatt und folgen einer dieser irrwitzigen roten oder (besser!) gelben Kurvenlinien. 30 Sekunden später tritt mit hoher Wahrscheinlichkeit folgender Effekt ein: feuchte Augen, Herzrasen und ein Zucken in der Gashand. Alles völlig normal, denn dieses Symptom ist hinreichend bekannt – genau wie das entsprechende Gegenmittel: Hinfahren! Und zwar sofort! Nach dem durchwachsenen Sommer muss es ja einen sonnigen Herbst geben. Falls doch nicht, dann diese Touren für den nächsten Frühling vormerken. Unbedingt!
Damit bei einer Runde durch den äußersten Südwesten Deutschlands keine Fragen offen bleiben, hat sich MOTORRAD schon mal auf Streckensuche begeben. Das Ergebnis: drei überaus kurvige Tagestouren, die durch den südlichen und mittleren Schwarzwald sowie auf die Schwäbische Alb führen. Ausgangspunkt ist jeweils das gemütliche Todtnau am Fuße des Feldbergs. Die ganze Sache hat nur einen Haken: Wie schön der Schwarzwald ist, ist kein Geheimnis. Die Region ist die meistbesuchte Deutschlands. Entsprechend eng geht es da an Wochenenden auf vielen Strecken und besonders rund um die Epizentren Feldberg, Titisee und Triberg her. Heißt: akute Staugefahr und schlimmstenfalls stundenlanges Schlangestehen für eine Tasse Kaffee. Am besten reist man für ein paar Tage unter der Woche an, dann ist der Spaß rundum perfekt.

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Foto: Schröder

Tour 1: Schwarzwald Süd

Die Strecke
Todtnau–Utzenfeld–Wieden–Belchen–Schönau–Todtmoos–Wehr–Richtung Rickenbach–Hütten–Hornberg–Richtung Herrschried–Segeten–Görwihl–Tiefenstein–Häusern–Sankt Blasien–Todtmoos–Bernau-Unterlehen–Schluchsee–Brünlisbach–Bonndorf–Schluchsee–Lenzkirch–Feldberg–Todtnau

Charakter
Teilweise anspruchsvolle, rund 270 Kilometer lange Runde über die fantastischen Hochstrecken sowie durch tief eingeschnittene Flusstäler im südlichen Schwarzwald. Unzählige enge Kurven und Kehren, nicht immer bester Asphalt. Die Region präsentiert sich vielerorts herb und weltabgeschieden, und oft geht’s kilometerlang ausschließlich durch dunklen Fichtenwald – Schwarzwald in Reinkultur. Besonders attraktive Passagen: die Strecke von Schönau bis Todtmoos (sehr schmaler, bisweilen holpriger Waldweg mit genialem Blick in den »Gletscherkessel Präg« und in Richtung Feldberg) sowie von Todtmoos nach Bernau (perfekt ausgebaute Kurvenstrecke durch die Hochmoorlandschaften mit tollen Aussichten). Die Fahrt durch das enge Albtal ist ebenfalls eine Klasse für sich. Hier unbedingt am südlichen Ende einsteigen und bergan fahren!

Karte: Mairdumont, Maucher

Treffs
Im »Café Bergfreunde« an der Straße Wiedener Eck–Obermünstertal treffen sich freitags die Oldtimerfans der Region. Samstagnachmittags kommt ein Teil der Szene auf dem Todtnauer Marktplatz zum gemütlichen Kaffee-und-Kuchen-Stopp zusammen. Etwas deftiger geht’s am Abend im Ort in der Biker-Kneipe »Pfeffermühle« her (www.motorraderlebnis-schwarzwald.de). Am Sonntagvormittag sieht man sich an der Staumauer des Schluchsees wieder.

Höhepunkte
Eine Abfahrt von der längsten Sommerrodelbahn Deutschlands (bei Todtnau) sollte man sich nicht entgehen lassen. Der Dom von Sankt Blasien verfügt nach dem Petersdom und dem Dom von Florenz über das drittgrößte Kuppeldach in Europa. Per Gondel auf den Gipfel des Belchen (1415 Meter), eine Pause im Biergarten vom »Gasthof Jägerstüble« (tolle Aussichtslage!) in Hornberg sowie ein Besuch in der Rothausbrauerei in Brünlisbach. Gegenüber der Brauerei befindet sich das Heimatmuseum »Hüsli« – kennt man als Wohnhaus von Dr. Brinkmann...

Infos

Karte: Mairdumont, Maucher
Unterkunft
Ein Bett für die Nacht findet sich in jedem Ort – keine andere Region Deutschlands ist touristisch so gut erschlossen wie der Schwarzwald. Da das Gros der Touristen Reisegruppen (Rentner und Gäste aus Asien) stellen, geht’s in den Orten in der Regel »gutbürgerlich« her: Kuckucksuhr-Bollerhut-Romantik bis zum Anschlag. Wer ein breiter gefächertes »Stadtleben« mit einer entsprechenden Kneipen- und Restaurantszene sucht, sollte besser Freiburg anpeilen.
Ansonsten eignet sich das beschauliche Todtnau gut als Dreh- und Angelpunkt für diverse Tagestouren. Rund um den Marktplatz finden sich mehrere Hotels und Restaurants. Ein Tipp für Motorradfahrer: das gemütliche »Hotel Lawine« in Fahl (fünf Kilometer östlich von Todtnau an der B 317). Pro Nacht und Nase fallen im Doppelzimmer ab 35 Euro an. Der zweiradbegeisterte Chef (und Guzzi-Fan) hält selbst erstellte, überaus detaillierte Tourentipps bereit, eine kostenlose Garage ist ohnehin Ehrensache. Infos: Telefon 07676/93330; www.lawine.de.
Je nach Routenwahl empfehlen sich folgende weitere günstige Unterkünfte: »Gasthof Alte Brauerei« in Mühlheim-Niederweiler, wo die Nacht pro Person ab 25 Euro kostet. Infos: Telefon 07631/2403; www.brauerei-niederweiler.de. Oder »Pension Haaser« in Biberach mit Preisen ab 21 Euro. Infos: Telefon 07835/8748; www.pension-haaser.de.
Der besondere Übernachtungstipp: der traumhaft gelegene »Zähringer Hof« in Stohren im Münstertal direkt unterhalb des Schauinsland. Küche und die Aussicht von der Terrasse sind allein einen Stopp wert. Ein Doppelzimmer kostet pro Person ab 35 Euro. Infos: Telefon 07602/256; Internet: www.zaehringerhof.de.

Infos
Die Tourismus GmbH Todtnauer Ferienland (Telefon 07671/969695) hat in Zusammen­arbeit mit dem örtlichen Motorradclub eine nahezu beispiellose Internetseite für Motorradfahrer erstellt. Unter www.todtnauer-ferienland.de finden sich neben zahlreichen speziellen Hoteltipps unter anderem zwölf ausführliche Routenvorschläge für Tagestouren im Dreiländereck Südschwarzwald, Elsass und Schweiz. Das komplette Tourenset mit einfachen Roadbooks und laminierten Landkarten kostet 4,90 Euro (zuzüglich Porto). Weitere ausführliche Infos bietet die Schwarzwald Tourismus GmbH, Telefon 0761/8964671; Internet: www.schwarzwald-tourismus.info.

Literatur
Der kompakte Führer »Schwarzwald« von Marco Polo (128 Seiten) informiert über­raschend ausführlich über die einzelnen Regionen des Schwarzwalds. Aus der gleichen Reihe stammt »Schwäbische Alb«. Preis pro Buch: 8,95 Euro. Von Bruckmann kommen »Die schönsten Routen im Schwarzwald« sowie »Die schönsten Routen in Baden-Württemberg« – zwei gut gemachte Motorradführer mit einfachen Roadbooks für je 12,95 Euro.
Zur Orientierung empfiehlt sich Blatt 18 »Hochschwarzwald, Bodensee« der MOTORRAD General Karte (reißfest und mit vielen Extra-Infos versehen) im Maßstab von 1:200 000. Preis: 5,90 Euro.

Tour 2: Schwarzwald Mitte - Auf Hochtouren

Foto: Schröder
Die Strecke
Todtnau–Feldberg–Neustadt–Jostal–Richtung Hinterzarten–Richtung Sankt Märgen–Hexenlochmühle–Furtwangen–Triberg–Oberprechtal–Gutach–Oberprechtal–Elzach–Waldkirch–Kandel–Sankt Peter–Sankt Märgen–Richtung Hinterzarten–Buchenbach–Freiburg–Schauinsland–Münstertal–Wieden–Todtnau

Charakter
Anspruchsvolle, rund 290 Kilometer lange Runde über die kurvigsten und höchsten Strecken des Schwarzwalds. Fast überall nahezu perfekter Asphalt (Ausnahme: der schmale Weg durch das Wildgutachtal zur Hexenlochmühle). Die an Wochenenden und Feiertagen für Motorradfahrer gesperrte, herrlich gewundene Auffahrt zum Schauinsland mutiert freitagnachmittags zur Rennstrecke für die heimische Sportlerfraktion. Fahranfänger oder touristisch orientierte Motorradler fühlen sich da schon mal bedrängt. Weitere, besonders attraktive Abschnitte: der holprige Weg durch das Wildgutachtal, die Strecke von Triberg bis Oberprechtal und weiter bis Gutach (ein grandioser Kurvenrausch!), die 14 Kilometer lange Auffahrt von Waldkirch zum Kandel, die Strecke zwischen Sankt Peter und Sankt Märgen sowie das Münstertal.
Karte: Mairdumont, Maucher
Treffs
Die Holzschlägermatte unterhalb des Schauinsland gilt als DER Treffpunkt für die Schräglagenfraktion. Ein Parkplatz, eine Schaukurve und jede Menge Action am Freitagnachmittag. Wesentlich gemütlicher geht’s an der Hexenlochmühle (Restaurant, Bier-garten) im Wildgutachtal südlich von Furtwangen her.

Höhepunkte
Der »Alemannenhof« in Titisee (östlicher Ortsausgang) verfügt über eine schöne Terrasse mit Blick auf den See – gut für eine zweite Tasse Kaffee. Der Triberger Wasserfall (163 Meter) gilt als der höchste Deutschlands (stets sehr gut besucht...). Die Panoramen vom Schauinsland und vom Kandel sind einmalig, das Deutsche Uhrenmuseum in Furtwangen lohnt bei etwas Zeit einen Besuch, und in Sankt Märgen lockt eine barocke Kloster­kirche in fantastischer Aussichtslage. Für die Pause am Nachmittag unbedingt ansteuern: »Gasthof Landwassereck« zwischen Oberprechtal und Gutach. Toller Biergarten in bester Aussichtslage!

Bergrennstrecke Schauinsland

Die rund zwölf Kilometer lange Strecke von Günterstal bis zum Gipfel des 1284 Meter hohen Aussichtsberg Schauinsland galt mit ihren 175 Kurven und Kehren als anspruchsvollste Bergrennstrecke Europas. Kaum verwunderlich, dass der »Internationale ADAC-Bergpreis«, der zwischen 1925 und 1984 insgesamt 38 Mal ausgetragen wurde, zum wichtigsten deutschen Bergrennen mutierte. Aufgrund strengerer Naturschutzgesetze wurde der »ADAC-Bergpreis« schließlich nicht mehr ausgetragen. Die seit vier Jahren stets im August stattfindende Oldtimerveranstaltung »Schauinsland Klassik« erinnert an diese grandiosen Rennen. Unter den 120 Startern befanden sich 2007 auch 40 Motorradfahrer. Infos: www.schauinsland-klassik.de.

Tour 3: Schwäbische Alb - Schwäbischer Grand Canyon

Foto: Schröder
Die Strecke
Todtnau–Feldberg–Neustadt–Richtung Eisenbach–Schwärzenbach–Bregenbach–Vöhrenbach-Villingen-Schwenningen–Trossingen–Denkingen–Gosheim–Wehingen–Schömberg–Ratshausen–Tieringen–Lochenstein–Tieringen–Richtung Fridingen–Oberdigisheim–Hossingen–Unterdigisheim–Richtung Fridingen–Bärental–Stetten–Storzingen (erster Weg im Ort rechts!) –Laim–Sigmaringen–Richtung Fridingen–Gutenstein–Beuron–Fridingen–Richtung Neuhausen–Stetten–Tuttlingen–Geisingen–Zollhaus–Bonndorf–Lenzkirch–Feldberg–Todtnau

Charakter
Leicht zu fahrende, rund 300 bis 380 Kilometer weite Tour von den Hängen des Schwarzwalds über die Schwäbische Alb mit ihren langen Auf- und Abstiegen sowie den geschwungenen Hochflächen-strecken bis ins obere Donautal. Größtenteils bester Asphalt, unterm Strich allerdings nicht ganz so kurvig wie die beiden Schwarzwald-Strecken. Besonders attraktive Passagen: der Abschnitt zwischen Schwärzenbach und Bregenbach, der einspurige Weg von Storzingen hinunter zur Donau sowie die Fahrt entlang der Donau von Sigmaringen bis Fridingen. Dort hat der Fluss eine tiefe Schneise in die Alb getrieben und wird über viele Kilometer von weißen, senkrechten Kalkfelsen flankiert – eine Art schwäbischer Grand Canyon. Wem die kurvige Rückfahrt über Bonndorf im südlichen Schwarzwald zu lang wird, sollte ab Tuttlingen über die B 311 nach Titisee und von dort über die B 317 direkt bis Todtnau fahren.
Karte: Mairdumont, Maucher
Treffs
Der Parkplatz oberhalb der extrem kurvigen Auffahrt zum Lochenstein (963 Meter) südlich von Balingen ist quasi das Gegenstück zur Holzschlägermatte am Schauinsland: Hier trifft sich an den Wochenenden die Schräglagenfraktion.

Höhepunkte
Die üppige Kuchenauswahl (25 Sorten!) im »Café Feldbergblick« in Schwärzenbach, das märchenhafte Schloss Sigmaringen sowie das nette Örtchen Gutenstein am Donauufer, das mit gemütlichen Biergärten lockt und ein idealer Ausgangspunkt für Kanutouren ist. Praktisch gleich nebenan: das prächtige Benediktinerkloster Beuron, ebenfalls ein guter Ort für einen Kaffee- und-Kuchen-Stopp.

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