Der Motorrad-Airbag von Alpinestars - Tech Air Race.

Alpinestars Tech Air Race vorgestellt Airbag-Lederkombi von Alpinestars

Bekleidungshersteller Alpinestars präsentierte seine Airbagtechnologie für Lederkombis im Straßeneinsatz. Das Tech Air System soll, laut Hersteller, ab sofort im Handel erhältlich sein. Kostenpunkt: 6000 Euro für die Lederkombi mit integriertem Tech Air System.

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Foto: Braun
Laut Hersteller hat das Sicherheitssystem ein Gesamtgewicht von 450 Gramm.
Laut Hersteller hat das Sicherheitssystem ein Gesamtgewicht von 450 Gramm.

Hersteller für Motorrad-Schutzkleidung arbeiten intensiv an Airbag-Lösungen für Lederkombis. Alpinestars bringt mit Tech Air Race eine Variante in den Handel, deren Airbag-Technik unabhängig vom Motorrad funktioniert und damit die bisher nötige Reißleine überflüssig macht. Auch ein Steuergerät, das - am Motorrad montiert – Bewegungsdaten liefert, ist nicht mehr nötig

Laut Hersteller sind in die Tech Air Race-Lederkombi fünf Sensoren eingearbeitet, die der Steuerelektronik des Airbags alle nötigen Bewegungsdaten übermitteln. Daraus errechnet das System die jeweilige Situation, in welcher der Fahrer sich befindet. „Passende Algorithmen zu finden war die größte Herausforderung bei der Entwicklung“, sagte der Projektverantwortlich für das Tech Air System Colin Ballantyne. Damit das System nicht ungewollt auslöst - wenn sich die Kombi beispielsweise im Kofferraum eines Pkws befindet – haben Ballantyne und seine Kollegen mehrere Schutzmechanismen eingebaut, darunter ein Magnetschalter am Reißverschluss, der zum scharf schalten geschlossen sein muss und ein Hauptschalter, der das gesamte System deaktiviert.

Ist das System eingeschaltet und der Magnetschalter geschlossen, erkennt die Steuerelektronik mit Hilfe der Sensoren, ob der Fahrer auf dem Motorrad sitzt und die Maschine sich bewegt. Erst dann schaltet die Elektronik den Airbag scharf.

Ergeben die Berechnung eine Gefahrensituation, löst das System den Airbag aus. Dabei ist entscheidend, dass das System schnell reagiert und den Airbag mit Gas befüllt bevor es zum Aufprall kommt. "Der Airbag ist innerhalb von 45 Millisekunden vollständig mit Gas befüllt", sagte Ballantyne. Das entspreche einer Gasmenge von 2,8 Liter. Das dafür nötige Gas liefert eine Kaltgaspatrone, die ein Gemisch auf Stickstoffbasis enthält. Erkennt das System einen Unfall löst es einen pyrotechnischen Vorgang aus, der das Gas aus der Kartusche in den Airbag strömen lässt.

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Foto: Braun
Aufgeblasen: Alex Hofmann im Alpinstars Tec Air Race mit ausgelöstem Airbag.
Aufgeblasen: Alex Hofmann im Alpinstars Tec Air Race mit ausgelöstem Airbag.

Damit der Airbag beim Auslösen das Kleidungsstück nicht beschädigt, sind im Bereich der Airbags spezielle Dehnfalten in die Kombi eingearbeitet. Nach etwa 20 Sekunden beginnt das Gas wieder aus dem Airbag zu entweichen. Eine Besonderheit beim Tech Race System gegenüber bekannten Produkten ist die Bestückung mit zwei Gaskartuschen. Nach einem Unfall kann das System bei Bedarf ein zweites Mal auslösen. Die beiden Gaskartuschen sind direkt an der Steuerelektronik befestigt.

Für die Stromversorgung des Systems sorgt ein Akku. Der scharf geschaltete Airbag soll laut Hersteller mit den Batterien acht Stunden funktionieren. Danach muss der Akku an die Steckdose. Nach etwa 1,5 Stunden sei der Ladevorgang abgeschlossen, sagte Ballantyne. Auf eine Sicht von vier bis fünf Jahren oder etwa 2000 Ladevorgängen sei bei den Akkus kein nennenswerter Memory-Effekt zu erwarten, was bedeutet, dass auch nach dieser Zeit der scharfe Airbag acht Stunden einsatzbereit ist.

Foto: Hersteller
Für 6000 Euro gibt es Airbag und Lederkombi im Paket.
Für 6000 Euro gibt es Airbag und Lederkombi im Paket.

Die Kosten für das neue Airbagsystem liegen laut Alpinestars bei 6000 Euro für Technik und Motorradkombi. Das Befüllen der Gaspatronen nach einem Airbageinsatz koste 250 Euro, sagte der Alpinestars-Pressesprecher Jeremy Appleton. Außerdem sollte ein Techniker das System einmal pro Jahr prüfen und warten. Die Kosten hierfür seien noch nicht bekannt, denkbar sei aber eine Servicepauschale.

Derzeit gibt es neben der Technik von Alpinestars nur ein anderes Airbagsystem, das ohne Kontakt zum Motorrad funktioniert - das D-Air Racing von Dainese. Dieses wird zur Markteinführung allerdings bei etwa 2700 Euro liegen. Verzichten müssen Dainese-Kunden auf die zweite Gaskartusche und damit auf das zweimalige Auslösen des Airbags. Dafür gibt Dainese-Manager Vittorio Cafaggi die Befüllzeit in der Rennvariante des D-Air mit nur 15 Millisekunden an, für die Straßenversion D-Air Street sind es ebenfalls 45 Millisekunden (siehe MOTORRAD 04/2011). Nach zahlreichen Tests mit Dummies, darf man gespannt sein, was die Airbag-Kombis in der Praxis leisten.

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