Produkttest: Fünf Highend-Textilkombis Fünf Motorrad-Kombis ab 1000 Euro im Test
Willkommen im Olymp der Fahrerausstattungen. Fünf Kombis der Preisklasse 1000 Euro plus x müssen in einem Intensivtest über 5500 Kilometer Farbe bekennen: Ist teuer immer gut?
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Höher, weiter, schneller: Der Trend, dass heute alles größer, ausgefeilter und umfangreicher sein muss, macht auch vor den Bekleidungsherstellern im Motorradbusiness nicht halt. Analog zum Motorrad, das heutzutage wie selbstverständlich 20.000 Euro kosten darf und eine Vielzahl technischer Spielereien und Finessen aufweist, kann man sich entsprechend einkleiden: Die Textilkombi aus raffiniert versponnenen Polyamid- und Polyesterfäden zum Preis von deutlich über 1000 Euro ist ebenfalls keine Seltenheit, sondern wird von Premiummarken wie Rukka, Spidi oder Stadler ohne Wimpernzucken in die Läden gehängt. Bleibt die Frage: Ist damit sorgenfreies Touren durch alle Wetterkapriolen einer typischen Motorradsaison angesagt?
Der große MOTORRAD-Reifentest mit seiner 5500 Kilometer langen Verschleißfahrt von Stuttgart bis an die spanische Westküste bot genau das richtige Umfeld, um den Anzügen der Champions League mal gehörig auf den Zahn zu fühlen. Schließlich wird hier im Zeitraffer von sieben Fahrtagen eine komplette Saison abgespult. Mit dabei: frostige Morgenstunden im einstelligen Temperaturbereich, mehrstündiger Dauerschiff auf Autobahnen und Landstraßen, glühendheißes Kurvenwedeln bei weit über 30 Grad Außentemperatur.
Bei der ersten Anprobe stellt sich heraus: Auch in der Superteuer-Liga wird nur mit Wasser gekocht. Die Stoffe fühlen sich nicht sehr viel anders an als solche, die in günstigen Synthetikanzügen verarbeitet werden. Protektoren vorhanden, aber die sind ja auch in einer 200-Euro-Kombi beim Discounter längst Standard. Beim Zuziehen mancher Reißverschlüsse ist ebenso Fummeln angesagt wie bei den Zippern in Billigkombis. Somit die spannende Frage: Wird der große Aha-Effekt erst auf der Strecke kommen?
Nicht ganz: Bei genauerem Hinsehen lassen sich bei manchen Kombis schon etliche Unterschiede herausarbeiten. Beispiel Spidi: Die Edelkombi der italienischen Marke bietet einige Finessen wie Brustprotektor oder Trinkblase. Dazu kommt ein raffiniert ausgetüfteltes Taschenpaket, das auch zur Tanktasche fürs Motorrad umfunktioniert werden kann. Doch der vielschichtig verspielte Aufbau führt bei Tester Rainer Froberg irgendwann zum Overkill. Bis nach Tankstopps oder Mautstationen wieder alles sauber geschlossen und richtig verstaut ist, können etliche Minuten vergehen, in denen der Rest der Truppe bereits fertig aufgesattelt und mit laufenden Motoren leicht genervt auf den Abflug wartet.
Deutlich einfacher gestrickt scheint da das Zwillingspärchen von Stadler und Touratech zu sein. Allerdings nur bei wirklich oberflächlicher Betrachtung. Wer den Anzug seziert, wird feststellen, dass man hier den Wetterschutz umgekrempelt hat. Bislang üblich bei sogenannten Hybridkombis war, dass die wasserdichte Klimamembrane für den Umbau zum luftigen Sommeranzug aus Jacke und Hose herausgenommen werden musste. Nicht so bei Compañero und Concept/Invention. Das regenfeste und gleichsam atmungsaktive Gore-Tex-Laminat wird in Form einer Überjacke, bzw. -hose getragen. Was logisch betrachtet deutlich sinnvoller ist.
Der Regenschutz ist so - und vor allem unterwegs - viel schneller ab- oder übergestreift. Der herkömmliche Gegenpart ist bei den Kombis von Rukka oder Alpinestars zu betrachten: Um die zur gut durchlüfteten Sommerkombi umzubauen, muss man sich komplett entkleiden. Das ist nichts, was man gemeinhin am Straßenrand macht. Oder zum Rückbau bei einsetzendem Regen in der Gischt unter einer Autobahnbrücke machen möchte.
Was also zunächst nach einem handfesten Vorteil klingt, relativiert sich allerdings auf der Waage. Rund 25 Prozent an Mehrgewicht gegenüber der herkömmlichen Variante muss der Stadler- und Touratech-Pilot ertragen. Kein Wunder, schließlich besteht der Gore-Tex-Überanzug aus einem kräftigen und wegen der Schutzfunktion entsprechend abriebfesten Cordura-Gewebe. Der Gore-Tex-Wetterschutz von Rukka und Alpinestars besteht hingegen aus einem federleichten, kompakt verstaubaren Futterstoff. Trotz des zweilagigen Aufbaus kommen die beiden Tester in Stadler und Touratech auf den ersten, kühleren Etappentagen mächtig ins Frösteln. Die Gore-Tex-Klimamembrane ist zwar winddicht, isoliert aber nicht gegen Kälte. Ein Thermofutter, Standard beim Rest des Testfelds, wird nicht mitgeliefert. So muss der Träger durch entsprechende Wahl der Unterbekleidung für eine angenehme Isolierung sorgen.
Unser Tipp: Eine Windstopper-Funktionswäsche ist das Minimum, was unter dem Stadler- bzw. Touratech-Anzug getragen werden sollte. Selbst bei relativ warmen Außentemperaturen zwischen 15 und 20 Grad kann man in Compañero und Concept/Invention bereits ins Frösteln kommen - jedenfalls auffällig mehr als in herkömmlichen Anzügen. Hier muss bereits über eine zweite Lage Funktionswäsche nachgedacht werden. Problematisch kann das bei Alpentouristen werden, die aus den heißen Tälern auf frostige Passhöhen klettern. Hier muss man ganz individuell den passenden Mix aus komfortabler Funktionswäsche finden.
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Auf der Gewinnerseite stehen jedoch beide Kombis, wenn es um den ultimativen Regenschutz geht. Auf der mörderischen Regenetappe durch die französischen Cevennen gaben nach zwei Stunden Rukka und Spidi auf, der Alpinestars-Pilot rettete sich mit leicht feuchtem Hosenlatz ins Hotel. Strahlende Gesichter hingegen bei den Testern von Touratech und Stadler, die erst bei der warmen Dusche im Hotel Wasser auf ihrer Haut spürten.