Kinder auf dem Motorrad Kinderkram

Darf das Kind mit aufs Motorrad? Eine strittige Frage. Eltern müssen selbst entscheiden, ob der Nachwuchs für das gemeinsame Abenteuer reif ist. Keine Diskussionen gibt’s indes über die Kleidung: Kids brauchen richtige Motorradklamotten!

Foto: fact
Hier finden Sie die richtigen Klamotten für Kinder.
Hier finden Sie die richtigen Klamotten für Kinder.
Motorradfahrer teilen gerne. Am liebsten ihr Hobby. Schön, wenn sich zwei Partner in dieser Sache einig sind, denn dann gibt’s keinen Streit bei der
Planung von gemeinsamer Freizeit. Kommen Kinder hinzu, stellt sich schnell
die Frage, ob der Nachwuchs einfach so
aufgesattelt werden kann. Von Gesetzes wegen ist das möglich, der Paragraph
35a (9) der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) schreibt vor: »Krafträder, auf denen ein Beifahrer befördert wird, müssen mit einem Sitz für den Beifahrer ausgerüstet sein. Dies gilt nicht bei der Mitnahme eines Kindes unter sieben Jahren, wenn für das Kind ein besonderer Sitz vorhanden und durch Radverkleidungen oder gleich wirksame Einrichtungen dafür gesorgt ist, dass die Füße des Kindes nicht in die Speichen geraten können.«
Aber auch wenn das Kind unter diesen Voraussetzungen auf dem Motorrad mitfahren darf, heißt das noch lange nicht, dass es auch will. Ralf Kühl, Inhaber vom Motorrad-Kinderland in Moosinning bei München, kennt solche Fälle. Etwa den Familienvater, der von einer Solomaschine auf ein BMW-Gespann umgestiegen ist in der Hoffnung, nun die ganze Familie glücklich zu machen. Leider haben die beiden Kleinen nicht einen Fuß in den Beiwagen gesetzt, geschweige denn auf dem Rücksitz Platz genommen. Und obwohl dieses Beispiel wohl eher eine Ausnahme ist, sollte man erst prüfen, ob tatsächlich das Kind und nicht nur der Fahrer Interesse an der gemeisamen Ausfahrt hat.
Damit die Freude nicht getrübt wird, sollten die Kleinen richtig bekleidet sein. Adäquate Klamotten für den Nachwuchs finden sich ab Größe 98. Die Kleidung muss, genau wie bei Erwachsenen, perfekt sitzen und sollte an den sturzgefährdeten Zonen besonders reiß- und abriebfest sein. Feste Nylon-Stoffe und ordentliche Protektoren, möglichst CE-geprüft, die nicht verrutschen, oder zumindest eine Nachrüstoption sind positive Kriterien.
Prima ist auch eine wasserdichte und windabweisende Klimamembran. Einige Hersteller bieten über Reißverschlüsse größenverstellbare Anzüge an, die mit den Kindern mitwachsen können. So muss nicht jede Saison ein neues Stück her.
Schwieriger ist die Sache bei den Stiefeln: Werden die Füße zu groß, müssen neue Botten her – ein teurer Spaß, denn ein guter Stiefel kostet schnell über 100 Euro. Wer sich aus Kostengründen keine Motorradstiefel leisten möchte, sollte wenigstens auf Wanderstiefel aus Leder zurückgreifen, die über den Knöchel reichen. Diese taugen zudem im normalen Alltag und sind allemal besser als Textil- oder gar Gummistiefel, die bei einem Sturz böse mit der Haut verschmelzen könnten.
Das rät auch Experte Kühl. Sein Motorrad-Kinderland befindet sich im Keller
des Wohnhauses und ist, anders als der Name vermuten lässt, recht unspektakulär: ein kleiner, liebevoll gestalteter Ausstellungsraum mit ein paar Kleiderständern, einem Regal voller Helme und einem voller Stiefel. »Die wenigsten Kunden kommen direkt zu mir. Die meisten Artikel verschicke ich nach ausgiebiger telefonischer
Beratung auf Bestellung per Post«, sagt der 39-jährige Industriekaufmann, der das Geschäft mit der Motorrad-Kinderbekleidung nebenher in seiner Freizeit betreibt.
Wer zu Kühl kommt, wird zunächst
gefragt: kaufen oder mieten? Letzteres ist gerade für diejenigen interessant, die mit ihren Kindern einen ersten Versuch wagen wollen oder die Klamotten nur für einen
Urlaub benötigen. Die Monatsmiete für ein Kleidungsstück beträgt etwa ein Zehntel des Verkaufpreises. »Die rund 50 Euro für eine komplette Leih-Ausrüstung sollten übrig sein, bevor man viel Geld investiert und die Kleinen nach der ersten Testrunde rund um den Block doch lieber keine
Karriere als Sozius machen wollen«, wirbt Kühl für die Miet-Option, die bisher nur wenig bekannt ist. Dabei bietet der Bundesverband der Motorradfahrer (BVDM) schon seit Jahren ein so genanntes Leder-Leasing für den Nachwuchs an, dass heißt, eigens für den Verband gefertigte Lederkombis in Kindergrößen können gemietet werden. Darum kümmert sich BVDM-
Mitglied Kühl ehrenamtlich zusätzlich zu seinem eigenen Verleih. Da die meisten Interessenten heute jedoch Textilanzüge bevorzugen, ist Lederbekleidung für Kinder von marginaler Bedeutung.
Für Familien, bei denen der Nachwuchs regelmäßig auf Motorradtouren
mitgeht, empfiehlt es sich, einen Satz
passender Kleidung zu kaufen. In den letzten Jahren hat sich Angebot erfreulicher-
weise vergrößert. Auch wenn keine großen Umsätze zu erwarten sind, haben Filial-
ketten und Versender wie Büse, Hostettler (Ixs), Louis oder Polo mittlerweile ganze Kinderlinien im Programm. Auch kleinere Hersteller und Anbieter wie Cima-Schlier, Orina oder Difi können die jungen Mitfahrer angemessen ausstatten.
Ausschlaggebendes Kaufkriterium ist für die meisten Eltern der Preis. Da die Kleidung in der Regel nur eine Saison passt, liegt die Schmerzgrenze bei 100 Euro pro Teil. Helmhersteller wie Uvex, Kiwi oder Vemar vertreiben spezielle
Kinder-Integralhelme, die dank kleinerer Helmschale leichter ausfallen und besser verträglich mit der noch nicht beson-
ders ausgereiften Nackenmuskulatur des
Kindes sind. Von Jet-Helmen, die keinen Kinnschutz vorweisen, sollte man auf dem Solomotorrad absehen.
Neben der richtigen Kleidung gelten noch einige Regeln, damit alle Spaß
haben: Für einen Passagier aus der
Pampers-Liga (unter drei Jahre) ist das Motorrad tabu. Es sei denn, ein Bei-
wagen ist vorhanden. Der Mitfahrer gibt den Pausentakt vor (Fahrzeit sollte bei
kleineren Kindern 30 Minuten nicht überschreiten!), und die Tour sollte kindgerecht mit Stopps etwa an Spielplätzen, spannenden Sehenswürdigkeiten oder auch mal
an der Eisdiele gestaltet sein. Außerdem wichtig: Fahren wie in der Fahrschule, nicht wie auf der Rennstrecke! Und das Kind muss so reif sein, dass es weiß,
was alles während der Fahrt passiert (Schräglagen, Überholmanöver oder Ähnliches). Begreift das Kind nicht, dass es
bei Langeweile, zur Pinkelpause oder bei
einem anderen Problem ein vereinbartes Zeichen geben muss (zum Beispiel dem Fahrer auf den Oberschenkel klopfen), ist es als Beifahrer auf einem Solomotorrad
nicht geeignet. Eine Gegensprechanlage ist ideal, denn Kids wollen sich unmittelbar mitteilen, wenn ihnen etwas auffällt.
Nun mag man sich vielleicht fragen,
ob da der Fahrspaß nicht auf der Strecke bleibt. Familien- und Motorradfan Ralf Kühl, der mit seinen zwei Söhnen regelmäßig auf zwei Rädern unterwegs ist,
erklärt, warum es sich trotzdem lohnt:
»Für Kinder ist Motorradfahren ein besonderes Abenteuer. Dieses zu teilen und
gemeinsam die Freizeit zu gestalten, ist mir wichtiger als der Fahrspaß, den ich auch alleine haben kann.“

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