Produkttest: Klassische Leder-Zweiteiler Neun klassische Fahreranzüge aus Rindsleder im Test, plus Pflegetipps für Ihre Lederkombis

Leder ist immer noch erste Wahl, wenn es um die beste Kombination von Schutz und Komfort für Motorradfahrer geht. Im Test: neun klassische Fahreranzüge aus klassischem Rindsleder für flotten Kurvenswing und geschmeidiges Cruisen.

Foto: Lohse

Man könnte meinen, dass Motorradfahrer, die auf Cruisern oder klassischen Naked Bikes unterwegs sind, niemals hinfallen. So jedenfalls die kritische Bestandsaufnahme der Lederkombis aus diesem Test mit Fokus auf die Sicherheitsausstattung. Protektoren sind im Regelfall zwar vorhanden, werden aber äußerst sparsam eingesetzt. Konsens herrscht, wenn es um den Schutz von Schultern, Ellbogen und Knien geht: Diese werden bei allen Herstellern im aktuellen Test von gut sitzenden Protektoren geschützt - auch wenn einige meinen, besonders kleine Größen in besonders stattlichen Herrengrößen einsetzen zu können. Ein echtes Rotstiftthema scheint der Schutz der Hüfte zu sein. Unverständlich, denn beim Abflug ist ein Aufprall im Hüft-/Beckenbereich keine Seltenheit.

Die meisten Anbieter setzen auf dünne Alibi-Schutzpölsterchen, die bei einem Aufschlag auf Asphalt hoffnungslos überfordert wären. Dabei sind Hüftprotektoren kein Novum in der Schutzausrüstung. Nahezu jeder hat Nachrüstware im Programm und seine Hosen so vorbereitet, dass ein Austausch in Minutenschnelle erledigt ist. Ein wenig besser sieht das Bild in Sachen Rückenschutz aus. Immerhin sind drei der neun Anzüge in diesem Test mit ordentlichen Rückenprotektoren bestückt. Der Rest des Feldes ist für den Einsatz echter Schutzmaßnahmen präpariert. Taschen in den Futterstoffen nehmen problemlos einen CE-genormten Rückenprotektor auf. Allerdings lautet die Formulierung wie auch schon bei den Hüftprotektoren: nur gegen Aufpreis!

Der Handel redet sich an dieser Stelle gerne mit den Worten raus, dass Rückenprotektoren bereits weit verbreitet sind und man sich dieses Ausstattungsmerkmal deshalb locker sparen kann. Das klingt so, als ob Motorradhersteller sich auch die Erstbefüllung mit Motorenöl sparen können. Die meisten Fahrer haben doch noch ein gut gefülltes Gebinde vom letzten Ölwechsel unter der Werkbank stehen. Ein neuralgischer Punkt ist weiterhin die feste Verbindung von Jacke und Hose. Rundumlaufende Reißverschlüsse sind mittlerweile klassenüblicher Standard - auch wenn es an der sinnvollen Umsetzung hapert.

Wird der Reißverschluss an allen Hosen im Test noch anständig im Leder vernäht, muss in den Jacken im Regelfall das Futter herhalten. Nur wird das im Ernstfall Sturzkräften wenig entgegensetzen können. Außen hui, innen pfui? Rein äußerlich machen die Jacken und Hosen eine gute Figur. Unten drunter hapert einiges. Dabei ist auch bei klassischen Lederhäuten zeitgemäßer Schutz angesagt.

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Büse Nogaro

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Foto: mps-Fotostudio

Anbieter: Heino Büse, Tel. 0 24 71/1 26 90, www.buese.com
Preise: Jacke 389,95 Euro, Hose 309,95 Euro, Set 699,95 Euro
Größen: 48 bis 64 und 26 bis 30, Hose in Langgrößen erhältlich
Farbe: Schwarz
Gewicht: 5,6 kg (Gr. 54)
Herstellungsland: Vietnam
Material: wasserfest imprägniertes Rindsleder, herausnehmbare Sympatex-Klimamembrane

    Passform und Tragekomfort: Mit vergleichsweise weitem, lässigem Schnitt spricht der Büse-Anzug vor allem Touren- und Cruiserfans an. Durch seinen vielschichtigen Aufbau (mit Klima-Insert) sitzt er aber etwas unelastisch. Arm- und Beinlängen passen, die Brust wirft mit vier Außentaschen einige Falten, die bereits bei aufrechter Sitzhaltung drücken, wie auch die Schnalle am Hosenbund. Jacke und Hose fallen in Kombination mit Funktionswäsche (Windstopper) eng aus. Wer Wert auf Komfort legt, muss ggf. eine Nummer größer kaufen.

    Sicherheit: Protektoren mit ordentlichen Schlagdämpfungswerten liegen satt und druckfrei an Schultern, Ellbogen und Knien an. Rücken und Hüfte sind nur dünn gepolstert und müssen gegen Aufpreis mit echten Protektoren bestückt werden. Der umlaufende Verbindungsreißverschluss ist in der Hose anständig im Leder, bei der Jacke aber nur im Futter vernäht. Die Jacke ziert eine dünne Reflexpaspel mit mäßiger Wirkung.

      Ausstattung und Verarbeitung: Regenfeste Ausstattung, dazu große Belüftungseinlässe für den Sommer - klimatisch passts. Auch Verarbeitung und Detailarbeit glänzen durch hohe Ansehnlichkeit.

      Fazit: Solide Allseason-Kombi mit lässigem Look, die allerdings an etlichen Stellen zwickt und kneift. Funktional gefallen die gut greifbaren Zipper und leicht zu schließenden Druckknöpfe. In puncto Sicherheit besteht Ausbaupotenzial.

        MOTORRAD-Urteil: gut

        Dainese Cage/Alien

        Foto: mps-Fotostudio

        Anbieter: Dainese, Tel. 0 89/35 82 72 70, www.dainese.de
        Preise: Jacke 349 Euro, Hose 329 Euro, Set 678 Euro
        Größen: Jacke 44 bis 62, Hose 44 bis 60 plus Kurz- und Langrößen
        Farben: Schwarz, Schwarz/Weiß, Schwarz/Blau, Schwarz/Rot
        Gewicht: 4,4 kg
        Herstellungsland: Ukraine
        Material: Rindsleder, festvernähtes Futter aus Polyester

        Passform und Tragekomfort: Reinschlüpfen und wohlfühlen. In dem Dainese-Set werden touristisch-komfortabler Schnitt und sportlich-knackige Passform ideal gepaart. Einziges Manko: Der Kragen steht eine Spur zu weit ab, im Nacken ist es selbst mit gutem Halstuch stets leicht zugig. Die Jacke mit langem Rückenteil und die Hose mit breitem, hinten angenehm hochgezogenem Bund überlappen sich auch bei sportlich gebückter Haltung ohne Zug und Druck.

        Sicherheit: Die Dainese-typischen Hartschalenprotektoren sind exakt und ohne Druckstellen in die Schulter-, Ellbogen- und Kniepartien von Jacke und Hose eingearbeitet. Die Dämpfungswerte sind gut, die Schutzflächen (Schulter) zum Teil zu klein. Die Hüfte ist nur gepolstert, Rücken und Brust müssen gegen Aufpreis mit Protektoren bestückt werden. Der Verbindungsreißverschluss ist im Leder der Hose, bei der Jacke nur im Futter vernäht. Die Reflektorenleistung ist gut.

        Ausstattung und Verarbeitung: Geschmeidiges Leder mit festem Griff, gut greifbare Zipper, satt schließende Druckknöpfe, praxisgerechte Details. Das passt.

        Fazit: Die schön gemachte Tourenkombi mit sportlich straffem Sitz glänzt mit hoher Bandbreite und fühlt sich auf fetten Powercruisern genauso wohl wie auf sportlichen Naked Bikes. Die Verarbeitungsqualität ist sehr ansehnlich.

        MOTORRAD-Urteil: gut

        IXS Tahoma/ Ruben Pro

        Foto: mps-Fotostudio

        Anbieter: Hostettler, Tel. 0 76 31/1 80 40, www.ixs.de
        Preise:
        Jacke 389,90 Euro, Hose 249,90 Euro, Set 639,80 Euro
        Größen:
        Jacke 48 bis 58, Hose 44 bis 66 plus Damen- und Zwischengrößen
        Farbe:
        Schwarz
        Gewicht:
        4,7 kg (Gr. 54)
        Herstellungsland:
        China
        Material:
        Rindsleder, festvernähtes Futter aus Polyester, herausnehmbare Thermoweste aus Polyester/Polyamid

        Passform und Tragekomfort: Mit seinem sehr weichen, geschmeidigen Leder sitzen Jacke und Hose wie die berühmte zweite Haut und engen in keiner Weise ein. Arm- und Beinlängen sind ausreichend bemessen. Der Kragen nervt geschlossen mit spürbarem Zug, und die Sitzfläche fällt eine Spur zu rutschig aus. Das Taschenvolumen ist sehr eng bemessen, bereits kleinere Gegenstände drücken gewaltig.

        Sicherheit: Geboten wird das klassenübliche Standardpaket mit Schulter-, Ellbogen- und (auffällig) unkomfortablen Knieprotektoren, die noch akzeptable Schlagdämpfungswerte erreichen, außen aber mit Metallkappen verstärkt werden. Hüfte und Rücken sind lediglich
        gepolstert, ein echter Protektor lässt sich nur im Rücken nachrüsten. Den Rücken ziert ein auffälliger Reflexeinsatz. Der Verbindungsreißverschluss ist nur bei der Hose im Leder vernäht, bei der Jacke sitzt er im Futter.

        Ausstattung und Verarbeitung: Thermoweste und Taschenvielfalt gefallen, weniger die schwergängigen Verschlüsse.

        Fazit: Die schwer im 80er Jahre-Retrolook gestylte, leicht glänzende Jacken-Hosen-Kombination macht in der Ausstattung voll auf Tour, sitzt aber wie eine knackige Sportkombi. Kleinere Defizite beim Anzieh- und Tragekomfort.

        MOTORRAD-Urteil: gut

         

        Hein Gericke Tripmaster

        Foto: mps-Fotostudio

        Anbieter: Hein Gericke, Tel. 01 80/5 22 95 22, www.hein-gericke.de
        Preise: Jacke 279,95 Euro, Hose 229,95 Euro, Set 509,90 Euro
        Größen: Jacke 50 bis 60, Hose 48 bis 58 und 25 bis 27
        Farbe: Schwarz
        Gewicht: 4,5 kg (Gr. 54)
        Herstellungsland: Pakistan
        Material: Rinds-leder, herausnehmbares Futter aus Polyester

        Passform und Tragekomfort: Reisen oder rasen? Beim Tripmaster sind sich die Tester uneins. Während die Hose mit geradem Beinabschluss eher auf komfortables Touren ausgelegt ist, will die Jacke mit sportlich angesetzter Ärmelpartie eher bei dynamisch gebückter Haltung gefallen. Bei der Anprobe muss ggf. gemixt werden. Die Hose fällt sehr groß aus, bei der kompakt arrangierten Jacke muss evtl. eine Nummer größer als üblich gewählt werden.

        Sicherheit: Kein Rotstift beim Schutzpaket - Schultern, Ellbogen, Knie und Rücken werden von gut dämpfenden CE-Protektoren geschützt, die Hüfte lässt sich gegen geringen Aufpreis (12,95 Euro) nachrüsten. Allerdings drücken die Gelenkprotektoren in nahezu jeder Körperhaltung. Die Reflektorenpads sind klein, aber wirksam. Der Verbindungsreißverschluss der Hose ist fest im Leder, der in der Jacke aber nur im Futter vernäht.

        Ausstattung und verarbeitung: Der mattschwarze Lederlook macht sich gut, dazu passt die hitzereflektierende Cool-Ausstattung. Weniger gefallen winzige Zipper, hakige Reißverschlüsse und die schlampige, grobschlächtige Machart im Innern.

        Fazit: Das zähe, widerspenstige Leder will ordentlich eingetragen werden. Selbst dann folgt es flüssigen Bewegungen auf dem Bike nur unwillig. Mehr die solide Cruiser- als agile Tourerverpackung, dazu leichte Komfortschwäche.

        MOTORRAD-Urteil: gut

        Revit Apollo/Aurora

        Foto: mps-Fotostudio

        Anbieter: Revit, Tel. 00 31/4 12/69 67 40, www.revit.eu
        Preise: Jacke 369,99 Euro, Hose 259,99 Euro, Set 629,98 Euro
        Größen: Jacke 46 bis 58, Hose 46 bis 60 plus Damen- und Zwischengrößen
        Farben: Schwarz/Weiß, Schwarz/Rot, Schwarz/Blau
        Gewicht: 4,4 kg (Gr. 54)
        Herstellungsland: China
        Material: Rindsleder, festvernähtes Futter aus Polyester/Polyamid

        Passform und Tragekomfort: Das geschmeidige Leder mit angenehm festem Griff sitzt satt und fest am Körper und überzeugt mit hoher Beweglichkeit auf dem Niveau von echten Sportkombis. Ärmel und Beine sind ausreichend lang, Jacke
        und Hose überlappen sich auch am Rücken sehr gut. Ein echtes Komfortplus ist die hervorragende Ventilation an warmen Tagen, für kühlere Fahrten ist ein Windstopperset unverzichtbar. Besonders klasse sind die Beinenden mit softem Posterabschluss.

        Sicherheit: Schulter-, Ellbogen- und Kniepartie werden von Protektoren geschützt, die auf dem Prüfstand allerdings schlechte Dämpfungswerte nahe am Limit zeigen. Die Polsterungen an Rücken und Hüfte sind gegen Aufpreis gegen echte Protektoren austauschbar. Der Verbindungsreißverschluss von Jacke und Hose ist nur im Futter bzw. Textilstretch vernäht, Reflektoren sind nicht vorhanden.

        Ausstattung und Verarbeitung: Große Taschen, softer Kragen, griffige Zipper. Das Ganze in ansehnlicher Verarbeitung - insgesamt ein guter Gegenwert fürs Geld.

        Fazit: Die sportliche Tourenkombi von Revit sitzt mit der großzügigen, aber nicht einstellbaren Belüftung auch an heißen Tagen komfortabel. Trotz gutem Leder besteht in der Sicherheitsausstattung allerdings deutliches Ausbaupotenzial.

        MOTORRAD-Urteil: befriedigend

        Polo Drive Ultimate

        Foto: mps-Fotostudio

        Anbieter: Polo Expressversand, Tel. 01 80/5 22 57 85, www.polo-motorrad.de
        Preise:
        Jacke 399,95 Euro, Hose 299,95 Euro, Set 699,90 Euro
        Größen:
        Jacke M bis 5XL, Hose M bis XXL
        Farbe:
        Schwarz
        Gewicht:
        5,0 kg (Gr. L)
        Herstellungsland:
        Indonesien
        Material:
        hydrophobiertes Rindsleder, Polo-Tex-Klimamembrane, festvernähtes Futter aus Polyester, herausnehmbare Thermoweste aus Polyester

        Passform und Tragekomfort: Hose im klassischen Jeansstil, Jacke im Blousonschnitt. Das sitzt gut und bequem beim Schlendern, wird auf vielen Bikes aber schnell grenzwertig. Vor allem, wenn Jacke und Hose gerade auf Cruisern oder Naked Bikes (z. B. Kawasaki
        Z 1000) am Rücken auseinanderklaffen und reichlich Zugluft ins Innere strömt. Zudem bläht sich die üppig dimensionierte Jacke bei flotterem Tempo (ab 100 km/h) mächtig auf. Sehr gut gefällt dagegen der hohe zugfreie Halsabschluss (wahlweise als Umschlag- oder Stehkragen nutzbar).

        Sicherheit: Bis auf die (gegen Aufpreis nachrüstbare) Hüfte werden Schultern, Ellbogen, Knie und Rücken mit akzeptabel bis gut dämpfenden Protektoren geschützt, die am Knie allerdings zu weit innen positioniert sind. Jacke und Hose lassen sich nur durch einen kurzen, bei der Jacke im Futter vernähten Reißverschluss verbinden. Reflektoren sind nicht vorhanden.

        Ausstattung und Verarbeitung: Wasserdichtes Leder, Klimamembrane, Thermofutter - das ist ein klasse Paket für nasskalte Tage. Lufteinlässe für heiße Tage fehlen. Die Machart ist sehr gelungen.

        Fazit: Klassischer Schnitt plus klasse Ausstattung: Dass sich hinter dem dezenten Polo-Anzug eine wasserdichte Lederkombi verbirgt, sieht man nicht auf den ersten Blick. Eine ausführliche Anprobe auf dem eigenen Bike ist Pflicht.

        MOTORRAD-Urteil: befriedigend

        Schwabenleder Classic Pro Sport

        Foto: mps-Fotostudio

        Anbieter: Schwabenleder, Tel. 0 71 81/96 70 10, www.schwabenleder.de
        Preis: Kombi ab 1298 Euro
        Größen: 46 bis 60 und 98 bis 110, Maßanfertigung gegen Aufpreis
        Farbe: Schwarz
        Gewicht: 5,2 kg (Gr. 54)
        Herstellungsland: Deutschland
        Material: Rindsleder, festvernähtes Futter aus Polyester

        Passform und Tragekomfort: Eine erstklassige Schneiderarbeit aus heimischer Produktion. Längen und Umfänge passen "wie die Faust aufs Auge", und sollte es bei der Anprobe kneifen, besteht die Möglichkeit, auf Maß zu fertigen. Der Schwabenleder-Anzug sitzt absolut knackig und präzise - ohne dabei einzuengen. Eine perfekte Balance aus Komfort und sicher anliegendem Sitz. Belüftungsmöglichkeiten sind nicht vorhanden, gegen Aufpreis gibt es das Leder in Cool-Ausführung (reduziert die Aufheizung).

        Sicherheit: Der Blick unter die 1,5 Millimeter starke Lederhaut zeigt das umfangreichste Schutzpaket in diesem Test. Gelenke, Rücken, Hüfte, Schienbein und Rippen werden von Protektoren und Schutzpolstern mit zum Teil sensationellen Dämpfungswerten geschützt. Extra Filzummantelungen sollen gegen Durchdringung schützen. Top die sauber laufenden, sehr gut verzahnten Verbindungsreißverschlüsse aus Neusilber, die in Jacke und Hose fest im Leder vernäht sind. Dürftig nur die dünne Reflexpaspel in der Jacke.

        Ausstattung und Verarbeitung: Hoch funktionell und durchdacht aufgebaut. Dazu mit erstklassigen Materialien top verarbeitet und in der Extraliste (Leder, Farben, Knieschleifer) noch beliebig zu erweitern.

        Fazit: So sportlich und funktionell kann ein klassisch gestylter Lederanzug sein.
        Der Schwabenleder ist nicht flink übergeworfen, wohl aber der Überwurf für flinke Fahrten. Teuer, aber unterm Strich eine Anschaffung fürs Leben.

        MOTORRAD-Urteil: sehr gut

         

        Spidi Targa/New Naked

        Foto: MPS-Studio

        Anbieter: Shark Helme Deutschland, Tel. 0 41 08/ 45 80 00 00 www.spidi.com
        Preise: Jacke 429,90 Euro, Hose 299,90 Euro, Set 729,80 Euro
        Größen: Jacke S bis 3XL, Hose 46 bis 60
        Farben: Schwarz/Rot, Schwarz/Blau, Schwarz/Beige
        Gewicht: 3,5 kg (Gr. XL/54)
        Herstellungsland: Ukraine
        Material: Rindsleder, festvernähtes Futter aus Polyester

        Passform und Tragekomfort: Eine zweigeteilte Sache. Die Hose aus griffigem Leder sitzt fest, satt und bequem in allen Lagen. In der Jacke fühlt sich der Träger auf dem Motorrad etwas fehlbesetzt. Das Leder ist zwar weich und geschmeidig, bietet aber nicht den festen, präzise eng anliegenden Sitz, den man von einer Motorradjacke erwartet. Während der Fahrt schiebt sich die Jacke weit nach oben, flattert schnell und zieht am Rücken.

        Sicherheit: Schulter, Ellbogen, Hüfte und Knie werden von Protektoren mit guten Schlagdämpfungswerten, zum Teil aber zu kleinen Schutzflächen (Schulterpartie) geschützt. Der Rücken muss gegen Aufpreis mit einem passenden Protektor ausgestattet werden. Die Hose ist mit einem fest im Leder vernähten Verbindungsreißverschluss ausgestattet. Die Jacke lässt sich nur durch eine dünne, im Futter vernähte Druckknopf-Schlaufe mit einer bestimmten Hosenart verbinden - nicht aber mit der Hose aus diesem Test.

        Ausstattung und Verarbeitung: Die Hose ist solide gemacht, die Jacke nur auf chic getrimmt. Ein unausgewogener Mix.

        Fazit: Kernige Lederbüx trifft auf Designerjäckchen. In dem Kombipaket machen Jacke und Hose von Spidi eine unglückliche Figur. Wobei die Machart in der Einzelbetrachtung okay ist. Echte Motorradqualität hat aber nur die Hose.

        MOTORRAD-Urteil: befriedigend

        Vanucci Competizione III

        Foto: mps-Fotostudio

        Anbieter: Detlev Louis, Tel. 0 40/73 41 93 60, www.louis.de
        Preise: Jacke ab 329,95 Euro, Hose ab 269,95 Euro, Set ab 599,90 Euro
        Größen: 46 bis 58 plus Damen- und Zwischengrößen
        Farbe: Schwarz
        Gewicht: 5,0 kg (Gr. 54)
        Herstellungsland: keine Angabe
        Material: Rindsleder, festvernähtes Futter aus Polyester

        Passform und Tragekomfort: Jacke und Hose gefallen mit festem, griffigem Leder, das bequem und komfortabel zu tragen ist, selbst wenn man von aufrechter Tourenposition in die sportliche Gangart wechselt. Arm- und Beinlängen sind ausreichend bemessen, gut funktionierende Lufteinlässse für heiße Tage an Ärmeln und Rücken vorhanden. Ein hitzereflektierendes Leder minimiert die Aufheizung der Oberflächen im Sommer.

        Sicherheit: Bei den Protektoren wird auf ein sparsames, aber gut wirksames Paket gesetzt. Schultern, Ellbogen und Knie sind mit Protektoren geschützt, die sauber positioniert sind, satt sitzen und auf dem Prüfstand erstklassige Dämpfungswerte weit unter dem Limit erzielen. Mehr Schutz an Rücken und Hüfte ist nur gegen Aufpreis möglich. Der Verbindungsreißverschluss wird in der Hose fest im Leder, bei der Jacke nur im Futter vernäht. Vorbildlich die rundum laufenden Reflexpaspeln mit extrem gutem Wirkungsgrad.

        Ausstattung und Verarbeitung: Sauberes Finish, gut laufende Reißverschlüsse, sinnvolle Details. Die Kombi macht an.

        Fazit: Die sportliche Tourenkombi mit dezentem Auftritt macht auf vielen Motorradtypen und durch vielseitige Einsatzmöglichkeiten eine prima Figur. Gut gemacht, komfortabel zu tragen, günstig zu haben. Ein echter Kauftipp.

        MOTORRAD-Urteil: gut

         

        Fazit

        Klassischer Look plus zeitgemäße Sicherheitsausstattung müssen sich nicht ausschließen. Unter der Schwabenleder-Haut beugt ein ausgefeiltes und umfangreiches Schutzpaket dem "worst case" beim Motorradfahren vor. Leder und Verarbeitung sind auf extrem hohem Niveau. Genauso wie der Preis. Doch auch mit kleinem Budget lässt sich gut einkaufen. Knapp die Hälfte kostet die Vanucci. Sie kann bei vielen Fahrernaturen und auf vielen Bikes punkten. Ausbaupotenzial besteht allerdings bei der Protektorenausstattung.

        So pflegen Sie Ihre Lederkombis richtig

        Wer nichts macht, macht auch nichts falsch? Diese Binsenweisheit kann bei Leder fatale Folgen haben. 

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        MOTORRAD-Pflegetipps für Lederkombis
        Es gibt über 300 Ledersorten. Doch das sollte Sie nicht verzweifeln lassen. Denn in der Pflege gibt es ein paar Grundsätze, die für alle Sorten gelten. Wichtig ist, sich vor Reinigungsarbeiten den "Waschzettel" - das in Jacke oder Hose eingenähte Etikett - genau anzuschauen.

        Leder gilt als besonders reißfest und zugleich elastisch - diese Kombination macht es nahezu ideal für schutzbedürftige Motorradfahrer. Nur: Im täglichen Gebrauch können diese Eigenschaften abnehmen, denn die Qualitäten von Leder werden durch das Gleichgewicht von Wasser- und Fettgehalt bestimmt. Nimmt der Fettgehalt (z. B. durch das Tragen) zu, geht der Wasseranteil zurück. Weitere schädliche Einflüsse: Hitze, Feuchtigkeit, UV-Strahlung und Schmutz setzen dem Leder zu, lassen es weiter altern. Die Folge: Das Leder wird spröde und rissig.

        Leder kann nicht repariert werden: Reißt bei trockenem Leder die Faserstruktur - das kann bereits geschehen, wenn man Jacke oder Hose einfach nur zusammenlegt - ist das nicht rückgängig zu machen. Dabei ist es gerade die Elastizität der Faserstrukturen untereinander, die das Leder weich und geschmeidig macht.

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        Die meisten Motorradlederjacken und -hosen sind problemlos in der Waschmaschine waschbar (bei maximal 40 °C). Dazu die Protektoren zuvor ausbauen und ein spezielles Leder- oder Funktionswaschmittel verwenden. Weichspüler sind tabu. Denn diese legen sich um die Fasern und setzen die Wirksamkeit weiterer wichtiger Pflegearbeiten (Imprägnierer, Wachsmittel) herab.

        Entscheidend nach dem Waschen ist das richtige Trocknen: Größte Gefahren sind starke Hitze (Trockner, Heizung) und direkte Sonne. So würde der Alterungsprozess des Leders wieder rapide beschleunigt werden. Am besten: langsames Trocknen bei Zimmertemperatur - am besten aufgehängt auf einem Bügel.

        Zum Schluss der Trocknungsphase lassen sich bereits wichtige Pflegemittel sparsam auftragen (Imprägniermittel, Lederfett). Diese sind notwendig, um dem Leder wesentliche Nährstoffe zurückzugeben und es gegen Nässe, Ausbleichen und Versprödung zu schützen.

        Je nach Oberfläche sollte das Leder mit passenden Pflegestoffen behandelt werden. Für matte Oberflächen sollte eine Mattpflege verwendet werden, um ungewollten Glanz zu vermeiden.

        Im freien Fall: Protektoren auf dem Prüfstand

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        Die Zukunft wird noch einmal spannend werden. Nach Vorgabe der europaweit gültigen, mittlerweile aber deutlich angejahrten Norm für Gelenkprotektoren (EN 1621-1 von 1998) sind 35 Kilonewton (kN) Restkraft zulässig. Deutlich schärfer die Anforderungen, die nach jüngerer Norm an Rückenprotektoren gestellt werden.

        Je nach Level gelten maximal neun bzw. 18 kN Restkraft, die nach freiem Fall eines Fünf-Kilo-Gewichts aus einem Meter Höhe vom Messkopf im Durchschnitt registriert werden dürfen. Eine Verschärfung der Grenzwerte für Gelenkprotektoren wäre also angebracht.

        Tatsächlich aber wird es nur die Einführung eines zweiten Levels geben. Dass Gelenkprotektoren durchaus auf dem Niveau von Rückenprotektoren dämpfen können, zeigt der Test der Protektoren aus den Lederkombis auf dem Fallprüfstand von Sas-Tec (www.sas-tec.de). Vier von neun Protektoren aus diesem Testfeld überzeugen mit Restkraftwerten bereits zum Teil deutlich unter 20 kN.

        Weiterhin ein Problem ist der Einsatz von Protektoren in den richtigen Größen. Dainese und Spidi verbauen zum Teil Protektoren vom Typ A in Herrenkombis der Größe 54 bzw. L. Dabei ist dieser Typ eigentlich für Kinder- bzw. kleine Damengrößen gedacht. Bereits ab Herrengröße M sind Protektoren der Größe Typ B (ist auf dem Protektor vermerkt) die bessere Wahl.

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