Zwölf Gelände/Straßen-Anzüge in Südfrankreich im Test.

Produkttest: Enduro-Tourenanzüge Zwölf Gelände/Straßen-Kombis im Test

"Multistrada" oder "GS" - so heißen Motorräder für Touren kreuz und quer durch Botanik und Asphaltirrgärten. Passend dazu rückten zwölf Gelände/Straßen-Anzüge in Südfrankreich aus, um ihre Vielseitigkeit unter Beweis zu stellen.

Fotos: Dentges, fact
Zwölf Gelände/Straßen-Anzüge in Südfrankreich im Test.
Zwölf Gelände/Straßen-Anzüge in Südfrankreich im Test.

Wir haben alle den gleichen Traum. Wir, die Reise-Enduristen dieser Welt. Träumen davon, jeden Winkel dieser Erde auf eigenen zwei Rädern zu erreichen, wollen uns nicht von einzementierten Strecken einschränken lassen. Nein, gegen asphaltierte Straßen haben wir gar nichts, denn nicht alle von uns hoppeln mit leichten Einzylindermaschinen über Stock und Stein, die Zweizylindrigen unter uns biegen hauptsächlich mit breitem Lenker und aufrechtem Sitz jede noch so krumme Kurve gerade. Wir spielen mit Sand und Matsch, unsere Stollenreifen werfen mit Schottersteinen, aber auf dem Asphalt fegen wir mit 200 Sachen alles frei und bügeln jedes Schlagloch weg. Grenzenlose Freiheit hat nur ein Problem: Was zieht man dazu am besten an?

Nur gut auszusehen - obwohl auch wichtig - reicht da nicht aus. Geht es ernsthaft ins Gelände, reden wir von einer sportlichen Betätigung. Also Turnzeug an: Cross-Stiefel, -Handschuhe und -Helm, dazu elastische Textilhosen und ein stylishes, luftiges Hemd, Protektoren zum Umschnallen und maximal ein dünnes Jäckchen darüber. Beim Touring über Alpenpässe und Autobahn, insbesondere, wenn es regnet, funktioniert das naturgemäß nicht mehr besonders gut. Brrr, kalt! Eigentlich bräuchte man also zwei Garnituren. Aber genau hier liegt unser Dilemma, denn wer eine Reise mit der Enduro tut, will alles, hat in seinem Gepäck jedoch nicht unbedingt Platz für alles.

Im Touringmodus genügt uns meist eine ordentlich arbeitende Klimamembran à la Gore-Tex oder Sympatex. Diese lassen Körperfeuchtigkeit nach außen verdampfen, aber kein Regenwasser an die Haut kommen. Steigt die körperliche Aktivität jedoch, was beim Ritt durchs Gelände der Fall ist, mutieren solche Anzüge zu unangenehmen Schwitztüten, bei hochsommerlichen Temperaturen wird es dementsprechend unerträglich. Einfache Belüftungsschlitze nützen dann wenig, wenn darunter eine (fahrt)windstoppende Membran liegt (wie bei Dainese-Hose, Dane, Hein Gericke und Spidi). Üblicherweise lösen die Konfektionäre mittlerweile dieses Problem damit, eine herausnehmbare Membran zu verbauen, die in der Regel unterhalb des Thermofutters eingebettet ist. Dabei können sich konstruktionsbedingt allerdings einige Schwachstellen (undichte Reißverschlussverbindung, Zusatznähte etc.) ergeben. Wohlgemerkt, das Außenmaterial (in der Regel abriebfestes Polyamidgewebe) sollte möglichst viel Fahrtwind durchlassen, die Membran ist das eigentliche Bollwerk gegen Regenwasser. Die Hosen von Büse und Held verweigerten im Nässetest ihren Dienst. Vielleicht nur eine Momentaufnahme, aber derartige Mängel können einem den Motorradurlaub gründlich vermiesen. Sicher nicht im Sinne des Erfinders, und solche Schwierigkeiten sollten Schneider von Enduro-Tourenanzügen im Griff haben.

Weiteres Problem: Mehrere Schichten können sich leichter verschieben und den Fahrkomfort einschränken. Sportlich ausgelegte Anzüge bestehen deshalb aus eher dünnen, eng anliegenden Schichten, die trotzdem genügend Beweglichkeit bieten, um uns Piloten beim Im-Stehen-Fahren oder gar bei Sprüngen nicht einzuschränken (Difi, Held, IXS). Allerdings sollte das alles nicht zulasten von Sturzsicherheit oder einer ausreichenden Wärmeleistung gehen, denn unfreiwilligen Kontakt mit Asphalt haben wir Touren-Enduristen bei Straßenstürzen dummerweise meist aus höheren Geschwindigkeiten als im Gelände. Und je flotter, desto kühler auch der Fahrtwind. Im Hochsommer ist das ja ganz angenehm, aber unzureichend warmhaltende Kleidung führt schneller, als man ahnt, zu Unterkühlungen (Folgen: Konzentrationsverlust, Zittern, Verkrampfungen). Tipp: Immer einen leichten Fleece-Pullover, eine Windstopper-Weste oder wärmende Funktionswäsche, etwa aus Merinowolle, im Gepäck haben - die sogenannten Midlayer nehmen wenig Stauraum ein und sind bei ausgiebigen Enduro-Touren mit starken Temperaturschwankungen (besonders in alpinem Terrain) grandiose Helferlein.

Anzeige
Foto: fact

Die meisten der getesteten Textilkombinationen verdienen aber so wie sie sind schon großes Lob, weil sie nicht nur einen Spagat, sondern gleich mehrere davon in verschiedene Richtungen hinbekommen. Auch, wenn die Gewichtung zwischen Tour und Sport (siehe detaillierte Einzelbewertungen) unterschiedlich groß ausfällt - fast alle Anzüge taugen als Tausendsassa und empfehlen sich deshalb nicht nur uns Enduristen, sondern jedem Tourenfahrer, der gerne im Sommer luftig unterwegs ist.Kritik haben wir trotzdem: Zwar ist kein einziger Protektor auf dem Prüfstand durchgefallen, und die Durchschnitts-Schlagdämpfungswerte sind im Vergleich zu Tests in den vergangenen Jahren erfreulich gut, aber problematisch ist die Positionierung der Schützer. Die von den Herstellern eingenähten Fächer liegen häufig an der falschen Stelle, sodass in Fahrhaltung nur ein Teil des Gelenks abgedeckt ist (zum Beispiel bei Difi, Modeka). Oder die Protektoren können zu leicht verrutschen (Dane, Macna, Modeka), generell heikel bei bequemen, aber im Vergleich zu starrem Leder eben auch labberigen Textilien. Einfache Abhilfe schaffen verstellbare Fixiergurte, doch nur wenige Hersteller bieten Lösungen, die ohne Drücken und Kneifen wirkungsvoll sind (wie bei IXS). Und als Käufer fragen wir uns, warum an Hüften und am Rücken die Fächer für CE-Protektoren häufig leer sind oder nur mit weichen, völlig untauglichen Schaumstoff-Statthaltern gefüllt sind (außer bei Spidi: zumindest an Hüften auch CE-Protektoren). Kann man doch individuell nachrüsten, erwidern die Verkäufer. Bei Preisen bis fast 1000 Euro eine wenig befriedigende Antwort. Überhaupt: Beim Kriterium Sicherheit dürften alle zwölf Testkandidaten gerne noch eine Schippe drauflegen. Finden wir.

Doch damit genug gemeckert und zum Schluss also wieder Positives: Die Vielfalt an Größen und Farben ist im Testfeld überwiegend vorbildlich. Langgrößen für Schlackse, Kurzgrößen für Untersetzte, Damen werden fündig, genau wie Jenseits-von-XL-Herren. Und im Gegensatz zu konservativen Tourenfahrern, die gerne Schwarz mit Schwarz kombinieren, setzen Touren-Enduristen offenbar deutlich mutiger ein paar Farbakzente. Keine Sorge: Selbst sehr helle Anzüge sind nicht so schmutzanfällig, wie viele befürchten, zumal sie mit in jeder Drogerie erhältlichen, speziellen Outdoor-Waschmitteln getrost in die Waschmaschine wandern können. Und das nach schweißtreibenden Ausflügen auch unbedingt sollten, um die optimale Membranfunktion zu erhalten - "Schwarzträger" vernachlässigen aus Bequemlichkeit solche "Badetage" gerne mal. Doch egal, ob schwarz oder bunt, dreckig (Gelände) oder sauber (Straße), aus der Auswahl der zwölf getesteten "G/S"-Anzüge sollte es ein Leichtes sein, nicht nur modisch etwas Passendes zum Anziehen zu finden. Los gehts, wir sehen uns im hintersten Winkel der Erde!

Anzeige

Büse: Open Road

Foto: fact

Anbieter: Büse, Tel. 02471/12690, www.buese.com; Preise: Jacke 259,95 Euro, Hose 179,95 Euro;
Größen: 48 bis 64 (Jacke), Hose zusätzlich 98 bis 110 (Langgrößen) und 26 bis 32 (Kurzgrößen);
Farben: Schwarz, Grau-Schwarz (nur Jacke);
Gewicht: 4,16 Kilogramm (Gr. 56)

Tragekomfort
Passende Proportionen, körpernaher Schnitt, trotzdem sehr komfortabel. Die Bewegungsfreiheit bleibt auch bei sehr sportlicher Gangart und Offroad-Einlagen voll erhalten. Klasse.
Sicherheit
Ordentliche Standardprotektoren an Schultern, Ellenbogen und Knien mit guter Schlagdämpfung (an Knien sogar sehr gut) und gutem Sitz. In Sturzzonen nur mäßig abriebfestes Material.
Wetterschutz/Klimatisierung
Die Hose voll - zumindest im Nässetest nach gerade mal drei Minuten. Offenbar kriecht das durch das luftige Außenmaterial eintretende Wasser zielgerichtet über die am Hosenbund vorn zu kurz geschnittene Klimamembran.
Verarbeitung/Ausstattung
Keine renommierte Membran, aber der Nässeschutz ist herausnehmbar, der Anzug dann auch wirklich atmungsaktiv. Verarbeitung und Materialien sind Durchschnitt. Große, aufgesetze Hosentaschen mit grandiosem Stauraum.

Fazit
Die Anlagen stimmen bei diesem Anzug. Dummerweise hielt die Hose dem strengen Nässetest nicht stand, sodass ein sattes "gut" vereitelt wurde. Besonders der Tragekomfort konnte überzeugen, genau wie der sehr faire Preis.

MOTORRAD Urteil: befriedigend

Dainese: D-System

Foto: fact

Anbieter: Dainese, Tel. 089/35396766, www.dainese.com;
Preise: Jacke 399 Euro, Hose 219 Euro;
Herrengrößen: 44 bis 60;
Damengrößen: 36 bis 48;
Farben: Jacke Grün, Schwarz, Schwarz-Grau, Schwarz-Rot, Hose Schwarz;
Gewicht: 4,22 Kilogramm (Gr. 56)

Tragekomfort
Eng geschnitten, aber überraschend bequem während der Fahrt. Kragen lässt sich nur sehr fummelig verschließen.
Sicherheit
Die Italiener verbauen ausschließlich die im eigenen Labor entwickelten Protektoren (Schultern, Ellenbogen, Knie) - und setzen damit aufs falsche Pferd, denn auch wenn die Dämpfungswerte okay sind, zeigen sich beim Kraft-Zeit-Verlauf deutliche Schwächen.
Wetterschutz/Klimatisierung
Ein Thermofutter findet man nicht, klare Sommer-Ausrichtung. Durch mit Reißverschlüssen gekoppelte Ärmel lässt sich die Jacke schnell zur Weste umwandeln. So steht sogar Enduro-Einlagen bei Hitze nichts entgegen. Prima!
Verarbeitung/Ausstattung
Hochwertige Materialien, hauseigene Membran (nur bei Jacke herausnehmbar), die dicht hält, sowie eine hervorragende Verarbeitung können überzeugen.
 
Fazit
Rein äußerlich gibt sich der Dainese-Anzug eher als etwas biederer Tourenfreund. Wilde Offroad-Spiele sind auch wohl kaum sein Metier. Die Jacke kann zur sommerlichen Weste mutieren - durchdacht, sitzt gut, gefällt. Die Hose: ordentlich.

MOTORRAD Urteil: gut

Dane: Korsor/Nyborg 3

Foto: fact

Anbieter: Motoport, Tel. 04451/915200, www.motoport.de;
Preise: Jacke 459 Euro, Hose 279 Euro;
Herrengrößen: 48 bis 64, 98 bis 114 (Langgrößen), 25 bis 30 (Kurzgrößen);
Damengrößen: Jacke 36 bis 46, Hose 36 bis 48 und 20 bis 24 (Kurzgrößen);
Farben: Schwarz-Grau, Schwarz-Gelb;
Gewicht: 4,15 Kilogramm (Gr. 56)

Tragekomfort
Kragensitz ausgezeichnet, Magnetverschlüsse sehr praxistauglich. Gute Bewegungsfreiheit, Schnitt aber insgesamt etwas zu weit.
Sicherheit
Protektorenausstattung (Schultern, Ellenbogen und Knie) ist dürftig, das Material dämpft gerade mal ausreichend innerhalb des Normbereichs. Das feste Textilgewebe macht hingegen einen guten Eindruck.
Wetterschutz/Klimatisierung
Ist es draußen kühl, isoliert der Anzug gut; ist es hingegen sommerlich warm oder soll es offroad gehen, sieht es mit der Belüftung eher schlecht aus, weil sich die Membran nicht herausnehmen lässt. Bei Regenwetter hingegen trumpft der dichte Däne auf.
Verarbeitung/Ausstattung
Gore-Tex-Membran, sorgfältige Verarbeitung, robuste Stoffe: Die Dane-Kombi geizt nicht mit ihren Qualitäten. Klasse Ausstattungsdetails (z.B. effiziente Weitenverstellungen), aber zu wenig wasserdichter Stauraum, zu kleine Taschen.

Fazit
Das Thema Enduro ist weniger das des Dane-Anzugs (zu schlechte Belüftung). Auf der Asphalttrasse gen Nordkap hingegen würde er sich sehr wohlfühlen. Solide und hochwertig, aber nicht gerade billig. Empfehlung für reine Tourenfahrer.

MOTORRAD Urteil: gut

Difi: Sierra Nevada

Foto: fact

Anbieter: Motoport, Tel. 04451/915200, www.motoport.de;
Preise: Jacke 239,95 Euro, Hose 179,95 Euro;
Größen: XS bis 3XL;
Farben: Hellgrau-Schwarz-Orange, Grau-Schwarz;
Gewicht: 4,18 Kilogramm (Gr. XXL)

Tragekomfort
Knackiger Sitz, dennoch klasse Bewegungsfreiheit, gute Überlappung von Jacke und Hose. Im Halsbereich etwas zu eng geschnitten.
Sicherheit
An den Schultern Protektoren in falscher Größe (Typ A) verbaut, an Ellenbogen und Knien stimmt aber alles, und die Schlagdämpfungswerte sind auch okay. Das dünne Textilgewebe ohne Sturzzonenbesatz vermittelt wenig Vertrauen.
Wetterschutz/Klimatisierung
Dem MOTORRAD-Nässetest hielt der luftige Anzug mit herausnehmbarer Membran stand, doch nach zehn Minuten simuliertem Regen hat das Außengewebe vergleichsweise viel Wasser aufgenommen. Für Fahrten unter 15 Grad Celsius empfiehlt sich Thermowäsche.
Verarbeitung/Ausstattung
Verarbeitung und Qualität der Materialien sind nicht auf Top-Niveau, gehen für diese Preisklasse aber voll in Ordnung. Der Praxisnutzen der Ausstattung mit vielen gut nutzbaren Außentaschen und einem großen Rückenfach ist hoch.

Fazit
Unglaublich konsequent auf den variablen Einsatz in Gelände und auf der Straße hin getrimmt. Vor allem die Top-Belüftung lässt bei Stollenrittern kaum Wünsche offen. Bravo, richtig gut. Und das zu einem mehr als guten Preis. Kaufen!

MOTORRAD Urteil: gut

Hein Gericke: Desert TRG

Foto: fact

Anbieter: Hein Gericke, Tel. 0211/98989, www.heingericke.de;
Preise: Jacke 199,95 Euro, Hose 149,95 Euro; Größen: XS bis XXL;
Farben: Schwarz-Beige;
Gewicht: 4,30 Kilogramm (Gr. XXL)

Tragekomfort
Der Schnitt fällt insgesamt etwas klein aus, insbesondere die zu kurzen Hosenbeine rutschen deshalb während der Fahrt gerne mal hoch. Am Hosenbund bequemer Sitz.
Sicherheit
Die Schlagdämpfung an Schultern und Ellenbogen ist nicht schlecht, an den Knien sogar richtig prima. Warum aber nur für sehr kleine Konfektionsgrößen vorgesehene Typ-A-Protektoren verbaut wurden, ist ein Rätsel.
Wetterschutz/Klimatisierung
Ohne herausnehmbare (aber absolut dichte) Klimamembran sind die Lufteinlässe eigentlich Makulatur - Kühlung kaum möglich. Stärker zeigt sich die TRG bei Kälte, denn das Thermofutter wärmt gut.
Verarbeitung/Ausstattung
Hose mit geräumigen Außentaschen, gut zugängliche Taschen auch an der Jacke, da hat jemand mitgedacht. Die Verarbeitung ist gut, die Stoffe und hauseigene Sheltex-Membran machen einen ordentlichen Eindruck.

Fazit
Trotz einiger Punktabzüge bei Tragekomfort und Sicherheit erkämpft die TRG-Kombi gerade noch ein gutes Ergebnis. Als preisgünstigste Kombi im Test ist das mehr als nur respektabel. Wer mit der Passform klarkommt, sollte zugreifen.

MOTORRAD Urteil: gut

Held: Carese/Torno

Foto: fact

Anbieter: Held, Tel. 09321/66460, www.held.de;
Preise: Jacke 499 Euro, Hose 399 Euro;
Größen: S bis 5XL, Hose zusätzlich L-S bis L-XXL (Langgrößen) und K-M bis K-2XL (Kurzgrößen);
Farben: Schwarz-Grau, Grau-Rot;
Gewicht: 4,86 Kilogramm (Gr. XXL)

Tragekomfort

Ab ins Gelände: Enduristische Turnübungen sind durch ausgezeichnete Bewegungsfreiheit kein Problem. Hier drückt oder zwickt nichts, und der Schnitt fällt vorbildlich körpernah aus. Selbst bei hohem Tempo auf Asphalt flattert nichts.
Sicherheit
Im Testfeld die Kombi mit den besten Protektoren (Top-Schlagdämpfung, guter Sitz). Perfekt wären Hüft- und Rückenprotektoren im Lieferumfang statt gegen Aufpreis, aber insgesamt bietet der Held guten Sturzschutz.
Wetterschutz/Klimatisierung
Der Nässetest ist zwar nur eine Momentaufnahme, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass die Testhose nicht dicht hielt. Ärgerlich, denn die hier verlorenen Punkte kosteten den Gesamtsieg. In Sachen Klimatisierung liegt der Anzug mit seinen durchdachten Belüftungen nämlich auf höchstem Niveau.
Verarbeitung/Ausstattung
Super. Viele, gut nutzbare Staufächer, gut bedienbare Belüftungen mit Magnetverschlüssen, Gore-Tex-Membran und Futter herausnehmbar, hochwertige Textilien.

Fazit
Einer der hochwertigsten, sichersten Kandidaten mit erstklassiger Größen-Bandbreite, vielen sinnvollen Details, einer tollen Ausstattung und sehr guter Offroad-Tauglichkeit patzt beim Nässetest und verspielt damit ein sehr gutes Ergebnis.

MOTORRAD Urteil: gut

IXS: Montevideo/Caracas

Foto: fact

Anbieter: IXS, Tel. 07631/18040, www.ixs.de;
Preise: Jacke 349,90 Euro, Hose 269,90 Euro;
Größen: S bis 5XL (Herren), Hose zusätzlich LL bis L2XL (Langgrößen) und KL bis K2XL (Kurzgrößen);
Farben: Jacke Grau-Blau, Grau-Rot, Grau-Schwarz, Schwarz-Grau, Hose Grau-Schwarz, Schwarz-Grau;
Gewicht: 4,78 Kilogramm (Gr. 52)

Tragekomfort
Liegt für eine Textilkombi fast schon hautnah an, eine perfekte Weitenverstellung trägt das Übrige zum sportlichen Sitz bei. Der Komfort kommt dennoch nicht zu kurz - top. Ausgezeichneter Kragensitz.
Sicherheit
Die recht klobigen Protektoren (nur an Schultern, Ellenbogen, Knie) aus billigem Schaum dämpfen zwar ordentlich, der Kraftabbau könnte aber besser sein. Dafür sitzen sie fest und decken die Gelenke gut ab. Sturzschutz ist okay.
Wetterschutz/Klimatisierung
Nässeschutz ohne Tadel, Wärmeleistung voll ausreichend. Durch extrem großflächige, variable Belüftung an Front und Rücken supergut geeignet für Sommertouring sowie ausgiebige Enduro-Wanderungen.
Verarbeitung/Ausstattung
Ein solider Mix aus guten, wenngleich wenig renommierten Materialien, die einwandfrei verarbeitet sind. Sehr praxistaugliche Ausstattung für Gelände und Straße.

Fazit
Schon beim Anprobieren macht sich die erstklassige Kombi zum Freund. Bei der ersten Ausfahrt, speziell auch abseits vom Asphalt, verliebt man sich endgültig in die knackig sitzende, angenehm luftige IXS. Toller Gegenwert fürs Geld.

MOTORRAD Urteil: sehr gut

Macna: Oasis/Nomade

Foto: fact

Anbieter: Dieter Braun, Tel. 07322/22509, www.dieterbraun.de;
Preise: Jacke 229 Euro, Hose 169 Euro;
Größen: S bis 3XL, Hose zusätzlich LM bis LXXL (Langgrößen) und KL bis K3XL (Kurzgrößen);
Farben: Jacke Grau-Orange, Hellgrau-Blau, Hellgrau-Braun, Hellgrau-Rot, Schwarz, Hose Grau, Hellgrau, Schwarz, Schwarz-Gelb;
Gewicht: 4,36 Kilogramm (Gr. XXL)

Tragekomfort
Die Proportionen stimmen nicht, Jacke und Hose sitzen zu eng oder schlabbern in der nächsten Größe am Körper. Die Armweitenverstellung hilft zwar, kneift jedoch bei passender Fixierung. Tragekomfort mäßig.
Sicherheit
Die Protektoren an Schultern (zu klein für getestete Größe), Ellenbogen und Knien haben ordentliche Schlagdämpfungswerte, verrutschen aber zu leicht im Anzug. Deutlich verbesserungswürdig.
Wetterschutz/Klimatisierung
Sind die Handschuhe erst mal unter den Ärmeln verstaut (nervige Fummelei), hält der Anzug dicht. Das ist gut. Weniger gut ist die Klimatisierung mit Membran - schwitzig, unangenehm. Ist die herausnehmbare Membran jedoch entfernt, taugt der Anzug auch für den Sommer.
Verarbeitung/Ausstattung
Für diese Preisliga auf befriedigendem Standardniveau. Nur kurzer Verbindungsreißverschluss.

Fazit
Gewinnt zwar im Vergleich nur die goldene Ananas, ist aber kein wirklicher Verlierer. Bei Passform und Sicherheit besteht allerdings Verbesserungsbedarf. Insgesamt ausgewogener Mix mit ordentlichem Wetterschutz zum fairen Preis.

MOTORRAD Urteil: befriedigend

Modeka: Extremadura/Sporting

Foto: fact

Anbieter: Modeka Bike Wear, Tel. 02521/850322, www.modeka.de;
Preise: Jacke 239,90 Euro, Hose 139,90 Euro;
Größen: XS bis 4XL, Hose zusätzlich LM bis LXXL (Langgrößen);
Farbe: Schwarz;
Gewicht: 4,28 Kilogramm (Gr. XXL)

Tragekomfort
Die Größen fallen eher klein aus. Guter, körpernaher Schnitt, aber etwas steif und unbeweglich (in Fahrt deutlich besser als bei erster Anprobe). Ärmel zu weit geschnitten.
Sicherheit
Trotz zweifacher Fixierung können die Ellenbogenprotektoren verrutschen, und auch an den Knien sitzen die Schützer alles andere als optimal. An Schultern alles okay, genau wie bei der Schlagdämpfung. Sturzschutz ausreichend, mehr aber nicht.
Wetterschutz/Klimatisierung
Leichte Schwächen im Nässetest (etwas Wasser kriecht an Abschlüssen von Ärmeln und Hosenbeinen hinein). Wärmeleistung geht in Ordnung, Klimatisierung und Belüftung gut für Touren im Sommer, aber für sportlich angehauchte Enduro-Trips taugt der Anzug nur bedingt.
Verarbeitung/Ausstattung
Lederbesatz am Knie, ansehnliche Materialien, herausnehmbare Humax-Membran - nein, ein Billigheimer ist der Modeka keinesfalls. Und die Verarbeitung ist passabel.

Fazit
Mit besserem Protektorensitz, also klüger platzierten Fächern, und großzügigerer Belüftung (für Geländeeinsätze) wäre der Modeka weiter vorn. Trotzdem supersympathischer (Sommertouring-)Anzug mit toller Preis-Leistung.

MOTORRAD Urteil: gut

Revit: Defender

Foto: fact

Anbieter: Revit, Tel. 0031-4126967-40, www.revit.eu;
Preise: Jacke 549,99 Euro, Hose 399,99 Euro;
Größen: S bis XYL, M bis XXL (Langgrößen), M bis XYL (Kurzgrößen);
Farben: Jacke Grau-Braun, Grau-Rot, Grau-Schwarz, Schwarz, Hose Grau-Schwarz, Schwarz;
Gewicht: 4,86 Kilogramm (Gr. XXL)

Tragekomfort
Vergleichsweise schwer und dick auftragend (bauschiges Thermofutter). Ansonsten aber sehr bequem durch vorbildlich passende Proportionen und klasse Kragensitz. Gute Bewegungsfreiheit.
Sicherheit
Asymmetrisch angeordnete Protektoren mit formidablem Sitz und hervorragender Schlagdämpfung, robuste Materialien mit gutem Sturzschutz. Hüft- und Rückenprotektoren sind nicht Serie (bei dem Preis zu erwarten), ansonsten stünde hier ein souveräner Testsieger.
Wetterschutz/Klimatisierung
Bei Temperaturen unter 15 Grad Celsius schön mollig, und auch wenn es wärmer ist trotz Membran angenehmes Körperklima. Im Hochsommer und bei Geländefahrten sollten das herausnehmbare Thermofutter und die Membran aber lieber verstaut werden.
Verarbeitung/Ausstattung
Erstklassig ausgestattet mit Gore-Tex-Membran, hochwertigen Geweben, Verschlüssen und Reißverschlüssen, das Ganze astrein verarbeitet. Großes Lob!

Fazit
Pflichtenheft voll erfüllt, der Revit ist ein extrem breitbandiger Enduro-Tourenanzug für alle Wetter und Strecken, aber fast 1000 Euro teuer - wahrlich kein Sonderangebot. Wünschenswert wäre eine lückenlose Protektorenausstattung.

MOTORRAD Urteil: sehr gut

Spidi: Voyager 2/VTM

Foto: fact

Anbieter: Shark Helme, Tel. 04108/458000, www.spidi.com;
Preise: Jacke 314,90 Euro, Hose 249,90 Euro;
Größen: Jacke M bis 4XL, Hose S bis 3XL;
Farben: Jacke Grau-Blau, Grau-Schwarz, Schwarz, Hose Grau-Schwarz, Schwarz-Grau;
Gewicht: 4,21 Kilogramm (Gr. XXL)

Tragekomfort
Insgesamt gute, für manchen Geschmack vielleicht etwas zu knackig-taillierte Passform mit guter Überlappung von Jacke und Hose. Für schlanke Personen sehr bequem.
Sicherheit
Ein labberiger Schrittgurt statt solider Verbindungsreißverschlüsse zum Koppeln von Jacke und Hose verhagelt ein besseres Ergebnis, denn die Spidi-Kombi glänzt mit einer hervorragenden Protektorenausstattung (ausgezeichneter Sitz, Knieprotektoren mit Top-Schlagdämpfung, lediglich Rückenprotektor nicht serienmäßig).
Wetterschutz/Klimatisierung
Nässetest souverän bestanden, Wärmeleistung prima - keine Sorgen bei schlechtem Wetter! Die Belüftung (keine herausnehmbare Membran!) ist nur mäßig.
Verarbeitung/Ausstattung
Hosenträger und hauseigene H2Out-Membran leisten gute Dienste, alle Materialien und die Verarbeitung machen einen prima Eindruck, spielen aber nicht erste Liga.

Fazit
Der schicke Italiener ist ein empfehlenswerter Tourenanzug. Offroad-Ausflüge überfordern ihn jedoch wegen nur mäßiger Belüftung. Vorbildlich: Die einzige Kombi im Test mit Hüftprotektoren - und der Preis ist ebenfalls angemessen.

MOTORRAD Urteil: gut

Vanucci: Okovango

Foto: fact

Anbieter: Detlev Louis, Tel. 040/73419360, www.louis.de;
Preise: Jacke 349,95 Euro, Hose 299,95 Euro;
Größen: 48 bis 58;
Farben: Jacke Beige-Schwarz-Orange, Grau-Schwarz, Schwarz, Hose Beige-Schwarz-Orange, Schwarz;
Gewicht: 4,58 Kilogramm (Gr. 56)

Tragekomfort
Nur bescheidener Komfort am Kragen, Ärmel ebenfalls sehr eng geschnitten. Das wars aber auch schon an Kritik, insgesamt recht bequem.
Sicherheit
Lederbesatz an Sturzzonen, klasse! Und auch die Protektoren (Schultern, Ellenbogen, Knie) mit guter Schlagdämpfung und richtigem Sitz erbringen Pluspunkte. Warum aber nur ein kurzer Verbindungsreißverschluss (Jacke), der bei Stürzen nachteilig ist?
Wetterschutz/Klimatisierung
Die Membran hält dem nachgestellten Regen locker stand, das Thermofutter wärmt auch bei unter 15 Grad zuverlässig. Die Lufteinlässe fallen hingegen etwas dürftig aus - für sportiven Einsatz auf losem Grund kaum ausreichend.
Verarbeitung/Ausstattung
Qualitativ einwandfreie, robuste Textilien und eine Sympatex-Membran zum Herausnehmen. Die Verarbeitung kann sich sehen lassen. Praktische Taschen (wasserdichte gekennzeichnet). Gebongt!

Fazit
Der verlässlich wetterfeste Anzug aus der Premiumlinie von Louis ist kein Preisschnapper. Dafür aber wetterfest, echt lecker ausgestattet (z. B. mit Lederbesätzen) und vielen guten Details wie gut nutzbare Taschen. Tadellose Offerte.

MOTORRAD Urteil: gut

Endwertung

Foto: archiv

Fazit
Echt gut! Fast alle Kandidaten gehen als Tausendsassas ohne wirklich ernst zu nehmende Macken durch. Selbst die beiden "Verlierer" (Büse wegen Schwäche bei Nässe, Macna mit mäßiger Sicherheit und Tragekomfort) sind mit fairen Preisen trotzdem empfehlenswert. Erstaunlich: Die hochtechnischen Anzüge, die den schwierigen Spagat zwischen Geländeabenteuern im Hochsommer und schattigen Alpenpassfahrten leisten sollen, liegen im Ergebnis nur wenige Punkte auseinander, obwohl sich bei den Preisen große Differenzen auftun. Die gute Nachricht: Reise-Enduristen erhalten schon um 400 Euro sehr überzeugende Tourenbegleiter. Revit und Held sind sehr teuer, aber auch sehr hochwertig ausgestattet. Testsieger IXS bietet fürs Geld den besten Gegenwert. Top!

Vielseitigkeist - Prüfung

Foto: dentges

Fahrtests: Auf einer definierten Testrunde in der französischen Provence mit abwechslungsreichen Strecken (kurvige Landstraßen, Tempoabschnitte, Passfahrten, Schottersektionen) konnten optimal Unterschiede bei Passform, Tragekomfort und Klimatisierung ermittelt werden. Nach ausgiebiger Inspektion jedes einzelnen Anzugs beurteilten und protokollierten die Tester die Tops und Flops bei Verarbeitung und Ausstattung (Praxistauglichkeit). Beim Nässetest wurde eine Versuchsperson in Fahrhaltung für zehn Minuten einem simulierten Gewitterregen ausgesetzt. An der Unterbekleidung (pro Testlauf ein Satz trockene Wäsche) sowie mittels eingelegten Löschblättern (in als wasserdicht ausgewiesenen Taschen) ließen sich Undichtigkeiten aufspüren, die zu entsprechenden Punktabzügen beim Wetterschutz führten. Außerdem wurde bewertet, wie stark sich das Außenmaterial vollsog beziehungsweise wie gut es Wasser abperlen ließ. Die Sicherheit beurteilten die Tester nach der Güte des Außenmaterials in Sturzzonen, dem Sitz der Protektoren (während Fahrtests festgestellt) sowie einem Schlagdämpfungstest: In Anlehnung an die CE-Norm überprüfte MOTORRAD bei der Firma Sas-Tec in Markgröningen die Schlagdämpfungswerte der Schützer (gemessene Restkraft sollte 35 Kilonewton im Mittel nicht überschreiten, Einzelschlag nicht über 50 Kilonewton). Punktabzüge gab es, wenn das gemessene Kraft-Zeit-Verhalten eines Protektors ungünstig ausfiel oder auch, wenn entsprechend der Konfektionsgröße des Anzugs nicht die empfohlene Protektorengröße eingesetzt wurde.

Themenseiten

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel