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Günstige zweiteilige Lederkombis im Test Was taugt billig?

Auf der Landstraße sind zweiteilige Lederkombis recht beliebt. Deshalb nehmen wir drei günstige Exemplare von 260 bis knapp 400 Euro unter die Lupe und wollen wissen: Was taugt billig?

Nach einer zünftigen Runde auf der Hausstrecke setzt man sich ins Café und zieht einfach die Lederjacke aus, während der Kollege im Einteiler vor sich hin schwitzt oder mit halb runtergelassener Kombi kaum vernünftig auf seinen Stuhl passt. Auch kurze Stadtbummel mit Jacke über der Schulter sind deutlich angenehmer als im Einteiler. Praktischer sind Zweiteiler also allemal. Aber muss es eine teure Markenkombi sein oder tut es auch ein günstiges Exemplar? Wir bestellen bei den Grossisten Büse, Hein Gericke, Louis und Polo deren günstigste zweiteilige Leder­kombis. Die Preisspanne reicht dabei von rund 260 bis knapp 400 Euro.

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Angst vor den Test-Ergebnissen?

Polo teilt uns kurz vor dem Test allerdings mit, dass die von uns gewünschte Kombi Firefox Track 1 zum kommenden Jahr überarbeitet werde und nicht zur Verfügung steht. Die zusätzlich von uns angefragte FLM SM-2 sei nicht mehr in ausreichender Stückzahl auf Lager, und auch die dritte Kombi von Polo, die Mugello, sei aufgrund der Ferienzeit nicht mehr rechtzeitig lieferbar. Hein Gericke schickt zumindest eine der zwei bestellten Kombis. Fast könnte man meinen, die Hersteller hätten Angst vor den Ergebnissen.

Fallen wir gleich mit der Tür ins Haus: Für richtig sportlichen Einsatz mit dem gewissen Risiko für Ausrutscher sind diese Billigheimer nicht zu empfehlen. Auf der Rennstrecke haben Zweiteiler – egal welcher Qualität – aufgrund ihrer Bauartbedingten Schwächen sowieso nichts verloren. Aber was taugen günstige Zweiteiler dann überhaupt? Der erste Eindruck der drei Kandidaten ist gar nicht so schlecht. Louis setzt auf Büffelleder, Hein Gericke und Büse auf Rinderhaut. Der Unterschied ist kaum zu spüren, jedoch trägt sich das Leder der PSX-Trophy von Hein Gericke subjektiv am angenehmsten. Doppeltes Leder an gefährdeten Stellen wie Gesäß und Ellenbogen sorgt bei allen Kombis für mehr Sicherheit während einer Rutschphase auf Asphalt.

Je kleiner der Textilanteil, desto besser, hier hat Büse die Nase vorn. Bei den Stretch-Elementen unterscheiden sich die Kandidaten nur gering, alle bieten durchschnittliches Mate­rial. Irgendwo muss dieser Preis auf dem Niveau einer Markenjeans und Sommerjacke ja herkommen. Sicherer als die sind unsere Kandidaten allemal.

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Verarbeitung

Ordentliches Material nützt nichts, wenn es schlecht vernäht ist. Zwar bieten die Kombis an sturzgefährdeten Stellen Sicherheitsnähte, also Nähte, bei denen der Faden von einer weiteren Lederschicht abgedeckt ist. Die Verarbeitung lässt jedoch bei unseren Zweiteilern zu wünschen übrig. Schon beim ersten Anziehen verabschiedet sich von der Büse Jerez der Hosenverschluss – die Niete ist zu kurz, um hinter den zwei Lederschichten noch ausreichend zu halten. Am Innenfutter der Louis Probiker hängen einige Fäden lose herum, neben dem Verbindungsreißverschluss sieht die Naht auf zwei Zentimeter Länge merkwürdig offen aus und würde vermutlich weiter aufgehen.

Bei der Qualitäts­kontrolle hat auch Hein Gericke geschlafen, denn am rechten Bein der PSX-Trophy fehlt auf einer Länge von knapp fünf Zentimetern kom­plett der Faden, wir können bequem zwei Finger durchstecken. Anscheinend ist der Näherin an dieser Stelle das Garn ausgegangen. Das sind hoffentlich Einzel­fälle, dennoch sollte man sich vor dem auf die Kombi genauestens ansehen.

Ausstattung

Wenig Überraschendes bei der Ausstattung: Der günstigste Kandidat hat am wenigsten zu bieten. An der Probiker PRX-9 von Louis dienen die winzigen Lüftungseinlässe auf der Schulter mehr der Show, Caps an Schulter und Ellenbogen fehlen, die Plastikreißverschlüsse sind guter Durchschnitt.

Hein Gericke macht es besser: Herausnehmbares 3D-Futter, Caps an Ellenbogen und Schulter, gute Reiß­verschlüsse und vor allem ein Rückenpro­tektor lassen die PSX-Trophy recht gut dastehen. Den insgesamt ausgewogensten Eindruck macht bis hierhin die Büse Jerez, die sich bis auf den Hosenverschluss kaum Patzer leistet.

Protektoren

Bei Verkaufspreisen von 260 Euro für eine komplette Kombi kann man den Herstellern kaum anlasten, dass sie an der Protektoren-Ausstattung sparen. Der Kunde muss also selbst entscheiden, wie viel ihm seine Sicherheit wert ist.

Zwar sind genormte Schulter-, Ellenbogen- und Knieprotektoren in unseren drei Kombis Standard, einen Rückenprotektor hat aber lediglich die PSX-Trophy-Jacke von Hein Gericke zu bieten. Immerhin weisen alle Exemplare Taschen auf, in die sich die Rücken- und Hüftschützer nachrüsten lassen. Louis verbaut in der Probiker an der Schulter Protektoren der Größe A, hier sollte es Größe B sein.

Passform

Auch die Passform überzeugt nur teil­weise. Während die Hosen relativ gut sitzen, bieten die Jacken Potenzial für Verbesserungen. In Sporthaltung drücken alle Kragen stark am Hals, da nützt selbst das weiche Neopren nichts. Der Schnitt kommt eher Naked Bike-Fahrern entgegen, die aufrechter sitzen.

Viel zu weit sind die Arme der PSX-Trophy, die Ärmel lassen sich leicht verdrehen, der Protektor sitzt bei einem Sturz nicht dort, wo er gebraucht wird. Etwas besser, aber über
dem Ellenbogen ebenfalls zu weit sind die Ärmel der Büse Jerez und der Louis Probiker. Zusammengefasst lässt sich sagen: Wer es sich leisten kann, sollte etwas mehr Geld in seine Kombi investieren – in unserem Vergleich ist der teuerste Zweiteiler der beste und aus unserer Sicht gerade noch akzeptabel.

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