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Sechs Textilkombis der Oberklasse im MOTORRAD-Produkttest Sechs Textilkombis der Oberklasse im MOTORRAD-Produkttest

Kreuz und quer bei Wind und Wetter auf staubigen Pisten durch Europa ziehen: Das Entdecken fremder Welten steht auch im 21. Jahrhundert noch hoch im Kurs. Nur Kettenhemden sind nicht mehr en vogue. Die motorisierten Reiter setzen zum eigenen Schutz auf Hightech-Fasern. Sechs Textilkombis der Oberklasse müssen sich auf einer 4000 Kilometer langen Testrunde bewähren.

China. Zack, das sitzt. Mit Rukka ist nun ein weiterer Premium-Textilanbieter, der bislang noch in Europa fertigen ließ, ins ferne Asien abgewandert. Immerhin, versucht Pressemann Knut Briel abzuwiegeln, habe die finnische L-Group als Muttergesellschaft von Rukka bei der Verlagerung der Produktion von Portugal im Reich der Mitte eine eigene Fabrik aufgebaut: „Damit die Vorteile des Produktionsstandortes wie Lohnniveau oder Know-how nicht mit den Nachteilen der Auftragsproduktion wie zum Beispiel geringe Flexibilität oder unzureichende Qualitätskontrolle eingekauft werden müssen.“ An der Qualität von Rukka, ist Briel jedenfalls fest überzeugt, werde sich deshalb nichts ändern.

Am Preis allerdings auch nicht: Mit deutlich über 1600 Euro rangiert der Anzug „Cosmic“ schlappe 1000 Euro über dem günstigsten Anbieter in diesem Test, der Textilkombi „Sand 2“ des niederländischen Konfektionärs Rev’it, der ebenfalls in Asien fertigen lässt. Nur wenige Euro von Rukkas Chinaware entfernt hängt Stadlers Evo-Kollek­tion – bestehend aus Jacke „Destiny“ und Hose „Faith“ – zum Setpreis von 1648 ­Euro am Bügel. Immerhin schneidert das mittelständische Unternehmen aus Bayern dafür die Kollektion am heimischen Standort in Aidenbach oder in einer eigenen Fertigung in Kroatien.

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Gore ist Platzhirsch

Ob die Nähmaschinen nun in Asien oder Europa rattern: Qualitativ lassen sich alle sechs Anzüge in diesem Test dadurch zunächst nicht unterscheiden. Würde man die Markennamen und -logos abkleben, hätte selbst ein Insider Probleme, sie in der Reihenfolge der Verkaufspreise richtig anzuordnen. Bei den Oberklasse-Kombis hat sich zweifelsohne ein hoher Standard etabliert; sie allein visuell oder haptisch zu unterscheiden fällt zunehmend schwerer!

Das fängt bereits bei der Auswahl der Stoffe und Materialien an. In der 1000-Euro-Liga hat sich als Platzhirsch für den Wetterschutz die Firma W. L. Gore fest etabliert. Kaum ein namhafter Bekleidungskonfektionär der Motorradszene möchte auf das Know-how der US-Klimaspezialisten verzichten. Das kommt nicht von ungefähr. Bereits frühzeitig hat sich Gore der Besonderheiten des Nässeschutzes für Motorradfahrer angenommen, ältere Semester ­erinnern sich garantiert noch an den legendären Thermoboy, den es bereits vor gut drei Jahrzehnten mit einer Gore-Tex-Klimamembran gegeben hat.

Seither trieb man an den unterschiedlichen Fertigungsstandorten das Potenzial der hauchdünnen mikroporösen, aber wasserdichten Folie immer weiter voran. In Feldkirchen bei München steht zum Beispiel ein großer Regenturm. Will ein Motorradbekleider einen neuen Anzug mit einer Gore-Tex-Klimamembran auf den Markt bringen, muss zuerst der Nässetest bei Gore selbst absolviert werden.

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Lockout-Verschluss enttäuschte

Sollte die Konstruktion Schwachstellen aufweisen, die den Motorrad-Dummy wie einen begossenen Pudel dastehen lassen, müssen die Produktentwickler des Anzugs noch ein paar Extraschichten einlegen, bis endlich eine Freigabe erteilt wird. Natürlich müssen auch die Kreativköpfe von Gore immer wieder Tiefschläge hinnehmen. So hat man vor rund vier Jahren mit großem Tamtam eine wasserdichte Alternative zum herkömmlichen Reißverschluss vorgestellt. Damit wollte man eine der neuralgischen Stellen, wo Regen ins Innere von Jacke oder Hose sickern kann, quasi idiotensicher abdichten. Mit wenig Erfolg: In nahezu jedem Test von MOTORRAD versagte der sogenannte Lockout-Verschluss von Gore, vom Prinzip her mit wiederverschließbaren Plastikbeuteln vergleichbar.

Im Alltagsbetrieb beklagten die Tester sich über unvermittelt öffnende Gummilippen oder eine zunehmend schwergängige Bedienbarkeit, die man schließlich durch die permanente Schmierung mit einem beigelegten Silikonstift beheben sollte. Nicht praxisgerecht, befanden schließlich auch die meisten Bekleidungsmarken und rückten wieder von dem Alternativ-Verschluss ab. Dass man auch mit herkömmlicher Verschlusstechnik nicht absaufen muss, beweist einmal mehr dieser Test. Ein Wassereinbruch war jedenfalls bei keiner Ausrüstung auf den teils stundenlangen Regenetappen der 4000 Kilometer langen Testrunde im Rahmen des MOTORRAD-Reifentests zu bemängeln.

Praktische atmungsaktive Regenhaut

Allerdings setzte das eine besondere Sorgfalt beim Anziehen voraus. Insbesondere bei den Jacken gilt es, die teils umständlich zu bedienenden Labyrinthleisten, die den Reißverschluss zur Brust hin abdichten sollen, sorgfältig zu schließen. Insbesondere bei den sogenannten Hybrid-Kombis von Dane, Ixs und Rev’it, bei denen das komplette Gore-Tex-Inlay für luftige Sommerfahrten entnehmbar ist, erfordert das Schließen einigen Aufwand. Den sich aber der Träger des ähnlich konzipierten Stadler-Anzugs sparen kann.

Dieser beinhaltet zwar auch eine offenporige Sommerkombi, allerdings wird die Nässesperre von Gore nicht in, sondern über Jacke und Hose gezogen. Was unterwegs durchaus praktischen Nutzen hat. Ziehen an einem heißen Tag plötzlich dunkle Wolken auf, wird die atmungsaktive Regenhaut einfach drübergezogen. Die anderen Kombis, die auf maximale Durchlüftung umgebaut sind, müssten zum Rückbau erst einmal komplett ausgezogen werden, um das wasserdichte Inlay wieder umständlich hineinzufummeln.

In der Praxis würde das natürlich keiner auf die Schnelle unterwegs machen, sondern bereits vor Tourbeginn entscheiden, ob den Tag über mit oder ohne Regenschutz gefahren wird. Kein Licht ohne Schatten: Der Stadler-Pilot muss bei Regen schwerer schleppen. Das Dreilagenlaminat muss als Außengewebe entsprechend robust gestaltet sein und wiegt mit knapp zwei Kilo rund das Doppelte eines herkömmlichen wasserdichten Inlays.

Keine optimale Festigkeit der Protektoren

Dafür stimmt es bei der Stadler-Kombi wiederum gerade im Sommer mit der Passform: Wenn bei den Konkurrenten das dick wattierte Thermofutter sowie das bauschige Klima-Insert herausgenommen ist, sitzen diese zwangsläufig lockerer am Körper, selbst wenn man versucht, den Sitz über diverse Weitenversteller an den Ärmeln, der Hüfte und den Beinen etwas feiner zu trimmen. Wirklich optimal ist das nicht. Das merkt man vor allem an neuralgischen Stellen wie den Protektoren, die bei Textilanzügen ohnehin nicht in der optimalen Festigkeit, wie dies bei Lederkombis der Fall ist, die Gelenke umschließen.

Immerhin kann man gerade im textilen Highend-Sektor mittlerweile auf deutlich mehr Passform setzen. Die Zeiten, in denen man wie ein aufgeplustertes Michelin-Männchen durch den Wind geflattert ist, sind in der Champions League dank einer Vielzahl neuer elastischer Gewebe vorbei, neuralgische (Sturz-)Stellen werden mit Leder oder reißfeste Kevlarfasern verstärkt. Und auch bei den Größen ist eine reichhaltige Auswahl vorhanden. Für „Problemfiguren“ gibt es von fast jedem Anbieter Hosen in Kurz- oder Langgrößen. Nur für Konsumenten, die nach dem Grundsatz „Ride global, buy local“ einkaufen wollen, wird die Luft immer dünner. Jetzt, wo auch Rukka mit der Produktion nach China abgewandert ist…

Foto: Jahn

Richtig kaufen: Textilkombis

Die richtige Kragenweite

Was am besten für die Entdeckertour über Schotter und Asphalt bei Sonne, Wind und Regen anziehen? Der Preis ist nicht entscheidend. Viel wichtiger ist, dass Textilkombis mit praktischen Lösungen überzeugen. Auf dem Papier hört sich vieles beeindruckend an, doch setzen Sie auf den Praxistest bei der Anprobe: Sind alle Reißverschlüsse und Druckknöpfe leicht zu verschließen, die Taschen gut erreichbar? Auf diese Punkte sollten Sie besonders achten:

1) Kragen: Ein hoher Abschluss ist genauso wichtig wie ein gut bedienbarer Verschluss. Magnetlösungen sind toll, müssen aber entsprechend haftstark sein.
2) Protektoren: Alle Gelenke inklusive Hüfte, Rücken und nach Möglichkeit auch die Brust sollten mit CE-
genormten Sturzpolstern bestückt sein.
3) Taschen: Nicht die Masse macht’s, die Qualität zählt. Zwei wasserdichte Außentaschen (Kennzeichnung!) und zwei gut erreichbare Innentaschen reichen.
4) Ärmel: Nur eine weite Öffnung garantiert, dass man Handschuhstulpen sauber unter den Ärmeln verstauen kann. Pfiffig: wasserdichte Stretchbündchen.
5) Frontreißverschluss: einer der neuralgischen Punkte, an denen Wasser eindringt. Vorsicht bei wulstigen Labyrinth-Eingängen, die Zeit und Nerven rauben.
6) Überlappung: die zweite Gefahrenstelle, an der Was­ser­einbruch droht. Die Klimamembran von Jacke und Hose muss ausreichend überlappen.
7) Verstärkungen: Exponierte Stellen wie Schultern,
Ellbogen und Knie müssen mit besonders abriebfestem Mate­rial verstärkt sein.
8) Beinabschluss: darf im Sitzen nicht hochrutschen, soll den Stiefelschaft abdecken und eng verschließbar sein.

Material-ABC

Armacor, Bio-Armor, Cordura 1000, Outlast, weltraumerprobt … Im Laden baumeln meist zig Etiketten an den Kombis, doch erklären kann sie meist nicht einmal der Fachverkäufer. Vieles ist natürlich wichtigtuerisches Marketingsprech. Doch worauf kommt es wirklich an? Unser MOTORRAD-ABC für die schnelle Tour durch die textile Welt:

Aramid: bezeichnet eine Nylon-Kunstfaser, die sehr reiß-, scheuer- und hitzefest ist. Wird gerne zur Gewebeverstärkung eingesetzt, meist un­ter Markennamen wie Kevlar oder Armacor

Atmungsaktiv: eigentlich purer Nonsens, denn welches Gewebe atmet schon von sich aus? Wird gerne als Synonym für Dampfdurchlässigkeit einer Klimamembran genommen. Das Prinzip: Schweiß verdunstet und gelangt durch eine wasserdichte Folie über Mikro­poren (Gore-Tex) oder einen physikalisch-chemischen Prozess (z. B. Sympatex) nach außen.

Cordura: Markenname für eine weit verbrei­tete Textilfaser in der Motorradbekleidung. ­Besteht aus Polyamid, gilt als besonders abrieb- und verschleißfest, schmutzunempfindlich und winddicht. Besondere Stärke: nimmt nur wenig Wasser auf

Denier: Maßeinheit für Textilfasern, bei dem das Gewicht pro 9000 Meter Fadenlänge in Gramm angegeben wird. Im Motorradbereich sollten die Gewebe mindestens 500 D, an exponierten Stellen besser 1000 D stark sein.

Fleece (Faserpelz): aufgebürstetes Polyestergewebe, das praktisch keine Feuchtigkeit aufnimmt, leicht und trotzdem voluminös ist. Wird z. B. als wärmender Futterstoff am Kragen eingesetzt. Das Thermofutter selbst besteht meist aus Polyester-Hohlfasern („Thermolite“).

Imprägnierung: sollte zur Standardausrüstung von Motorradbekleidung gehören, damit das Außengewebe wasserabweisend bleibt. Je nach Anbieter lässt sich die bei der Herstellung aufgebrachte Imprägnierung nach dem Waschen im Trockner oder durch Bügeln auf­frischen.

Foto: Jahn

Alpinestars - Tech ST Gore-Tex

Anbieter: Alpinestars, Telefon 00 39/04 23/52 86, www.alpinestars.com; Preis: Jacke 799,95 Euro, Hose 599,95 Euro, komplett 1399,90 Euro; Größen: Herren 48 bis 60; Farbe: Schwarz; Gewicht: 4,2 kg (Größe 50); Herstellungsland: Indonesien; Ausstattung: Gore-Tex-Klimamembran, herausnehmbares Thermofutter, abnehmbarer Fleece-Sturmkragen, abnehmbare Hosenträger.

Passform/Tragekomfort
Sitzt mit Thermofutter sehr knapp – im Verbund mit zwei Lagen Funktionswäsche (Base- und Midlayer) fühlt man sich sehr beengt. Idealer Tragekomfort dagegen im Sommer: Ohne Futter sitzt sie so komfortabel wie ein Turnanzug.

Wetterschutz
Mit weichem, eng anliegendem Sturmkragen sowie der weit heruntergezogenen Rückenpartie wird kühle Zugluft effektiv ausgesperrt. Das Thermofutter selbst isoliert zu schwach. Deutlich angenehmer fällt an heißen Tagen die Klimatisierung dank guter Durchlüftung aus. Bei Regen hält die Kombi 100-prozentig dicht.

Sicherheit
Gut dämpfende Gelenkprotektoren, doch wichtige Bereiche (Rücken, Brust) lassen sich nur gegen Aufpreis schützen. 


Ausstattung/Verarbeitung

Hochwertige Materialien, saubere Machart.

Fazit
Die Alpinestars-Kombi punktet mit einem tollen Tragekomfort an warmen Sommertagen und einem exzellenten Regenschutz. Bei Kälte geht sie trotz Thermofutter und Sturmkragen schnell in die Knie. Bei der Protektorenausstattung geht mehr.

MOTORRAD-Urteil: gut

Dane - Limfjord/BrØndby

Anbieter: Motoport, Telefon 0 44 51/91 52 00, www.motoport.de; Preis: Jacke 579 Euro, Hose 399 Euro, komplett 978 Euro; Größen: Herren 48 bis 64, Hose in Kurz- und Langgrößen erhältlich; Farbe: Grau/Silber/Schwarz; Gewicht: 4,1 kg (Größe 52); Herstellungsland: Indonesien; Ausstattung: herausnehmbare Gore-Tex-Klimamembran, her­ausnehmbares Thermofutter.

Passform/Tragekomfort
Wirkt auf den ersten Blick durch vielschichtigen Aufbau (Extra-Gore-Tex-Inlay, Thermofutter) sehr üppig, sitzt dank geschmeidiger, teils elastischer Gewebestruktur aber sehr körperbetont. Der knackig-komfortable, flatterfreie Sitz bleibt auch beim Umbau zur reinen Sommerkombi erhalten.

Wetterschutz
Bietet reichlich Komfort für das ganze Jahr. Der mehrschichtige Aufbau bringt eine sehr gute Isolationswirkung bei Kälte, nach Entnahme von Thermofutter und Gore-Tex-Inlay pfeift frischer Fahrtwind durch große Belüftungsöffnungen. Keine Ausfälle bei mehrstündigen Regenfahrten.

Sicherheit
Gelenkprotektoren mit durchschnittlichen Dämpfungswerten. Mehr Schutz (Rücken, Hüfte) gibt es nur gegen Aufpreis.

Ausstattung/Verarbeitung
Top verarbeitet, sehr gute Materialauswahl.

Fazit
Der Ganzjahresanzug für Vielfahrer auf großen Reiseenduros und Tourenmaschinen. Bei der vielfältigen Ausstattung fehlten nur ein hoher Sturmkragen und besser dämpfende Protektoren. Insgesamt stimmt aber das Preis-Leistungs-Verhältnis.

MOTORRAD-Urteil: gut, Kauftipp

Foto: Jahn

IXS - Nimrod/Hamilton

Anbieter: Hostettler, Telefon 0 76 31/1 80 40, www.ixs.de; Preis: Jacke 599,90 Euro, Hose 379,90 Euro, komplett 979,80 Euro; Größen: S bis 5XL, Hose in Kurz- und Langgrößen erhältlich; Farbe: Schwarz, Dunkelgrau/Schwarz, Hellgrau/Schwarz/Rot; Gewicht: 4,5 kg (Größe S); Herstellungsland: Vietnam; Ausstattung: herausnehmbares Thermofutter, Jacke mit herausnehmbarer Gore-Tex-Klima­mem­bran, Reflex-Einsatz am Rücken, Hose hitze­reflektierend beschichtet.

Passform/Tragekomfort
Enger Schnitt, aber geschmeidiges Gewebe. Die Ixs-Kombi überzeugt sowohl in „Vollausstattung“ als auch nach dem Umbau zur Sommerkombi (ohne Gore-Tex-Innenjacke und Thermofutter) durch knackigen, bequemen Sitz. Kleine Einbußen durch Druckstellen an den Ärmelbündchen.

Wetterschutz
An kalten Frühlings- und Herbsttagen mollig warm, bei hohen Sommertemperaturen jedoch zu schwach durchlüftet. Der Nässeschutz ist gut, allerdings durchfeuchtet vom Helm abtropfen­des Sickerwasser die Kragenpartie.

Sicherheit
Gelenkprotektoren mit gutem Dämpfungsverhalten, dazu ein sehr guter Rückenprotektor.

Ausstattung/Verarbeitung
Tolle Details, ordentliche Machart.

Fazit
Die Ixs-Kombi ist mit der beachtlichen Größenauswahl sowie Hosen für kurze und lange Beine genau richtig für „problema­tische“ Figuren. Die Isolierung passt zur klassischen Motorradsaison in Mitteleuropa. Lobenswert: der Rückenprotektor!

MOTORRAD-Urteil: gut

Foto: Jahn

Rev’it - Sand 2

Anbieter: Rev’it Sport, Telefon 00 31/4 12/69 67 40, www.revit.eu; Preis: Jacke 349,99 Euro, Hose 249,99 Euro, komplett 599,98 Euro; Größen: S bis XZL, Hose in Kurz- und Langgrößen erhältlich; Farbe: Schwarz/Silber, Schwarz/Orange, Silber/Schwarz, Silber/Rot, Silber/Blau; Gewicht: 4,3 kg (Größe XL); Herstellungsland: Vietnam; Ausstattung: herausnehmbare Hydratex-Klima­membran, herausnehmbares Thermofutter, vorbereitet für die Koppelung mit einem Nackenschutz („Neckbrace“) und einer Warnweste, den ­Einsatz eines Trinkbeutels und einer Kühlweste.

Passform/Tragekomfort
Bauscht sich durch mehrschichtigen Aufbau leicht auf, ähnlich konzipierte Anzüge (Dane, Ixs) sitzen geschmeidiger. Lässt sich nach dem Umbau zur Sommerkombi (ohne Klimamenbran und Thermofutter) noch etwas in Form trimmen, doch die Tendenz zum Flattern bleibt.

Wetterschutz
Isoliert toll an kalten Tagen, angenehm durch­lüftet bei Hitze, schützt effektiv gegen Regen. Kleines Manko: störende Zugluft am Hals.

Sicherheit
Nur Standard: Gelenkprotektoren mit durchschnittlichem Dämpfungsverhalten.

Ausstattung/Verarbeitung
Solide verarbeitet, vielfältig ausbaubar.

Fazit
Die günstigste Kombi gibt sich auf der 4000 Kilometer langen Testrunde auch gegenüber doppelt so teuren Anzügen keine echte Blöße, nervt aber in Details (z. T. schwergängige Druckknöpfe). Ein klasse Plus: die Erweiterungsmöglichkeiten.

MOTORRAD-Urteil: gut

Rukka - Cosmic

Anbieter: Rukka Deutschland, Telefon 0 40/5 51 10 55, www.rukka.com; Preis: Jacke 925 Euro, Hose 699 Euro, komplett 1624 Euro; Größen: Herren 46 bis 62 (in Schwarz bis 66), Hose in Kurz- und Langgrößen erhältlich; Farben: Schwarz, Beige, Rot; Gewicht: 6,3 kg (Größe 56); Herstellungsland: China; Ausstattung: Gore-Tex-Klimamembran, herausnehmbares Thermofutter, abnehmbarer Gore-Tex-Sturmkragen, Magnetverschlüsse.

Passform/Tragekomfort
Durch die fest mit dem Außenstoff verklebte ­Klimamembran fehlt es der Kombi ein wenig
an Geschmeidigkeit, die die Konkurrenten mit „­loser“ Z-Liner-Klimatisierung im Test zu bieten haben. Zusammen mit dem vergleichsweise hohen Gewicht mangelt es etwas an Beweglichkeit.

Wetterschutz
Bei Kälte kommt trotz Thermofutter schnell ein leichtes Kältegefühl auf, auf Base- und Midlayer darf zu Saisonstart und am Ende nicht verzichtet werden. Nässe- und Windschutz sind aber top.

Sicherheit
Vorbildlich ausgestattet: Gelenkprotektoren inklusive vollwertigem Hüft- und Rückenschutz mit brillanter Dämpfung, dazu die großflächig verstärkte Außenhaut.

Ausstattung/Verarbeitung
Durchdacht und sauber gemacht.

Fazit
Eine Kombi im Gegenwert eines soliden Gebrauchtmotorrads. Eine Stärke des Rukka-Anzugs ist die absolut überzeugende Verarbeitungsqualität. Nach der 4000 Kilometer langen Testrunde sieht sie immer noch wie frisch aus dem Laden aus.

MOTORRAD-Urteil: gut

Foto: Jahn

Stadler - Destiny Evo/Faith Evo

Anbieter: Stadler, Telefon 0 85 43/9 62 00, www.stadler-bekleidung.de; Preis: Jacke ab 999 Euro, Hose ab 649 Euro, komplett ab 1648 Euro, zehn Prozent Aufpreis für Übergrößen; Größen: Herren 48 bis 62, Damen 38 bis 46, Zwischengrößen und als Maßanfertigung er­hältlich; Farbe: Schwarz; Gewicht: 7,9 kg (Größe 52); Herstellungsland: Deutschland; Ausstattung: Außenjacke und -hose aus Gore-Tex-Laminat, Innenjacke und -hose aus Cordura Air-Gewebe

Passform/Tragekomfort
Geschmeidig zu tragender „Zwei-in-eins-Anzug“ in vielfältigem Größenspektrum. Schon die Standard-Konfektionsgrößen gefallen mit perfekt ge­schneiderten Umfängen, Arm- und Beinlängen. Beweglichkeit sinkt spürbar mit dem Gore-Tex-Überanzug und dem hohen Gesamtgewicht.

Wetterschutz
Im Sommer und bei Regen top. An kühlen Tagen muss mangels integriertem Thermofutter auf ­eine entsprechend wärmende Kombination aus Base- und Midlayer gesetzt werden.

Sicherheit
Besser geht es nicht: anatomisch geformtes P­rotektorenset inklusive Hüft- und Rückenschutz mit erstklassiger Dämpfung.

Ausstattung/Verarbeitung
Makellos gefertigt, aber nur wenige Extras.

Fazit
Innovative Tourenkombi „aus deutschen Landen“. Der funktionell ausgestattete, leichte Sommeranzug wird an regnerischen Tagen mit einem festen Gore-Tex-Überwurf kombiniert. Sehr ansehnlich gefertigt,
vorbildlich wirkendes Protektorenset.

MOTORRAD-Urteil: sehr gut, Testsieger

Foto: mps-Fotostudio
Minimal gegen optimal: Gelenkprotektor der Rev’it-Kombi (links) im Vergleich zum Knochenschützer von Stadler.
Minimal gegen optimal: Gelenkprotektor der Rev’it-Kombi (links) im Vergleich zum Knochenschützer von Stadler.

Die Protektoren im Test

Teuer heißt nicht automatisch toll: Bei der Protektorenausstattung herrscht in der Oberklasse weiterhin eine fatale Rotstiftpolitik. Im Regelfall werden maximal drei Gelenke (Schulter, Ellbogen und Knie) von echten Protektoren geschützt. Bei den meisten Kombis in diesem Test fühlt man zwar in den Rücken- und Hüftregionen mehr oder minder dicke Aufpolsterungen, doch wirklich schützen können diese meist nicht. Denn das können nur echte Protektoren, die nach Norm zertifiziert sind. Um das zu überprüfen, lohnt ein Blick ins Innere des Anzugs: raus mit den Polstern und schauen, ob diese tatsächlich per Aufdruck als Protektoren gekennzeichnet sind.

Gelenkprotektoren müssen nach der Euronorm EN 1621-1 geprüft sein, die es nun endgültig seit dem 1. Juli 2013 in
einer verschärften Form gibt. Sollte der Protektor bereits nach neuem Standard zertifiziert sein, muss die Kennzeichnung auf das Jahr 2012 verweisen (siehe Foto oben). In diesem Test waren es bislang nur Rukka und Stadler. Am grundsätzlichen Prozedere hat sich kaum was geändert. Zur Überprüfung der Schlagdämpfungseigenschaft saust ein fünf Kilo schweres Fallgewicht aus einem Meter Höhe im freien Fall mit einer Energie von rund 50 Joule auf den Protektor. Unter diesem registriert ein Amboss die Restkraft, die durchgeleitet wird. Bislang waren im Durchschnitt maximal 35 Kilonewton (kN) zulässig.

Knochen kann bereits bei unter 10 kN brechen

Zur Veranschaulichung: Ein Knochen kann bereits bei unter 10 kN brechen. Bei der Revision der Norm hat man nun zwei Schutzklassen eingeführt. Für Protektoren, die nach Level 1 zugelassen sind, beträgt der zulässige Wert weiterhin 35 kN. Bei Level 2 sinkt die zulässige Restkraft auf 20 kN. Damit hat man auf Europaebene endlich auf den Stand der Technik reagiert. Denn Gelenkprotektoren, die den hohen Grenzwert von 1998 locker unterbieten, sind seit Jahren auf dem Markt.

Foto: MRD

Bis sich aber die neu zertifizierten Gelenkprotektoren durchgesetzt haben, werden noch einige Jahre vergehen. Eine Verpflichtung, ab sofort nur noch neu zertifizierte Protektoren einzusetzen, gibt es nicht. Auch auf einen echten Rückenschutz verzichtet die Mehrzahl in ­diesem Test. Nur Ixs, Rukka und Stadler sind mit echten Rückenprotektoren versehen. Alle anderen kleiden die entsprechende Tasche in der Jacke bislang noch mit einem Alibipölsterchen aus und bieten den Einbau eines passenden CE-genormten Protektors nur gegen Aufpreis an.

Auch bei den Rückenprotektoren gibt es in der Norm zwei Schutzklassen. Das grundsätzliche Prüf­pro­zedere gleicht in wesentlichen Zügen dem für Gelenkprotektoren. Nur sind die Grenzwerte hier bereits deutlich schärfer gefasst. Beim Level 1 dürfen im Mittel 18 kN nicht überschritten werden, für den Level 2 sind maximal 9 kN zulässig.

Diesen schärferen Grenzwert einzuhalten fällt kaum einem Anbieter schwer. Es gibt bereits ­Rückenprotektoren, bei denen die Restkraft unter 5 kN liegt. Viel wichtiger ist, sich die tatsäch­liche Schutzfläche anzuschauen, die über einen auf dem Rückenprotektor angegebenen Schulter-Hüft-Abstand berechnet wird. Denn oftmals werden für die Konfektionsgröße viel zu kleine Protektoren eingesetzt.

Fazit und Endwertung

Fazit:

Das Ergebnis dokumentiert klar und deutlich: Im Oberhaus der Textilkonfektionäre versteht man es grundsätzlich, einen guten Job zu machen. Das ist auch das Ergebnis der 4000-Kilometer-Runde, die jedem einzelnen Anzug im Rahmen des MOTORRAD-Reifentests aufgespult wurde.

Wirkliche Ausfälle gab es keine, weder durch Nässeeinbruch bei Regenfahrten noch im täglichen Gebrauch beim Öffnen und Schließen der Druckknöpfe, Reiß- und Klettverschlüsse usw. Eitel Sonnenschein also? Nein, in der zweiten Spalte stehen die Hausaufgaben: Mehr und bessere Protektoren müssen her!

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