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In MOTORRAD 4/2016: Sieben Ledereinteiler der oberen Mittelklasse im Produkttest.

Sieben Ledereinteiler der oberen Mittelklasse im Produkttest Stangenware in bester Qualität

Wer grenzwertig schräg auf dem Racetrack unterwegs ist – und das will man ja –, ist jederzeit sturzgefährdet. Ein ­ordentliches Rennleder kann schützen, ­sofern die Pelle richtig knackig – also fast zu knapp – sitzt. Wir testeten sieben Ledereinteiler zu fairen Preisen.

Ganz vielleicht gibt es sie: Motorradfahrer, die während einer jahrzehntelangen Schräglagenkarriere zu keiner Zeit die Kontrolle übers Fahrgerät verloren haben und noch nie abgeflogen sind. Die Chancen jedoch, dass jemand, der regelmäßig an Trainings und Rennen teilnimmt, irgendwann einmal stürzt, sind nicht nur höher, sondern schlicht und einfach hoch. Kurzum, wer sehr schnell und sehr schräg fährt, stürzt auch. Punkt.

Zum Glück sind speziell auf einer gesicherten Rennstrecke die Sturzfolgen oftmals nicht so schlimm, und der Fahrer kommt mit ein paar blauen Flecken davon. Stürzen selbst ist außerdem kein Zeichen von Doofheit, und bei schlauer Fahrweise lässt sich das Unfallrisiko halbwegs minimieren – also locker einrollen, herantasten und nicht immer nur im Halt-drauf-Modus heizen! Dumm ist es jedoch, unzureichende Fahrerausstattung bei diesen grenzwertigen Einsätzen zu tragen. Helm, Handschuhe, sportliche Stiefel und, na klar, eine ordentliche Lederkombi müssen sein.

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Für die Rennstrecke empfiehlt sich ein Einteiler

Für ernst gemeintes Sporteln auf der Rennstrecke empfiehlt sich unbedingt ein Ledereinteiler. Möglichst maßgeschneidert, damit die Passform auch wirklich stimmt. Denn die Kombi muss sehr körpernah sitzen, sprich: beinahe schon hauteng. Erst dann ist beste Sicherheit gewährleistet, insbesondere die Protektoren sollten beim Sturz nicht verrutschen. Typische Schwachstellen sind zu weit geschnittene Ärmel im Ellenbogenbereich und zu weite Hosenbeine.

Schmächtige, groß gewachsene Fahrer etwa besitzen häufig nicht die nötige Schulterbreite bei Standardgrößen – die Schultereckgelenke sind dann stärker gefährdet. Nur kann sich leider nicht jeder eine Maßanfertigung für mitunter deutlich mehr als 1500 Euro leisten. Das ist verständlich. Unverständlich ist es hingegen, wenn manche Race-Fans ihrem Motorrad Karbon-Kotflügel für über 300 Euro gönnen, für sich selbst aber im Internet No-Name-Ledereinteiler fragwürdiger Herkunft für einen niedrigeren Betrag und dann auch noch ohne Anprobe einkaufen.

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Sieben Anwärter aus der oberen Mittelklasse

Die Empfehlung ist wie wohl so oft die goldene Mitte, weshalb wir in diesem Vergleichstest nach sieben Anwärtern aus der oberen Mittelklasse Ausschau gehalten haben. Wie sich zeigte, finden sich zwischen 1000 und 1500 Euro schon gute und sehr gute Lederkombis, mit denen man unbedenklich Rennsport betreiben kann.

Stangenware in bester Qualität von etablierten Herstellern wie den Italienern Alpinestars und Dainese, die sich seit Jahrzehnten dem Rennsport widmen, aber auch von Exoten wie Damen und Gimoto, die trotz Mittelklasse ausschließlich Maßanfertigungen anbieten. Bei Damen kann sich der Kunde in Assen und Breda in Holland vermessen lassen oder seine Maße in ein vorgefertigtes Datenblatt eintragen und dem Hersteller zusenden. So funktioniert es auch bei Gimoto (Italien), in deren deutscher Zweigstelle in Trier auch eine Vermessung vor Ort vorgenommen werden kann.

Beim Thema Rückenprotektor scheiden sich die Geister

Dainese, Held und Spidi bieten ab 300 Euro Aufpreis ebenfalls Individual-Anfertigungen an. Für Racer zudem interessant: Ist Labeln möglich, kann ich meine Startnummer oder meinen Namen anbringen lassen? Diesen Service bieten alle Testteilnehmer – gegen Aufpreis – bis auf Alpinestars.

Noch ein Wort zum Thema Rückenprotektor: Hier scheiden sich die Geister. Die einen vertreten die Philosophie, dass ein Rückenprotektor möglichst nicht Teil der Kombi sein sollte, sondern möglichst körpernah als eigenständiger Umschnallprotektor. Das ist sicherlich kein falscher Ansatz. Deckt aber ein integrierter Protektor großflächig und bis tief über den Steiß ab, auch gut. Voraussetzung: Die Lederkombi muss perfekt sitzen. Knackig, kurz vor knapp!

Foto: mps-Fotostudio
Alpinestars Atem: Robustes Wohlfühl-Leder, erstklassige Verarbeitung sowie Ausstattung und für eine Kombi von der Stange eine prima Passform. MOTORRAD-Urteil: gut.
Alpinestars Atem: Robustes Wohlfühl-Leder, erstklassige Verarbeitung sowie Ausstattung und für eine Kombi von der Stange eine prima Passform. MOTORRAD-Urteil: gut.

Alpinestars Atem

    Anbieter: Alpinestars, Tel. 00 39/04 23/52 86 (Italien), www.alpinestars.com

    Preis: 1199,95 Euro

    Größen: 48 bis 60

    Farben: Schwarz mit Weiß bzw. mit Weiß und Neongelb oder Rot

    Gewicht (in Gr. 52): 5,6 Kilogramm (inklusive Kniepads)

    Obermaterial: Rindsleder, Textilfaser-Stretcheinsätze

    Lederdicke: 1,2 bis 1,4 mm

    Herstellungsland: China

    Plus:

    • Sehr gute Proportionen, Ärmellängen und Beinabschlüsse etwas kurz und je nach Testfahrer am Oberarm etwas weit geschnitten, aber insgesamt sehr satter, körpernaher Schnitt
    • sehr ordentlicher Protektorensitz
    • gute Lederqualität, überwiegend in abriebfester Stärke um 1,4 mm, Lederdoppelungen mit Stärken um 2,0 mm
    • gute Belüftung, hoher Tragekomfort

    Minus:

    • Recht hohes Gewicht im Vergleich zu den anderen Einteilern
    • Futter ist etwas nachlässig lediglich mit Klett angebracht und verrutscht leicht
    • Restkraftwerte beim Schlagdämpfungstest im direkten Vergleich nur durchschnittlich
    • kein Rückenprotektor als Serienausstattung (Nachrüs­ten: 119,95 Euro)

    Fazit: Robustes Wohlfühl-Leder, erstklassige Verarbeitung sowie Ausstattung und für eine Kombi von der Stange eine prima Passform. Die sehr ausgewogene und durchdachte Alpinestars Atem ist absolut empfehlenswert.

    MOTORRAD-Urteil: gut

    Foto: mps-Fotostudio
    Die Dainese Laguna Seca P. Estiva verdient die Bewertung
    Die Dainese Laguna Seca P. Estiva verdient die Bewertung "gut" in erster Linie durch die lobenswerte Qualität und prima Passform. Die Restkraftwerte der Protektoren sind nicht mehr zeitgemäß und führen zu Abzügen bei der Sicherheit.

    Dainese Laguna Seca P. Estiva

      Anbieter: Dainese, Tel. 0 89/35 39 67 66, www.dainese.com;

      Preis: 949 Euro

      Größen: 44 bis 58

      Farben: Schwarz mit Anthrazit und Weiß, Schwarz mit Neonrot, Weiß mit Schwarz und Neonrot

      Gewicht (in Gr. 52): 5,2 Kilogramm (inklusive Kniepads)

      Obermaterial: Rindsleder, Textilfaser-Stretcheinsätze

      Lederdicke: 1,2 bis 1,3 mm

      Herstellungsland: Ukraine

      Plus:

      • Sehr abriebfestes, viel Sicherheit bietendes Leder mit Doppelungen (Stärken bis 2,3 mm) in Sturzbereichen
      • tadellose Verarbeitung und gute Ausstattung
      • Passform und Tragekomfort sehr angenehm, bietet gute Bewegungsfreiheit
      • Möglichkeit, die Kombi gegen Aufpreis mit Airbagsystem (D-Air) als Sonderzubehör auszustatten
      • Nachrüst-Brustprotektoren (49,90 Euro) im Angebot
      • Maßanfertigung möglich

      Minus:

      • Schulter- und Ellenbogenprotektoren fallen für die Konfektionsgröße sehr klein aus und umschließen nur mäßig die Gelenke
      • Restkraftwerte an Schultern mit im Mittel fast 20 kN und an den Ellenbogen über 16 kN vergleichsweise schwach
      • gibt sich etwas sperrig beim Ein- und Ausstieg

      Fazit: Die Dainese Laguna Seca P. Estiva verdient ihre gute Bewertung in erster Linie durch die lobenswerte Qualität und prima Passform. Die Restkraftwerte der Protektoren sind nicht mehr zeitgemäß und führen zu Abzügen bei der Sicherheit.

      MOTORRAD-Urteil: gut

      Foto: mps-Fotostudio
      Der Damen Racing Suit D2 tritt mit einem für eine Maßfertigung zu bewertenden Kampfpreis von gut 1100 Euro an. Preis gut, Passform sehr gut, bezahlbare Individualisierungsmöglichkeiten: auch gut. Gesamtqualität: so lala.
      Der Damen Racing Suit D2 tritt mit einem für eine Maßfertigung zu bewertenden Kampfpreis von gut 1100 Euro an. Preis gut, Passform sehr gut, bezahlbare Individualisierungsmöglichkeiten: auch gut. Gesamtqualität: so lala.

      Damen Racing Suit D2

        Anbieter: Damen Leathers, Tel. 00 31/76/5 42 30 00 (Niederlande), www.damenleathers.nl

        Preis: 1099,95 Euro

        Größen: ausschließlich Maßanfertigung

        Farben: freie Farbwahl

        Gewicht (in Gr. 52): 5,3 Kilogramm (inklusive Kniepads)

        Obermaterial: Rindsleder, Textilfaser-Stretcheinsätze

        Lederdicke: 1,0 bis 1,3 mm

        Herstellungsland: Niederlande

        Plus:

        • Top-Passform wegen serienmäßiger Maßanfertigung, Testmuster (hergestellt auf Grundlage von zugesandtem Datenblatt) sitzt bis auf Petitessen wie angegossen
        • sehr vorzeigbare Restkraftwerte der Schulter-, Ellenbogen- und Knieprotektoren
        • sinnvolle und durchdachte Lederdoppelungen an sturzgefährdeten Stellen
        • hohe Bewegungsfreiheit
        • Labeln möglich

        Minus:

        • Keine Hüftprotektoren kosten Punkte bei der Bewertung des Kriteriums „Sicherheit“
        • Verarbeitung mitunter sehr nachlässig
        • Futter saugt sich schnell mit Körperfeuchtigkeit zu, schwitziges Innenklima
        • Ausstattung wirkt insgesamt etwas billig
        • Reißverschlüsse unterdimensioniert und piksig beim Bedienen

        Fazit: Der Einteiler Damen Racing Suit D2 tritt mit einem für eine Maßfertigung zu bewertenden Kampfpreis von gut 1100 Euro an. Preis gut, Passform sehr gut, bezahlbare Individualisierungsmöglichkeiten: auch gut. Gesamtqualität: so lala.

        MOTORRAD-Urteil: gut

        Foto: mps-Fotostudio
        Der Gimoto Racer-R ist der teuerste Anzug im Test und beinahe auch der beste, weil fahraktivste. Kein Wunder: Maßanfertigung.
        Der Gimoto Racer-R ist der teuerste Anzug im Test und beinahe auch der beste, weil fahraktivste. Kein Wunder: Maßanfertigung.

        Gimoto Racer-R

          Anbieter: Renngrib, Tel. 06 51/17 06 89 99, www.renngrib.de

          Preis: 1555 Euro

          Größen: ausschließlich Maßanfertigung

          Farben: freie Farbwahl

          Gewicht (in Gr. 52): 4,9 Kilogramm (inklusive Kniepads)

          Obermaterial: Känguruleder, Textilfaser-Stretcheinsätze

          Lederdicke: 0,9 bis 1,2 mm

          Herstellungsland: Italien

          Plus:

          • Kaum zu kritisierende Passform (serienmäßige Maßanfertigung) und hervorragender Tragekomfort durch gut positionierte Stretcheinsätze und recht ­elastisches, dünn auftragendes Känguruleder
          • hohe Bewegungsfreiheit, schön leicht
          • gute Restkraftwerte bei Schulter- und Knieprotektoren (unter 7 kN)
          • reichhaltiges Sonderzubehörprogramm, Labeln möglich (20 Euro pro Label)

          Minus:

          • Knieprotektorensitz nicht optimal, Schützer können sich bei Sturz unter Umständen wegdrehen
          • Schlagdämpfung der Ellenbogenprotektoren nur mäßig
          • trotz Maßanfertigung minimal zu weite Oberschenkel

          Fazit: Der teuerste Anzug im Test – und beinahe auch der beste, weil fahraktivste. Kein Wunder: Maßanfertigung. Ihr Geld ist die Känguru-Kombi Gimoto Racer-R wert – wären da nicht kleinere Sicherheitslücken, die von den Protektoren herrühren.


          MOTORRAD-Urteil: gut

          Foto: mps-Fotostudio
          Die Stangenkombi Held Slade gewinnt! Vor allem durch fleißiges Punktesammeln bei der passiven Sicherheit. MOTORRAD-Urteil: sehr gut.
          Die Stangenkombi Held Slade gewinnt! Vor allem durch fleißiges Punktesammeln bei der passiven Sicherheit. MOTORRAD-Urteil: sehr gut.

          Held Slade

            Anbieter: Held, Tel. 0 83 21/6 64 60, www.held.de

            Preis: 999,95 Euro

            Größen: 48 bis 60

            Farben: Schwarz, Schwarz mit Rot, Weiß oder Neongelb

            Gewicht (in Gr. 52): 5,8 Kilogramm (inklusive Kniepads)

            Obermaterial: Rinds- und Känguruleder (ca. 60/40 %), Textilfaser-Stretcheinsätze

            Lederdicke: 1,3 bis 1,4 mm

            Herstellungsland: Vietnam

            Plus:

            • Ausgezeichneter Protektorensitz, Schützer umschließen Gelenke vorbildlich und sitzen bequem
            • großflächiger Weichschaum-Rückenprotektor mit zusätzlichem Steißschutz als Serienausstattung
            • beste Restkraftwerte im Labortest der Schlagdämpfung
            • dickes, solides Leder mit hervorragendem Abriebschutz
            • Maßanfertigung (und dann auch Labeln) möglich ab 300 Euro Aufpreis
            • sauber verarbeitet

            Minus:

            • Leichte Schwächen bei der Passform, die Bewertungen der Tester fielen in diesem Punkt recht unterschiedlich aus
            • nur in sieben Standardgrößen erhältlich
            • schwerster Einteiler im Vergleich

            Fazit: Eine Stangenkombi gewinnt! Vor allem durch fleißiges Punktesammeln bei der passiven Sicherheit. Beim Tragekomfort hängt sie nach, aber sollte die Passform nicht zusagen, gibt es die (dann teurere) Held Slade auch auf Maß. Top!

            MOTORRAD-Urteil: sehr gut

            Foto: mps-Fotostudio
            Das Rennleder Rev’it Replica One Piece bietet mit dem niedrigsten Preis im Testvergleich einen tadellosen Gegenwert und viel Sicherheit.
            Das Rennleder Rev’it Replica One Piece bietet mit dem niedrigsten Preis im Testvergleich einen tadellosen Gegenwert und viel Sicherheit.

            Rev’it Replica One Piece

              Anbieter: Rev’it, Tel. 00 31/4 12/69 67 40 (Niederlande), www.revit.eu

              Preis: 899,99 Euro

              Größen: 44 bis 56

              Farben: Schwarz mit Neongelb, Rot oder Weiß

              Gewicht (in Gr. 52): 5,4 Kilogramm (inklusive Kniepads)

              Obermaterial: Rindsleder, Textilfaser-Stretch­einsätze

              Lederdicke: 1,2 bis 1,5 mm

              Herstellungsland: China

              Plus:

              • Sehr ordentliche Restkraftwerte bei den Schulter-, Ellenbogen- und Knieprotektoren auf Bestniveau (6 bis 7 kN), guter, fester Protektorensitz
              • Rückenprotektor für kleines Geld (29,99 Euro) zum Nachrüsten
              • hoher Anteil an überdurchschnittlich dickem Leder (bis 1,5 mm)
              • Qualität und Verarbeitung können überzeugen
              • Labeln über Partnerfirma möglich

              Minus:

              • Hüftprotektor mit eher mäßiger Schlagdämpfung
              • geringe Größenbandbreite, für sehr beleibte Fahrer keine Größenoptionen
              • recht hohes Gewicht
              • Schnitt fällt vergleichsweise weit aus, bei eher schmächtigen Menschen problematisch
              • bot je nach Testfahrer beim Hanging-off wenig Beinfreiheit

              Fazit: Das Rennleder Rev’it Replica One Piece bietet mit dem niedrigsten Preis im Testvergleich einen tadellosen Gegenwert und viel Sicherheit. Mit der Passform kommen nicht alle Fah­rertypen zurecht, doch wem der Anzug passt: Kaufen!

              MOTORRAD-Urteil: gut

              Foto: mps-Fotostudio
              Die Spidi Replica Piloti Wind Pro spielt in Sachen Qualität, Verarbeitung und Ausstattung eigentlich in der oberen Liga, aber Passformschwächen torpedieren ein besseres Gesamtergebnis. MOTORRAD-Urteil: befriedigend.
              Die Spidi Replica Piloti Wind Pro spielt in Sachen Qualität, Verarbeitung und Ausstattung eigentlich in der oberen Liga, aber Passformschwächen torpedieren ein besseres Gesamtergebnis. MOTORRAD-Urteil: befriedigend.

              Spidi Replica Piloti Wind Pro

                Anbieter: Spidi, Tel. 00 39/04 44/43 64 11 (Italien), www.spidi.com

                Preis: 999,90 Euro

                Größen: 46 bis 60

                Farben: Schwarz mit Weiß (andere Farben nur gegen Aufpreis auf Anfrage)

                Gewicht (in Gr. 52): 4,9 Kilogramm (inklusive Kniepads)

                Obermaterial: Rindsleder, Textilfaser-Stretcheinsätze

                Leder­dicke: 1,25 bis 1,45 mm

                Herstellungsland: Rumänien

                Plus:

                • Knie- und Hüftprotektoren mit prima Messwerten (Restkraft Hüfte nur 8,5 kN und damit Bestwert)
                • griffiges, qualitativ einwandfreies und abriebfestes Leder mit sinnvollen Doppelungen
                • für Rindsleder-Anzug sehr leicht
                • gute Größenbandbreite
                • erstklassige Verarbeitung; Maßanfertigung (ab 360 Euro Aufpreis) und Labeln (15 Euro pro Logo) möglich
                • Rücken- und Brustprotektoren lassen sich zu fairen Preisen nachrüsten

                Minus:

                • Zu kleine Schulter- und Ellenbogenprotektoren mit eher mäßigen Restkraftwerten (um 13 kN) und schlechtem Sitz;
                • Beinfreiheit spürbar eingeschränkt und erhebliche Passformmängel an Ärmeln

                Fazit: Die Spidi Replica Piloti Wind Pro spielt in Sachen Qualität, Verarbeitung und Ausstattung eigentlich in der oberen Liga, und die Liste mit sinnvollem Zubehör ist erfreulich lang. Passformschwächen torpedieren ein besseres Gesamtergebnis.

                MOTORRAD-Urteil: befriedigend

                Foto: mps-Fotostudio
                Gimoto Racer-R: Beim Leder setzt man komplett auf Känguru. Das spart Gewicht, ist aber auch deutlich teurer als normales Rindsleder.
                Gimoto Racer-R: Beim Leder setzt man komplett auf Känguru. Das spart Gewicht, ist aber auch deutlich teurer als normales Rindsleder.

                Individual-Anfertigungen

                Wenn anstelle des Maßschneiders der Käufer selbst zu Hause ein Datenblatt mit Körpermaßen erstellt, ist das tückisch. Hier die wichtigsten Tipps zur Vermessung der eigenen Person:

                • Nie allein messen! Nur mit Helfer sind auf den Zentimeter genaue Messungen möglich.
                • Ab 5 mm hinter der Kommastelle auf den nächsten Zentimeter aufrunden.
                • Keine Pullis oder ähnlich dick Auftragendes anziehen, sondern nur Funktionswäsche oder dünnes T-Shirt bei der Messung tragen.
                • Schulterbreite: Abstand messen zwischen den Nähten, wo jeweils der Ärmel angenäht ist (oben am Schultergelenk).
                • Besagter Schulter-Nahtpunkt ist auch der Ausgangspunkt für die Messung der Ärmellänge – von dort bis zum leicht hervorstehenden Knöchel am Handgelenk anlegen. Wichtig: Vorher gestreckten Arm seitwärts bis Schulterhöhe anheben und dann mit Faust 90-Grad-Winkel nach vorn bilden.
                • Brust- und Bauchumfang: Nicht Luft anhalten oder Bauch einziehen! Maßband locker, aber ohne Spiel anlegen und einfach normal weiteratmen. Höchsten Wert notieren, Messung mehrmals wiederholen und Werte mitteln.
                • Taille (wird oft mit Bauchumfang verwechselt!): Mit Maßband den Bauchnabel abdecken und waagerecht den Umfang messen.
                • Schrittlänge: Unbedingt innen am Bein messen! Vom Schritt (Beinansatz) bis zum inneren großen Fußknöchel, dabei aufrecht und schulterbreit stehen.
                Foto: Volkmar Jacob
                Immer schön draufhauen: Schlagdämpfungsprüfung im Labor.
                Immer schön draufhauen: Schlagdämpfungsprüfung im Labor.

                So testet MOTORRAD

                Wo fühlen sich Ledereinteiler am wohlsten? Doofe Frage, na klar, auf dem Rundkurs. Für den Praxistest nahmen deshalb unsere Tester von der Schwesterzeitschrift PS die sieben Anzüge mit auf den Hockenheimring. Bei ausgiebigen Fahrtests auf supersportlichen Maschinen (z. B. Yamaha YZF-R1) konnten die schnellen Jungs alle erdenklichen rennspezifischen Fahrhaltungen von ruckartigem Aufsetzen beim harten Anbremsen bis zu grenzwertigem Hanging-off ausprobieren. Dabei zeigte sich schnell, bei welchen Bewegungen die Kombi den Fahrer einschränkt. Gleichzeitig ließen sich Belüftung (etwa durch Perforationen) gut bewerten.

                Neben Passform und Tragekomfort protokollierten die Tester auch den Komfort beim An- und Ausziehen. Wieder daheim in der warmen Stube wurden die Ledereinteiler (die zu einem nicht unbeträchtlichen Anteil aus textilem Stretchmaterial bestehen) zerschnitten und auf Lederdicke, Nähte, Materialdoppelungen und andere Konstruktionsdetails sowie die Ausstattung mit praxisgerechten Taschen untersucht. Auf dem Fallprüfstand im Labor ermittelten wir schließlich die Restkraft bei harten Schlägen mit einer Aufschlagsenergie von 50 Joule auf das Obermaterial und darunterliegende Protektoren.

                Foto: Archiv
                Endwertung der Ledereinteiler.
                Endwertung der Ledereinteiler.

                Endwertung

                Keine Frage: Maßanfertigungen mit Stangenware zu vergleichen, ist eine besondere Herausforderung. Die Testpraxis zeigte aber, dass sich die Ledereinteiler unterm Strich nicht so deutlich voneinander unterscheiden. Auch bei den Standardgrößen lösen die Lederschneider ihre Aufgabe offenbar sehr gut. Und prima Preise sind auch ein Argument.

                So siegt die recht günstige Lederkombi von Held mit toller Qualität und Ausstattung bei gutem Tragekomfort sowie bestem Ergebnis beim Kriterium Sicherheit. Die Maßschneider Damen Racing Suit D2 und Gimoto Racer-R spielen ebenfalls in der oberen Mittelklasse mit – und das ist durchaus ehrenwert, denn so kann man sich als Race-Fan auch bei kleinerem Budget den Traum vom individualisierten Rennleder erfüllen.

                Foto: mps-Studio
                Thorsten Dentges und Volkmar Jacob.
                Thorsten Dentges und Volkmar Jacob.

                Die Favoriten der Testcrew

                Thorsten Dentges (44):

                1.    Gimoto Racer-R
                2.    Rev’it Replica One Piece
                3.    Alpinestars Atem
                7.    Spidi Replica Piloti Wind Pro

                Volkmar Jacob (52):

                1.    Held Slade
                2.    Alpinestars Atem
                3.    Dainese Laguna Seca P. Estiva
                7.    Spidi Replica Piloti Wind Pro

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