Spezial Bekleidung<br>Vergleichstest Lederkombis Ans Leder gehen

Sechs zweiteilige Lederkombis bis 750 Euro und acht Kandidaten über 1000 Euro mussten in harten Praxistests Farbe bekennen. Wie steht es um die Alltagstauglichkeit und um die Sicherheit der 14 Modelle?

Trotz intensiver Bemühungen der Textilkombi-Hersteller sind sich Bekleidungsexperten einig: Nichts schützt Motorradfahrer bei einem Sturz besser vor Verletzungen als eine Protektoren-Lederkombi. Mit über 90 Prozent Marktanteil erfreuen sich hier die Zweiteiler herausragender Beliebtheit. Sie erleichtern dank umlaufender Verbindungsreißverschlüsse die Anziehprozedur und erlauben aus demselben Grund, sich bei Fahrtunterbrechungen oder Kaffeepausen zumindest der Jacke zu entledigen.
MOTORRAD griff aus dem riesigen Angebot 14 viel gekaufte Zweiteiler heraus und unterzog sie einem Vergleichstest. Die ausgewählten Testkandidaten unterteilen sich in zwei Preisklassen: sechs Kombis der Mittelklasse von 500 bis 750 Euro und acht der Oberklasse ab 1000 Euro.
Das Testprocedere dieses Praxistests war für alle Modelle identisch: Die wichtigsten Ergebnisse lieferten ausgiebige Testfahrten mit mehreren Fahrern auf unterschiedlichen Motorrädern, um den Tragekomfort der Lederkombis auf dem Motorrad zu überprüfen. Zur Testrunde gehörten neben einem großen Anteil Landstraßen aller Kategorien einige Kilometer Stadtverkehr sowie etliche Kilometer Autobahn ohne Geschwindigkeitsbeschränkung.
Bei den Fahrversuchen bewerteten die Tester unter anderem die Belüftungsfunktion beziehungsweise den Windschutz, die Flatterneigung bei hohen Geschwindigkeiten, die Passform in den Bereichen Knie und Kniekehle, Armbeuge sowie am Kragen. Außerdem den Sitz der Protektoren, die Arm- und Beinabschlüsse, die Funktion der Reißverschlüsse und die Bewegungsfreiheit beim Fahren. Kombis, mit denen sich die Beine in Fahrhaltung nur einen Spaltbreit vom Tank abspreizen lassen, vermitteln ein beengendes Gefühl und erhalten in diesem Punkt eine entsprechend schlechtere Wertung. Dass die Bewegungsfreiheit nicht unbedingt mit der Kombiweite zu tun haben muss, sondern auch knapp geschnittene Kombis große Freiheiten lassen können, zeigt die Firma Schwabenleder mit ihrem Modell Aero Sport Supertec. Es liegt sehr eng am Körper an und bietet dennnoch mit die beste Beweglichkeit für den Fahrer. Dafür zeichnen perfekt vorgeformte Körperpartien und gezielt verarbeitete Stretchzonen an allen wichtigen Stellen verantwortlich.
Anschließend an die Fahrtests fand im redaktionseigenen Konferenzraum eine Anprobe statt, bei der alle passenden MOTORRAD-Mitarbeiter sich in die unterschiedlichen Kombis hüllen mussten und subjektive Bewertungen bezüglich An- und Ausziehen sowie Passform abzugeben hatten. Bei diesen bisweilen durchaus anstrengenden »Trockenübungen« zeigten sich deutliche Unterschiede: Mal hatte ein breitschultriger Kollege bequem Platz, mal zwickte es ihn in den Achseln. Mal passte das Hosenbein über stramme Radlerwaden, mal nicht. Damit die Schutzkleidung weder zu eng sitzt und überall drückt noch viel zu weit daherkommt und am Fahrerleib flattert, hilft nur die Probe aufs Exempel, und die zeigt auch, ob Reißverschlüsse nur so flutschen, oder ob sie ständig haken (siehe Kasten »Anprobe«).
Die auffälligsten positiven und negativen Praxis-Eigenschaften finden sich in den Datenkästen der einzelnen Kombis unter »Plus« und »Minus« wieder. In die Gesamtwertung fließt außerdem die Beurteilung von Ausführung und Anzahl sämtlicher Nähte sowie der Art und Positionierung aller Protektoren mit ein. Beispielsweise erhalten Kushitani und Hein Gericke eine hohe Wertung beim Unterpunkt Tragefreundlichkeit, weil sich die verwendeten Elastomer-Protektoren hervorragend an die Körperformen anpassen, und zwar unabhängig von der Außentemperatur. Erbo und Schwabenleder bekommen in diesem Kriterium Abzüge, da ihre PU-Schaumprotektoren sich bei Kälte verhärten und etwas störrisch verhalten. Dafür punkten die beiden aufgrund der sehr guten Fixierung der Schutzprotektoren, was Kushitani mit der Befestigung im herausnehmbaren Innenfutter weniger gut gelingt.
Nicht unwesentlich für die Sicherheit ist die Überdeckung der einzelnen Protektoren. Beispielsweise gibt es bei nicht vorhandenen Rückenprotektoren Punktabzug. Trägern der betreffenden Kombis empfiehlt MOTORRAD einen separaten Rückenpanzer aus dem Zubehörmarkt. Die sind schon für unter 50 Euro erhältlich, beim Kauf dringend auf ausreichende Länge (bis zum Steiß) achten. Die teilweise verwendeten Weichschaum-Rückenprotektoren einiger Testkandidaten taugen wenig und sollten gegen separat zu tragende Exemplare getauscht werden.
Insgesamt hinterließen die 14 Testkombis einen guten Eindruck. Die Oberklasse ab 1000 Euro hebt sich durch sichtbar und spürbar höherwertige Verarbeitung und Ausstattung von den Kombis bis 750 Euro ab. Doch das muss für die Sparsamen im Land noch längst nicht weniger Sicherheit bedeuten: Auch in der Mittelklasse kommen an den exponierten Stellen wie Knie und Schultern oft CE-geprüfte oder ähnlich hochwertige Protektoren zum Einsatz. Nach allen Erfahrungen, die MOTORRAD bislang sammeln konnte, garantiert das – korrekten Sitz der Potektoren vorausgesetzt – einen recht guten Schutz.
Drum bleibt’s auch dabei, dass der Kauf einer Lederkombi grundsätzlich empfohlen werden kann. Schließlich handelt es sich um eine Investition in die eigene Sicherheit. Pfiffige Zeitgenossen tätigen diese Investition, bevor eigener Schaden sie zur Erkenntnis brachte, dass nichts besser vor Verletzungen schützt.

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