Reportage: Valentino Rossi und Dainese Rossis Werbevertrag - Der Pakt mit dem Teufel
Dieser Doktor hat niemals den hippokratischen Eid abgelegt, sondern schwört auf das Logo mit dem Teufelskopf. Seit über 15 Jahren geht "Dottore" Valentino Rossi im Dainese-Dress auf die Jagd nach WM-Punkten. Auf Spurensuche am Firmen-Stammsitz in Molvena.
Ein klares Motiv seit vielen Jahren. Die Rossi-Dainese-Liaison ist zum festen Bestandteil der Werbekampagne des italienischen Bekleidungslabels geworden.
Foto: Avancini
Die Liste seiner Stars auf Erden liest sich wie das Who's who der jüngeren Renn-geschichte: Dieter Braun, Giacomo Agostini, Barry Sheene, Toni Mang, Carl Fogarty. Sie alle haben sich das Leder aus Molvena übergestreift und sind dann damit regelmäßig aufs Podium gefahren. Doch ein Name leuchtet an diesem Sternenhimmel heller und länger als alle anderen. Es ist der von Valentino Rossi, Nummer 46 im System. Ein Ausnahmetalent, das Weltmeistertitel sammelt wie andere Menschen Strafzettel. Und der wie kein zweiter Fahrer von Kopf bis Fuß auf Dainese eingestellt ist. Das prägnante Logo in Form eines stilisierten Teufelskopfes und der Teufelskerl aus Tavullio: Seit Jahren machen sie nun schon gemeinsame Sache.
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Das ist nicht nur auf der Piste und in Werbekampagnen zu sehen. Das spüren auch Besucher am Stammsitz von Dainese in Molvena, einer Kleinstadt nahe Venedig, mitten im Zentrum der italienischen Lederindustrie. Valentino ist hier allgegenwärtig, das Herz der Firma scheint förmlich im 46er-Takt zu schlagen. Ob in der Näherei, wo neben Prototypen für künftige Kollek-tionen seine Rennkombis geschneidert werden, oder in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung, die sehr viel Wert auf die Meinung des MotoGP-Piloten legt. Bei "Kleinigkeiten" wie der Entwicklung von Stiefeln mit Axialgelenken und Handschuhen mit vorgeformten Protektoren ge-nauso wie beim aktuell größten Projekt von Dainese namens "D-Air": Ein Airbag für Motorradfahrer, der ohne Input aus dem Renngeschehen kaum zu entwickeln wäre. Zusammen mit seinem Teamkollegen Jorge Lorenzo liefert Rossi die entscheidenden Parameter, die Dainese-Projektleiter Alessandro Bellati braucht, um das System nach einer mehr als zehnjährigen Entwicklungsphase endlich serienreif zu machen. Als besonders heikel gilt die GPS-gestützte Auslösesteuerung. Ob nun Motorrad- und Fahrerbewegungen tatsächlich auf einen Sturz hindeuten, für den der Airbag ausgelöst werden muss, wäre ohne Einspeisung der unendlich vielen Daten direkt von der Piste undenkbar.
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Rossi ist auf nahezu jedem Schreibtisch von Molvena präsent. Sei es, dass ein handsignierter Knieschleifer des "Dottore" als Briefbeschwerer dient oder ein Foto mit Rossi-Widmung neben dem PC steht. Auch in der "Asservatenkammer" von Dainese herrscht Rossimania. Auf rund 200 Quadratmetern hängt all das, was Dainese für die Stars und Sternchen dieser Welt geschaffen hat. Darunter vieles, was den kecken Schriftzug "The Doctor" überm Po trägt. Einiges davon ist vom 2. März bis 8. August in Paris im Rahmen der Ausstellung "À toute épreuve" zu sehen. Zusammen mit dem Kurzfilm "Einkleidung des Helden", der Rossis Ankleideritual vor dem Rennen zeigt. (Infos: www.cite-sciences.fr). Mittlerweile macht Dainese auch vor Rossis Kopf nicht Halt: Den Helm ziert zwar das Wappen von AGV, doch die Marke gehört seit 2007 ebenfalls zum Portfolio von Lino Dainese, der im Anschluss an die Übernahme seinen Starpiloten gleich zum Ehrenpräsidenten von AGV ernannte. Eine bessere Verkaufsförderung als das ständig wechselnde Dekor, mit dem Nr. 46 für Schlagzeilen sorgt, ist kaum vorstellbar.
Hartnäckig halten sich die Gerüchte, dass Rossi doch noch in die Formel 1 wechselt. Vielleicht geht er aber mit 51 Jahren im Dainese-Biosuit auf Mars-Mission. Verwunderlich wäre das jedenfalls nicht.