23 Bilder
Stefan Bradl - MotoGP-Siege: 0, Podestplätze: 1, Pole Positions: 1, Weltmeistertitel: 0.

Stefan Bradl verlässt LCR-Honda-Team 2015 neuer Anlauf mit Forward-Yamaha

Seit zweieinhalb Jahren vertritt Stefan Bradl als Einziger die deutschen Farben in der MotoGP-WM – nicht zuletzt dank der Unterstützung durch die Honda-Rennabteilung HRC. Nun wechselt er zur Saison 2015 zum Forward-Yamaha-Team.

Zuletzt war Stefan Bradl einer von nur vier Fahrern im Feld, dem im LCR-Team des Italieners Lucio Cecchinello eine echte Werks-Honda zur Verfügung stand. Doch zum Ende der Saison wird auch die Zusammenarbeit von Honda und Stefan Bradl beendet. Der 24-Jährige hat beschlossen, sich nicht auf halbherzige Unterstützung durch Honda zu verlassen und wechselt ins Forward-Yamaha-Team.

Fahrerlager-Insider hatten schon längere Zeit darüber spekuliert, dass Bradls Zeit bei Honda und dem LCR-Team abgelaufen sein könnte – seine Ergebnisse waren in der ersten Saisonhälfte zu weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. 2012, in seinem ersten MotoGP-Jahr, lag er nach neun Rennen mit 75 Punkten auf dem siebten Rang der Zwischenwertung, ein Jahr später zur Saisonmitte gar mit 84 Punkten auf Platz sechs.

In diesem Jahr stehen vor dem Beginn des zweiten Halbjahres lediglich Position neun und 56 Zähler zu Buche – und das, obwohl Bradl im Qualifying immer wieder gute Leistungen gezeigt hatte und sowohl in Austin/Texas als auch auf dem Sachsenring aus der ersten Startreihe ins Rennen gegangen war. Doch beim Auftaktrennen in Katar hatte Bradl sich ohne Fremdeinwirkung einen Sturz geleistet, in Mugello wurde er von Cal Crutchlow abgeschossen und am Sachsenring verzockte er sich mit dem Versuch, ein teilweise auf Regenbedingungen abgestimmten Motorrad über die Runden zu bringen, während alle Konkurrenten an die Box fuhren und die bereitstehende Ersatzmaschine mit Trocken-Set-up ausfassten. Das Ergebnis: drei Rennen ohne WM-Punkte.

Anzeige

Vorjahres-Werks-Yamaha für Bradl

Obwohl es offiziell nie ein böses Wort gab, hatte Bradl zuletzt die Funkstille aus dem HRC-Lager wohl registriert. Weil Livio Suppo, der Chef des Honda-Werksteams, Lucio Cecchinello inzwischen klar gemacht hatte, dass an Bradl kein gesteigertes Interesse seitens des Werks mehr bestehe, es ihm aber freigestellt sei, am Bayern festzuhalten, zögerte Cecchinello mit einem konkreten Angebot. Zu lange für Bradls Geschmack, zumal inzwischen die Teamchefs von Pramac-Ducati und Forward-Yamaha gestreut hatten, dass sie den Deutschen durchaus als denkbaren Kandidaten für ihre Mannschaftsaufstellung 2015 einstuften. Sich auf die zickige Ducati zu setzen, wäre einem Vabanquespiel gleichgekommen, deshalb tendiert Bradl klar zu Forward, wo er eine Vorjahres-Werks-Yamaha bekommen soll, die zudem nach dem Open-Regelwerk an den Start geht – also mit diversen Vorteilen wie mehr Sprit und einem optionalen weicheren Hinterradreifen als die reinrassigen Werks-Bikes.

Bradls Kurswechsel brachte in den letzten Juli-Tagen einige Steine ins Rollen, was die Besetzungsliste für die MotoGP-Saison angeht. Cal Crutchlow hatte erst kurz vor dem Monatsende anlässlich des World Ducati Weekend in Misano bekannt gegeben, dass er die ihm zustehende Option ziehen und ein weiteres Jahr den ungeliebten, aber gut bezahlten Ducati-Job machen würde. Was Ducati-Teamchef Gigi dall’Igna in die unerwünschte Situation brachte, neben Stammpilot Andrea Dovizioso vertragsgemäß Crutchlow auf einer echten Werksmaschine mit in die Saison 2015 nehmen zu müssen, gleichzeitig aber ein weiteres Werksmotorrad für Andrea Iannone aus dem Ducati-Satellitenteam Pramac zur Verfügung zu stellen – den dieses Jahr höchst erfolgreichen Landsmann, derzeit auf der Ducati als WM-Achter erfolgreicher als Bradl auf der Werks-Honda, wollten sich die Italiener nicht vergraulen.

Anzeige

Crutchlow darf gehen

Doch als Bradl absagte, war Cecchinello plötzlich in Zugzwang. Weil der aber seit Kurzem mit dem Finanzdienstleister WCM einen potenten britischen Sponsor an Bord hat, lag es nahe, nach dem Engländer Crutchlow zu angeln. Dessen Entschluss zugunsten der von Cecchinello angebotenen Werks-Honda war schnell gefasst. Zwar hätte Ducati aufgrund der bereits öffentlich gemachten Vertragsverlängerung mit Crutchlow noch Ärger machen können. Doch die Chance, auf diese Weise aus der Zwickmühle zu kommen, Crutchlow loszuwerden, stattdessen Iannone ins Werksteam zu hieven und nur zwei statt dreier waschechter Werksmaschinen unterhalten zu müssen, war zu verlockend: Crutchlow darf gehen. Die neue Situation wurde von allen Beteiligten umgehend kommuniziert – außer von Stefan Bradl. Den erwähnte LCR-Teamchef Lucio Cecchinello in seinem Willkommensgruß an Crutchlow mit keiner Silbe.

Themenseiten

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote