Rennsport-Regeln: Teil 1 - Grand Prix Das Reglement 2010 der MotoGP

MotoGP - Moto2 - 125 cm³: Die Bezeichnungen der drei Grand Prix-Rennklassen verbergen inzwischen mehr, als sie erklären. MOTORRAD stellt deshalb die Reglements der drei WM-Klassen in den Grundzügen vor.

Die Homogenität der Regeln im Straßen-Grand Prix - drei Klassen mit 125, 250 und 500 cm3 Hub-raum, Ein-, Zwei- und Vierzylinder-Zweitakt-Motoren, zum Teil mit identischen Zylindereinheiten - ist längst Geschichte. Bedingt durch die Bedeutungslosigkeit der Zweitakttechnik am Motorradmarkt wurde die 500-cm3-Königsklasse im Jahr 2002 gegen das MotoGP-Viertakt-Reglement ausgetauscht. Dazu kommt ab 2010 mit der Moto2-Klasse als Nachfolgerin der 250er eine weitere, völlig eigenständige Formel. Die GP-Hierarchie erschließt sich nun nicht mehr durch lineare Hubraumschritte.


So präsentiert sich die MotoGP-Top-Kategorie als weitgehend unlimitierte Prototypen-Klasse mit maximal 800 cm3 Hubraum aus maximal sechs, in der gegenwärtigen Praxis ausschließlich vier Zylindern. Die Leistung der rund 240 PS starken Granaten wird nur indirekt durch den Tankinhalt von maximal 21 Litern eingeschränkt. Allerdings erleichtern elektronische Fahrhilfen wie Traktionskontrolle, Anti-Wheelie-Programme, Anti-Hopping-Kuplungen, GPS-gestützte Fahrwerks- und Fahrdynamikeinstellungen die Arbeit der knapp 20 MotoGP-Reiter ungemein. Sie sorgen für relativ kleine Abstände in den Rundenzeiten, auch wenn am Ende des Renntages die vier Superstars Valentino Rossi, Jorge Lorenzo, Casey Stoner und Daniel Pedrosa meist doch vorn liegen. Ab 2012 dürfen sich die Herren, wie schon jetzt offiziell beschlossen, wieder auf einen vollen Liter Hubraum freuen; im Gegensatz zu 2002 bis 2006 dann allerdings nur mit Vierzylindern und maximal 81 Millimetern Bohrung. Zum Vergleich: Die Serien-BMW S 1000 RR hat 80 Millimeter Bohrung die 990er-Ducati Desmosedici hatte 88.

Während die MotoGP-WM von den Herstellern Yamaha, Ducati, Honda und Suzuki bestimmt wird, geht die neue zweite Liga im Motorrad-GP einen anderen Weg. Angelockt durch den Vierzylinder-600-cm3-Honda-Einheitsmotor drängen rund ein Dutzend kleiner Spezialhersteller in die neue WM-Klasse und bieten den Teams für 70000 bis 135000 Euro Rennfahrwerke an, welche das Standardaggregat aufnehmen können. Zum Vergleich: Eine siegfähige Maschine in der alten 250er-Klasse kostete rund eine Million an Leasinggebühren pro Saison und eine MotoGP-Werks-Maschine noch um das gut Vierfache mehr.

Während sich die talentierten Aufsteiger auf ihrem Weg in den MotoGP-Olymp also mit völlig neuen Fahrzeugen anfreunden müssen, die noch nicht bewiesen haben, dass sie als MotoGP-Vorstufe genauso taugen wie die 250er-Taschenraketen, bleibt für die Meister von übermorgen vorerst alles beim alten. Die 125er-WM-Maschinen werden die letzten Zweitakt-Mohikaner. Bis einschließlich 2012 können sich die GP-Junioren ihre ersten WM-Sporen auf den kleinen Achtelliter-Sägen verdienen. Vielleicht sogar noch länger.
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Die Reglements 2010 im Überblick

 MotoGP Moto2
125
Hubraum

800cm³, Viertakt
Prototypen

600cm³, Viertakt
Honda-Einheitsmotor
125cm³
Zylinder
maximal 6
4
1
Benzin
unverbleibt, max.
102 Oktan (ROZ)
unverbleibt, max.
102 Oktan (ROZ)
unverbleibt, max.
102 Oktan (ROZ)
Getriebe
SechsgangSechsgang
Sechsgang
Bremsen
freigegebenStahlscheiben
Stahlscheiben 
Geräuschlimit
130 dB(A)115 dB(A)
113 dB(A)

Mind.-Gewicht fahrwertig
ohne Sprit

150 kg ohne Fahrer135 kg ohne Fahrer
136 kg inkl. Fahrer
Radgröße vorn/hinten
3.88 od. 4.00/6.25 x 16.5
3.75/6.00 x 17
max. 2.50/3.50 x 17
Reifen vorn/hinten
Bridgestone-Einheitsreifen
125 x 16.5/200 x 16.5
Dunlop-Einheitsreifen
125/75 x 17/195/75 x 17
90/80 x 17/115/70 x 17
Lenkerbreite
minimal 450 mm
minimal 450 mmminimal 450 mm
Fahrzeugbreite ohne Lenker
maximal 600 mm
maximal 600 mmmaximal 600 mm
Schräglagenfreiheit
mindestens 50 Grad
mindestens 50 Grad
mindestens 50 Grad
Tankinhalt
21 Liter
freigegeben
freigegeben 

 

Foto-Shows: MotoGP 2010

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