Deutsche Fahrer in der MotoGP 2013 Wie stehen die Chancen für die Deutschen?

Sieben deutsche Fahrer, darunter die beiden deutschen Champions Stefan Bradl und Sandro Cortese, kämpfen dieses Jahr in der Motorrad-WM, der höchsten Liga des Straßensports. MOTORRAD hat ihnen auf den Zahn gefühlt und schätzt ihre Chancen ein.

Sandro Cortese, Moto2

Sandro Cortese kommt immer besser in Schwung. Bei den letzten Vorsaisontests in Jerez fuhr der Moto2-Neuling bereits bis auf 1,6 Sekunden an seinen Kalex-Markengefährten Pol Espargaró heran, den Titelfavoriten der Grand Prix-Mittelklasse. Das Bremsen und Beschleunigen mit dem schwereren und stärkeren 130-PS-Motorrad geht dem amtierenden Moto3-Champion bereits gut von der Hand, ebenso wie der saubere Strich in Spitzkehren. Nur den Grenzbereich in schnellen Kurven muss der Italo-Schwabe noch ertasten.

"In der Moto3-Klasse ist das Limit sehr schmal. Du slidest nicht. Und wenn du es trotzdem tust, endet es meist mit einem Sturz", erklärt Jürgen Lingg, sein Teamchef und Cheftechniker. "Jetzt muss Sandro den Schalter umlegen und erkennen, dass der Grenzbereich mit dem Moto2-Motorrad breiter ist. Dass die Maschine auch dann noch beherrschbar bleibt, wenn die Situation brenzlig wird. Für ihn ist es besonders schwierig, weil er so lange in den kleinen Klassen gefahren ist, da gehen bestimmte Dinge in Fleisch und Blut über. Er hat das Talent für die Umstellung zwar eindeutig bewiesen. Aber es dauert halt."

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Foto: 2Snap

Stefan Bradl, MotoGP

Und deshalb ist kaum damit zu rechnen, dass Cortese schon im ersten Moto2-Jahr um Siege mitkämpfen wird, ebenso wenig wie bei seinem Freund Stefan Bradl, der 2011 den Moto2-Titel holte und jetzt seine zweite Saison in der Königsklasse bestreitet. Dort Nerven zu bewahren, ist keine einfache Aufgabe, denn durch den Rücktritt von Casey Stoner ist Bradls Aufgabe keineswegs leichter geworden. Bradls alter Rivale Marc Márquez fuhr bei Tests in Texas zum ersten Mal selbst seinem Teamkollegen Dani Pedrosa auf und davon und wird auch auf der MotoGP-Maschine mehr und mehr zum neuen Überflieger. Gegen Márquez, Pedrosa und Jorge Lorenzo, aber auch gegen Valentino Rossi auf der Werks-Yamaha liegt die Latte hoch für Bradl.

Beide deutschen Weltmeister werden sich weiter steigern, doch neue Titelehren sind für Cortese und Bradl vorläufig nicht zu erwarten. Das gilt auch für den Bayern Marcel Schrötter, der im Sommer 2012 ebenfalls die Klasse wechselte, Mahindra wegen ständiger Technikprobleme den Rücken kehrte und einen Neuanfang in der Moto2-Klasse suchte. Freilich war auch seine Bimota wenig konkurrenzfähig. Erst für die Saison 2013 konnten sich Schrötter und sein spanischer Teamchef Eduardo Perales als eine Art Juniorteam des Marc VDS-Rennstalls ihr Kalex-Traummotorrad sichern. Doch weil Schrötter sein Motorrad bei seinen ersten Tests in Valencia gleich derart zerstörte, dass er an den drei Tagen praktisch nicht zum Fahren kam, fehlt auch ihm noch viel Eingewöhnungszeit.

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Jonas Folger, Moto3

Und trotzdem kann es sein, dass die deutschen Fans 2013 im dritten Jahr hintereinander wieder einen deutschen Weltmeister feiern werden. Jonas Folger, die Riesenüberraschung der Moto3-Klasse, seit er im Sommer 2012 als Ersatzfahrer im spanischen Aspar-Team einsprang und gleich im zweiten Rennen den ersten Sieg feierte, hielt sich bei den Jerez-Tests zwar als Fünfter zurück. Doch entscheidend ist, dass er mit gleich scharfen Waffen antreten kann wie die vier KTM-Piloten, die sich vor ihm platzieren konnten.

Auch Folgers Kalex-KTM wird von dem neuen Werksmotor beschleunigt, zu dessen auffälligsten Verbesserungen ein neuer Walzendrehschieber gehört, der die Drosselklappe ersetzt und das Ansaugrohr bei Vollgas nun auch vollständig freigibt. Folgers Kalex-KTM trägt auch den neuen Akrapovic-Doppelauspuff zur Schau, bei dem die Abgase der beiden Auslassventile voneinander getrennt in die beiden schlanken Megafone geführt werden. Die neue Anlage ist nicht nur lauter als der alte Einzelauspuff, sondern bringt auch mehr Power übers gesamte Drehzahlband. Zusammen mit allen anderen Maßnahmen ist von insgesamt zwei PS die Rede, die KTM beim Moto3-Triebwerk hinzugewonnen hat.

Wo bei den Original-KTM zusätzliche Knotenbleche und Verstrebungen im Gitterrohrchassis erkennbar sind, wurde auch der Aluminiumrahmen von Kalex gezielt an Folgers Bedürfnisse angepasst. "Wir haben versucht, mehr Masse nach vorn zu bringen und noch weiter zu konzentrieren, um den Fahrern mehr Lenkpräzision zu geben und ein besseres Vorderradgefühl zu vermitteln", fasst Konstrukteur Alex Baumgärtel zusammen.

Nicht nur Folger, auch die anderen deutschen Kalex-KTM-Piloten Philipp Öttl, Toni Finsterbusch und Florian Alt waren von ihrem neuen Motorrad begeistert. Nur an den WM-Titel verschwenden die deutschen Teenager 2013 noch keinen Gedanken. Sie müssen sich nach dem WM-Start am 7. April in Qatar erst einmal Schritt für Schritt an die Punkteränge herantasten.

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