MotoGP 2010 Australien Grand Prix auf Phillip Island/AUS

Alle vier Heim-Grand Prix konnte der Australier Casey Stoner während seiner Zeit im Ducati-Werksteam gewinnen. Das ist nicht nur ein hervorragendes Omen für seine Zukunft als Honda- Werksfahrer, sondern auch für Valentino Rossi, seinen Nachfolger bei Ducati.

Foto: 2snap

Die begeisterten australischen Fans fluteten die Phillip Island-Strecke und feierten Casey Stoner, der mit seinem vierten Heimsieg hintereinander auf Phillip Island selbst die Heldentaten der australischen Ewigkeitshelden Wayne Gardner und Mick Doohan in den Schatten gestellt hatte. "Das Wichtigste ist, dass wir wieder konkurrenzfähig sind", stapelte Stoner tief, der auch drei der vier letzten Grand Prix der Saison 2010 gewonnen hat.

"Stoner war das ganze Wochenende über auf einem anderen Planeten", zollte ihm Valentino Rossi Respekt, der sich aus der dritten Startreihe zu einem Podestplatz durchgekämpft, das Prestige-Duell gegen den neuen Weltmeister Jorge Lorenzo (Rossi: "Ab jetzt geht's um die Ehre") dabei aber trotzdem verloren hatte.

Die Komplimente an Stoner, wie Lorenzo eigentlich ein Feindbild, glitten Rossi leicht über die Zunge. Schließlich wechselt der neunfache Weltmeister 2011 zu Ducati - und freut sich bei den Erfolgen Stoners heimlich mit, weil sie anzeigen, wie schlagkräftig die Desmosedici nach den jüngsten Umbauten zugunsten besseren Vorderradgrips geworden ist.

Einen mindestens ebenso wichtigen Erfolg hatte Rossi am Abend zuvor am Verhandlungstisch errungen: Masao Furusawa, oberster Rennsportchef bei Yamaha, hatte ihm die lange erhoffte Freigabe zu den ersten Ducati-Tests am 9. und 10. November, nach dem GP-Finale in Valencia, erteilt. "Ich bin sehr froh. Das ist die richtige Entscheidung angesichts der gemeinsamen Anstrengungen und der Erfolge von Yamaha und mir in den vergangenen Jahren", atmete Rossi auf, "eine sehr sportliche Geste. Denn anders als 2004, als ich von Honda zu Yamaha wechselte, gibt es heutzutage nicht mehr die Gelegenheit zu vielen ausführlichen Tests über den Winter. Mich für Ducati freizugeben, ist der Dank für alles, was ich für sie getan habe."

Yamaha hatte die Entscheidung über die Testfreigabe lange verzögert, hielt den zu erwartenden Sturm der Entrüstung von Rossis weltweiter Fangemeinde am Ende doch für schädlicher als jene zwei Testtage. Für Ducati sind die jedoch von unschätzbarem Wert, weil die Ingenieure danach monatelang Zeit haben, aus den Computerdaten und Aussagen Rossis die richtigen Schlüsse für die Weiterentwicklung zu ziehen. Deshalb sind mit dieser Entscheidung auch die letzten Zweifel darüber ausgeräumt, ob Rossi, der vor Wochen noch eine vorzeitige Operation an den beschädigten Bändern der rechten Schulter erwogen hatte, die Saison 2010 auch zu Ende fährt.

Anders liegt der Fall bei Mika Kallio, der bei Pramac-Ducati schon länger nichts mehr zu verlieren hat und sich wegen einer beim Brünn-GP erlittenen Schulterverletzung für die letzten beiden Rennen entschuldigen lässt. An seiner Stelle springt Carlos Checa ein und soll ebenso wie Gastpilot Carmelo Morales im Moto2-Team-Germany für zusätzliche Begeisterung bei den spanischen Zuschauern sorgen.

Ein trauriges Finale steht dem Interwetten-Honda-MotoGP-Team von Daniel Epp bevor, denn nachdem der Hauptsponsor schon vor Wochen das Budget zusammenstrich, sind die Rettungsversuche für den Schweizer Rennstall nun gescheitert.

"Wir setzen ein Jahr aus und planen für 2012 mit Tom Lüthi den sofortigen Wiederaufstieg", kündigt Epp an. Zu seiner Vision des "Swissness", einer Vernetzung engagierter Schweizer Firmen zum Wohle des Motorsports, passt ein Schweizer Fahrer ebenso perfekt wie ein Schweizer Hersteller, weshalb Lüthi bereits 2011 von seiner Moriwaki auf eine Suter MMX umsteigt. Nach der Regeländerung für 2012, die auch kleineren Herstellern mit Motoren auf Serienbasis das Mitfahren erlaubt, könnte er gar auf einer von BMW-Motoren angetriebenen Suter-MotoGP-Maschine in der Königsklasse antreten. "Auf diese Art eigene Wege zu gehen, würde mir mehr gefallen, als bei Honda fünftes Rad am Wagen zu sein", so die Meinung von Lüthis deutschem Teamchef Terrel Thien.

Daniel Epp, Manager von Thomas Lüthi und Drahtzieher bei allen Sponsor-Deals, behält sich die technischen Zukunftsentscheidungen dagegen noch vor. "Wir werden für unsere MotoGP-Rückkehr zu allererst eine gute Finanzierung aufbauen. Im Idealfall können wir dann zwischen Suter und Honda auswählen."

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