Interview mit Mahindra-Racing-Geschäftsführer Mufaddal Choonia „Wir wurden von der großen Nachfrage nach unserer Moto3-Maschine überrascht“

Als der riesige indische Mischkonzern Mahindra 2011 erstmals in der Motorrad-Straßenweltmeisterschaft auftauchte, wurde der Versuch, mit einer in Italien zusammengesteckten 125er Fuß zu fassen noch belächelt. Doch Ende 2012 taten sich die Inder mit dem Schweizer Konstrukteur, Fahrwerks- und Motorenhersteller Eskil Suter zusammen, der neben konkurrenzfähigen Moto3-Chassis auch einen unvollendeten Motor für die kleinste Grand-Prix-Kategorie im Sortiment hatte. Über den Winter wurde in der Schweiz eine Moto3-Maschine aufgebaut, mit der der Portugiese Miguel Oliveira 2013 acht Mal in die Top fünf gefahren ist und am Ende WM-Sechster wurde. Dieses Jahr rüstet Mahindra neben dem eigenen noch drei Kundenteams mit je zwei Fahrern in der Weltmeisterschaft aus und setzt zudem ein Junior-Team in der spanischen Moto3-Meisterschaft ein. MOTORRAD online sprach mit Mufaddal Choonia, dem Geschäftsführer von Mahindra Racing, über die rasante Entwicklung.

Foto: Mahindra Racing

?Herr Choonia, im vergangenen Jahr sind Sie erstmals mit zwei im Mahindra-Auftrag bei Suter gebauten Moto3-Maschinen in der WM angetreten. In dieser Saison werden gleich acht Fahrer die Mahindra MGP3O an den Start bringen. Haben Sie mit dieser erstaunlichen Entwicklung gerechnet?

! Die große Nachfrage nach unserem Motorrad hat uns überrascht. Es war zwar geplant, dieses Jahr auch Kundenteams zu beliefern – begonnen hatten wir damit ja schon Ende vergangenen Jahres, als wir vom Misano-GP an dem Ambrogio-Team zwei Maschinen für seine Fahrer Brad Binder und Luca Amato zur Verfügung stellten. Für 2014 dachten wir an insgesamt sechs Motorräder, es sind dann aber doch acht geworden: für Miguel Oliveira und Arthur Sissis im eigenen Team, für Matteo Ferrari und Andrea Locatelli bei San Carlo Team Italia, für Alessando Tonucci und Bryan Schouten bei CIP sowie für Binder und Jules Danilo bei Ambrogio.

?Damit ist Mahindra der zweitgrößte Motorradlieferant im Moto3-Feld hinter KTM…

! Das stimmt. Aber ich glaube, acht ist eine optimale Anzahl für uns.

?Sind alle acht Motorräder identisch, oder gibt es so etwas wie Werksmaschinen für die Fahrer im eigenen Team?

! Die Maschinen sind identisch.

?Werden die Mahindra MGP3O komplett in der Schweiz gebaut? In welcher Weise bringt sich Mahindra in dieses Projekt ein?

! Es ist ein Joint Venture in Sachen Rennsport zwischen der Suter Racing Technology AG und Mahindra. Die Motorräder werden komplett bei Suter gebaut. Mahindra hat sich mit Know-how beteiligt. In unserer Firma Mahindra Egineering Services arbeiten 1500 Ingenieure an Aufträgen für namhafte Fahrzeughersteller wie Bentley, Skoda, Honda, Mercedes-Benz und McLaren. Dort wurden für die MGP3O komplexe Rennsimulationen unter Echtbedingungen durchgeführt.

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Foto: Schulz

Mahindra stellt das Know-how seiner Firma für Ingenieursdienstleistungen zur Verfügung

?Ist Mahindra mit eigenen Leuten bei Suter vor Ort?

! Im vergangenen Jahr waren drei unserer Leute praktisch durchgehend bei Suter. Jetzt fliegt etwa einmal im Monat eine Abordnung für vier, fünf Tage in die Schweiz und kehrt dann wieder nach Indien zurück. Dort existiert eine eigene Abteilung für das Grand-Prix-Projekt.

?Was kostet die MGP3O die Kundenteams? Bietet Mahindra auch Service an der Rennstrecke an?

! Das Fahrwerks-Kit – ohne Motor, Bremsen, Federelemente und Elektronik – bieten wir für 52000 Euro an. Bei allen Rennen werden zwei unserer Ingenieure an der Strecke sein.

?Sie haben angekündigt, dieses Jahr auch ein Team in der spanischen Moto3-Meisterschaft auszurüsten. Aus welchem Grund?

! Wir wollen dort nicht nur zusätzliche Erfahrungen mit dem Motorrad sammeln, die wir bei der Weiterentwicklung nutzen können, sondern uns auch den Zugriff auf junge Talente sichern. Die spanische Meisterschaft hat sich in den vergangenen Jahren als hervorragende Schule für angehende GP-Fahrer erwiesen. Für unser Mahindra TMR Competicion Team haben wir den 17-jährigen Spanier Albert Arenas und den 15-jährigen Italiener Stefano Manzi verpflichtet. Beide Fahrer haben in ihren nationalen Meisterschaften bereits gewonnen.

?Mahindra ist in Indien auch als Hersteller von straßenzulässigen Motorrädern aktiv. Planen Sie, Erfahrungen aus dem Rennsport in neue Modelle einfließen zu lassen?

! Ein Ziel von Rennsportaktivitäten ist immer, Technologie und Erfahrungen von der Rennstrecke mit nach Hause zu nehmen. Natürlich sollen unsere Großserienprodukte von dem GP-Einsatz profitieren. Doch das ist alles noch geheim. Wir werden aber in den kommenden zwei bis drei Jahren eine Palette neuer Modelle vorstellen, bei deren Entwicklung Rennsporterfahrungen berücksichtig wurden.

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