Interview mit Moto3-GP-Pilot Luca Grünwald „Das richtige Set-up für die Kalex zu finden, ist schwierig“

Letztes Jahr im Herbst wurde der 19-jährige Luca Grünwald vom Kiefer-Moto3-Team als Ersatzmann für den verletzten Stammfahrer Florian Alt zu den Grand Prix in Japan und Australien eingeflogen. Weil er dabei ein gute Figur machte, obwohl er weder die Rennstrecken noch die Kalex-KTM des Kiefer-Teams kannte, setzten die Kiefer-Brüder Stefan und Jochen trotz einer schwierigen finanziellen Ausgangslage alle Hebel in Bewegung, um Grünwald einen Dauerstartplatz in der Moto3-WM 2014 anbieten zu können. Vor dem ersten Grand Prix am kommenden Wochenende in Qatar ist allerdings völlig unklar, auf welchem Niveau Grünwald in die WM starten wird.

Foto: Schulz

?Luca, 2,4 Sekunden Rückstand auf die Spitze des Moto3-Feldes zum Ende der Vorsaison-Tests – sicher nicht das, was Sie erhofft hatten. Wo liegt das Problem?

! Es fehlt noch an vielen Kleinigkeiten. Es ist mir noch nicht gelungen, mich komplett auf mein neues Motorrad einzustellen. In der Moto3-Klasse ist es eben so: Wenn da irgendetwas nicht ganz hundertprozentig passt, ist man sofort ganz hinten, nicht mal eben auf Platz 15. oder 20. Im Moment passt es eben nicht zu 100 Prozent zusammen. Hinzu kommt, dass ich nicht so oft in Jerez gefahren bin wie die übrigen Jungs. Ich habe hier nur die Erfahrungen aus der spanischen Meisterschaft im vergangenen Jahr und vom ersten Test dieses Jahr. Ich finde die Strecke auch sehr schwierig. Aber wir haben hier natürlich wieder einiges über das Motorrad gelernt, was uns im Lauf des Jahres sicher helfen wird. Das ist viel Arbeit, und es schaut zunächst einmal nicht besonders gut aus. Aber es wird von Tag zu Tag besser. Es fällt mir auch immer leichter, die schnelleren Runden zu fahren.

 

 ?Was war das Ziel für den letzten Vorsaison-Test?

! Das Ziel war natürlich, etwas schneller zu fahren als beim ersten Test hier. Dazu ist zu sagen, dass die Bedingungen damals besser waren als zuletzt beim zweiten Test. Die Temperaturen waren vergleichbar, aber beim letzten Test war es viel windiger, das hat schon für zusätzliche Probleme gesorgt.

 

?Wie nahe sind Sie am Sturzlimit?

! Wenn man hier in der Weltmeisterschaft mitfährt, ist man von einem Sturz nie weit entfernt. Aber ich kann es tatsächlich nicht genau abschätzen. Ich kenne zwar das Motorrad inzwischen schon besser, aber noch nicht gut genug. Es macht nicht immer das, was ich will. Ich fahre natürlich jetzt auch schon so schnell, wie ich kann, aber da ist noch viel Luft drin. Das ist ja an den Leistungen der anderen Fahrer zu sehen.

 

?Sie haben auch den KTM-Production Racer mit dem KTM-eigenen Gitterrohrfahrwerk ausprobiert. Reagiert der ganz anders als der Alu-Brückenrahmen von Kalex?

! Das ist ein komplett anderes Motorrad. Es fährt sich völlig anders, aber ich muss mich eben auf das einstellen, was ich habe. Viele Fahrer, die dieses Jahr vom Kalex- auf das KTM-Chassis umgestiegen sind, haben berichtet, dass sich die KTM leichter in den Grenzbereich bringen lässt. Die Kalex-Fahrer, beispielsweise auch Jonas Folger, sagen übereinstimmend, dass die Maschine vergleichsweise schwer zu fahren und einzustellen ist. Es dauert einige Zeit, bis man sie genau so hat, wie man sie braucht. Aber das ist die Aufgabe, da müssen wir hinkommen. Dann wird es schon vorwärts gehen.

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