Moto2-/Moto3-Vorsaison-Tests in Jerez/E Bayerischer Kumpel-Kampf

Die beiden bayerischen Freunde Jonas Folger und Marcel Schrötter treffen dieses Jahr erstmals in der Moto2-Weltmeisterschaft aufeinander. Nach dem ersten der drei abschließenden Vorsaison-Testtage vor dem Saisonstart am 23. März in Doha/Qatar liegt Aufsteiger Folger klar vor Umsteiger Schrötter.

Foto: Schulz

Im vergangenen Jahr war Marcel Schrötter da, wo Jonas Folger gerne hinwollte: der fuhr eine Kalex in der Moto2-WM, während Folger sich noch in der Mot3-WM abplagte – zwar ebenfalls auf einer Kalex, aber für die war er einfach viel zu groß und zu schwer. Jetzt hat sich das Blatt gewendet. Folger hat sich das Team Argiñano & Gines Racing geangelt und von dem eine nagelneue 2014er-Kalex bekommen. Damit fuhr er am Dienstag gleich mal die Zehntschnellste Zeit, nur knapp eine Sekunde langsamer als der japanische Kalex-Pilot Takasaki Nakagami und knapp schneller als Sandro Cortese, der bereits sein zweites Moto2-Jahr absolviert, ebenfalls auf einer Kalex Baujahr 2014. Marcel Schrötter, dem sein letztjähriges Team wegen der knappen Finanzlage lediglich eine Kalex Modell 2012 hatte hinstellen können, wechselte im Winter die Mannschaft und damit auch die Motorradmarke. Sein neuer Arbeitgeber Tech3 stellt nämlich unter der Bezeichnung Mistral 610 selbst ein Moto2-Chassis her, ist allerdings längst nicht so erfolgreich damit wie beispielsweise die deutschen Fahrwerkbauer Alex Baumgärtel und Klaus Hirsekorn mit ihrer Marke Kalex. Für Schrötter reichte es in Jerez zunächst nur für Rang 19, knapp 1,4 Sekunden hinter der Spitze. Dazu ist freilich zu sagen, das sowohl das Marc VDS-Team mit den Fahrern Esteve Rabat (WM-Dritter 2013) und Mika Kallio (WM-Vierter) als auch das Aspar-Team mit Nico Terol (WM-Siebter) und Jordi Torres (WM-Zehnter) nicht am Start waren. Diese Fahrer hatten vor Wochenfrist als Moto2-Vertreter bei den Reifentests in Phillip Island/Australien teilgenommen und mussten deshalb aussetzen. Insofern sind die Testzeiten unter Vorbehalt zu betrachten.

Der Freundschaft zwischen Folger und Schrötter, die seit einiger Zeit eine gemeinsame Bleibe in Spanien als wintersicheren Ausgangspunkt für Trainingsarbeit jeder Art bewohnen, ist von der Situation auf der Rennstrecke jedoch nicht betroffen. Dass Folger letztes Jahr schon eine Kalex fuhr, hilft ihm beim Klassenwechsel herzlich wenig. „Das ist überhaupt nicht vergleichbar, schon allein wegen des höheren Gewichts der Moto2-Maschine“, sagt Folger, „einzig, dass ich eben schon früher mit Alex Baumgärtel von Kalex zusammengearbeitet habe, erleichtert die Sache etwas.“ Auch Schrötter kann ihn nicht mit Tipps aus seiner Kalex-Zeit unterstützen: „Das 2012er-Modell, das er zuletzt fuhr, ist zu weit weg von meiner Maschine“, weiß Folger, „wir wohnen zusammen, wir trainieren gemeinsam und wir reisen gemeinsam zu den Rennen. Aber über Set-up-Details sprechen wir nie.“ Folger fühlt sich in der Moto2-Welt pudelwohl: „Die Leistung, die hohe Geschwindigkeit, das Driften mit dem Hinterrad – das macht viel mehr Spaß als Moto3 fahren.“

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Foto: Schulz

Der Versuch einer Hilfestellung würde wohl auch wenig Sinn machen, denn was Schrötter mit der Tech3-Mistral erlebt, ist weit weg von den geradlinigen und großen Fortschritten, die sein Kumpel macht. Warum tut er sich das an, er, der schon so oft unter mangelhaftem Material leiden musste? „Bei der Entscheidung ging es auch ums Geld“, gibt Schrötter zu. „Um beim alten Team bleiben zu können, hätte ich wieder einen Haufen Kohle bringen müssen und hätte dann vermutlich wieder ein Gebrauchtmotorrad bekommen. Immer war während der Saison das Geld knapp. Bei Tech3 verdiene ich Geld, habe einen Vertrag über ein Jahr mit Option auf eine weitere Saison unterschrieben – wenn ich will, kann ich auch 2015 dort fahren. Endlich habe ich mal einen sicheren Arbeitgeber, dem nicht mitten im Jahr das Geld ausgehen wird, und die Sicherheit einer Zukunftsaussicht dazu. Bisher habe ich mich ja immer nur von Jahr zu Jahr gehagelt.“

Auf was er sich eingelassen hat, weiß Schrötter. Da nur er und sein Teamkollege die Mistral fahren, fehlen die Erfahrungswerte anderer Piloten. „Wenn ich sage, wir sollten das Set-up in die eine Richtung ändern, und der Kollege will genau das Gegenteil, stehen die Techniker ganz schön dumm da“, sagt Schrötter. Es sei eben nicht einfach, ein komplettes Rennfahrwerk selbst zu bauen. „Wir kämpfen mit sehr vielen Kleinigkeiten. Aber alle arbeiten sehr hart und ich habe wirklich meinen Spaß bei der Sache.“ Da Tech3 selbst die Möglichkeiten hat, Fahrwerksteile zu prduzieren, sind über das Jahr auch updates zu erwarten. "Das ist aus meiner Sicht ein ganz großer Pluspunkt von Tech3", sagt Schrötter. Außerdem gebe es auch kaum Druck von außen, weil ja jeder wisse, in welcher Situation das Team steckt. Dennoch gibt es klare Ziele für die kommende Saison. Schrötter: „Wir wollen nicht nur hin und wieder um WM-Punkte mitkämpfen, sondern in die Lage kommen, regelmäßig unter die ersten Zehn zu fahren.“ Da werden wohl alle noch einige Zeit hart weiterarbeiten müssen.

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