Moto2-/Moto3-Vorsaison-Tests in Jerez/E , 3. Tag Der Trend ist bestätigt

Es bleibt dabei: Auch am letzten Vorsaison-Testtag legte der deutsche Moto2-Pilot Sandro Cortese eine mustergültige Leistung an den Tag – mit dem Mann muss auf dem Siegerpodest gerechnet werden. Sein Landsmann Phillip Öttl hat seinen Rückstand auf die Spitze bei weiniger als einer Sekunde pro Runde gefestigt und sollte damit regelmäßig Chancen auf WM-Punkte haben, wenn nicht gar auf Platzierungen unter den besten Zehn.

Foto: IntactGP

Zum Ende der Trainingseinheit am Mittag war Sandro Corteses Teamchef Jürgen Lingg echt verblüfft: „Die Überraschung muss ich erst einmal verdauen“, schluckte er, „das hat Sandro super gemacht, damit hätte ich nicht gerechnet.“ Das Team hatte beschlossen, um die Mittagszeit noch eine Rennsimulation über 24 Runden zu fahren, dann in aller Ruhe zusammenzupacken und auf die Trainingseinheit am Nachmittag zu verzichten. Was Sandro Cortese bei diesem sogenannten Long-run vorführte, bestätigte die Richtigkeit dieser Entscheidung. Nach den ersten beiden Runden war der Schwabe im Bereich von 1.43 Minuten pro Runde angekommen, spulte 19 Umläufe auf diesem Niveau ab und setzte den drei Testtagen in der 20 Runde mit seiner persönlichen Bestzeit von 1.42,634 Minuten die Krone auf. In der Gesamtbetrachtung aller neun Trainingssessions – von denen Cortese wie gesagt die letzte ausließ – war nur der Japaner Takaaki Nakagami schneller als der Deutsche – um 0,187 Sekunden. „Mit der Zeit aus der Rennsimulation wäre Sandro im letztjährigen Rennen aufs Podest gekommen, das muss ich mal prüfen“, kommentierte Jürgen Lingg die Leistung seines Schützlings, wiegelte aber in seiner typischen Art gleich wieder ab: „Die anderen sind auch schneller geworden. Trotzdem muss ich sagen: Ich wusste, dass wir einen deutlichen Schritt nach vorn gemacht haben. Aber dass er so groß sein würde…“

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Foto: Interwetten Racing

Phillip Öttl und Jonas Folger sind Kandidaten für Top-ten-Platzierungen

Ähnlich zufrieden äußerte sich Peter Öttl über seinen Sohn Phillip, nachdem auch dort nach der achten der insgesamt neun Trainingssitzungen Feierabend angesagt war. „Kann sein, dass wir in der Gesamtabrechnung Platz 15 nicht ganz erreichen werden, obwohl wir uns das vorgenommen hatten“, so Peter Öttl, der Sohn Phillip auch als Data-Recording-Techniker betreut, „aber das ist nicht weiter wichtig. Wir haben heute ohnehin nicht mehr so sehr auf die Rundenzeiten geschaut, sondern verschiedene Einstellungen nochmals gegengecheckt, um ganz sicher zu gehen, dass wir mit dem Motorrad-Setup in die richtige Richtung marschieren.“ Das Öttl-Lager fühlt sich gut gerüstet für die anstehenden Aufgaben bei den WM-Rennen. Immerhin war Phillip Öttl bei diesem Test zweitschnellster Pilot einer Kalex-KTM. In der Gesamtwertung der drei Testtage reichte es schließlich wie geplant auf Rang 15. Da sind Top-ten-Platzierungen nicht aus der Welt.

 

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Foto: Jonas Folger

Plötzlich war Honda stark - auch mit den Fahrern des Racing Team Germany

Die sind nach dem letzten Trainingstag durchaus auch Moto2-Newcomer Jonas Folger zuzutrauen. In der Session am Morgen noch 13., verbesserte er sich um die Mittagszeit auf Rang acht und am frühen Abend noch auf Platz vier – aber da waren ja nicht mehr alle Konkurrenten am Start. Dennoch: Sein Rückstand von 0,701 Sekunden auf die Spitze ist für einen Neuling aller Ehren wert, auch, wenn das in der Gesamtwertung nur für Platz zwölf reichte. Es sieht danach aus, als habe der Bayer mit dem Umstieg von der Moto3- in die Moto2-Klasse, der seinen Kollegen Cortese vor Jahresfrist fast um den Verstand brachte, keinerlei Probleme. Doch Folger stapelt tief: „Wir haben ja jetzt auch schon dreimal mehrere Tage trainiert, dabei habe ich viel gelernt. Und Sandro, das hat er selbst gesagt, braucht immer etwas länger, um sich auf etwas Neues einzustellen. Aber jetzt fährt er ganz vorne mit und ist da, wo er hinwollte. Ich habe dagegen noch keine Zeit für einen Long-run gehabt, weil wir noch so viele Sachen ausprobieren“, sagte Folger nach der Mittags-Session, „aber vielleicht komme ich später noch dazu.“ Ganz hat das nicht geklappt, aber immerhin konnte auch Folger einige 1.43er-Runden hintereinander weg drehen.

Mit 0,943 Sekunden Rückstand auf Nakagami und Platz 16 in der Gesamtbetrachtung der Jerez-Tage dürfte auch Folgers Kumpel Marcel Schrötter einigermaßen zufrieden sein – damit sind er und seine Tech3 Mistral 610 durchaus in Reichweite der Punkteränge. Düster sieht die Welt dagegen nach wie vor für Luca Grünwald aus, den Neueinsteiger im Kiefer-Moto3-Team. Nachdem sein Rückstand am Morgen noch 2,4 Sekunden betragen hatte, was an sich schon dringenden Gesprächsbedarf im Team auslösen dürfte, stieg er zum Mittag auf 2,8 Sekunden an. Deshalb nahm Grünwald auch das Nachmittagstraining in Angriff. „Luca braucht hier in Jerez jede Runde, die er fahren kann“, begründete Technikchef Jochen Kiefer die Spätschicht. Ist ja auch logisch: Anfang Mai muss Grünwald erneut in Jerez ausrücken, dann steht der Grand Prix an. Doch es hatte keinen Sinn mehr. Nach wenigen Runden lag Grünwalds Rückstand bei 3,2 Sekunden, das Team entschloss sich zum Abbruch. „Die Bedingungen wurden schlechter, es war abzusehen, dass es keine nennenswerte Verbesserung geben würde“, begründete Teamchef Stefan Kiefer den Schritt. „Es hat nichts mehr gebracht, und unter diesen Umständen wollten wir keinesfalls einen Sturz riskieren.“

Bleibt der Hinweis auf den Paukenschlag, mit dem das Racing Team Germany am Mittag auf sich aufmerksam machte. Zum Ende der Session waren seine beiden Piloten Efren Vazquez und John McPhee Zweit- und Drittschnellster, nur geschlagen vom Honda-Markenkollegen Alex Márquez. Aber der fährt im Estrella Galicia 0,0-Team von Emilio Alzamora und verfügte deshalb bereits in Jerez über die neueste Ausbaustufe des neuen Honda-Moto3-Motors. „Aber die werden wir nächste Woche beim Qatar-Grand-Prix auch bekommen“, freut sich RTG-Chef Dirk Heidolf, „darum haben wir uns bemüht.“ Laut Reglement muss die Honda-Rennabteilung ohnehin alle sechs Fahrer der Marke mit identischem Material ausrüsten. Aber mit den Ergebnissen hat Heidolf natürlich ein zusätzliches Argument für seine Mannschaft in der Hand.

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