MotoGP: Valencia/Spanien Das Finale in Valencia

Drei Meister-Generationen sahen die Fans beim GP-Finale in Valencia: den neunfachen Weltmeister Valentino Rossi beim Abschied von Yamaha, seinen Team-Kollegen und Nachfolger Jorge Lorenzo sowie 125er Champ Marc Márquez, der das Visier schon auf die zwei Gigahelden einstellt.

Foto: 2snap

Valentino Rossi verpasste den ersehnten Sieg bei seinem letzten Rennen für Yamaha. Der neunfache Weltmeister fuhr zwar einige Runden vor dem bedächtig gestarteten Jorge Lorenzo, doch der spanische Erzrivale brillierte nicht nur wegen seines mit 1800 Swarovski-Kristallen verzierten Helms. Während Rossi wegen seiner Schulterverletzung langsamer wurde, holte der neue MotoGP-Weltmeister zur Krönung einer fantastischen Saison nochmals einen Sieg und fügte Rossi die dritte Niederlage am Stück zu.

Rossi blieb tapfer und ließ seine siebenjährige Ära bei Yamaha enden, wie sie begonnen hatte: Mit einer Liebeserklärung an seine M1. Nach vier Titeln und 46 Siegen für Yamaha lehnte er die Maschine in der Auslaufrunde gegen die Reifenstapel und gab ihr einen Kuss, wie er es bereits nach seinem ersten Sieg 2004 in Welkom/Südafrika getan hatte.

Mit Jorge Lorenzo ging der Höhenflug nach vier Rossi-Titeln für Yamaha auch 2010 nahtlos weiter, und auch Valentino Rossi hat bei seinem Wechsel keinen Grund zu Wehmut. "Ich habe noch drei bis vier gute MotoGP-Jahre vor mir. Und nachdem ich mit Yamaha alles erreicht habe, was ich erreichen konnte, brauchte ich eine neue Herausforderung. Zu einem neuen Hersteller zu gehen, ist das Benzin, das die Motivation wieder in mir auflodern lässt", erklärte er.

Trotzdem beschlich Ingenieure wie Manager bei Yamaha ein seltsames Gefühl, als das große Abschiednehmen anstand: Valentino Rossi, der seine gesamte Crew mit zu Ducati nimmt, reißt eine Lücke. Nach sieben Jahren geht eine großartige Ära zu Ende.

Eine ganz neue Ära nahm in Valencia ihren Anfang: Marc Márquez feierte als zweitjüngster Pilot der Grand Prix-Geschichte nach Loris Capirossi im Jahr 1990 den WM-Titel der 125 cm?-Klasse und wird bereits als Supertalent verehrt, das dereinst selbst Rossis Erfolge in den Schatten stellen könnte.

Im Fahrerlager hat Márquez die Ruhe weg, weshalb ihm sein finnischer Teamchef Aki Ajo eher nordische Kühle als südländisch-spanisches Temperament unterstellt. Doch auf der Piste gleicht Márquez einem hungrigen Tiger, der das 125er-Feld wie eine Herde von Lämmern in Angst und Schrecken versetzt. Das Rennen in Portugal eine Woche vor dem Saisonfinale, wo er nach einem Sturz in der Aufwärmrunde als Allerletzter startete, in der ersten Kurve schon Fünfter war und am Ende souverän gewann, war ultimativer Beweis seiner fahrerischen Überlegenheit.

Schon 2009 auf der unterlegenen KTM legte Márquez einen derartigen Siegeswillen an den Tag, dass er lieber stürzte als auf zweite Plätze zu fahren. Andere junge Piloten wären daran zerbrochen. "Mich hat die Erfahrung stärker gemacht", erklärt dagegen der 17-jährige Jung-Held.

Der Papa solle doch bitte an den Weihnachtsmann schreiben, weil er sich ein Motorrad wünschte, das mit richtigem Benzin fährt und mit dem man Sprünge machen kann, hatte Marc als dreijähriger Knirps seinem Vater gesagt. Der Weihnachtsmann zeigte sich gnädig und brachte eine PY 50, an die der Papa Stützräder montierte, damit der Dreikäsehoch nicht umkippte.

Es war der Beginn einer atemberaubenden Karriere, in der Márquez noch viele weitere WM-Titel sammeln wird. 2011 steigt er im eigenen Team seines Managers, Ex-Weltmeister Emilio Alzamora, in die Moto2-WM auf, wahrscheinlich mit einer deutschen Kalex.

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote