MotoGP USA MotoGP in Laguna Seca/USA

Während Daniel Pedrosa am Boden landete, hob Jorge Lorenzo mit außerirdischem Fahrkönnen zum sechsten Saisonsieg ab - und feierte anschließend seinen Riesenschritt in Richtung WM-Titel.

Foto: 2snap

Nach dem Grand Prix der USA ertönte, erstmals seit dem Saisonauftakt in Qatar, die italienische Nationalhymne. Allerdings nicht für einen Sieger Valentino Rossi oder einen seiner Landsleute - der Organisation war lediglich eine ähnlich amüsante Verwechslung passiert wie schon beim Superbike-WM-Rennen 2004 an gleicher Stelle, als der australische Sieger Chris Vermeulen mit dem Volkslied "Waltzing Mathilda" geehrt wurde.

Valentino Rossi erreichte das Maximum dessen, was sein verletztes Bein und seine beschädigte Schulter auf der außergewöhnlich anstrengenden Laguna Seca-Strecke zuließen. Unterstützt vom Pech Daniel Pedrosas wurde er Dritter. Der kleine Spanier schoss mit dem üblichen Blitzstart als Erster davon, doch von einer Überlegenheit wie bei seinem Sieg im Vorjahr konnte diesmal keine Rede sein. Mit seiner unruhig liegenden Repsol-Honda hatte er schon im Training drei Zehntelsekunden auf Jorge Lorenzos Bestzeit verloren, und nun wehrte er sich mit dem Mut der Verzweiflung gegen seinen Landsmann. Der hatte erst Casey Stoner und Ben Spies überholt und begann nun, in aller Ruhe an Pedrosas Vorsprung zu feilen. "Ich sah, dass Dani am Limit fuhr. Das Motorrad hat sich stark bewegt, und er fuhr schneller als im Training," so Lorenzo später.

In der zwölften von 32 Runden kam die Quittung: Pedrosa rutschte auf einer Bodenwelle übers Vorderrad ins Kiesbett und trennte sich damit von der letzten realistischen Chance, Lorenzo im WM-Kampf doch noch einzufangen. "Ich wollte dieses Rennen unbedingt gewinnen, dafür musst du Risiken eingehen", entschuldigte er sich.

Beobachter Wayne Rainey, der das Geschehen in der Box von Jorge Lorenzo mitverfolgte, sah das etwas anders. "Wenn du stürzst, hast du einen Fehler gemacht, Motorräder kippen nicht von selber um", brummte der dreifache Ex-Weltmeister. Jorge Lorenzo, der Pedrosa auf seinem Weg zum sechsten Saisonsieg auch ohne den Zwischenfall hätte packen können, verdiente sich dagegen Bestnoten vom gelähmten Altstar. "Während Dani deutlich sichtbar am Limit fuhr, ist Jorges Fahrkönnen etwas ganz Besonderes. Er fährt weich wie Seide. Es kann seine Fahrweise immer genau den Umständen anpassen, dem Verhalten des Motorrads und der Reifen. Deshalb wirkt er so unspektakulär, ohne die Patzer und Schrecksekunden der anderen."

Dass er im Vergleich zur Konkurrenz derzeit auftritt, als käme er von einem anderen Planeten, unterstrich Lorenzo mit dem Astronauten-Anzug, in dem er auf der Ehrenrunde im berühmten "Corkscrew" umherspazierte. Anders als Neill Armstrong bei der ersten Mondlandung war dieses Rennen freilich kein Riesensprung für die Menschheit, aber bei nunmehr 72 Punkten Vorsprung doch immerhin ein gewaltiger Satz in Richtung erster MotoGP-Titel.

Neben Pedrosa hatte in den Dünen oberhalb der Monterey Bay nur Casey Stoner den nötigen Speed, Lorenzo halbwegs das Wasser zu reichen. Der Australier drehte die schnellste Rennrunde, steckte nach ein paar üblen Vorderradrutschern jedoch zurück und gab sich mit dem sicheren zweiten Platz zufrieden. Die Fahrwerkstücken der Ducati auszuloten, wird in Zukunft ohnehin eher Valentino Rossis Aufgabe sein: Am 16. August soll der mit angeblich 14 Millionen Euro pro Saison dotierte Zwei-Jahres-Vertrag zwischen der italienischen Nobelmarke und dem Superstar öffentlich gemacht werden. Warum genau dieses Datum gewählt wurde, erklärt der Blick in den Grand Prix-Kalender: An jenem Montag nach dem GP Tschechien wird in Brünn getestet, und Yamaha wird die Version 2011 der M1 ausprobieren - ohne Rossi, der sich bis nach dem Saisonfinale in Valencia gedulden muss, um die Ducati Desmosedici einem ersten Probegalopp zu unterziehen.

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