MotoGP-Vorsaison-Tests in Sepang/MAL Stefan Bradl fehlt eine Sekunde

Erster Tag des ersten offiziellen Vorsaison-Tests für die MotoGP-Piloten: Lassen sich bereits Schlüsse ziehen? Ja – der jugendliche Weltmeister Marc Márquez lehrt die Konkurrenz weiterhin das Fürchten, der alternde Superstar Valentino Rossi präsentiert sich in bestechender Form. Stefan Bradl kann mit Platz sechs hinter Álvaro Bautista, der mit identischem Honda-Material wie Bradl ausgestattet ist und mehr als einer Sekunde Rückstand nicht zufrieden sein.

Foto: HRC

Bleibt Márquez Spitzenreiter, oder hat die Konkurrenz aufgeholt?

Fast das gesamte MotoGP-Feld war in Sepang zum ersten Testlauf des Jahres angerückt, lediglich das Team Ioda Racing Project mit den Fahrern Danilo Petrucci und Leon Camier hatte sich die Anreise aus Kostengründen verkniffen. Weil jedoch zusätzlich zu den Dauerstartern die Testpiloten Michele Pirro (Ducati), Kosuke Akiyoshi (Honda), Randy de Puniet (Suzuki) und Katsuyuki Nakasuga (Yamaha) vor Ort waren, sorgten insgesamt 26 Motorräder bei Nachmittagstemperaturen von bis zu 35 Grad Celsius für reichlich Betrieb auf dem Grand Prix-Kurs.

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Foto: LCR

Stefan Bradl probierte am ersten Tag viele neue Komponenten seiner Honda aus

In erster Linie wurde von Insidern und Fans die Antwort auf eine Frage erwartet: Bleibt Weltmeister Marc Márquez auf seiner Werks-Honda weiterhin unangefochtener Spitzenreiter, oder hat die Konkurrenz aufgeholt? Klares Fazit am End des Tages: Márquez hatte die Konkurrenz um mehr als eine halbe Sekunde abgehängt und mit einer schnellsten Runde in 2.00,286 Minuten nur knapp langsamer als bei seiner Trainingsbestzeit von 2.00,011 Minuten beim Sepang-GP 2013. Aufhorchen ließ dagegen Yamaha-Star Valentino Rossi, der als Zweitschnellster sowohl Honda-Werksfahrer Dani Pedrosa als auch seinen Teamkollegen Jorge Lorenzo auf die Plätze drei und vier verwies. Mit knapp einer Sekunde Rückstand landete Álvaro Bautista auf einer sogenannten Satelliten-Honda – ein Motorrad, das grundsätzlich den Spezifikationen der Werksmaschine entspricht, aber möglicherweise nicht über die aktuellste Ausbaustufe einzelner Komponenten verfügt. Weil Stefan Bradl, der einzige Deutsche im Feld, ein ebensolches Motorrad fährt, ist Bautista für ihn die natürliche Messlatte. Mit 1,034 Sekunden Rückstand auf Márquez an der Spitze musste er sich einmal mehr hinter dem Spanier einreihen und reagierte entsprechend ernüchtert: „Beeindruckend ist das nicht. Aber wir haben heute hauptsächlich am Basis-Setup gearbeitet und alle möglichen Bereiche wie die Traktionskontrolle ausprobiert. Ans Feintuning geht es erst jetzt.“

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Foto: YRT

Wie schlagen sich die neuen Motorräder der "Open"-Klasse?

Während Bradl sich erfreut darüber äußerte, endlich wieder auf seinem Rennmotorrad fahren zu können, war Yamahas Vizeweltmeister Jorge Lorenzo zurückhaltender. „Es ist immer schwierig, sich nach der Winterpause wieder an sein Motorrad zu gewöhnen. Zumal es auch viele Änderungen im Vergleich zum Vorjahr gibt. Die neue Regel, nach der Werksmaschinen nur noch 20 Liter Benzin verbrauchen dürfen, machte einige Modifikationen an der Elektronik nötig. Jetzt reagiert das Motorrad noch nicht so, wie ich es gerne hätte.“ Teamkollege Rossi war dagegen geradezu euphorisch: „Ich bin gut in Form, wollte eine Zeit von 2.00 Minuten fahren – das habe ich geschafft. Zudem haben wir schon einige Möglichkeiten gefunden, meine Probleme zu beseitigen.“

Fragezeichen warf auch die Neuregelung auf, mit der die bisher verwendeten sogenannten CRT-Bikes – Motorräder mit serienbasierten Motoren und Prototypen-Chassis – durch Maschinen der „Open“-Klasse ersetzt wurden. Dazu setzte der Spanier Aleix Espargaró, bereits in den vergangenen beiden Jahren schnellster CRT-Pilot auf der ART-Aprilia, ein Zeichen. Inzwischen beim NGM Forward-Team auf einem FTR-Chassis mit der Kunden-Ausführung des Yamaha-Werksmotors unterwegs, setzte sich Espargaró am ersten Trainingstag direkt hinter Stefan Bradl auf Platz sieben fest, er war nur 0,099 Sekunden langsamer als das Bayer, ist also drauf und dran in die Phalanx der Werksmaschinen und Satellitenmotorräder einzubrechen. Eher enttäuschen verliefen die ersten Proberunden indes für die Fahrer des neuen Honda-Production Racers, der extra für die „Open“-Klasse als kostengünstige Ableitung von der Werksmaschine gebaut worden war. Schnellster Mann auf der RCV 1000 R war Ex-MotoGP-Weltmeister Nicky Hayden – auf Platz 17, mit mehr als drei Sekunden Rückstand auf Marc Márquez.

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