MotoGP-Vorsaison-Tests in Sepang/MAL Bradl auf Augenhöhe mit der Weltspitze

Auch am zweiten Tag der Vorsaison-Tests zur MotoGP-Weltmeisterschaft untermauerte Weltmeister Marc Márquez seine Dominanz – dem Spanier gelang als einzigem Fahrer in Sepang/Malaysia eine Runde unter 2.00 Minuten. Erfreulich aus deutscher Sicht: Stefan Bradl hat schwer aufgeholt und beendete den Tag als Drittschnellster nur drei Tausendstelsekunden hinter Dani Pedrosa, seinem Markenkollegen aus dem Honda-Werksteam.

Foto: LCR

Stefan Bradl zwischen den Werks-Hondas und den Werks-Yamahas

Übermut tut selten gut – hat sich Stefan Bradl an dieses deutsche Sprichwort gehalten, als er am ersten Testtag lieber alle Systeme seiner neuen Rennmaschine in Ruhe ausprobierte, anstatt sich umgehend auf die Jagd nach einer Bestzeit zu begeben? Platz sechs mit mehr als einer Sekunde Rückstand auf Spitzenreiter Marc Márquez hatte zunächst für etwas Ernüchterung gesorgt. Doch am Ende des zweiten Durchgangs rangiert Bradl auf Rang drei – mit der Winzigkeit von 0,003 Sekunden Rückstand auf den Spanier Dani Pedrosa, der definitiv zum Kreis der WM-Titelanwärter gehört. „Wir haben an der Einstellung der Gabel gearbeitet und konnten mein Vertrauen ins Vorderrad beim Bremsen deutlich verbessern“, freute sich der Bayer, „deshalb konnte ich meine Bestzeit gegenüber gestern um mehr als eine Sekunde drücken. Morgen steht eine Fahrt über eine Renndistanz auf dem Programm.“ Mit den sogenannten Long-runs versuchen Fahrer und Techniker zu ergründen, wie sich das Verhalten ihres Motorrads bei leerer werdendem Tank und zunehmend abgefahrener Reifen verändert.

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Foto: NGM Forward Racing

Aleix Espargaró zeigt das Potenzial der "Open"-Kategorie auf

Noch wertvoller wird Bradls Ergebnis mit Blick auf die Rahmenbedingungen, die durch die neuen technischen Regeln der MotoGP-Klasse gesteckt werden. Als Werksmaschinen gemeldete Motorräder wie die Hondas von Pedrosa und Bradl dürfen pro Rennen nur noch 20 Liter Benzin verbrauchen – damit werden Fahrergewicht und Körpergröße, die ausschlaggebend dafür ist, wie gut sich ein Pilot hinter der Verkleidung zusammenfalten und damit die Aerodynamik verbessern kann, zu wichtigen Parametern. Auf dem Feld müsste Pedrosa mit 51 Kilo Gewicht und 1,60 Meter Größe gegen Bradl eigentlich einen Vorteil haben: Der bringt 61 Kilo auf die Waage und misst 1,70 Meter. Unter dem Aspekt sind 3/1000stel Sekunden Rückstand ein Nichts.

Große Aufmerksamkeit erregte auch Aleix Espargaró, der als schnellster Fahrer eines Motorrads nach dem neuen „Open“-Reglement Platz fünf belegte – weniger als eine Zehntelsekunde langsamer als Yamaha-Werksfahrer Valentino Rossi und noch schneller als dessen Teamkollege und Vizeweltmeister Jorge Lorenzo. Doch Espargaró wiegelte ab: „Wir haben noch viel Arbeit vor uns, ich muss meinen Fahrstil besser an das neue Motorrad anpassen.“ Espargaró muss unter den „Open“-Regeln zwar zur Motorsteuerung die vom Veranstalter bereitgestellte Einheitssoftware verwenden, während Rossi und Lorenzo als „Factory“-Piloten ein von Yamaha selbst entwickeltes Programm einsetzen dürfen. Dafür ist in der „Open“-Klasse das Benzin-Limit mit 24 Litern um vier Liter höher angesetzt als für „Factory“-Bikes. Das dürfte in der Yamaha-Technikabteilung für Diskussionen sorgen.

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Foto: Pramac Racing

Die Ducati-Werksfahrer bleiben noch hinter dem Kundenteam zurück

Leichtes Stirnrunzeln dürfte sich auch bei der Technik-Crew des Ducati-Werksteams eingestellt haben. Zwar konnten sich beide Werksfahrer am zweiten Testtag verbessern – Andrea Dovizioso von 2.02,497 auf 2.01,146 Minuten, Neuzugang Cal Crutchlow von 2.02,860 auf 2.01,396 Minuten –, doch sind die Plätze elf und zwölf im Klassement eher Mittelmaß. Zumal Andrea Iannone, der zwar ebenfalls eine Werks-Ducati der neuesten Entwicklungsstufe fährt, jedoch nicht in die Struktur des offiziellen Teams eingebettet ist, an beiden Tagen jeweils Achtbester war und mit einer Zeit von 2.00,855 Minuten weniger als eine Sekunde auf die Topzeit von Marc Márquez verliert. Trotz der Lage zeigt sich Andrea Dovizioso zuversichtlich: „Wir haben das neue Motorrad beim Reinfahren in die Kurven und die Geschwindigkeit während der Kurvenfahrt bereits verbessern können. Beim Beschleunigen können wir jetzt mehr Leistung einsetzen, weil das Vorderrad nicht so stark abhebt.“ Gedämpfter Optimismus ist auch beim letztjährigen Ducati-Werksfahrer Nicky Hayden zu hören, der am ersten Testtag mit dem neuen Honda Production Racer RCV 1000 R um indiskutable drei Sekunden hinter der Spitze zurückblieb, sich am zweiten Tag aber um eine Sekunde verbessern konnte: „Nach den Jahren auf der Ducati muss ich mich komplett umgewöhnen. Das war ein komplett anderes Motorrad. Die Verbesserung ist positiv, aber der Abstand nach vorne noch zu groß. Doch wir haben noch Einiges auszuprobieren, sowohl am Fahrwerk wie an der Steuerelektronik.“

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