MotoGP-Vorsaison-Tests in Sepang/MAL Rossi Zweitschnellster, Bradl vor Pedrosa

Dass MotoGP-Weltmeister Marc Márquez es am letzten der die Vorsaison-Trainingstage in Sepang/Malaysia etwas geruhsamer angehen und sich noch von der Spitze der Gesamt-Zeitenliste verdrängen lassen würde, hatte niemand ernsthaft erwartet. Dass Altmeister Valentino Rossi als Zweitschnellster bester Yamaha-Pilot sein würde und Stefan Bradl am Ende schneller war als Dani Pedrosa auch nicht.

Foto: HRC

Rossi, Bradl und Espargaró überraschten in Sepang

Márquez, das 20-jährige Motorradwunderkind aus Spanien, gab keine Ruhe. Wie die meisten seiner Konkurrenten ging er bereits in den kühleren Vormittagsstunden, die bessere Bedingungen für eine schnelle Runden boten als die Tropenhitze des Nachmittags, auf die Jagd nach einer Bestzeit. Im zehnten Umlauf hatte er es geschafft, verbesserte sich nochmals um drei Zehntelsekunden und knackte bei der Gelegenheit in 1.59,533 Minuten den absoluten Rundenrekord von Sepang. Als er nach der Mittagspause noch eine Rennsimulation über 20 Runden abspulte und dabei alle bis auf zwei Runden unterhalb der 2.01-Minuten-Marke absolvierte, waren seine Gegner endgültig bedient. „Alle Fahrer hier haben nur ein einziges Problem – und das heißt Márquez“, hatte Valentino Rossi schon am ersten Trainingstag leicht genervt angemerkt. Doch unter dem Strich war Yamaha-Werksfahrer Rossi, der in der vergangenen Saison stets im Schatten seines jüngeren Teamkollegen Jorge Lorenzo gestanden hatte, mit den Testfahrten sehr zufrieden. Denn dieses Mal hatte er Lorenzo geschlagen, war 0,139 Sekunden flotter als der Spanier unterwegs und Zweitschnellster. „Ich denke, es gibt Möglichkeiten, Valentino von den Sorgen zu erlösen, die ihn am Kurveneingang plagen“, hatte Rossis neuer Technikchef Silvano Galbusera am Vormittag angedeutet. Und damit wohl Recht gehabt: „1.59,727 Minuten – so schnell bin ich in Sepang noch nie gefahren“, sagte Rossi am Abend strahlend.

Auch Stefan Bradl durfte mit dem Gesamtergebnis seiner drei anstrengenden Arbeitstage zufrieden sein, obwohl er am Nachmittag noch einen kleinen Sturz produzierte. Zwar landete der Bayer „nur“ auf Platz fünf, hatte aber seine Bestzeit vom Vortag nochmals verbessert und war schnellster Honda-Pilot hinter Marc Márquez. „An der Bremsstabilität müssen wir noch arbeiten“, sagte Bradl, dessen geplanter Dauerlauf über eine Renndistanz durch einen Defekt an der Hinterradbremse unterbrochen wurde. Immerhin gelangen den ganzen Tag über 24 Runden im Bereich von 2.00 und 2.01 Minuten, da blitzt Konstanz durch. Lediglich der Sprung unter die 2.00-Miuten-Barriere wollte nicht gelingen.

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Foto: YMR

Das Reglement der "Open"-Klasse wirft Fragen auf

Den schafften lediglich vier Fahrer: Márquez, Rossi, Lorenzo und, zur allgemeinen Überraschung, mit Aleix Espargaró ein dritter Yamaha-Pilot. Dass der 24-jährige Espargaró zu den hoffnungsvollsten Talenten der Szene gehört, hat er schon mehrfach bewiesen. Doch dass er mit einer aus Yamaha-M1-Motor und FTR-Fahrwerksteilen zusammengesetzten Maschine nach dem „Open“-Reglement problemlos seinen Bruder Pol und Bradley Smith hinter sich lässt, die auf echten Werks-Yamaha sitzen, ist bemerkenswert. Shuhei Nakamoto und Livio Suppo, die Chefs der Honda-Rennabteilung und des Honda-Werksteams, die zum Thema „Open“-Klasse den Production Racer RCV 1000 R beigesteuert hatten, mit dem der Ex-MotoGP-Weltmeister Nicky Hayden sich auf Rang 13 quälte, reagierten bei einer Pressekonferenz dünnhäutig auf entsprechende Nachfragen. Das Yamaha-FTR-Motorrad entspreche nicht dem Geist der „Open“-Regelung, monierten sie. „Hätten sie ihm das Werksmotorrad gegeben, das Aleix längst verdient hat, müssten sie sich jetzt nicht ärgern“, wurde auf einschlägigen Internet-Plattformen umgehend gekontert.

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Foto: Ducati Corse

Aufwärtstrend beim Ducati-Werksteam

Zur Freude aller Ducati-Fans gelang der italienischen Truppe beim letzten Anlauf ein ordentlicher Schritt nach vorn. Nachdem die offiziellen Werksfahrer Andrea Dovizioso und Cal Crutchlow zwei Tage von Andrea Iannone aus dem Pramac-Kundenteam deklassiert worden und auf Plätzen außerhalb der Top-ten herumkutschiert waren, blieb Dovizioso zuletzt als Siebter lediglich noch 0,147 Sekunden hinter Honda-Werksfahrer Dani Pedrosa zurück. Jetzt haben die Teams drei Wochen Zeit, die gewonnenen Erkenntnisse auszuwerten und an Verbesserungen zu arbeiten. Bereits am 26. Februar treffen sich die MotoGP-Helden wieder – zu drei weiteren Testtagen in Sepang.

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