Motorrad-Straßen-WM 2014: Klasseneinteilung Drei Rennen, vier Kategorien

Grand-Prix-Vermarkter Dorna bastelt unermüdlich an neuen Regeln, um insbesondere die Rennen der MotoGP-Klasse spannend zu machen und die Kosten für den Motorradsport in Grenzen zu halten. Auch für die Saison 2014 wurden neue Bestimmungen verabschiedet.

Foto: Dorna

In den letzten Jahren haben die zuständigen Gremien sich zu einer ganzen Reihe neuer technischer Regeln zusammengerauft, die im Endeffekt für volle Starterfelder und spannende Rennen sorgen sollen – treibende Kraft hinter dem Prozess war die Dorna, deren wichtigstes Ziel ist, eine attraktive und damit gut verkäufliche Show auf die Beine zu stellen. Erster Schritt war 2010 die Einführung der Moto2-Klasse anstelle der 250er, mit 600-cm³-Honda-Einheitsmotoren und Prototypen-Fahrwerken. Anfangs umstritten, hat sich die Moto2-Kategorie zu einer Erfolgsformel entwickelt. 2012 folgte die Ablösung der 125er-Zweitakter durch die Moto3-Maschinen mit 250-cm³-Viertakt-Einzylindern. In diesem Fall gingen die WM-Organisatoren einen anderen Weg als bei der Einführung der Moto2-Klasse. Statt Einheitsmotoren vorzuschreiben, deckelten sie die Kosten für einen kompletten Motor bei 12000 Euro und verfügten gleichzeitig, dass Hersteller, die sich an dieser WM beteiligen wollen, eine Mindestanzahl von Fahrern versorgen und auch gleichzeitig mit den neuesten technischen Updates ausstatten müssen. Auch die Moto3-Klasse entwickelte sich wunschgemäß, wenn auch jetzt, nach zwei Jahren, nachjustiert wird.

Sorgenkind der Organisatoren blieb jedoch ausgerechnet die Königsklasse MotoGP, in der vor allem Honda als größter Motorradhersteller der Welt mit Millionenaufwand operierte und so dafür sorgte, dass ausschließlich Werksfahrer Siegchancen haben. Damit wurde Privatteams zunehmend die Luft zum Atmen abgeschnürt, die Spnsoren davon überzeugen mussten, in ein Motorsportangagement ohne Aussicht auf Topplatzierungen zu investieren – kein sehr viel versprechendes Geschäftsmodell. Das führte dazu, dass sich Hersteller wie Kawasaki und Suzuki wegen der hohen Kosten aus der WM zurückzogen, dass potenzielle neue Motorradfabrikanten keinerlei Interesse an einem Einstieg zeigten und dass 2011 so wenige MotoGP-Piloten am Start waren, dass lediglich bei drei der 17 gefahrenen Rennen alle WM-Punkte vergeben werden konnten. Für 2012 wurde deshalb die sogenannte Claiming Rule-Klasse (CRT) erfunden, eine Unterkategorie, die es kleineren Teams erlauben sollte, mit billigeren Motorrädern an den MotoGP-Wettbewerben teilzunehmen. Realisiert werden sollte die Kostenbremse dadurch, dass statt der sonst vorgeschriebenen 100-prozentigen MotoGP-Prototypen Motoren auf Großserienbasis mit Prototypen-Chassis erlaubt wurden. Tatsächlich füllten sich die Starterfelder wieder, Aprilia beteiligte sich unter dem Decknahmen ART mit kompletten Motorrädern, Triebwerke aus Superbikes von Kawasaki, BMW und Honda tauchten in Fahrwerken von Herstellern wie Suter und FTR auf, die sich in der Moto2-Klasse bereits einen Namen gemacht hatten. Doch die CRT-Kategorie blieb eine Meisterschaft zweiter Klasse, deren zweimaliger inoffizieller Weltmeister Aleix Espargaró nicht einmal auf das offizielle Foto der WM-Sieger durfte – wie im Bild oben zu sehen.

Für 2014 gibt es deshalb wieder eine Neuerung. CRT ist Vergangenheit, statt dessen wird zwischen MotoGP-Fahrern mit "Factory Option" – die haben waschechte Werksmaschinen zur Verfügung – und solchen in der "Open"-Klasse unterschieden. Zwar müssen jetzt alle mit der vom Organisator vorgeschriebenen Einheitslektronik zur Motorsteuerung klar kommen, doch während die "Open"-Teams auch noch die vorgegebene Software dazu unverändert benutzen müssen, dürfen die Werke für ihre "Factory"-Bikes ihre eigene schreiben. Ein Zugeständnis an Honda, denn das Werk hat seinen Rückzug angedroht, sollten Entwicklungsmöglichkeiten weiter eingeschränkt werden – nachzulesen im großen MOTORRAD-Interview mit Shuhei Nakamoto, dem Vizepräsident der Honda Racing Corporation (HRC) in Ausgabe 2/2014, die am 3. Januar erscheint.

Die wichtigsten Regeln und Limits für die einzelnen MotoGP-Klassen sind in der folgenden Tabelle zusammengefasst. Zusätzlich gelten etliche Ausnahmebestimmungen, die sich in dieser Form nicht verständlich darstellen lassen und deshalb hier beispielhaft aufgeführt sind:

 

  • Hersteller, die neu in die MotoGP-WM kommen, dürfen im ersten Jahr neun statt der sonst vorgeschriebenen maximal fünf Triebwerke pro Fahrer verbrauchen und diese auch weiter entwickeln.
  • Zylinderbohrungen müssen grundsätzlich rund sein, Aufladung jeder Art ist verboten.
  • Doppelkupplungssysteme und Automatikgetriebe sind verboten.
  • ABS-Bremssysteme oder Breamskraftverstärker sind verboten.
  • Hersteller, die neu in die Moto3-WM kommen, müssen im ersten Jahr nur acht statt der sonst vorgeschriebenen 15 Fahrer ausrüsten können. Diese acht Fahrer dürfen im ersten Jahr acht statt sonst sechs Motoren verbrauchen.
  • Ein Moto3-Motor darf höchstens 12000 Euro kosten. Die pro Saison vorgesehenen sechs Motoren für Fahrer eingeführter Fabrikate dürfen inklusive zwei Vergasern, sechs Getrieben und sechs Steuerketten-Wartungs-Kits maximal 68000 Euro kosten.
  • Fahrer, die neu in die Moto3-Klasse kommen, dürfen höchstens 25 Jahre alt sein.

 


Motorrad-Grand Prix 2014: Klassen und Regeln

 
Grand Prix-Kategorien
MotoGP
„Factory
Option“
MotoGP „Open“
Moto2
Moto3
Motor-Bauart
Viertakt-Vierzylinder,
max. Bohrung 81 mm
Viertakt-Vierzylinder,  Honda-Einheitsmotor
Viertakt-Einzylinder, max. Bohrung 81 mm
Hubraum max.
1000 cm³
600 cm³
250 cm³
Ventilfedern
konventionell, hydraulisch oder pneumatisch
konventionell,
hydraulisch oder pneumatisch
konventionell
konventionell
Leistung max. (geschätzt)
260 PS
240 PS
140 PS
55 PS
Drehzahllimit
16000/min
14000/min
Lautstärkelimit
130 dB/A
130 dB/A
115 dB/A
115 dB/A

Motor-
management

Einheits-Hardware, Software freigestellt
Einheits-Hard- und Software
Einheits-Hard- und Software
Einheits-Hard- und Software
Anzahl Gänge
6
6
6
6

Getriebe-
Zahnrad-Paarungen
max.

24
24
durch Einheitsmotor vorgegeben
12
Primärtrieb-Zahnrad-
Paarungen
max.
4
4
durch Einheitsmotor vorgegeben
2
Felgengröße
vorn: 16,5“ x max. 4“, hinten 16,5“ x max 6,25“
vorn: 16,5“ x max. 4“, hinten 16,5“ x max 6,25“
vorn 3,75“ x 17“, hinten 6,00“ x 17“
vorn 2,50“ x 17“, hinten 3,50“ x 17“
Reifen
Bridgestone-Einheitsreifen
Bridgestone-Einheitsreifen
Dunlop-Einheitsreifen
Bremsen
Stahl- und Karbonscheiben erlaubt
Stahl- und Karbonscheiben erlaubt
ausschließlich Stahlscheiben
ausschließlich Stahlscheiben
Anzahl Motoren pro Fahrer pro Jahr
5, Weiterentwicklung bis Ende 2014 verboten
12
Zuteilung durch den WM-Organisator nach Bedarf
6
erlaubte Treibstoffmenge
20 Liter
24 Liter
Mindestgewicht
150 kg (bis 800 cm³ Hubraum); 160 kg (801-1000 cm³ Hubraum
150 kg (bis 800 cm³ Hubraum); 160 kg (801-1000 cm³ Hubraum
215 kg (Motorrad und Fahrer mit Rennausrüstung
148 kg (Motorrad und Fahrer mit Rennausrüstung
Alter der Fahrer
18 – 50 Jahre
18 – 50 Jahre
16 – 50 Jahre
16 – 28 Jahre

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