Nachruf Marco Simoncelli - Er war einer von uns

Der tödliche Rennunfall von Marco Simoncelli hat sein Heimatland tief erschüttert. Besonders die jungen Italiener reagierten mit fassungsloser Trauer.

Foto: ddp images/AP

Hunderttausende schrieben berührende Kommentare auf Facebook und YouTube, Zehntausende machten sich auf den Weg zur Trauerfeier in Coriano nahe Rimini, gleich drei Fernsehsender übertrugen die Zeremonie landesweit. Gerade die jungen Italiener reagierten geschockt. "Er war doch einer von uns, einer, mit dem du Pizza essen oder Motorradfahren gehst", lautete der Tenor vieler Mails zum Tod des 24-Jährigen auf der Rennstrecke in Malaysia.

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Und das war Simoncelli tatsächlich, nämlich eine Art volksnahe Version von Superstar Valentino Rossi, als dessen Nachfolger er galt. Er kam ebenfalls von der Adria-Küste und sprach mit der gleichen Färbung, auch er war witzig und schlagfertig. Doch anders als der acht Jahre ältere Rossi hatte sich Simoncelli nicht von seinen Fans entfernt, sondern suchte ihre Nähe, jederzeit bereit, Autogramme zu schreiben oder ein Stündchen zu verplaudern. Leibwächter oder ein streng abgeschirmtes Leben? Nicht für ihn.

Und anders als viele Grand Prix-Piloten betrachtete er das Motorradfahren nicht als Arbeit, sondern als Vergnügen. Wenn er nicht auf den Rennstrecken der Welt unterwegs war, zog es ihn auf seiner MV Agusta -Brutale in den Apennin. Auf der Piste gab Sic, so sein Spitzname, den Draufgänger, im Leben den verschmitzten Kumpel von nebenan. Doch nicht nur Simoncellis Tod, auch die Reaktion seiner Familie bewegte Italien.

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Vater Paolo, der den Tod seines Sohnes vor Ort erleben musste, wies Medien und Öffentlichkeit nicht ab: "Marco war Journalisten gegenüber immer aufgeschlossen und erzählte frei von der Leber weg. Ich versuche, das genauso zu halten." Mutter Rossella bat die Fans: "Kommt in Freizeitkleidung zur Trauerfeier, das wäre ihm lieber gewesen. Und weint bitte nicht nur. Marco war immer gut drauf, wir sollten lächeln, wenn wir an ihn denken." Die GP-Rennstrecke in Misano wurde inzwischen nach Simoncelli benannt, mehrere Städte wollen ihm eine Straße oder ein Gebäude widmen. Italien scheint entschlossen, den sympathischen Draufgänger nicht zu vergessen

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