Kurz nach dem Start musste Jorge Lorenzo seine Führungsposition an den Blitzstarter Dani Pedrosa abgeben. Er holte sich die Führung aber bereits wenige Runde später zurück.

Neues MotoGP-Reglement Paolo Flammini vs. Carmelo Ezpeleta

Für 2012 plant Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta ein neues MotoGP- Reglement mit 1000 cm³ und maximal vier Zylindern, das auch den Einsatz modifizierter Serienmotoren erlaubt. Infront-Direktor Paolo Flammini wittert Gefahr für die Superbike-WM - und wehrt sich vehement.

Kaum haben die neuen Moto2-Maschinen, die Nachfolger der 250-cm³-Klasse, ihre ersten Tests absolviert, sorgt schon die nächste Revolution im Grand Prix-Sport für Unruhe: Ab 2012 wird die 800-cm³-Formel der Königsklasse wieder durch den vollen Liter Hubraum ersetzt.

Dabei geht es nicht um noch mehr Leistung der Maschinen. 230 PS und Spitzengeschwindigkeiten haarscharf an der 350 km/h-Marke sind mehr als genug im Motorrad-Rennsport. Es geht vielmehr darum, die brauchbare Leistung in einen niedrigeren und breiteren Drehzahlbereich zu verlegen. Und es geht vor allem ums Geld: MotoGP-Prototypen sind sündhaft teuer, den Werken wachsen, gerade wegen der komplexen Elektronik zur Kultivierung der Fahrdynamik, die Entwicklungskosten, den kleineren Teams die Leasing-Gebühren, der Dorna die notwendigen Zuschüsse an die Privatteams über den Kopf. Und als Ergebnis stehen derzeit gerade noch kümmerliche 17 MotoGP-Mohikaner an der Startlinie.

Deshalb sollen künftig auch umgebaute Serienmotoren fahren dürfen, bei denen die Teams nach Moto2-Strickmuster eigene oder preiswert eingekaufte Fahrwerke einsetzen können.
Bei der konkurrierenden Superbike-WM schrillen natürlich die Alarmglocken. Zeigt schon die Moto2-Klasse unangenehme Parallelen zur Supersport-WM, der zweiten Liga im Superbike-Zirkus, beginnt nun auch das große Zittern um die Identität der Hauptklasse. So macht sich Aprilia bereits konkret Gedanken über ein MotoGP-Comeback 2012, was zum Stopp des Moto2-Projekts noch vor dem Start führte, aber auch Einschnitte ins Superbike-Programm bedeuten könnte. Paolo Flammini, Chef von SBK-Promoter Infront Motor Sports, wehrt sich folglich gegen die Dorna-Pläne. Dorna-Boss Carmelo Ezpeleta will derweil die Wogen glätten. MOTORRAD fasst die kontroversen Aussagen zusammen.

Paolo Flammini

"Seriennahe Rennmaschinen laufen exklusiv bei uns. Die Dorna darf nicht in unser Territorium eindringen, sonst werden wir reagieren. Die FIM hat die Unterschiede zwischen Prototypen-Meisterschaften und Meisterschaften der Serien-Derivate klar definiert. Danach müssen sich alle richten.

Wir haben nichts einzuwenden, wenn MotoGP seine Regeln ändert, aber wir können kein Reglement akzeptieren, welches dort Seriennähe zulässt. Wir haben 20 Jahre lang in die Superbike-WM investiert, jetzt haben wir die Pflicht, uns zu verteidigen. Jeder sollte seinem Kompetenzbereich treu bleiben. Wenn von Prototypen die Rede ist, will ich nicht mal wissen, welche Regeln gemacht werden, denn es betrifft mich nicht. Doch nachdem erklärt wurde, das künftige MotoGP-Reglement sehe den Einsatz von seriennahen Motorrädern vor, sage ich klar: Das geht nicht. Es gibt einen Vertrag mit der FIM, auf den wir uns berufen können. Die Dorna ist in unserem Sektor der größte Promoter der Welt und muss ihre eigenen Probleme mit eigenen Ideen bewältigen. Sie darf es nicht zu unserem Nachteil tun.
Der Dorna fehlt Weitblick und Fantasie. Seit zehn Jahren versuchen sie, ihre Meisterschaft zu verbessern, indem sie sich sich an unsere Entscheidungen anlehnen. 2002 sind sie auf Viertakter umgestiegen. 2009 kam der Einheitsreifen, jetzt die Moto2-Klasse, die ähnlich ist wie unsere Supersport-WM. Grand Prix gibt es seit 1949. Wir dagegen haben die Superbike-Serie von null aufgebaut, und nach 20 Jahren ist sie ein sportliches Phänomen, das weltweit mit Begeisterung aufgenommen wird. Dafür haben wir Millionen investiert und für die Rechte der FIM bezahlt."

Carmelo Ezpeleta

"Die MotoGP-WM 2012 wird mit 1000-cm³-Motoren und maximal vier Zylindern ausgetragen. Das ist bereits entschieden. Verhandelt wird noch über Details wie Elektronik, Gewicht, Benzinverbrauch. Das Reglement enthält auch den entscheidenden Schlüssel zur Kostenreduktion. Details darüber verraten wir allerdings noch nicht.
In der Superbike-WM sind die Motorräder aus der Serie abgeleitet, bei uns dreht es sich um Prototypen, die nur für den Rennsport, für Rennfahrer und Teams hergestellt und nicht der Öffentlichkeit angeboten werden. Nicht jedoch um Motorräder, bei denen alle Teile Prototypen sein müssen. Es steht an keiner Stelle meiner Verträge, dass keine Serienteile Verwendung finden dürfen. Bei der WM, wie wir sie ab 2012 vorschlagen, heißt es außerdem mit keinem Wort, dass die Motoren aus der Serie stammen müssen. Wir schreiben lediglich einige Charakteristika vor, die es ermöglichen, auf Serientechnik basierende Motoren einzusetzen - aber auch reinrassige Prototypen. Das Einzige, was wir nicht dürfen, ist ein komplettes Serienmotorrad etwas abzuändern, um Rennen zu fahren.
Unsere neuen Regeln sind keine Attacke auf die Superbike-WM. In der neuen Moto2-Klasse etwa haben wir 38 Nennungen. Kein einziges Team kommt jedoch von außerhalb unserer GP-Szene. Das gilt auch für MotoGP: Wir werden maximal 22 Motorräder am Start haben. Das erreichen wir, wenn alle Teams, die bisher nur einen Fahrer haben, künftig mit zwei antreten.

Ich bin kein Feind der Superbikes. Ich habe kein Interesse, die Superbike-Szene zu verärgern. Ich halte es für sehr gut, dass es eine WM mit aus der Serie abgeleiteten Motorrädern gibt. Je seriennäher sie sind, desto besser. Wenn sie weniger kosten, kostet auch der Rennbetrieb weniger, und mehr Leute wollen antreten. Aber auch die Dorna spürt den Kostendruck, und 2012 muss sich etwas ändern. Das Geld, das wir bis 2011 investieren, ist bereits budgetiert und abgesegnet. Doch ich kann den Teams und Werken nicht bis in alle Ewigkeit soviel Geld wie heutzu-tage geben. Diese Rechnung geht einfach nicht mehr auf."

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