Porträt: Max Neukirchner Der deutsche Rennfahrer im Porträt

Er war der erste Deutsche, der Le Mans gewann, der erste, der in der Superbike-WM ganz oben stand. Aber die Karriere des Max Neukirchner ist auch gezeichnet von derben Rückschlägen. Jetzt greift der Sachse im GP voll an.

Foto: 2snap

Hinter der Nummer 76 tut sich schnell eine Lücke auf. Diese Fahrer vorn kämpfen um die Podestplätze - so viel ist nach den ersten Runden schon klar. Die Crème de la Crème der Moto2 auf dem Sachsenring: Bradl, Marquez, Lüthi, de Angelis, Espargaro - und mit dabei: Max Neukirchner. Alle fahren hohe 25er-Runden, Neukirchner hat sich die Stelle bereits ausgesucht, an der er den direkt vor ihm fahrenden Espargaro überholen will, als dem Spanier nach dem Bergab-Stück vor der Karthalle das Hinterrad weggeht. Die 76 kann nicht mehr ausweichen. Aus!

Wieder einmal macht dem jungen Sachsen das Schicksal einen Strich durch die Rechnung. „Das war schon wieder so ein Pech, das kenn ich leider nun schon zur Genüge“, fasst Neukirchner den Moment zusammen und erinnert sich an so manche Schlappe in seiner bewegten Motorsport-Karriere.

Als große deutsche Hoffnung durchgestartet, zwischenzeitlich schon als Titelaspirant in der Superbike-WM gehandelt, stand der „Sachsenpfeil“ letztes Jahr wieder einmal vor dem Nichts.

Dann kam MZ in Person von Martin Wimmer auf Neukirchner zu. Die Idee: Ein deutsches Team mit deutschen Fahrern und deutschem Motorrad. „Ich hatte wirklich große Hoffnungen in das Projekt und es klang auch alles sehr schlüssig,“ erzählt Neukirchner. Aber bei den Tests wurde klar, dass das Paket mit dem Honda-Motor und dem Stahlrahmen nicht konkurrenzfähig sein würde. Neukirchners Anspruch ist es aber, wie damals in der Superbike-Elite, auch in der Moto2 in die Spitze vorzudringen. Mittlerweile ist er auf dem besten Weg, hat die Umstellung auf die neue Klasse geschafft, fährt regelmäßig in die Punkte, schaffte in Mugello einen 8. Platz und war beim Heim-GP auf Podestkurs. Vielleicht nimmt seine Karriere jetzt endlich volle Fahrt auf.

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Zeittafel

Die Jahre 1999-2003

Als 15-Jähriger zu Beginn seiner Straßenrennsport-Karriere in den ADAC-Junior-Cup ge-kommen, wechselt Max Neukirchner 1999 in die IDM. Im Team seines Vaters Lothar Neukirchner, der drei Mal DDR-Staatsmeister auf MZ 250 wurde, steigt er schon nach einem Jahr in die 250er-Klasse auf und schließt die Saison gleich unter den besten Zehn ab. Nach einem 5. Rang im Jahr darauf ist Neukirchner 2002 Vizemeister. Da fährt er parallel schon im zweiten Jahr die 250er-EM und wird Gesamt-Zehnter.

“Die EM 2003 war in meiner Zweitakt-Zeit eindeutig das Highlight“, erinnert sich Neukirchner. In dem Jahr wird er Dritter in der EM. „Die 250er waren eine super Schule und in der EM eine tolle Klasse. Aber ich habe auch schlimme Stürze damit gehabt.“ International ist man auf den jungen Sachsen aufmerksam geworden und 2004 ist die Zweitaktkarriere vorbei.


2004-2005: Klaffi Honda


Der Umstieg auf die Viertakter kommt mit der Supersport-WM bei Klaffi Honda um Gespann-Ass Klaus Klaffenböck. „Die 600er war ver-glichen mit der 250er einfach zu fahren“, erzählt Max. Als sich die Chance für einen Platz in der Superbike-WM bietet, schlägt die Truppe zu. Auf der Fireblade gelingt Neukirchner schon am Anfang der Saison in Phillip Island ein Podestplatz. Trotzdem ist ein Jahr später Schluss. Als MotoGP-Rentner kommt Alex Barros ins Team, Max bekommt den Laufpass. „Es geht immer ums Geld. Klaffi ließ einen Nachwuchsmann für das Geld eines alten Sacks fallen“, ist Neukirchner ernüchtert.

2006: Pedercini Duacti

„Die Zeit bei Pedercini war definitiv ein Tiefpunkt meiner Karriere“, resümiert Neukirchner. Das chaotisch organisierte Team um Lucio Pedercini stellt Neukirchner eine wenig konkurrenz-fähige Ducati 999 R. Nach dem Rauswurf bei Klaffi war Neukirchner zunächst froh, dass er ein Angebot bekam. Was dann aber folgt, sind reihenweise Stürze und Aus-fälle. Noch während der Saison wirft Max das Handtuch.


2006-2009: Suzuki Germany & Alstare

Durch Kontakte über Mario Rubatto zu Bert Poensgen, damals Suzuki-Chef, kommt Neukirchner noch in der Saison 2006 bei Suzuki unter. Langsam geht es wieder aufwärts und im Jahr darauf fährt er mit dem Vorjahres-Motorrad des Werksteams im eigens um ihn organisierten Team Suzuki Germany einige Top-Ten-Resultate ein. Im selben Jahr startet Neukirchner außerdem bei den 24 Stunden von Le Mans bei S.E.R.T., schafft die beste Rundenzeit und wird der erste Deutsche, der dieses prestigeträchtige Langstreckenrennen gewinnen kann.„Das war großartig, man braucht ganz schön Kondi-tion, muss ständig konzentriert fahren.“ Durch achtbare Resultate in der SBK-Saison bekommt er 2008 einen Vertrag von Alstare-Suzuki- Teamchef Francis Batta, muss sich allerdings mit dem Vorjahres-Motorrad, einer K7 von Max Biaggi, zufrieden geben. Trotzdem gelingt ihm im dritten Renn-meeting in Valencia die Pole. Das gesamte Rennen führt der Sachse, sein erster WM-Sieg ist zum Greifen nahe. Doch der herannahende Carlos Checa riskiert in der letzten Kurve zuviel und reißt Max zu Boden. „Ich war zu unerfahren und habe zu viele Fehler gemacht, sonst wäre er gar nicht so nahe rangekommen“, winkt Max heute ab. Dann aber ist es soweit: In Monza und darauf in Misano gewinnt Max je einen Lauf. Als WM-Kandidat gehandelt, kommt 2009 früh in der Saison dann der schwärzeste Tag. Bei dem brutalen Start-Crash in Monza verletzt sich Max schwer.

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2010: Ten Kate Honda

Nachdem Neukirchner lange verletzt war und im ersten Training nach dem Monza-Crash bei einem Sturz eine schwere Rückenverletzung erlitt, entzog ihm Francis Batta das Vertrauen und setzte Max vor die Tür. Es beginnt eine kleine Schlammschlacht, an deren Ende auch die Trennung von Poensgen steht. Nach Verhandlungen mit dem Weltmeister-Team von James Toseland unterschreibt Max bei Ten Kate. „Leider konzentrierte sich das Team ausschließlich auf Johnny Rae. Mir hörte dort niemand zu, es war ein Desaster“, erzählt Neukirchner. Als WM-18. beendet er das Jahr mit dem schlechtesten Ergebnis seiner WM-Karriere, was auch das Ende seiner Superbike-Zeit bedeutet.


Seit 2011: Mit MZ im GP

MZ-Geschäftsführer Martin Wimmer entwarf ein Szenario, das Neukirchner gefiel: deutsches Team mit deutschem Motorrad, parallel Entwicklung in der Spanischen Meisterschaft und Volldampf im Grand Prix. „Dann kamen aber immer mehr Leute dazu, es redeten plötzlich viel zu viele mit“, schildert Neukirchner die Entwicklung bei MZ. Bald wird klar, dass ein konkurrenzfähiges Motorrad aus Zschopau kaum zu realisieren sein würde. Mit eigenem Kapital kauft Neukirchner ein FTR-Chassis von 2010 und holt mit Marco Nikotari einen erfahrenen Techniker ins GP-Team. Trotzdem geht es verhalten in die erste GP-Saison. „Wir hatten kaum Testkilometer, keine Erfahrung mit dem Motorrad und kannten die wenigsten Strecken“,  so Neukirchner zu den mäßigen Ergebnissen bei den GPs. Jetzt klappt es schon deutlich besser, langsam ist das Team konkurrenzfähig und man darf gespannt sein, was in den verbleibenden sechs GP-Rennen für Max rausspringt.

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