Rossis Sturz: Reaktionen in Italien "Hoffentlich gewinnt keiner"

Die Stimme des Moderators war brüchig vor Schmerz, in Sondersendungen wurde die Sturzsequenz beständig wiederholt, Experten rätselten stundenlang über die Unfallursache: Valentino Rossis Highsider am Samstagvormittag beim Grand Prix in Mugello stürzte das motorsportbegeisterte Italien in eine wahre Krise. Ausgerechnet beim Heim-GP erwischte es den Liebling der Nation, der mit einen offenen Schienbeinbruch per Hubschrauber ins Krankenhaus im nahen Florenz geflogen wurde; dort stellte sich später heraus, dass auch das Wadenbein etwas abbekommen hatte.

Foto: Breutel
In den Medien rückte das eigentliche Rennen in den Hintergrund, Sonderkorrespondenten postierten sich vor der Klinik in Florenz, wo sich auch bald zahlreiche Fans einfanden. Selbst der Rennsonntag in Mugello schien gefährdet: Würden die Zuschauer überhaupt kommen, nun, da ihr Idol außer Gefecht gesetzt war? Das fragten sich bang nicht nur die italienischen Journalisten, sondern auch GP-Veranstalter Dorna, deren Chef Carmelo Ezpeleta flugs an Rossis Krankenbett eilte.
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Foto: 2snap
Aber die Fans kamen dennoch: Bewaffnet mit Transparenten, auf denen sie dem neunmaligen Weltmeister schnelle Genesung wünschten, verwandelten sie die toskanischen Hügel rund um die Rennstrecke  in eine Symphonie in Rossis Lieblingsfarbe Gelb. Die Dramatik aus der künstlich aufgeputschten Situation nahm dann schließlich der Leidtragende selbst: In einer Live-Schaltung kurz vor Rennbeginn wandte sich Valentino Rossi direkt an seine Fans in Mugello, plauderte locker über die bereits überstandene Operation und schloss mit einem Scherz: "Ich hoffe mal, dass keiner gewinnt", meinte er mit Blick auf den Punktestand der WM.

Diesen Wunsch konnte man ihm zwar nicht erfüllen, doch ansonsten mangelte es nicht an Sympathiebezeugungen: Von Max Biaggi bis Giacomo Agostini, von der italienischen Fußballnationalmannschaft über Ferrari-Boss Montezemolo bis zur frisch gebackenen Tennis-Siegerin Francesca Schiavoni – alle schickte ihre Genesungswünsche, und Teamkollege Jorge Lorenzo stiegt gar angetan mit Rossis Startnummer 46 aufs Siegertreppchen. Der gefallene Held selbst arbeitet derweil bereits an Plänen für seine Rückkehr. Zwar ist der zehnte Titel, den Rossi in diesem Jahr eigentlich holen wollte, durch den Sturz futsch, doch der 31-Jährige will so bald wie möglich zurück in den Grand Prix-Zirkus.  Während der behandelnde Arzt in Florenz noch von einer Genesungszeit von vier bis fünf Monaten sprach, relativierten die Mediziner der Clinca Mobile, die alle GP-Piloten betreuen, diese Aussage: "Das gilt für normale Patienten, nicht für Rennfahrer", meinte Rennarzt Claudio Costa. "Wenn Valentino sich ranhält und alles klappt, kann er Mitte August beim Grand Prix in Brünn schon wieder antreten."
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