Sport-Report: Moto2-WM Die Deutschen in der neuen Moto2-WM

Riesengroß ist die Aufbruchstimmung in der neuen Moto2-Weltmeisterschaft. Und dies gilt ganz besonders für die zwei Fahrer, zwei Hersteller und drei Teams aus Deutschland.

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Mittendrin im wilden anarchischen Treiben der 42 hypermotivierten Reiter auf ihren neuen Moto2-Maschinen findet sich eine unerwartet starke deutsche Fraktion: zwei hoffnungsvolle Fahrer, zwei neue Hersteller, dazu drei schon in der 250er-WM etablierte Teams.

Die Fahrer Stefan Bradl und Arne Tode sind dabei die Aushängeschilder, die allerdings nach den ersten beiden GP in Qatar und Jerez recht unterschiedlich dastehen. Der Bayer Bradl und sein Viessmann-Kiefer-Team aus Rheinland-Pfalz zeigten sich zu Saisonbeginn topfit. "Ich habe zwar kaum Erfahrung mit Viertakt-Maschinen, es aber dennoch recht zügig geschafft, meinen Fahrstil auf die Anforderungen der neuen Moto2-Maschinen einzustellen", erklärt Bradl seine bisher starken Leistungen in den Qualifikationstrainings. In den zwei Rennen hatte der 20-Jährige leider weniger Fortune: unverschuldeter Sturz in vorderster Position in Qatar und ein zu früh verendender Hinterreifen in Jerez. "Wir haben noch zu wenig Erfahrung mit der Langzeitperformance der Dunlop-Einheitsreifen und lagen daher bei der Abstimmung leider daneben", erklärte Teamchef Stefan Kiefer, bevor er grundsätzlicher wurde: "Vom ersten zum 21. in der Start-aufstellung von Jerez waren es gerade mal 1,003 Sekunden. Das zeigt, dass der Fahrer zum alles entscheidenden Faktor wird."

Dass die Motorräder der 14 Hersteller dabei in äußerst bunter Folge die Rangliste durchmischen, bestätigt die Worte Kiefers, der wie auch das Racing Team Germany um Arne Tode auf Suter MMX vertraut, wie sie auch WM-Spitzenreiter Shoya Tomizawa aus Japan einsetzt. "Im Gegensatz zur naheliegenden Überlegung habe ich als Umsteiger aus der Supersport-Klasse keinen Vorteil gegen die 250er- und 125er-Piloten", überrascht der zweifache deutsche Supersport-Meister. "Supersport-Maschinen verfügen zwar über dem Moto2-Triebwerk sehr ähnliche Motoren, aber beim Fahrwerk gibt es kaum Gemeinsamkeiten. Dem Supersport-Renner merkt man seine Abstammung vom Straßen-Motorrad an. Die Moto2 ist steifer, muss daher wesentlich präziser und trotzdem härter gefahren werden."

Der Fahrer aus dem dritten deutschen Team Interwetten-Moriwaki, Thomas Lüthi, kommt aus der 250er-WM und hat offenbar keine Probleme. Nach unglaublich harten Auseinandersetzungen (Originalton: "Das war zum Teil jenseits der Grenze, was da vor allem im Mittelfeld abgeht, also so gehts eigentlich nicht, oder?") und einer größeren Anzahl von Führungsrunden stellte der Schweizer seinen Moriwaki-Silberpfeil als Dritter im Sieger-Parc-Fermé ab.

Damit ist die im Winter, aufbauend auf das bisherige Emmi-Caffe-Latte-250er-Team um Lüthi, in recht kurzer Zeit installierte Crew nicht nur wegen der strahlenden Teamfarbe Silber die Speerspitze des deutschen Moto2-Angriffs. In Hessen geboren, aber mit US-amerikanischem Pass des Nationalismus unverdächtig, will Teamchef Terrell Thien "zeigen, dass wir mit seriöser Arbeit auch aus Deutschland ein Team an die WM-Spitze bringen können".

Die derzeitige Leistungsdichte hält der frühere Yamaha-Supersport-WM-Teamchef übrigens nicht für Moto2-systemimmanent. "Die werden sich durchsetzen, die vernünftig finanziert die beste Entwicklung treiben können, wie etwa unser Partner Moriwaki, und sicher auch Suter oder Kalex."

Der schwäbische Kleinsthersteller Kalex aus Bobingen - die Firma besteht tatsächlich nur aus zwei Ingenieuren, welche sich auf Ressourcen der vielfältig aktiven Motorsportschmiede Holzer stützen können hat in kürzester Zeit hohes Renommée im GP-Fahrerlager erreicht. "Wir haben gezeigt, dass wir mit fundierter und konzentrierter Ingenieursarbeit nach vorn kommen können", so Kalex-Mitbesitzer Alex Baumgärtel, der sich über Rang sechs in Jerez von Sergio Gadea aus dem Kalex-Partnerteam Pons verhalten freute und bereits zwei weitere Evolutionsstufen der Kalex Moto2-Maschine für den weiteren Saisonverlauf ankündigt. Der große Kalex-Coup allerdings scheint vorerst gescheitert. Einen Wildcard-Start von Max Neukirchner beim Grand Prix auf dem Sachsenring verhindert - zumindest vorläufig - die fehlende Freigabe durch dessen Ten-Kate-Honda-Superbike-WM-Team. "Der Wildcard-Start wird dennoch stattfinden", erklärt Baumgärtel. Und zwar wahrscheinlich mit dem australischen IDM-Supersport-Tabellenführer Damien Cudlin.

Ebenfalls den Heim-Grand-Prix als Saisonhöhepunkt im Visier hat MZ. Die von den beiden Ex-250er-GP-Siegern Martin Wimmer und Ralf Waldmann irgendwie am Leben erhaltene sächsische Traditionsmarke tritt mit lächerlichem Budget an - Chef Wimmer: "1991mit Lucky-Strike-Suzuki hatte ich dreimal so viel Geld wie heute für die MZ."

So gesehen, sieht die mittels Eigenbau-Gitterrohrrahmen und -Schwinge aus einer Supersport-Honda heraus gebaute MZ eher gut aus. Der australische Rennsport-Tausendsassa Anthony West stellte das deutlich übergewichtige Sachsenkrad in Jerez auf Startplatz elf und holte, heftig über Leis-tungsmangel klagend, als 15. noch den letzten WM-Punkt.

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