Interview: Stefan Bradl und Honda Fährt Bradl 2012 für Honda in der MotoGP?

Deutschlands große Motorradsport-Hoffnung Stefan Bradl, der aktuell die Tabelle in der Moto2-WM anführt, äußert sich in einem Interview mit Honda zu seiner Zukunft in der MotoGP.

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Foto: Milagro

Honda selbst hat ein Interview mit Stefan Bradl veröffentlicht, demzufolge der deutsche Moto2-Pilot im kommenden Jahr auf einer 1000er-MotoGP-Maschine des japanischen Herstellers Platz nehmen dürfte. Laut Bradl wartet man nur noch "auf die finale Bestätigung".

Ein Platz im Werksteam ist jedoch ausgeschlossen. MotoGP-Rookies dürfen laut Reglement in ihrem ersten Jahr in der Königsklasse keinem Werksteam angehören. So musste auch der damalige Superbike-Weltmeister Ben Spies zunächst in ein Yamaha-Satelliten-Team, bevor er ein Jahr später in die Werksmannschaft wechseln konnte.

INTERVIEW


Dein möglicher Aufstieg in die Königsklasse ist immer wieder ein Thema. Wie ist der Stand der Dinge für die Saison 2012?

Stefan Bradl: "Fix ist, dass es nächstes Jahr mit Honda in die MotoGP-Klasse geht. Wir warten aber noch auf die finale Bestätigung. Ein großer Teil der Finanzierung ist gesichert, aber es fehlen noch etwa 20 Prozent des Budgets. Wir sind jedoch optimistisch, dass es klappt. Das Team hofft, dass bis Ende August die notwendigen Zusagen vorliegen, denn bis dahin sollte dann auch das Motorrad für kommendes Jahr, eine neue 1000er V4, die RC213V, geordert werden."


Ende 2006, Anfang 2007 war eine schwierige Karrierephase, zwischenzeitlich war sogar von Rücktritt die Rede. Warum?

Stefan Bradl: "2006 war mein erstes GP-Jahr. Ich musste viel lernen, dann kam eine Beinverletzung dazu, weil ein anderer Fahrer mich bei einem Startversuch am Ende eines Trainings von hinten torpediert hatte. Es bestand zwar ein Vierjahresvertrag mit dem Team, aber der wurde am Jahresende aufgelöst, weil ich nicht unter den Top-15 rangierte.

Darauf haben sich einige Leute bei Honda dafür eingesetzt, dass ich 2007 im Nachwuchs-Team des Talentförderers Alberto Puig starten durfte. Dafür gab es im Frühjahr einen mehrwöchigen Lehrgang in Barcelona. Nur taugte der Trainingsplan mehr für die Armee, war extrem hart und streng. Ich hatte jedenfalls null Spaß, habe mich auch bei den ersten Testfahrten überhaupt nicht wohl gefühlt. Dazu gab es praktisch eine Kontaktsperre zu den Eltern.

Diese Umstände haben mir extrem missfallen. Ich dachte: Wenn das der Weg ist, Rennfahrer zu werden, vielen Dank, dann ohne mich. Also habe ich mich entschlossen, nach Hause zu fahren und aufzuhören. Natürlich hagelte es danach Kritik von außen, mein Vater stand zu mir, wie immer. Aber es gab auch Leute, einen verständnisvollen Teamchef in Spanien und einen großzügigen Sponsor aus Österreich, die meine Entscheidung als 17-jähriger couragiert fanden, sich bei uns meldeten und mir halfen, 2007 doch weiter Rennen zu fahren. Zum Glück."

Danach ging es 2008 beim deutschen Kiefer-Team weiter?

Stefan Bradl: "Ja, die Brüder Jochen und Stefan Kiefer waren zuvor in der 250er Klasse und sind mit mir dann in der 125er Klasse durchgestartet. Die Energy Drink-Marke Grizzly blieb als Sponsor dabei, also konnten wir 125er-Werksmaterial einsetzen, damit gelang der erste GP-Sieg. 2009 kam bereits Viessmann, eine erfolgreiche Firma für Heizungstechnik, an Bord, die dann später auch den Aufstieg in die Moto2-Klasse finanzierte und uns bis heute begleitet."


Was ist das Tolle am Profi-Rennfahrer-Dasein?

Stefan Bradl: "Ich suche den Erfolg, möchte mich permanent verbessern und noch schneller fahren. Es ist etwas Besonderes, wenn man seinen Sport zum Beruf machen und damit Geld verdienen kann. In Deutschland gab schon länger keinen GP-Spitzenfahrer mehr; dass die Aufmerksamkeit mehr und mehr wird, merke ich natürlich schon."


Welchen Anteil hat Dein Vater als ehemaliger GP-Fahrer an Deiner Karriere?

Stefan Bradl: "Ohne ihn wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin. Seine Erfahrung und sein Kontakte waren nicht nur wertvoll, sondern haben mich auch vor Fehlern und Fehlentscheidungen bewahrt. Welche Maschine, in welcher Klasse, die Gespräche mit wichtigen Personen und Sponsoren – alles muss richtig entschieden werden. Ich war 13 Jahre alt, als ich angefangen habe. Wie hätte das sonst klappen sollen? Er steht mir bis heute zur Seite. Nur Gas geben muss ich ganz alleine." 

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