Wieder neue Regeln für die MotoGP-Klasse Sonderstatus für Ducati – Einheitsregeln ab 2016

Nur wenige Stunden vor dem Beginn des ersten freien Trainings der Motorrad-Straßenweltmeisterschaftssaison am Donnerstag in Doha/Qatar hat die Grand Prix-Kommission (GPC) weitere ergänzende Regeln für die Königsklasse MotoGP beschlossen. Die Neuerungen kommen vor allem dem Ducati-Team zugute.

Foto: Ducati Corse

Gar nicht so einfach, beim komplizierten Regelwerk des MotoGP-Sports den Überblick zu behalten. Bislang galt, dass in der MotoGP-Klasse 2014 zwei Sorten von Motorrädern startberechtigt sind: sogenannte „Factory“-Bikes, die pro Rennen 20 Liter Sprit verbrauchen, übers Jahr nicht mehr als fünf Motoren verschleißen, dafür aber mit herstellerspezifischer Steuersoftware für den Motor betrieben werden dürfen. Jegliche Weiterentwicklung der Triebwerke ist verboten. Dies sollte für die Motorräder der mit üppigen Budgets ausgestatteten Werksteams gelten, für die beispielsweise Weltmeister Marc Márquez (Honda), Jorge Lorenzo (Yamaha), aber auch der Deutsche Stefan Bradl fahren. Für die finanziell weniger auf Rosen gebetteten Privatteams war die „Open“-Kategorie vorgesehen, denen pro Rennen 24 Liter Benzin zur Verfügung stehen, die pro Saison zwölf Motoren verbrauchen dürfen und zudem auf Wunsch noch einen weicheren Hinterradreifen erhalten. Die Motoren dürfen nach Herzenslust der Ingenieure weiterentwickelt werden. Dafür müssen die Privaten ihre Aggregate allerdings mit der weniger ausgefeilten Software steuern, die von Magenti-Marelli produziert und von GP-Promoter Dorna bereitgestellt wird. Zu mehr Chancengleichheit zwischen Werks- und Privatteams sollten die Maßnahmen führen.

Als sich jedoch das Ducati-Werksteam unter seinem neuen Chef Gigi dall’Igna dazu entschloss, statt der „Factory-„- die „Open“-Option zu ziehen, weil Dall’Igna es für unabdingbar hält, während der Saison mit verschiedenen Ausbaustufen seiner Triebwerke experimentieren zu können, fühlte sich insbesondere Honda düpiert und sprach davon, dass sich Ducati „nicht dem Geist des Reglements entsprechend“ verhalte. Besonders dreist fand Honda, dass es den Ducati-Italienern irgendwie gelungen war, ihren Landsleuten bei Magneti-Marelli die Ducati-Werkssoftware zur Motorsteuerung als uneigennützigen Beitrag zur Verbesserung der Einheitssoftware unterzujubeln. Prompt tauchten in der zuletzt an die „Open“-Teams verteilten Software-Version unzählige Einstellmöglichkeiten auf, mit denen die Privatteams überfordert waren, die Ducati-Leute sich jedoch bestens auskannten.

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Foto: Ducati Corse

2016 werden erstmals seit Jahren wieder einheitliche Regeln für alle gelten

Also musste ein Reglement her, dass Ducati die Freiheit der Weiterentwicklung sichert, dem offensichtlichen Werksteam jedoch den Weg in die „Open“-Klasse der Privatiers erspart. Herausgekommen ist Folgendes: „Factory“-Teams, die im Vorjahr keinen Sieg bei einem Rennen im Trockenen verbuchten, oder die neu in die WM einsteigen, dürfen zunächst ihre eigene Software verwenden, erhalten 24 Liter Treibstoff pro Rennen, dürfen ihre Motoren weiterentwickeln und zwölf davon pro Jahr verbrauchen und erhalten darüber hinaus auch die gleiche Reifenauswahl wie die „Open“-Teams. Sollten jedoch einer oder mehrere Fahrer dieses Teams einen Sieg, zwei zweite Plätze oder drei Podiumsplätze erreichen, wird die erlaubte Spritmenge auf 22 Liter pro Rennen begrenzt. Sobald so ein Team den dritten Sieg feiern kann, fällt auch das Recht auf den weicheren Hinterradreifen der „Open“-Klasse weg. Tritt eine dieser Einschränkungen in Kraft, gilt sie für alle Fahrer der betroffenen Marke, und zwar für den Rest der Saison 2014 sowie das ganze Jahr 2015.

Ab 2016 sind dann alle Teams verpflichtet, die Einheitssoftware von Magneti-Marelli einzusetzen – dann wird erstmals seit Jahren wieder ein einziges technisches Reglement für alle Motorräder der MotoGP-Klasse gelten. Dieser Schritt war ursprünglich erst für das Jahr 2017 geplant. Dass sich die in der GP-Kommission vertretenen Organisationen – die internationale Motorradsport-Föderation FIM, die Teamvereinigung IRTA, Promoter Dorna sowie der Herstellerverband MSMA einstimmig für den vorgezogenen Termin aussprachen, überrascht etwas. Denn es bedeutet, dass Honda in der vorangegangenen Abstimmung innerhalb der MSMA entweder auch dafür gestimmt hatte oder überstimmt worden ist. Bisher hatten Honda-Verantwortliche stets betont, dass sie lieber aus der Straßen-WM aussteigen als mit der Einheitssoftware arbeiten würden.

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